Harley Davidson und die Geschichte der Marlboro Man Jacke

Das Motorrad ist mehr als nur ein Fortbewegungsmittel; es ist eine dreifache Aufmerksamkeitsmaschine. Zum Ersten verlangt es selbst sehr viel Aufmerksamkeit, sei es durch Wartung, Reparatur oder einfach nur durch das Polieren. Zum Zweiten erregt jedes Motorrad Aufmerksamkeit bei den Mitmenschen. Es ist das Bild gebändigter Kraft, immer am Rand des Ausbruchs, immer am Rand der Wildheit, immer am Rand des Todes.

Und die dritte Aufmerksamkeit, die nur ein Motorrad erzeugen kann, beschreibt Robert M. Pirsig in seinem Kultbuch »Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten«: »Man ist mit allem ganz in Fühlung. Man ist mitten drin in der Szene, anstatt sie nur zu betrachten, und das Gefühl der Gegenwärtigkeit ist überwältigend.

Logisch, das alles ist extrem cineastisch: die fetischhafte Liebe zu dem Gefährt, das so viel mehr ist als nur ein Gefährt, die geballte Kraft, die latente Gewalt und Wildheit und dieses epische Gefühl einer Verbundenheit mit der Welt auf einer Reise, die eigentlich nie zu Ende ist.

Im Kino gibt es mehr böse und mehr tragische Motorradfahrer als gute und glückliche. Sobald mehrere Biker zusammen unterwegs sind, kommt das Männerbündische ins Spiel. Man wird zur Gang, zu einer wilden Horde, die unglücklicherweise auch schon wieder einen »Anführer« braucht, und damit beginnt die Geschichte einer inneren Faschisierung (und Kriminalisierung) der mehr oder weniger organisierten Motorradfahrer.

Und aus verschiedenen Filmen, in denen auf die eine oder andere Art Motorrad gefahren wird, entsteht ein Genre: das Bikermovie.

Der Einfluss von Filmen auf die Biker-Kultur

Der Film »The Wild One« (Der Wilde, László Benedek) ist nicht so wild, wie er tut, und Marlon Brando in der Titelrolle mit seinem Lederoutfit ist die wandelnde Ambiguität. Aber er überschreitet schon die eine oder andere Grenze von Moral und Geschmack seiner Zeit. Brando ist der Anführer des Black Rebel Motorcycle Club.

Die Geschichte der Rebellen, die eine Kleinstadt tyrannisieren, immer an der Grenze zwischen rüpelhaftem Spaß und echtem Terror, und vom Gegenschlag der guten Kleinstadtbewohner, was zum verzweifelten Vermittlungsversuch des Sheriffs (oder sonst eines Guten) führt, ist ebenso kanonisiert wie die von der jungen Frau, die dem Rebellen-Charme erliegt, aber der Wildheit doch Einhalt gebieten will.

Der Publikumserfolg von »The Wild One« löste eine Welle von Filmen aus, die, wie »Motorcycle Gang« (1957), eigentlich nichts anderes als Kopien oder Varianten sind. Es sind meistens richtig schlechte Filme, aber darauf allein kommt es nicht an.

Und so begleitet uns das Genre, das sich am Beginn noch als Sozialdrama oder »Problemfilm« zu tarnen wusste, in die sechziger Jahre, in denen die Exploitation-Klassiker von Russ Meyer (»Motorpsycho«), Roger Corman (»The Wild Angels«) oder Richard Rush (»Hells Angels on Wheels«) entstanden. Sie sind ehrlicher als ihre Vorgänger: Der Konflikt zwischen den Rebellen und den Bürgern ist nicht mehr so leicht beizulegen. Johnny hat in »The Wild One« den Kernsatz aller Biker schon ziemlich früh vom Stapel gelassen: »Ich mag keine Polizisten.«

Bikergangs mögen die bürgerliche Ordnung nicht. Aber zugleich haben sie sich selbst eine rigide Ordnung gegeben. So werden sie zu klassischen Vertretern des »Rechts-Anarchismus«.

Dass Bikergangs nicht nur eine Gruppe umherstreifender Satteltramps sein können, sondern sehr direkt auch Teile des organisierten Verbrechens, die um ihre Einnahmequellen aus Erpressung, Drogenhandel und Prostitution kämpfen, ist längst in die populäre Mythologie eingegangen, partly truth and partly fiction.

Der Bikerfilm als B-Movie und Exploitation arbeitet stets mit der Ambivalenz aus Faszination und Abscheu. Deshalb handelt er gern von abtrünnigen Gangmitgliedern, die sich dann doch für die gute Seite entscheiden, von Undercoveragenten, die eine Gang von innen auseinandernehmen, oder von Rachegeschichten, in denen es auch mal um Kämpfe zwischen den Nicht-ganz-so-Bösen gegen die Total-Bösen geht.

Aus dem Lederoutfit des Black Rebel Motorcycle Club sind in den siebziger Jahren die Jeansjacken mit den Gang-Logos als Aufnäher geworden, aber nicht nur das macht aus den »Rockerfilmen« dieser Zeit ein ziemlich blaues Genre.

Die Anzahl der Geschichten, die man um Bikergangs herum im Rahmen des Realistischen erzählen kann, ist naturgemäß begrenzt. Deshalb entwickelt das Genre in den achtziger Jahren eine Tendenz zum Obskuren und zu bizarren Cross-overs, von denen »Werewolves on Wheels« (1971) noch zu den eingängigeren gehört.

Der mythische Kern des Genres Biker Gang Movie - bad boys auf Feuerstühlen, von denen viele ehrbare Outlaws und loyale Freunde sind, die sich gegen die wirklich Bösen in den eigenen Reihen wehren müssen - hat einen Zeugen, einen Kerl, der genug Charisma und Chuzpe besaß, um vom Motorradgangster zum Autor, zum Medienstar und immer wieder zum Berater bei Filmprojekten und Publikationen zu werden.

Ralph "Sonny" Barger und die Hells Angels

Ralph »Sonny« Barger ließ sich seinerzeit von »The Wild One« zur Gründung eines eigenen Motorradclubs inspirieren, der sich im Jahr 1957 einen besonders beeindruckenden Namen gab: Hells Angels. Barger wurde ihr »nationaler Präsident« und brachte die bis dahin autarken Gruppen in einer Organisation zusammen, die sich zunehmend mit kriminellen Geschäften finanzierte und immer straffer geführt wurde.

Ironisch genug: Der Typ, der aus den amerikanischen Motorradgangs eine Form des organisierten Verbrechens und eine faschistoide Männergemeinschaft machte, war zugleich ihr größter Mythopoet und Romantisierer.

In einigen Filmen, beginnend 1967 mit »Hells Angels on Wheels« (ein kleines B-Film-Wunder von Richard Rush, dem so etwas öfter gelang), spielt er mehr oder weniger sich selbst.

Sonny Barger hat hier schon eine richtige Rolle; er ist drauf und dran, eine Kinolegende zu werden, bloß dass ihn das richtige Leben, komplett mit Gefängnis, Krankheit und Drogenrückfall, wieder einholt.

Für Barger sind die Hells Angels immer nur ein freundschaftlich verbundener Männerclub mit Leidenschaft fürs Motorradfahren und mit einem unbändigen Verlangen nach Freiheit; einige geraten leider auf die schiefe Bahn, woran meistens die Familie oder die Gesellschaft oder der Rest der Welt schuld ist.

Mit dieser Mythologie hat wohl erst der »Vizepräsident« George Wethern aufgeräumt, der die Gangs als schmutzige Mischung aus Terror, Drogenwahn und Korruption schildert und nach seinen Aussagen vor Gericht im Zeugenschutzprogramm vor der Rache seiner Freunde von einst und vor der Neugier der Traumfabrik geschützt lebt, wahrscheinlich.

Nach dem Kult-Erfolg von »Easy Rider« begann mit »Little Fauss and Big Halsy« von Sidney J. Furie 1970 eine kurzlebige neue Welle der Bikermovies: romantische und/oder komische Außenseiterdramen, deren Geist sich nicht zuletzt in der Musik ausdrückt.

Um Männlichkeit und Wettkampf geht es aber immer noch, wie auch am Ende dieser Serie, in »Harley Davidson & The Marlboro Man« (1991).

George A. Romero ließ zuerst eine Rockgruppe gegen Zombies antreten, was in der Tat einen Wettkampf der Gewalt und der Scheußlichkeiten ergab, von dem sich brave Kinozuschauer nur langsam erholten, und dann drehte er den Spieß um und ließ in »Knightriders« den Geist des Rittertums unter Motorrad-Künstlern wiederauferstehen.

Von der »Vietnamisierung« des amerikanischen Films blieben auch die Rockerfilme nicht verschont, direkt wie »Nam's Angels« bzw. »The Losers« (1970), wo eine Rockergruppe die übliche Gefangenenbefreiung und das nicht minder übliche Blutbad exerziert, oder indirekt wie Walter Hills »Streets of Fire« (1984).

Das Subgenre hatte sich über die Jahre vom Reflex auf eine soziale Realität über den schmutzigen Straßenfilm bis zum wüsten Cross-over entwickelt - mit der Realität der Hells Angels oder der Bandidos hatten die Filme kaum noch etwas zu tun.

Die Filme hatten auch diesen schmutzigen Blick auf Blut- und Ölspuren verloren, und die Lust an Wüstentrips, am verwaschenen Blau, am motorisierten Vagabundieren.

Geblieben war vor allem das Motorrad als Kampfmaschine wie bei »Batman« oder als Ersatz für Superkräfte wie in der ziemlich preiswerten »Captain America«-Fernsehserie, als Stunt- und Sportgerät oder als liebenswerte Reminiszenz wie in der deutschen »Polizeihauptmeister Krause«-Serie (Experten identifizieren eine Thruxton Clubman).

Das Motorrad ist zur Nostalgiemaschine geworden.

Das Rockermovie und der Motorradfilm haben sich auseinanderentwickelt. Die Rocker selbst kommen nun vor allem in True-Crime-Serien, in deutschen »Tatort«- und »Polizeiruf«-Krimis oder in Dokumentationen vor.

Man kann es sich immer wieder vorstellen: Das Motorrad ist ein Ausdruck einer großen Sehnsucht. Nach dem Anderssein. Nach dem Woanderssein.

Harley Davidson und der Marlboro Man

Nach vielen Jahren kehrt Harley Davidson (Mickey Rourke) nach Burbank, Kalifornien zurück, wo er sogleich auf seinen alten Freund Robert Lee (Don Johnson) trifft, besser bekannt unter seinem Spitznamen „Marlboro Man“.

Für Harley und Marlboro steht fest, dass sie dies keinesfalls zulassen wollen. Zusammen mit einigen anderen Stammgästen machen sich die beiden daher an die Planung eines Überfalls auf einen Geldtransporter.

Als die Bande anschließend die Beute sichten will, finden sie heraus, dass es sich nicht um Geld handelt, sondern um eine Lieferung der neuen Designerdroge „Crystal Dream“.

Im Gegensatz zu vielen dieser Werke fehlt es Harley Davidson and The Marlboro Man jedoch an einer Leichtigkeit, die dieses Subgenre auszeichnet, auch wenn die Chemie der beiden Hauptdarsteller durchaus Parallelen zu beispielsweise Lethal Weapon oder andere Reihen aufweist.

In Don Michael Pauls Drehbuch geht es jedoch auch um Archetypen, besonders jenen Typ Mann, wie man ihn in Western vorfindet und der in der Geschichte eher wie eine entfernte Erinnerung wirkt.

Der Westen, in diesem Falle die urbane Landschaft der Städte Kalifornien, ist eine schier endlose Reihe an Billboards, Neonreklamen und anderen Zeichen der Konsumkultur, welche die beiden Helden, wie man an ihren Spitznamen bereits erkennt, bedienen, doch zugleich auch von ihr ausgeschlossen sind.

Sowohl Rourke wie auch Johnson spielen geschlagene Helden, und sind sich dessen sehr wohl bewusst. Während der eine noch nicht einmal schießen kann, wirkt der andere wie jemand, der sich in seinem eigenen Männerbild verfangen hat und dessen Einsamkeit tiefe Spuren bei ihm hinterlassen hat.

Neben den Actionszenen nimmt sich Wincers Film sehr viel Zeit, nicht nur die Beziehung der beiden Protagonisten zu zeigen, sondern zugleich auch deren problematische Tendenzen, von Unsicherheit bis hin zu Selbsthass, was Konzepte sind, die man in den besagten Buddy-Action-Filmen bisweilen vergebens sucht oder denen man nicht diesen Raum gibt.

Harley-Davidson im Film: Ein Überblick

Von rebellischer Freiheit bis zum kultigen Roadtrip: Harley-Davidson hat sich in der Filmwelt als Symbol für Abenteuer etabliert. Seit den legendären Szenen in ‘Easy Rider’ prägen diese Motorräder das Kino. Sie verkörpern einen Lebensstil, der über Generationen hinweg fasziniert.

  1. “Easy Rider” ist ein Kultfilm aus dem Jahr 1969, der die Reise von Wyatt (Peter Fonda) und Billy (Dennis Hopper) auf ihren Harley-Davidson Choppern durch die USA erzählt. Der Film symbolisiert die Suche nach Freiheit und dem amerikanischen Traum gegen den Hintergrund der sozialen Unruhen der 1960er Jahre. Die Harley-Davidson Motorräder sind nicht nur Fortbewegungsmittel, sondern auch zentrale Symbole für Unabhängigkeit und den Gegenkulturgeist der Epoche.
  2. Der Terminator nutzt die Harley als sein Haupttransportmittel, was zu einigen der denkwürdigsten und actionreichsten Szenen des Films führt.
  3. In “Wild Hogs”, schlüpfen John Travolta, Tim Allen, Martin Lawrence und William H. Macy in die Rollen von vier Freunden mittleren Alters, die beschließen, dem Alltagstrott zu entfliehen, indem sie eine Motorradtour quer durch Amerika auf ihren Harley-Davidson Motorrädern unternehmen. Die Harleys in “Wild Hogs” sind mehr als nur Transportmittel; sie symbolisieren Freiheit, Abenteuerlust und den Wunsch, sich den Herausforderungen des Lebens zu stellen und dabei Spaß zu haben.
  4. In “Ghost Rider”, spielt eine speziell angefertigte Harley-Davidson eine zentrale und ikonische Rolle. Cage verkörpert Johnny Blaze, einen Motorrad-Stuntfahrer, der seine Seele dem Teufel verkauft und zum Ghost Rider wird, einem rächenden Geist, der auf seiner flammenden Harley-Davidson durch die Nacht reitet. Die Harley ist nicht nur ein Transportmittel, sondern ein integraler Bestandteil seiner Identität und seiner übernatürlichen Kräfte.
  5. “Renegade” ist eine italienische Action-Komödie aus dem Jahr 1987 mit Terence Hill in der Hauptrolle. In diesem Film spielt Hill Luke, einen lockeren Einzelgänger mit einer Vorliebe für Freiheit, der auf seiner Harley-Davidson die weiten Landschaften Amerikas durchquert. Sein treuer Begleiter ist sein Motorrad, das nicht nur als Fortbewegungsmittel dient, sondern auch als Symbol für Lukes unabhängigen Lebensstil und seine Abenteuerlust.
  6. “Harley Davidson and the Marlboro Man” ist ein Actionfilm aus dem Jahr 1991, der in der nahen Zukunft spielt und zwei Kultfiguren, Harley Davidson (gespielt von Mickey Rourke) und den Marlboro Man (gespielt von Don Johnson), in den Mittelpunkt stellt. In diesem Film sind die Harley-Davidson Motorräder mehr als nur Fahrzeuge; sie sind ein wesentlicher Bestandteil der Identität und des Lebensstils der Hauptcharaktere.
  7. “Electra Glide in Blue” ist ein Kultfilm aus dem Jahr 1973, der sich um die Figur des John Wintergreen (gespielt von Robert Blake) dreht, einem Motorradpolizisten in Arizona, der auf einer Harley-Davidson Electra Glide patrouilliert. Die Harley-Davidson Electra Glide ist nicht nur ein auffälliges Symbol für Autorität und die Freiheit der offenen Straße, sondern dient auch als physische und metaphorische Verbindung zwischen Wintergreen und der Welt, die er zu schützen versucht.
  8. “The Wild One” ist ein bahnbrechender Film aus dem Jahr 1953, der Marlon Brando in der Rolle des Johnny Strabler zeigt, des rebellischen Anführers der Motorradgang “Black Rebels Motorcycle Club”. Der Film folgt der Gang auf ihren Triumph- und Harley-Davidson-Motorrädern, als sie in eine kleine Stadt einfallen und für Chaos sorgen.
  9. “Road House” ist ein Actionfilm aus dem Jahr 1989, der Patrick Swayze in der Rolle des Dalton zeigt, eines Philosophie studierenden Türstehers mit einem geheimnisvollen Hintergrund in Kampfsportarten. Obwohl “Road House” nicht zentral auf Harley-Davidson Motorrädern fokussiert, sind sie ein sichtbares Symbol der rauen und ungebändigten Lebensweise einiger Charaktere.
  10. “Pulp Fiction”, Quentin Tarantinos kultiger Film von 1994, ist bekannt für seine ineinander verwobenen Geschichten, einzigartigen Charaktere und unverwechselbaren Dialoge. In einer der unvergesslichen Szenen des Films fährt Bruce Willis’ Charakter, Butch Coolidge, eine gestohlene Harley-Davidson, die er als Fluchtfahrzeug benutzt, nachdem er aus einem gefährlichen Showdown entkommen ist.

Im Jahr 2016 hat Discover easyTV / Discovery eine dreiteilige Serie zu den Anfängen von Harley-Davidson rausgebracht: Harley and the Davidsons.Solltest Du diese Serie noch nicht gesehen haben möchten wir die den dreiteiler hiermit wärmstens ans Herz legen!

Der Harley-Davidson Boom

Wenn der Hamburger Zahnarzt Rolf Severing genug hat vom Kreischen seiner Bohrer und von ängstlichen Patienten, vertauscht er den weißen Praxiskittel mit der schwarzen Lederjacke und schwingt sich auf sein Motorrad. Seine zehn Jahre alte Harley-Davidson muß Severing wie einen Mustang zähmen.

Das Fahrgefühl, das die zweirädrigen Kolosse der Marke Harley-Davidson vermitteln, wollen immer mehr Individualisten auskosten. Der in Milwaukee im US-Bundesstaat Wisconsin ansässige Hersteller erlebt einen weltweiten Boom. 65 000 Maschinen wurden im vergangenen Jahr verkauft - 1987 waren es nur 44 000. In den Vereinigten Staaten hat die Traditionsfirma bei den Superbikes (mit mehr als 850 Kubikzentimeter Hubraum) binnen weniger Jahre einen Marktanteil von 67 Prozent erreicht.

Der Grund für die ungewöhnliche Nachfrage ist eine Image-Korrektur: Verwegene Easy Rider und rüpelhafte Hell's Angels dominierten jahrelang in der Harley-Szene, nun geben verstärkt »Rubbys« ("Rich Urban Bikers") Gas.

Um die bis 366 Kilo schweren Ungetüme für solche Zivilisationsmenschen zu zähmen, wurde ein gummigelagerter und deswegen vibrationsärmerer »Evolution«-Motor entwickelt. Auch beim Antrieb trug man dem Komfortbewußtsein dieser Klientel Rechnung. Statt der herkömmlichen Kette verleiht ein Riemen aus wartungsfreiem Kevlar der neuen Zweiradgeneration Schwung.

Nichtsdestotrotz ist sich Chefdesigner William G. Davidson, 58, der Enkel des Firmengründers, bewußt, daß es immer noch die Aura von Freiheit & Abenteuer ist, die die Kundschaft in die Läden treibt. »Wir beugen uns nicht dem Diktat des Windkanals«, tönt er deshalb mannhaft, die am Fließband produzierten Maschinen blieben »ein einmaliges Produkt mit einer einmaligen Fangemeinde«.

Filme wie »The Wild One« mit Marlon Brando als ungehobeltem Draufgänger und »Easy Rider«, das Hohelied des Eskapismus, machten besonders die Modelle mit extrem langem Radstand zu Kultobjekten. Hieb- und trinkfeste Rocker prägten seit den sechziger Jahren, mit Lederwesten und paramilitärischen Stahlhelmen, das Bild vom typischen Harley-Fahrer.

Die Verkaufserfolge im Zuge der Easy-Rider-Euphorie verkehrten sich jedoch bald ins Gegenteil, weil Schlamperei ab Werk mitgeliefert wurde.

Erst als 13 Harley-Manager, darunter Davidson, die Firma 1981 für 81,5 Millionen Dollar kauften, kam die Wende.

Als erstes mußten die Händler ihre Läden, oft dunkle Höhlen, in die sich nur hartgesottene Interessenten trauten, heller und freundlicher gestalten. Eine Palette von Produkten mit dem Firmenlogo förderte die Image-Retusche.

1986 ging Harley-Davidson an die Börse, der Ausgabekurs der Aktien betrug 5,50 Dollar. Zeitweise hatte sich ihr Wert verzehnfacht, der Marktanteil der Motorräder in den USA stieg auf das Dreifache.

Filmstars wie Harrison Ford und Ex-Rambo Sylvester Stallone fahren Harley, der Verleger Malcolm Forbes besaß gleich 27 Maschinen.

Er verschweigt, daß ein gut Teil des Markterfolges nicht allein der Image-Kampagne, sondern schlicht dem Protektionismus der Regierung Reagan zu verdanken ist.

Von 1983 bis 1987 erhob sie hohe Schutzzölle auf die hubraumstarken Erzeugnisse der japanischen Konkurrenz. Harley-Davidson indessen konnte ungehindert beschleunigen und die mißliebigen »Reisbrenner« am Auspuff schnuppern lassen.

Kalifornien in einer gesetzlosen Zukunft: Ein skrupelloser Banker will den Besitzer der Biker-Kneipe "Rock'n Roll Bar & Grill" verjagen, weil er just an ihrer Stelle eine neue Filiale zu eröffnen gedenkt. Motorrad-Freak Harley Davidson und sein Kumpel, der Marlboro-Mann, lassen sich nicht zweimal bitten, ihrem Freund aus der Patsche zu helfen und ihre Lieblingsbar zu retten.

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