Seit der Gründung von Harley-Davidson im Jahr 1903 blickt das Unternehmen auf eine lange und bewegte Geschichte zurück. Ein wesentlicher Bestandteil dieser Historie ist die Entwicklung der Motoren und der dazugehörigen Kraftstoffzufuhrsysteme. Über fast 100 Jahre hinweg, seit die erste Harley-Davidson das Licht der Welt in einem Schuppen in Milwaukee erblickte, wurde das zündfähige Gemisch aus Luft und Kraftstoff von einem Vergaser aufbereitet.
Die erste Harley-Davidson war nichts anderes als ein an einem Fahrrad-Rahmen montierter Einzylinder Motor mit 25 bis 37 cubic inch, der das Hinterrad über einen Riemen direkt antrieb. Die ersten Versionen verfügten weder über eine Kupplung noch über ein Getriebe.
Frühe V-Twin-Motoren
Um mehr Leistung als beim Einzylinder zu erzielen, konstruierte Harley-Davidson einen Zweizylinder mit 45° Zylinderwinkel. Die ersten V-Twins entstanden in einer Kleinserie von 27 Exemplaren. Für das Modelljahr 1911 wurde der V2 grundlegend überarbeitet und verbessert. Nun betätigte die Nockenwelle über eine Stößelstange auch das Einlassventil, das im Zylinderkopf über dem seitlich stehenden Auslassventil angeordnet ist (inlet over exhaust; ioe).
Entwicklung der Motoren und Vergaser
Im Laufe der Jahre perfektionierte Harley-Davidson seine Motoren kontinuierlich. Hier sind einige wichtige Meilensteine:
- Flathead (ab 1929): Benannt nach seinen flach gewölbten Zylinderköpfen. Seine Ventile wurden seitlich angeordnet, die Zylinderköpfe sind leicht zu demontieren. Der Flathead wird ständig weiter perfektioniert und wächst auf bis zu 1340 cm3 Hubraum und 34 PS.
- Knucklehead (1936-1947): Seinen Kosenamen „Knöchelkopf“ verdankt dieser bis zu 48 PS starke 1200er den charakteristischen Konturen seiner Zylinderkopfabdeckungen. Als erster Harley Motor verfügt der Knucklehead über im Kopf hängende Ventile und eine Druckumlaufschmierung.
- Panhead (1948-1965): Neue Zylinderköpfe aus Aluminium, der hydraulische Ventilspielausgleich sowie eine verbesserte Schmierung und Kühlung zählen zu den wichtigsten Merkmalen des 1200er Panhead Motors. Sie machen ihn stärker, leichter und langlebiger. Sein Name rührt von den Zylinderkopfabdeckungen her, die wie umgedrehte Pfannen aussehen. Der Panhead Motor, welcher zu seiner Auslaufzeit 1965 über 60 PS verfügt, zählt als Vorbild der Electra Glide und verfügt zu diesem Zeitpunkt bereits über einen E-Starter. Den Namen hat der Panhead von der unverwechselbaren Kuchenpfannenoptik der Rockerboxen.
- Shovelhead (ab 1966): Wieder einmal verleiht der Look der Rockerboxen diesem Harley Motor seinen Namen. Die Zylinderkopfabdeckung erinnert an Schaufeln, deswegen auch Shovelhead. Der 1340 ccm 65 PS Motor hat neue Zylinderköpfe mit überarbeiteten Kanälen und kompakten Brennräumen, höher verdichtende Kolben, neue Nockenwelle und einen neuen Vergaser.
- Evolution (ab 1984): Der 1340ccm Evolution Motor wurde seinem Namen gerecht, denn er war eine wahre Evolution. Der „Evo“ verbraucht deutlich weniger und erzeugt zeitgleich deutlich mehr Drehmoment. On Top dreht er ruhiger und ist dadurch auch langlebiger. Er war der Motor für die damals brandneue Softail, welche heute als Urvater der kompletten Softail-Baurreihe gilt.
Umstellung auf Einspritzung
Bis wann hatten Harley-Davidson Modelle Vergaser? Dyna bis zum Modelljahrgang 2005, Softail, Sportster und Touring-Modelle bis 2006. Mit den nachfolgenden Jahrgängen verschwinden Vergaser aus den Teilehandbüchern. Der Grund liegt nicht nur darin, dass mit einer elektronisch gesteuerten Einspritzung eine wesentlich genauere Kraftstoffzumessung und feinere Vermischung möglich ist. Ein Vergaser kann auch nicht über die Schnittstelle eines On-Board-Diagnose-Systems „angesprochen“ werden.
Moderne Motoren
Harley-Davidson hat in den letzten Jahrzehnten bedeutende Fortschritte in der Motorentechnologie erzielt:
- Twin Cam (ab 1999): Der Twin Cam kommt mit 1449 cm3 Hubraum, mehr Leistung und einer noch steiferen Verbindung zum Getriebe als seine Vorläufer.
- Milwaukee-Eight (ab 2017): Der Motor löst damit nach fast 20 Jahren den Twin Cam Motor ab, von dem er sich durch seine Vierventiltechnik und besseres Ansprechverhalten aus dem Drehzahlkeller merklich unterscheidet. Die Vierventil-Zylinderköpfe pro Zylinder ermöglichen einen erhöhten Gasdurchsatz von 50% mehr als die vorherigen Zweiventil-Köpfe. In Kombination mit der effizienteren Verbrennung aufgrund der neuen Doppelzündung, erreicht der Milwaukee-Eight bis zu 10% mehr Drehmoment bei 11% weniger Verbrauch.
- Revolution Max (ab 2021): In der Pan America debütiert 2021 der Revolution Max Motor mit 1250 ccm. Er dient als mittragendes Fahrwerkselement, das einen herkömmlichen Rahmen überflüssig macht. Dadurch wird das Gesamtgewicht der Maschine erheblich reduziert, der Schwerpunkt liegt niedrig und das wird Handling optimiert. All dies zusammen bringt eine hervorragende Beschleunigung aus dem Stand und ordentlich Power bei hohen Drehzahlen.
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