Harley Davidson richtig schalten: Eine detaillierte Anleitung

Viele Harley Davidson-Fahrer, insbesondere Neulinge, suchen nach einer Anleitung zum richtigen Schalten. Dieser Artikel soll Ihnen helfen, ein Gefühl für die Drehzahlen zu bekommen und die Bedienelemente optimal einzustellen.

Das Gefühl für die Drehzahlen entwickeln

Einige Fahrer schalten nach Gefühl, während andere sich an bestimmten Geschwindigkeiten orientieren. Es ist wichtig zu beachten, dass eine Harley Davidson tendenziell lieber etwas höher gedreht wird. Unter 1500 U/min mag sie es ab dem 3. Gang nicht mehr so gerne.

Wenn man es eilig hat, kann man bei ca. 6000 U/min schalten, ansonsten etwas früher. Einige Fahrer schalten in der Regel ab 35 km/h in den 2. Gang, ab 55 km/h in den 3., ab 70 km/h in den 4. und ab 80 km/h in den 5. Den 6. Gang nehmen sie ab knapp 100 km/h. Dies gilt jedoch nur, wenn man zahm durchfährt. Wenn es schneller oder mit mehr Druck losgehen soll, schaltet man z.T. erst erheblich später. Der 6. Gang ist als Schongang ausgelegt.

Die Kupplung

Die Kupplung wird mittels Handhebel am linken Lenkerende bedient. Wie bei Autos mit Schaltgetriebe reguliert die Kupplung auch bei Motorrädern den Kraftschluss zwischen Motor und Antriebsrad, also dem Hinterrad. Beim dosierten Einkuppeln kontrollierst du also, wie viel Kraft vom laufenden Motor an das Hinterrad weitergegeben wird. Deshalb ist ein absolut unaufwendiges und präzises Bedienen der Kupplung sehr wichtig, nicht nur beim Losfahren.

Ziehst du den Kupplungshebel mit der linken Hand zu dir, sollte komplett ausgekuppelt sein, also nichts vom Motor gelangt zum Hinterrad. Löst du dann den Kupplungshebel immer mehr, lässt ihn also mit den Fingern immer mehr nach vorne, wird eingekuppelt. Je mehr nach vorne, desto mehr Kraft vom Motor gelangt ans Hinterrad.

Den Kupplungshebel solltest du dir so einstellen (lassen), dass ein müheloses Dosieren der Kupplung mit zwei Fingern möglich ist. Bei sogenannten Seilzugkupplungen geht das relativ einfach über Einstellschrauben im Bereich des oberen Endes vom sogenannten Bowdenzugschutzschlauch. Bei hydraulischen Kupplungen ist das komplizierter und du solltest dir da von jemandem helfen lassen, der sich auskennt oder entsprechende Reparaturunterlagen befolgen.

Der Schalthebel

Wenn auf einem Motorrad ein Fußschalthebel montiert ist, dann funktioniert er in der Regel so: Aus der Leerlaufstellung legst du den ersten Gang ein, indem du den Hebel entschlossen mit dem Fuß nach unten bewegst (bei sperrig arbeitenden Getrieben könnte man auch sagen trittst). Ab nun gilt eine einfache Regel: Willst du einen Gang höher schalten, bewegst (reißt) du den Hebel (mit gezogener Kupplung selbstverständlich, wie beim Auto!) nach oben, wenn du einen Gang runter schalten willst, trittst du den Hebel nach unten. Du kannst in einer Bewegung immer nur die nächste Schaltstufe wechseln.

Du willst etwa nach dem Stehenbleiben wieder in den Leerlauf? Der Leerlauf liegt sozusagen zwischen erstem und zweitem Gang. Je nach Getriebe braucht das mehr oder weniger Gespür, wie du da mit der Fußspitze aus dem ersten Gang den Schalthebel behutsam nach oben ziehst. Auf deinem Display ganz in der Nähe des Tachometers muss das, meist mit einem grünen N, angezeigt werden, wenn der Leerlauf wirklich eingelegt ist. Das ist eine wichtige Information, denn erst jetzt kannst du im Stand die Kupplung auslassen.

Klack beim Gang einlegen

Viele Harley-Fahrer bemerken ein deutliches "Klack"-Geräusch beim Schalten, besonders beim Einlegen des ersten Ganges. Dies ist bei Harley Davidson normal und kein Grund zur Sorge. Einige Fahrer machen es sich sogar zur Aufgabe, geräuschfreie Schaltvorgänge zu erzeugen, aber das ist nicht notwendig.

Tipps für geräuschärmeres Schalten:

  • Kupplung ziehen, kurz warten und dann schalten.
  • Beim Runterschalten etwas Zwischengas geben.
  • Ein hochwertiges Getriebeöl verwenden (z.B. Castrol MTX 75W-140).
  • Leerlaufdrehzahl absenken.

Weitere Bedienelemente

Neben Kupplung und Schalthebel gibt es noch weitere wichtige Bedienelemente am Lenker:

  • Gasgriff: Regelt die Leistung des Motors.
  • Vorderradbremse: Wird mit dem Handbremshebel am rechten Lenkerholm bedient.
  • Hinterradbremse: Wird mit dem Fußbremshebel bedient.
  • Startknopf: Zum Starten des Motors.
  • Notaus-Schalter: Unterbricht die Zündung in Notfällen.
  • Blinker, Beleuchtung, Hupe: Befinden sich meist in Daumennähe am Lenker.

EITMS (Engine Idle Temperature Management System)

Touring-Modelle mit dem elektronischen Gasgriff haben eine Abschaltung des hinteren Zylinders im Stand, wenn der Motor eine hohe Temperatur erreicht. Der Motor läuft dann rauer und es riecht etwas nach Öl.

Wenn die Motortemperatur einen vorbestimmten Sollwert erreicht, schaltet EITMS das Einspritzventil des hinteren Zylinders ab. Der hintere Zylinder wird zu einer Art „Luftpumpe“, die den Motor kühlt. EITMS ist während der ersten vier Minuten nach Anlassen des Fahrzeugs nicht aktiviert. Wenn der Motor im EITMS-Betrieb ist, kann u. U. ein unterschiedlicher Leerlauftakt auftreten. Außerdem kann ein spezifischer Auspuffgeruch festgestellt werden.

Die EITMS-Motorkühlungsfunktion wird immer automatisch aktiviert, wenn das Fahrzeug vollständig zum Stillstand kommt und unter erhöhten Temperaturbedingungen im Leerlaufbetrieb ist. Die EITMS-Einstellung bleibt erhalten, bis sie vom Fahrer oder vom Händler geändert wird.

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