Die Harley-Davidson Street 750 gilt als zarteste Versuchung, seit es Harley gibt. Doch ist die Neue, die in Indien produziert wird, wirklich noch eine echte Harley? Ein Vergleich mit der Harley-Davidson Sportster Iron 883 soll Aufschluss geben.
Die Harley-Davidson Street 750 im Detail
MOTORRAD wollte nicht warten, bis die Harley-Davidson Street 750 in Deutschland erhältlich ist, und hat sich für diesen Test ein Exemplar aus dem südlichen Europa besorgt. Dort stehen die Street 750-Modelle bereits seit Juni in den Schaufenstern der Händler. An der Harley-Davidson Street 750, so heißt es, sei kaum ein Teil verbaut, das mit den anderen Baureihen kompatibel ist: den erfolgreichen Sportster-, den Dyna-, V-Rod-, Touring- oder Softail-Modellen.
Harley-Davidson Street 750 wird komplett in Indien gebaut. Journalisten meckerten über grobschlächtige Verarbeitung, kunterbunte Steckverbindungen und attestierten ihr fehlenden Charme. Eine Harley ist gemeinhin zeitlos und gilt als Transportmittel für ein Lebensgefühl. Harley-Davidson will den Fan-Kreis erweitern, die Harley-Davidson Street 750 soll europäische Neukunden im Alter zwischen 18 und 30 Jahren begeistern. Deshalb hat Harley-Davidson ein Werk in Indien errichtet, in dem die Modelle Street 500 (kommt nicht nach Europa) und Street 750 komplett gebaut werden.
Der Preis für die Harley-Davidson Street 750 ist noch nicht festgelegt, wird sich aber um die 8000 Euro bewegen. ABS wird es für die Harley-Davidson Street 750 erst ab 2016 geben. Mit 9495 Euro inklusive ABS ist die Iron Harleys günstigstes und zugleich auch ein ungemein cooles Modell. Doch lassen wir das. Auch Kurzbeinige erreichen bei der Sitzhöhe von 720 Millimetern mit den Füßen noch sicheren Stand. Allerdings hockt man ziemlich inaktiv, zusammengefaltet, man kauert förmlich - Langbeinige fühlen sich deplatziert.
Alles an der Harley-Davidson Street 750 wirkt auf den ersten Blick billig gemacht. Die Schalterchen könnten aus dem Kaugummiautomaten stammen, und die runde Scheinwerfer-Verkleidung wirkt wie aus einem großen schwarzen Joghurtbecher geschnitten. Wenigstens klingt der wassergekühlte 60-Grad-Vau-Motor nicht impotent. Es handelt sich um eine Neuentwicklung, die mit dem ebenfalls wassergekühlten V-Rod-Motor bestenfalls den Zylinderwinkel gemein hat. Na, dann mal los!
Motor und Fahrleistungen
Der 750er-Motor überrascht vom ersten Meter an, denn er schafft einen lobenswerten Spagat: Auf der einen Seite ist das kurzhubig ausgelegte Aggregat recht drehfreudig, auf der anderen gefällt ihm niedertouriges Gebummel. Mit 2000/min im fünften Gang durch die Stadt cruisen ist gar kein Problem. Das mag die luftgekühlte, 883 Kubik starke Schwester weniger, obwohl ihr Motor langhubig ausgeführt ist. Im direkten Vergleich beider Motoren agiert der 750er wesentlich lebendiger, tatendurstiger, läuft zudem geschmeidiger und vibriert viel weniger. Gerade beim Mitschwimmen im Stadtverkehr überrascht die Harley-Davidson Street 750 mit leichtem Konstantfahrruckeln. Rauchend umrundet ein neugieriger Passant beide Bikes. Wie sich herausstellt ein passionierter Harley-Fahrer. Der Harley-Davidson Sportster Iron 883 nickt er anerkennend entgegen, zur neuen Harley-Davidson Street 750 sagt er: „Wenn du im Niemandsland mal mit leerem Tank und pleite stehen bleibst und ein Schrotthändler in der Nähe ist, verkauf einfach die Achsmuttern von Schwinge und Hinterrad. Bei den Dimensionen bekommst du dafür den Gegenwert einer Tankfüllung.“
Objektiv betrachtet, lenkt sich die Harley-Davidson Street 750 wesentlich leichter und spielerischer als ihre Schwester und ist handlicher. Auffällig ist allerdings ein leichtes Rühren um den Lenkkopf, nur eine hauchzarte Irritation, die durch ein zu straff angezogenes Lenkkopflager herbeigeführt werden könnte. Auch hier gibt sich die Harley-Davidson Sportster Iron 883 im direkten Vergleich träger und unhandlicher, obwohl sie lediglich 27 Kilogramm schwerer ist.
Fahrwerksseitig liegt die Harley Davidson Sportster Iron 883 eine Nuance satter auf der Straße, wirkt homogener abgestimmt. Die 92 Millimeter Federweg vorn respektive 41 Millimeter hinten sorgen gerade mal dafür, dass das Gebiss nicht rausfliegt, wenn man einen Bahnübergang überquert. Dagegen wirkt die Harley-Davidson Street 750 mit ihren vergleichsweise üppigen Federwegen von 140 Millimetern vorn und 90 hinten fast wie eine Sänfte und offeriert etwas mehr Komfort, wobei sowohl das Federbein als auch die Gabel tendenziell mehr Dämpfung vertragen könnten.
Seit 2014 kommt in den Harley-Modellen ein neues ABS zum Einsatz, mit dem die Harley-Davidson Sportster Iron 883 ebenfalls bestückt war. Doch die Bremsanlagen unterscheiden sich nicht nur durch das fehlende ABS, sondern auch in der Hardware. Und vor allem der Wirkung. So ist in puncto Bremsleistung bei der Harley-Davidson Street 750 noch viel Luft nach oben: Ihre Vorderradbremse wirkt stumpf, verlangt nach viel Handkraft und hat keinen klaren Druckpunkt. Die Wirkung der Hinterradbremse ist okay. Mehr aber auch nicht.
Das Gegenteil ist bei der Harley-Davidson Sportster Iron 883 der Fall. Hier stimmt alles. Die Verzögerung ist mit beiden Bremsen sehr gut und der Druckpunkt klar definiert. Einzige Schwachstelle beim Verzögern sind die Reifen: Die montierten Michelin Scorcher 31 sind im Nassen nicht nur beim Übertragen der Bremskraft eine Katastrophe, sondern auch bei geringer Schräglage, denn sie rutschen schnell weg. Diesbezüglich verhält sich der auf der Harley-Davidson Street 750 montierte Michelin Scorcher 11 bei Nässe etwas besser. Allerdings läuft er jeder Rille hinterher.
Harley-Feeling und Zielgruppe
Stellt sich auf der Harley-Davidson Street 750 das legendäre Harley-Feeling ein? Ab Werk wird das schwer. Mit vorverlegten Fußrasten, einem gefälligen Kennzeichenträger, einem coolen Lenker und einem kernigeren Auspuff könnte sich die Neue jedoch durchaus zu etwas mausern, nach dem sich die Nachbarn umdrehen, wenn man zur Arbeit fährt. Harley-Davidson musste in die Zukunft investieren und hat dies mit der Street bestens getan.
Die Harley-Davidson Street 750 wirkt nicht besonders edel, aber sie fährt manierlich - wie sieht die Zielgruppe der Street 750 in Deutschland aus? Alle, die mit einer Harley schon lange liebäugeln, denen die Brocken aus Milwaukee jedoch bislang zu schwer und zu groß waren, könnten theoretisch zur Street 750 greifen, der handlichsten Harley im Programm. Ebenso interessant dürfte die 750er für junges Publikum ohne die viel gerühmte Harley-Brille auf der Nase sein.
Denn wer bislang den Harley-Laden betrat, hatte im Allgemeinen ein bestimmtes Bild vor Augen, dem die Harley-Davidson Street 750 nicht unbedingt gleich entspricht. Letzten Endes könnte einem Erfolg hierzulande jedoch die Preispolitik im Weg stehen. Denn wenn beide Maschinen im Showroom nebeneinanderstehen, muss die Preisdifferenz größer sein als nur rund 1000 Euro.
Technische Daten
Harley-Davidson Sportster Iron 883
Der zweizylinder-Viertakt-45-Grad-V-Motor der Harley-Davidson Sportster Iron 883.
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Motor Bauart | Zweizylinder-Viertakt-45-Grad-V-Motor |
| Kupplung | Mehrscheiben-Ölbadkupplung |
| Bohrung x Hub | 76,2 x 96,8 mm |
| Hubraum | 883 cm³ |
| Verdichtung | 9,0:1 |
| Leistung | 39,0 kW (53 PS) bei 5750/min |
| Drehmoment | 70 Nm bei 3750/min |
| Rahmen | Doppelschleifenrahmen aus Stahl |
| Gabel | Telegabel, Ø 39 mm |
| Bremsen vorne/hinten | Ø 300/260 mm |
| Assistenz-Systeme | ABS |
| Räder | 2.50 x 19; 3.00 x 16 |
| Reifen | 100/90 B 19; 150/80 B 16 |
| Bereifung | Michelin Scorcher „31“ |
| Radstand | 1510 mm |
| Lenkkopfwinkel | 59,0 Grad |
| Nachlauf | 117 mm |
| Federweg vorne/hinten | 92/41 mm |
| Sitzhöhe | 750 mm |
| Gewicht vollgetankt | 258 kg |
| Zuladung | 196 kg |
| Tankinhalt/Reserve | 12,5 Liter |
| Service-Intervalle | 8000 km |
| Preis | 8995 Euro |
| Preis Testmotorrad | 9495 Euro² |
| Nebenkosten | 380 Euro |
Harley-Davidson Street 750
Der 750er-Motor überrascht vom ersten Meter an, denn er schafft einen lobenswerten Spagat: Auf der einen Seite ist das kurzhubig ausgelegte Aggregat recht drehfreudig, auf der anderen gefällt ihm niedertouriges Gebummel.
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Motor Bauart | Zweizylinder-Viertakt-60-Grad-V-Motor |
| Kupplung | Mehrscheiben-Ölbadkupplung |
| Bohrung x Hub | 85,0 x 66,0 mm |
| Hubraum | 749 cm³ |
| Verdichtung | 10,5:1 |
| Leistung | 42,0 kW (57 PS) bei 8000/min |
| Drehmoment | 60 Nm bei 4000/min |
| Rahmen | Doppelschleifenrahmen aus Stahl |
| Gabel | Telegabel, Ø 37 mm |
| Bremsen vorne/hinten | Ø 300/292 mm |
| Assistenz-Systeme | - |
| Räder | 2.50 x 17; 3.50 x 15 |
| Reifen | 100/80 R 17; 140/75 R 15 |
| Bereifung | Michelin Scorcher „11“ |
| Radstand | 1535 mm |
| Lenkkopfwinkel | 58,0 Grad |
| Nachlauf | 115 mm |
| Federweg vorne/hinten | 140/90 mm |
| Sitzhöhe | 720 mm |
| Gewicht vollgetankt | 231 kg |
| Zuladung | 169 kg |
| Tankinhalt/Reserve | 13,1 Liter |
| Service-Intervalle | 8000 km |
| Preis | zirka 8000 Euro |
| Preis Testmotorrad | zirka 8000 Euro |
| Nebenkosten | 380 Euro |
Harley-Davidson Street Rod
Leistung und Fahrgefühl
Die Street Rod ist zweifellos eine Harley Davidson. Die Optik geht wie bei der gesamten Street Baureihe in eine andere Richtung, bleibt der Linie der Marke aber gleichzeitig treu. Die Verkleidung über dem Scheinwerfer ist bis 100 km/h sehr funktionell und sieht dabei auch noch sehr sportlich aus. Die Harley Davidson Street Rod ist ein Motorrad für alle, die mit wenig Geld Teil einer traditionsreichen Marke werden wollen. Auch in der Stadt macht sie, mit einem Wendekreis, von dem so manche Naked Bikes lernen könnten, eine gute Figur. Gleichzeitig bietet sie sich für alle an, die coole Harley Optik mit sportlichem Fahrverhalten und mehr Schräglagenfreiheit möchten.
Motor und Antrieb
Der Revolution X Motor mit seinen 749ccm wurde optimiert, dass er bis 9.000 U/min dreht, oben raus lässt der Druck aber nach. Trotzdem marschiert die Street Rod sehr brav voran, im Alltag geht keine Leistung ab. Auch die Höchstgeschwindigkeit lässt sich sehen. 180 km/h standen zu einem Zeitpunkt auf der Uhr. Die Stabilität bei dieser Geschwindigkeit lässt man lieber außen vor.
Für viele Jahre hätte man meinen können, Bremsen seien auf Harley Davidsons nur verbaut, weil es Pflicht sei. Die Street Rod steht mit Doppelscheibenbremse vorne und einer Scheibenbremse im Heck da, mit jeweils 300mm Durchmesser. Zugepackt wird mit Zweikolben Bremssätteln und serienmäßigem ABS. Sieht man das Positive der Bremsanlage, könnte man sagen, dass sie niemanden überfordern wird. Die Verzögerung ist ausreichend und gut dosierbar. Wirklich negativ an der Street Rod fällt nur das Getriebe auf. In Bewegung arbeitet es sehr unauffällig und gibt keinerlei Anlass zur Aufregung. Es ist der Stillstand, der die Frustration im Fahrer hervorruft.
Auspuffanlagen für Harley-Davidson XG 750
Es gibt verschiedene Optionen für EC zugelassene Endschalldämpfer von Remus (ca. 600 €) und Screaming Eagle. Ob der DB-Eater beim Remus bzw. Screamin` Eagle herausnehmbar ist, hängt vom Baujahr ab. Bei neueren Modellen ist dies oft nicht möglich. Die Remus Anlage hat einen besseren, tieferen Sound, ist aber nicht viel lauter.
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