Die Bremse ist eines der wichtigsten Zubehörteile eines Fahrrads und muss vor allem zuverlässig funktionieren. Shimano hat sich unter anderem auf Fahrradbremsen spezialisiert. Shimano-Bremsen erfreuen sich aktuell großer Beliebtheit. Das liegt vor allem an der guten Ergonomie, der hohen Zuverlässigkeit und der Sorglosigkeit der japanischen Bremsen. Viele Käufer überzeugt zudem das gute Preis-Leistungs-Verhältnis.
Technische Details und Innovationen
Dank des schnelleren Ansprechverhaltens der Bremse und des kürzeren Leerwegs ermöglicht der SHIMANO DEORE BL-M6100 Bremshebel ein intuitives Bremsen und damit mehr Konzentration auf den Trail. Das Scheibenbremssystem mit Bremssatteldesign mit doppeltem Durchmesser und gegenläufigen Kolben hat vorn und hinten unterschiedlich große Kolben. Das System umfasst ein Kraftübertragungssystem, in dem die Bremsscheibe durch den kleineren Kolben am Eingang der Bremsscheibenaufnahme und auch von dem stärkeren, größeren Kolben an der Rückseite gedrückt wird.
Der Vierkolben-Bremssattel vergrößert die Kontaktfläche mit der Bremsscheibe, während seine Größe kompakt bleibt. Die Position der Beläge ist exakt darauf abgestimmt, den Druck zu stabilisieren. Zudem werden in Kombination mit dem SERVOWAVE Bremshebel unglaubliche 50 % mehr Bremskraft erzielt als mit dem Vorgängermodell.
ICE TECHNOLOGIES für konstante Bremsleistung
Fading der Bremse bei längerer ununterbrochener Betätigung zum Beispiel in der Abfahrt beeinträchtigt die Bremsleistung. SHIMANO hat Bremsscheiben und Bremsbeläge mit ICE TECHNOLOGIES eingeführt, um eine Kühltechnologie für gleichbleibend hohe Bremsleistung zu schaffen. Die Bremsscheibe hat eine dreischichtige Sandwich-Struktur aus Edelstahl außen um einen Kern aus Aluminium. Sie strahlt Wärme besser ab und reduziert zum Beispiel eine Oberflächentemperatur von 400 ˚C auf 300˚C. Außerdem gibt es am Bremsbelag eine Kühlfahne.
ICE-TECH Bremsscheiben und ICE-TECH Bremsbeläge senken die beim Bremsen entstehenden Temperaturen beträchtlich. Dies verringert wiederum Fading, was eine konstante hohe Leistung selbst bei langen Downhill-Strecken gewährleistet. Oversize-Kolben übertragen Hydraulikleistung direkt auf den Bremsbelag. Ein Keramikmaterial (XTR: Hochisolierter Kunststoff) wird verwendet, um Wärmeübertragung zu vermeiden und für konstante, sichere Bremsleistung zu sorgen.
Weitere Features und Anpassungsmöglichkeiten
„ONE WAY BLEEDING“ wurde entwickelt, um schnell und problemlos verhindern zu können, dass sich Luft im Hydrauliksystem befindet. Der Bremshebel ist mit einer Griffweitenverstellung ausgestattet. Damit passt sich der Griff der Größe der Hand des Fahrers bzw. seinem Fahrstil oder persönlichen Präferenzen an. Der SERVOWAVE Bremshebel nimmt am Anfang seiner Bewegung viel Bremsweg auf, sodass die Beläge mit geringem Hebelweg an die Bremsscheibe geführt werden können. Nach Anliegen des Bremsbelags nimmt der Kraftübersetzungsfaktor rasch zu.
Bei I-SPEC EV sind die Bremsklemmen weiter nach innen verlegt. Dadurch entsteht ein zusätzlicher Kontaktpunkt zwischen Lenker und Bremshebel, was die Steifigkeit des Hebels erhöht. Diese zusätzliche Stütze verbessert die Kontrolle über das Fahrrad und die Bremswirkung erheblich.
Shimano XT Bremse: Ein Klassiker im Test
Die Shimano XT Bremse ist ein echter Klassiker im umfangreichen Angebot des japanischen Herstellers. Die optische Gestaltung entspricht dem klassischen Shimano-Design, mit breiter, abgestützter Geber-Einheit. Die Bremse bietet eine durchdachte, einteilige Klemmung und freie Kombinationsmöglichkeiten mit I-SPEC. So kann ein Cockpit-Chaos verhindert werden, indem Dropper- und Schaltungshebel an der Bremsschelle befestigt werden.
Die Klemmung kann leicht gelöst werden und dank einteiliger Ausführung geht nichts verloren. Einfache Anpassungen sind dank werkzeugloser Hebelweitenverstellung und der „free Stroke“-Schraube möglich, wobei Letztere eher eine Placebo-Wirkung hat. Die Shimano XT-Bremse funktioniert wie die Marken-Geschwister mit Mineralöl und ist dadurch relativ unproblematisch bei Haut- oder Lackkontakt. Was das Entlüften angeht, sind die Shimano-Bremsen eine der einfachsten im gesamten Testfeld. Das von Shimano entwickelte „One-Way-Bleeding“ soll verhindern, dass sich Luftblasen im System festsetzen.
Performance auf dem Trail
Im Trail-Test zeigt die Shimano XT eine sehr gute Bremspower. Das Bremsgefühl kann man dabei als „digital“ beschreiben: Der Druckpunkt ist sehr knackig und sehr definiert in einem schmalen Bereich verglichen zu Hope, Trickstuff oder Hayes. Die Power setzt direkt zu Beginn des Druckpunkts ein und ist dann mit Fingerspitzengefühl gut dosierbar. Der Leerweg ist leichtgängig und ähnelt - wie das ganze Bremsgefühl - stark der Leichtbau-Bremse Shimano XTR.
Hier erreicht die XT eine gute Verzögerung im Mittelfeld, vor der Shimano SLX und hinter Hayes Dominion T4, dicht gefolgt von der Shimano XTR. Mit Sinter Green-Belägen kann die Bremspower der Shimano XT aber noch deutlich gesteigert werden. Durch die ICE-TECH-Bremsscheiben und -Beläge mit Kühllamellen entwickelt die Bremse viel weniger Hitze: In unseren Laborversuchen zeigt das Thermometer 25° C weniger als als bei der SLX im direkten Vergleich.
In Summe lässt die Shimano XT keine Wünsche offen, hebt sich aber auch in keine Richtung besonders ab. Die Shimano XT überzeugt mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis, starker Power und gutem Feeling. Auf dem Trail zeigt sie keinen spürbaren Unterschied zum teureren XTR-Topmodell, bietet jedoch Sparpotenzial von über 200 €.
Preis und Verfügbarkeit der Shimano Deore
Die M615 kostet vorne 84 und für das Hinterrad 88 Euro. Damit liegt die Scheibenbremse im unteren Preissegment. Die Scheiben gibt es in drei unterschiedlichen Größen zu kaufen: 160mm, 180mm, und 203mm. Dadurch lässt sich die Bremse in die meisten Bikes einbauen. Sie wird klassisch mit einem Centerlock montiert.
Bremsbeläge und Testergebnisse
Der Belag der Shimano Deore Scheibenbremse ist organisch. Organische Beläge haben den Vorteil, dass die Bremswirkung effektiver ist. Verglichen zu den gesinterten Bremsbelägen verschleißen sie jedoch schneller. Die Shimano Deore Scheibenbremse konnte mit dem Textergebnis „sehr gut“ abschneiden.
Testergebnisse im Detail
Getestet wurde die Bremse in fünf unterschiedlichen Kategorien: Gewicht (10%), Bremsleistung (30%), Standfestigkeit (20%), Dosierbarkeit (20%) und Ergonomie (20%). Die Prozentangaben geben an wie sehr das Testkriterium beim Ergebnis gewichtet wurde. Die Bremsen wurden sowohl im Labor, als auch in der Praxis genauer untersucht. Bei der Rubrik Gewicht konnte die Bremse nur zwei von fünf möglichen Punkten sammeln. Die Bremsleistung ist dagegen ausgesprochen hoch und wurde mit vier Punkten bewertet.
Auffällig ist, dass die Bremskraft bei Nässe stark abnimmt. Zudem konnten die Tester an der Hinterradbremse ein leichtes Fading spüren. Bei den Kriterien Standfestigkeit und Dosierbarkeit konnten die Bremsen ebenfalls mit vier von fünf Punkten überzeugen.
Verglichen zu elf anderen Scheibenbremsen konnte sie am meisten überzeugen. Wenn man bedenkt, dass die Shimano-Bremse unter den elf Konkurrenten die günstigste war, überrascht einem das Ergebnis umso mehr. Auch im Langzeittest überzeugt die Deore. Es zeigt sich, dass billig nicht immer nur schlechtere Qualität nach sich zieht.
Tabelle: Bremskräfte im Überblick (BIKE Testlabor)
| Bremse | Mittlere Bremskraft (Newton) |
|---|---|
| Avid DB3 | 299 |
| Hayes Radar | 327 |
| Shimano Deore (RT66-Scheibe) | 335 |
| Shimano Deore (RT64-Scheibe) | 347 |
Einsteigerbremsen im Vergleich
Wir haben drei Einsteigerbremsen von Avid, Hayes und Shimano auf dem Prüfstand und in der Praxis auf den Zahn gefühlt. Die drei hydraulischen Scheibenbremsen bekommt man zum Nachrüsten bereits deutlich unter 100 Euro pro Stück.
Avid DB3
Die DB3 aus Avids Einsteiger-Linie überzeugt mit guter Ergonomie und werkzeugloser Hebelweitenverstellung. In Sachen Bremskraft erzielt sie nur mittlere Werte. Bei großer Hitze verformen sich die Centerline-Scheiben, richten sich beim Abkühlen aber wieder aus.
Hayes Radar
Die Radar von Hayes verzögert dank Sinter-Belägen kraftvoll, neigt allerdings selbst im Trockenen zum Quietschen. "Crosshair"-Technologie nennt Hayes die zwei Inbus-Schrauben, mit denen sich der Sattel feinjustieren lässt. Nur der lange Hebel könnte etwas ergonomischer sein.
Shimano Deore M615
Die Shimano Deore profitiert von der Technik der teureren Modelle. Der kurze Hebel greift sich sehr angenehm, die Bremskraft lässt sich damit fein dosieren. Am Prüfstand packte die Deore am kräftigsten zu. Die RT66-Scheibe ist zudem sehr standhaft. Sie überlebte den Fading-Test.
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