Harley-Davidson Munster Hafenweg: Erfahrungen und Veränderungen in der Motorradszene

Früher reichte ein knatternder 150-Kubik MZ-Zweitakter aus DDR-Produktion, heute steht eine 1200er Harley-Davidson Forty-Eight aus den USA auf dem abgesperrten Parkplatz hinter der Halle Münsterland bereit. Auch sonst hat sich vieles geändert - auch beim Fahrer. Das wird morgens am Treffpunkt deutlich: Die alte Lederjacke erscheint wie eingelaufen. Der Nierengurt lässt sich nur noch mit Gewalt um den Bauch spannen. Immerhin: Grau ist die vorherrschende Haarfarbe im Kurs - wenn noch Haare da sind.

Der Wiedereinstiegskurs: Eine Mischung aus Nervosität und Nostalgie

Neun Männer, eine Frau, die meisten zwischen Ende Vierzig und 60. Die einen in abgeschabtem Leder, die anderen in geliehenen Jacken. Nervöse Gesichter beäugen sich gegenseitig. Die MZ-Erfahrung wird in der Vorstellungsrunde gnädig quittiert: „Das ist ja wenigstens auch ein Motorrad mit Charakter . . .“ Die V-Motoren blubbern.

Instruktor Ede lässt die Alt-Neulinge den Parcours aus orangen Hütchen abfahren. Schön langsam um die Linkskurve. Bloß jetzt die Kiste nicht hinwerfen. Die ist zwar versichert, aber . . . Im Slalom zwischen den Hütchen her. Ja, so hat sich das früher angefühlt. „Ein bisschen mehr könnt ihr schon wagen“, grinst Ede. „Aber da vorne in der Kurve liegt Schotter“, wirft ein Teilnehmer ein.

Langsam kommt die Sicherheit zurück. Die Hand dreht etwas mehr am Gas. Nach drei Runden schaltet der linke Fuß erstmals in den zweiten Gang. So ein Hubraum-Bolide ist etwas für Schaltfaule. Es läuft. Erstmals bleibt Zeit für einen Blick auf die anderen. Christian ist noch vorsichtiger unterwegs. Sehr aufrecht schiebt er seine Fuhre langsam um die Kurven. Der 57-jährige Ex-Banker will im Vorruhestand den Büro- mit dem Feuerstuhl tauschen - aber Risiken braucht er erkennbar nicht. Und beweisen muss er sich auch nichts mehr. „Aus dem Alter bin ich raus“ - der Spruch fällt mehrfach an diesem Tag.

Shorty lässt es dagegen krachen - und in den Kurven kreischen: Fußraste auf Asphalt. Kein Wunder, sein Wiedereinstieg liegt zehn Jahre zurück - davor war lange Pause. „Es hatte so viele Kumpels erwischt . . .“ Bei den anderen gab es ähnliche Gründe für die Motorrad-Abstinenz: Kinder, Haus, Sorge um die Sicherheit.

Die Sehschule für Biker

Die V-Motoren sind abgeschaltet. Sie knistern vor Hitze, heizen den Schenkeln unangenehm ein, während Ede die Motorradwelt erklärt: Warum treffen Biker so oft den einzigen Baum weit und breit? Weil man anstarrt, wovor man Angst hat. Und weil der Fahrer das Motorrad unbewusst dorthin lenkt, wohin er schaut. Eine Runde „Sehschule“ ist daher angesagt. Es stimmt: Wer auf den Kegel guckt, nimmt ihn unter die Räder.

Nächste Übung: Wenden auf engstem Raum - ohne die Gewalt über die Fünf-Zentner-Fuhre zu verlieren. Bei der MZ gab’s damals damit keine Probleme, sie wog kaum mehr als ein Moped. Aber dieser schwere Metallbrocken? „Vorsichtig die Kupplung kommen lassen, Lenker einschlagen und leicht auf die Hinterradbremse tippen“, hat Ede erklärt.

Es klappt tatsächlich: immer enger werden die Kreise, enger und enger - und keiner stürzt. Auch Andrea dreht gleichmäßig ihre Kreise. Und sie träumt dabei wahrscheinlich den Biker-Traum von schnurgraden US-Highways. Für sie ist der Kurs Urlaubsvorbereitung: Im Sommer will sie mit Mann und Sohn auf Motorrädern durch Kalifornien reisen. Bei der Vorstellung am Morgen hat sie von ihrer Tour am Vortag erzählt: „Bei meinem Tempo haben mich auf der Landstraße sogar Uralt-Golfs überholt.“ Unsicherheit ist ihr jetzt kaum mehr anzusehen. Bremstraining, Lenktraining, die Maschine am Gas durch die Kurven ziehen... Plötzlich ist unter allen Helmen nur noch Grinsen. Das Kind im Manne feiert Bescherung. Andrea und Christian zirkeln nur so durch den Parcours.

Harley-Davidson Wiedereinstiegskurse in Münster

Harley-Davidson bietet insgesamt 20 vierstündige Kompaktkurse für Wiederaufsteiger in Münster an. In kleinen Gruppen und angeleitet von versierten Fahrsicherheits-Instruktoren können sich potenzielle Wiedereinsteiger auf abgesperrtem Gelände wieder ans Motorradfahren herantasten. Die Teilnehmer müssen volljährig sein und einen gültigen Führerschein für ungedrosselte Motorräder haben. Nagelneue Maschinen und Leihkleidung (solange der Vorrat reicht) werden gestellt.

Veränderungen am Hafenweg: E-Bikes statt Motorräder

Frei nach dem Motto „E-Bikes statt Motorräder“ hat der Münsteraner Fahrrad-Spezialist DRAHTESEL jüngst einen Pop-up- Store für E-Bikes eröffnet - und zwar in den Räumlichkeiten des ehemaligen Harley-Davidson Warehouse am Hafen. Wo früher im historischen Lagerhaus am Stadthafen schwere Motorräder verkauft wurden, sind jetzt E-Bikes des Herstellers Riese & Müller aus Mühltal ausgestellt. Noch bis zum 28. Juni berät das DRAHTESEL-Team zu Kauf-, Leasing- und Abomodellen des deutschen Premium-Herstellers. Angeboten werden Vorjahresmodelle, Leasing-Rückläufer sowie Messe- und Testräder aktueller Baureihen zu Preisen, die jeder Online-Recherche standhalten. Der Besuch des Pop-up-Stores soll sich schließen lohnen!

Lasst euch in aller Ruhe beraten und findet das für euch perfekte Modell - ganz egal ob zum Kauf, als Leasing oder im Abo-Modell. … und anschließend in die vielfältige Gastroszene am Hafen eintauchen. Das bietet sich angesichts der besonderen Lage inmitten des Top-Ausgehviertels wahrlich an! Auch die Öffnungszeiten sind entsprechend angepasst: Donnerstag bis Samstag von 13 bis 19 Uhr.

Wo? Hafenweg 24b, im ehemaligen Harley-Davidson Warehouse, Hafenviertel

Wann? 26.04. bis 28.06, Do. bis Sa.

Öffnungszeiten des E-Bike Pop-up-Stores
Tag Uhrzeit
Donnerstag 13:00 - 19:00
Freitag 13:00 - 19:00
Samstag 13:00 - 19:00

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