Hätte, hätte, Fahrradkette: Herkunft und Bedeutung einer bekannten Redewendung

„Hätte, hätte, Fahrradkette!“ Normalerweise fällt dieser Ausspruch, um mit einer vertanen Chance abzuschließen.

Die Redewendung gilt im Deutschen als Neologismus der 2010er Jahre. Die Verwendung des Wortes „Fahrradkette“ steht nicht für eine besondere Verbindung oder Vorliebe zum Fahrrad. Das Wort „Fahrradkette“ reimt sich einfach gut auf „hätte”. Daher ist der Spruch „hätte, hätte, Fahrradkette“ sehr eingängig. (Eine Variante von „hätte, hätte, Fahrradkette“ ist „hätte, hätte, Herrentoilette“.)

Der Spruch ist seit den 2010er Jahren geläufig und stammt von Christoph Maria Herbst, dem Protagonisten der beliebten Comedy-Fernsehserie "Stromberg" (2004-2012).

Synonyme für „Hätte, hätte, Fahrradkette“:

  • Hinterher ist man immer schlauer.
  • Hätte der Hund nicht geschissen, hätte er den Hasen gekriegt.
  • Wenn das Wörtchen „wenn“ nicht wär, wär mein Vater Millionär.

„Hätte, hätte, Fahrradkette“ ist eine deutsche Redewendung, die eine spekulative Diskussion über einen anderen Verlauf der Vergangenheit, beendet.

„Hätte, hätte, Fahrradkette“ wird gesagt, wenn eine Was-hätte-man-besser-machen-können-Diskussion oder ein Was-wäre-wenn-Gespräch über ein vergangenes schlecht verlaufenes Ereignis oder eine vergangene schlechte Entscheidung beendet werden soll. Denn die Diskussion über eine verpasste oder schlechte Entscheidung kann sinnlos sein, da die Entscheidung nicht mehr rückgängig gemacht werden kann und die spekulative Diskussion darüber, wie die Vergangenheit bei anderer Entscheidung hätte verlaufen können, überflüssig ist.

Es ist Zeitverschwendung darüber nachzudenken, wie die Zukunft verlaufen wäre, wenn die Fehlentscheidung nicht stattgefunden oder die Chance nicht verpasst worden wäre. Denn die Fehlentscheidung lässt sich nicht mehr korrigieren oder rückgängig machen, um den eigenen Wunschvorstellungen zu entsprechen.

Die Fahrradkette: Mehr als nur ein Reimwort

Die Fahrradkette kommt hier leicht herablassend und nur zugunsten des Reimes vor - und das verkennt ihre Bedeutung ganz dramatisch: Die Fahrradkette ist vielleicht das wichtigste Einzelteil, das aus dem snobistischen Sportgerät „Hochrad“ ein ein praktikables und weltumspannendes Verkehrsmittel gemacht hat.

Beim Hochrad entsprach eine Kurbelumdrehung einer Radumdrehung, weshalb die Räder immer größer wurden, um mit einigermaßen erträglicher Drehzahl voranzukommen. Die Radgrößen wuchsen bis über 1,60 Meter. Der hohe Schwerpunkt des Fahrers und das damit verbundene Sturzrisiko hätten die Fahrradentwicklung beenden können - wäre da nicht die Fahrradkette gewesen.

Sie brachte eine Übersetzung ans Fahrrad, also die Möglichkeit, das angetriebene Rad (in diesem Fall das Hinterrad) schneller zu drehen als das antreibende Rad (hier: das vordere Kettenblatt). Aus einer Übersetzung von Eins zu Eins beim Hochrad wurde so eine Übersetzung von Eins zu (fast) Beliebig.

Damit konnte der Radler zwischen statt über den Rädern sitzen und endlich anhalten, ohne vom hohen Stahlroß steigen zu müssen. Außerdem wirkten dank Kette die Antriebskräfte nicht ins gelenkte Vorderrad.

Peer Steinbrück und die Popularisierung der Redewendung

Doch erst als der SPD-Politiker Peer Steinbrück die Redewendung „Hätte, hätte, Fahrradkette“ in einem Interview verwendete, wurde diese populär in Deutschland.

Peer Steinbrück verwendete die Redewendung „Hätte, hätte, Fahrradkette“ im Jahr 2013. Er war damals SPD-Kanzlerkandidat. Der Moderator Sven Lorig sprach damals mit Peer Steinbrück über das vermasselte SPD-Wahlkampfmotto und wollte wissen, wie es zu der Panne mit dem Wahlkampfmotto kam.

Lorig sprach Steinbrück darauf an, dass das SPD-Motto „Das Wir entscheidet“ schon von einer Zeitarbeitsfirma verwendet wird und die SPD dies per einfacher Internet-Recherche hätte herausfinden können. Lorig bezeichnete diesen Umstand als „ärgerlich“.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück sagte daraufhin: „Ja, Herr Lorig, hätte, hätte Fahrradkette“ und räumte das Versäumnis ein, äußerte sich aber auch, dass das Thema erledigt sei.

Weitere Verwendungen und Adaptionen

„Hätte, hätte, Fahrradkette: Die Kunst der optimalen Entscheidung“ ist ein Buch von Florian Schroeder. Es erschien 2014.

„Hätte, hätte, Fahrradkette: Ein Weser-Radweg-Krimi“ ist ein Buch von Martein Heinzelmann. Es erschien 2019.

„Hätte hätte Fahrradkette“ ist ein Lied von SDP feat. Keule. Es erschien 2014 auf dem Album „Bunte Republik Deutschpunk“.

Mit „Hätte, hätte, Fahrradkette“ bedruckte T-Shirts und Beutel finden sich auf Amazon.

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