Als Harley-Fahrer genießt man nicht nur das Cruisen auf der Landstraße, sondern auch das Schrauben in der eigenen Garage. Eine der wichtigsten Wartungsarbeiten an jedem Bike ist der rechtzeitige Wechsel von Bremsbelägen und -scheiben. Bremsbeläge sind Verschleißteile - je nach Fahrweise und Gewicht der Maschine müssen sie regelmäßig erneuert werden.
Bremsbeläge: Arten, Vorteile und Nachteile
Alle 2000km sollte man die Bremsbeläge kontrollieren und gegebenenfalls durch neue Beläge ersetzen. Normalerweise sind die Beläge geschlitzt. Solange man noch einen Schlitz sieht, ist man über der 1.0mm Mindestdicke.
Es gibt verschiedene Arten von Bremsbelägen, jede mit ihren eigenen Vor- und Nachteilen:
- Sintermetallbeläge: Diese bremsen besser, vor allen Dingen wenn sie heiss werden. Zum Beispiel bei Passabfahrten dauert es wesentlich länger, bevor sie ihre Bremswirkung durch Fading verlieren. Sie sind für höchste Beanspruchung und hervorragend für schwere und schnelle Maschinen geeignet. Hergestellt aus einer Kupfer Legierung haben unsere Goldstuff - Sinterbremsbeläge eine stark verbesserte Lebensdauer und sorgen für die perfekte Bremspower bei allen Bedingungen, egal ob Hitze, Nässe, Trockenheit oder Kälte... Die Lucas Beläge haben eigentlich nur einen Nachteil, nämlich dass sie manchmal zum quietschen neigen. Aber es gibt mittlerweile eine gute Abhilfe, eine Antiquietsch Folie, die vor der Montage auf die Rückseite des Belages geklebt wird. Allerdings sind sie teurer und beanspruchen die Bremsscheibe stärker.
- Organische Beläge: Die organischen Beläge sind billiger und bremsen leise. Sie geben ein gutes Bremsgefühl. Allerdings verschleissen sie schneller und kommen schneller in den Bereich des Fadings.
Empfehlungen für Bremsbeläge
Ich nehme Lucas/TRW Sinter(metall)beläge, die sind preiwert und gut (Testsieger). Die hinteren (SH) sind etwas härter und vermeiden dadurch das vorzeitige blockieren der Hinterbremse. Dazu haben sie eine längere Haltbarkeit. Die vorderen Beläge (SV) sind weicher und bremsen besser.
Bremsflüssigkeit: Arten und Wechsel
Es lohnt sich, zusammen mit dem Belagwechsel auch gleich die Bremsflüssigkeit zu wechseln. Kostet nicht viel, und bringt Sicherheit. Die Bremsflüssigkeit altert. Sie nimmt mit der Zeit Wasser auf, welches dann an einer heissen Bremse verdampft, Gasblasen bildet und damit die Bremse ausser Kraft setzt.
Es gibt verschiedene Bremsflüssigkeiten. Diese sind nicht untereinander austauschbar.
- DOT4: Ab 2006 verwendet Harley generell DOT4. DOT4 Bremsflüssigkeit ist hydrophil, also wasseranziehend. Es ist ein Polyalkohol.
- DOT5.1: Später wurde das DOT5.1 entwickelt (Es darf nicht mit DOT5 verwechselt werden! Man achte auf das .1 am Ende). DOT 5.1 Bremsflüssigkeit ist auch hydrophil. Also wasseranziehend. Es ist auf Glykolbasis hergestellt und hat einen höheren Siedepunkt wie DOT4. Zudem greift es die Dichtungen nicht mehr an.
- DOT5 (DOT5.0): Vor 2004 wurde von Harley das DOT5 (genauer DOT5.0) verwendet. DOT5 darf nicht mit DOT4 oder DOT5.1 gemischt werden! Es ist eine Bremsflüssigkeit auf Silikonbasis, ist hydrophob (also wasserabstossend) und hat gleichfalls einen höheren Siedepunkt. Bei diesen Maschinen muss IMMER DOT5 verwendet werden.
Wenn man DOT4 oder DOT5.1 in eine solche Anlage kippt, wurde der Alkohol (bzw. das Glykol) die Gummis angreifen, da DOT5 ja ein Silikon-ÖL ist. Das Lüften einer DOT5 Anlage ist aufwendiger.
Anleitung zum Wechseln des Bremshebels
Bremsbeläge wechseln ist nicht schwer. Bei Harleys sind mehrer Typen von Bremssättel eingebaut. Zunächst mal die altbekannten schwarzen mit der Chromniere an der Seite. Die haben 2 Belaghaltestifte. Dann kamen die silbernen Brembo Bremssättel mit dem Chromgitter oben drauf. Bei den Dynas ab 2008 gibt es schwarze Bremssättel mit nur einem Haltestift.
Grundsätzlich ist die Methode des Bremsbelagwechselns bei allen Modellen gleich. Ich beschreibe im Folgenden die Version mit 2 Belagstiften. Bei den Belägen mit nur einem Belagstift wird die gegenüberliegende Nase sorgfältig in den Bremssattel eingeführt. Man muss darauf achten, dass während der Installation diese Nase nicht wieder rausrutscht.
Schritte zum Wechseln des Bremshebels:
- Beim Vorderrad muss man zuerst den Bremssattel abschrauben (10mm 12-kant Schlüssel). Achtung: Man muss darauf achten, dass man NICHT die Haltebolzen des Bremssattels löst, sonst fällt die Bremse auseinander.
- Bei den neueren Brembo Bremssätteln (die mit dem silbernen Gitter oben drauf) wird der Belagstift mit einem 5mm Inbusschlüssel gelockert. Dieser ist mit einem Drahtclip gesichert, den man nach oben rausziehen muss.
- Nun kann der Bremssattel von der Scheibe gezogen werden.
- Dann muss man darauf achten, dass man die alten Beläge mit einem Schraubenzieher oder einem schmalen Schlüssel ganz auseinander drückt, damit die Kolben wieder komplett zurückfahren. Und zwar gleichmässig auf allen Seiten. Sonst bekommt man die neuen Beläge nicht eingebaut. ACHTUNG: Man darf die Bremskolben niemals direkt mit einem harten Werkzeug (Zange, Schraubenzieher etc) zurückdrücken. Deshalb werden die Kolben auch über die eingebauten Beläge zurückgedrückt.
- Dann die Stifte, welche die Beläge halten, entgültig rausschrauben und die alte Bremsbeläge rausnehmen. Man sollte sich merken, wie die Bremsbeläge ursprünglich montiert waren. Es gibt Beläge mit einer Nocke (2) und mit zwei Nocken (1). Zudem ist eine Seite des Belages immer gerundet(3).
- Der komplette Bremssattel mit Bremsenreiniger satt eingesprüht und mit einer alten Zahnbürste gereinigt. Danach mit einem Tuch trockenwischen. Die Kupferpaste ist in den letzten Jahren eher unbeliebt geworden (elektrolytische Korrosion), und wird zunehmend durch Keramikpaste ersetzt.
- Auch die Feder oben im Sattel, welche die Bremsbeläge etwas auf Spannung hält, bekommt ganz wenig Paste ab. Harley liefert bei den Brembo Bremsbelägen ein spezielles "Rückseiten-Abschmierset" mit. Das Problem der quietschenden Bremsbeläge hat ein Ende gefunden. Von Lucas gibt es eine Antiquietsch-Folie, die auf die Rückseite der Bremsbeläge geklebt wird. Sie ist selbstklebend und man muss nach dem befestigen nur die Überstände mit einem Teppichmesser abschneiden. Ich habe diese Folie auf mehreren Bikes montiert und die Bremsbeläge haben nie wieder einen Laut von sich gegeben. Man bekommt sie zum Beispiel bei Louis. Vier Folien (ausreichend für 2 Beläge) kosten da 6,99 Euronen.
- Jetzt werden die neuen Bremsbeläge genauso eingesetzt wie die alten und die Bremsstifte reingeschraubt. Die neuen Bremsbeläge drückt man vorsichtig auseinander, und der fertig montierte Bremssattel wird wieder auf die Scheibe geschoben. Es ist wesentlich, dass die Bremssättel mit den korrekten Drehmomentwerten festgezogen werden.
- Zum Schluss wird die Bremse ein paarmal betätigt, damit sich wieder Druck aufbaut. Eine Probefahrt zeigt dann, ob die Bremsen wieder einwandfrei funktionieren. Der Bremspunkt muss knackig und ohne schwammiges Gefühl sein.
Wenn man die alten Bremsbeläge zurückdrückt kann es sein, dass ein wenig Bremsflüssigkeit aus dem Behälter austritt. Diese greift den Lack an. Das passiert besonders dann, wenn man zwischendurch mal den Bremsflüssigkeitsstand aufgefüllt hat. Das Abnutzen der Bremsbeläge führt automatisch zu einer Absenkung des Bremsflüssigkeitspegels. Wenn jetzt was dazu kommt, läuft der Behälter über, wenn man die Beläge auseinander drückt. Deshalb einen Lappen um den Behälter legen.
Manche raten auch dazu, vor dem zurückdrücken der Beläge den Deckel des Bremsflüssigkeitsbehälters aufzuschrauben. Die Kanten der neuen Bremsbeläge können mit einer Feile im 45° Winkel gebrochen werden.
Wenn man das Rad ausbauen muss, kann man gleich die Achse warten. Dazu wird die entfettete Achse mit 1000er Schmirgelpapier glattgerieben (geläppt), um eventuelle Grate und Unebenheiten zu beseitigen. Weiterhin ist es oft ratsam, die Achse "falschrum" wiedereinzubauen. Also mit der Mutter zu Seite des Auspuffs. Der Vorteil ist, dass man das nächste Mal nicht den ganzen Auspuff demontieren muss, um das Rad zu demontieren. Sicherungsring nicht vergessen!
Bei ABS Fahrzeugen muss unbedingt auf die richtige Lage des Sensors geachtet werden.
Wenn man einen guten Bremskolbenrücksteller hat, kann man auch ein übriges tun und die Seitenflächen der Druckkolben reinigen. Dazu bedient man (leicht) die Bremse, während die alten Bremsbeläge noch drin sind. Dadurch fahren die Kolben noch ein Stück raus. Dann erst entfernt man die alten Beläge. Der Bremssattel wird mit Bremsenreiniger eingesprüht und vor allen Dingen die Seitenflächen der Bremskolben gereinigt und mit einem sauberen Tuch abgewischt.
Zusätzliche Hinweise
- Ähnliche ThemenBremse nur auseinander drücken (z.B. mit Schraubenzieher), wenn die Bremsbeläge noch drin sind.
- Die Steckachse muss flutschen.
- Nie mit Gewalt (z.B. Drehmomente beachten. Lies Dich da in Ruhe ein - wie Jungbiker schon gesagt hat - und wenn Du was nicht verstanden hast, dan FRAG lieber.😎ist ja auch nicht so sicherheitsrelevant....vorderrad, bremse und so. da kann man sich ruhig mal unbeleckt rantasten. was kann schon passieren?
- Seh ich auch so. ist ja auch nicht so sicherheitsrelevant....vorderrad, bremse und so. ist ja auch nicht so sicherheitsrelevant....vorderrad, bremse und so. ach muss man die Schrauben wieder anziehen ? Dachte das geht auch so . schön dass du hier für Unterhaltung sorgst.😉
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