Die deutsche Redewendung „Hätte, hätte, Fahrradkette“ dient dazu, eine spekulative Diskussion über einen anderen Verlauf der Vergangenheit zu beenden. Sie wird oft eingesetzt, wenn eine Was-hätte-man-besser-machen-können-Diskussion oder ein Was-wäre-wenn-Gespräch über ein vergangenes, schlecht verlaufenes Ereignis oder eine vergangene schlechte Entscheidung beendet werden soll.
Denn die Diskussion über eine verpasste oder schlechte Entscheidung kann sinnlos sein, da die Entscheidung nicht mehr rückgängig gemacht werden kann und die spekulative Diskussion darüber, wie die Vergangenheit bei anderer Entscheidung hätte verlaufen können, überflüssig ist. Es ist Zeitverschwendung, darüber nachzudenken, wie die Zukunft verlaufen wäre, wenn die Fehlentscheidung nicht stattgefunden oder die Chance nicht verpasst worden wäre.
Sinn und Unsinn der Diskussion
Die Diskussion über eine verpasste Chance oder eine schlechte Entscheidung kann aber auch sinnvoll sein. Nämlich dann, wenn erörtert und herausgefunden wird, wie die schlechte Entscheidung zustande kam und warum die Chance verpasst wurde. Diese Diskussion sollte mit dem Ziel geführt werden, dass eine erneute Chance nicht verpasst wird und eine erneute schlechte Entscheidung nicht stattfindet. Ist dieses Ziel erreicht, sollte sich eine weitere Auswertung erübrigen.
Wird die Diskussion über eine schlechte Entscheidung oder verpasste Chance mit der Absicht geführt, darüber zu reden, welche Handlungsoptionen in der Vergangenheit nicht wahrgenommen wurden und welche Folgen damit nicht eingetreten sind, kann solch ein Gespräch schnell sehr abstrakt werden und als überflüssig empfunden werden.
Die Bedeutung bei „hätte, hätte, Fahrradkette“ entsteht durch den verwendeten Konjunktiv („hätte“). Das Beispiel „Hätt der Hund nicht geschissen, hätt er den Hasen gekriegt“, hat die gleiche Bedeutung wie „hätte, hätte, Fahrradkette“. Das Beispiel ist ein Konditionalsatz und zeigt die Bedeutung des Konjunktiv.
Die Verwendung des Wortes „Fahrradkette“ steht nicht für eine besondere Verbindung oder Vorliebe zum Fahrrad. Das Wort „Fahrradkette“ reimt sich einfach gut auf „hätte“. Daher ist der Spruch „hätte, hätte, Fahrradkette“ sehr eingängig. Eine Variante von „hätte, hätte, Fahrradkette“ ist „hätte, hätte, Herrentoilette“.
Synonyme
Es gibt einige Synonyme für die Redewendung „Hätte, hätte, Fahrradkette“:
- Hinterher ist man immer schlauer.
- Hätte der Hund nicht geschissen, hätte er den Hasen gekriegt.
- Wenn das Wörtchen „wenn“ nicht wär, wär mein Vater Millionär.
Ursprung der Redewendung
Die Redewendung „Hätte, hätte, Fahrradkette“ wird schon Ende der 2000er Jahre in der deutschen Serie „Stromberg“ verwendet. In der Serie sagt die Figur „Bernd Stromberg“: „Hätte, hätte Fahradkette“. Er führt aus, dass er es (eine Aufgabe) der Erika gegeben und der Dicke es verbockt hat.
Doch erst als der SPD-Politiker Peer Steinbrück die Redewendung „Hätte, hätte, Fahrradkette“ in einem Interview verwendete, wurde diese populär in Deutschland. Peer Steinbrück verwendete die Redewendung „Hätte, hätte, Fahrradkette“ im Jahr 2013. Er war damals SPD-Kanzlerkandidat.
Der Moderator Sven Lorig sprach damals mit Peer Steinbrück über das vermasselte SPD-Wahlkampfmotto und wollte wissen, wie es zu der Panne mit dem Wahlkampfmotto kam. Lorig sprach Steinbrück darauf an, dass das SPD-Motto „Das Wir entscheidet“ schon von einer Zeitarbeitsfirma verwendet wird und die SPD dies per einfacher Internet-Recherche hätte herausfinden können. SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück sagte daraufhin: „Ja, Herr Lorig, hätte, hätte Fahrradkette“ und räumte das Versäumnis ein, äußerte sich aber auch, dass das Thema erledigt sei.
Die Redewendung gilt im Deutschen als Neologismus der 2010er Jahre, fand aber bereits einige Jahre zuvor beispielsweise in der Fernsehserie Stromberg mit Christoph Maria Herbst sowie anderen vereinzelten Situationen Verwendung. Weitere Verbreitung erfuhr sie durch die Verwendung durch den damaligen Kanzlerkandidaten der SPD Peer Steinbrück in einem Interview mit der ARD am 12. April 2013 im Rahmen einer Diskussion um den damaligen Wahlkampfslogan der Partei.
Ein Auszug aus dem Wortlaut des Interviews:
Interviewer [zum Zuschauer]: "[…] Kennen Sie zum Beispiel die Firma 'propartner' und ihren Werbespruch 'Das Wir entscheidet.'? Die SPD offenbar auch nicht, und hat sich genau für diesen Spruch entschieden. […] Die Reaktionen in den Zeitungen sind entsprechend. […] die taz: "Zu blöd zum Googeln". […] Wir sind nun live in Hamburg mit Peer Steinbrück verbunden, […] Ich nehme an, Sie mussten ehrlich auch grinsen, als Sie die TAZ gerade gesehen haben, trotz allem Ärger?"
Peer Steinbrück: "Ja, ich musste auch schon grinsen gestern. Auf der anderen Seite: die Aufregung darüber ist ein bisschen unverhältnismäßig."
Interviewer: "Na ja, aber inhaltlich stimmt's doch. Einfache Recherche hätte das doch feststellen können."
Steinbrück scheint das wenig zu beeindrucken, er kündigt am Freitag an: "Die können gerne überlegen (die Leiharbeitsfirma - d. Red.). Dieser Slogan ist nicht geschützt, wir werden ihn verwenden", betont er.
Weitere Bedeutung
Es gibt auch andere Werke, die den Titel „Hätte, hätte, Fahrradkette“ tragen:
- „Hätte, hätte, Fahrradkette: Die Kunst der optimalen Entscheidung“ ist ein Buch von Florian Schroeder (2014).
- „Hätte, hätte, Fahrradkette: Ein Weser-Radweg-Krimi“ ist ein Buch von Martein Heinzelmann (2019).
- „Hätte hätte Fahrradkette“ ist ein Lied von SDP feat. Keule (2014).
Zudem finden sich mit „Hätte, hätte, Fahrradkette“ bedruckte T-Shirts und Beutel im Handel.
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