Die Geschichte des Dieselmotorrads

Unter einem Dieselmotorrad versteht man ein einspuriges Fahrzeug, welches von einem selbstzündenden Hubkolbenmotor angetrieben wird - ein Motorrad mit einem Dieselmotor. Private Enthusiasten haben über Jahre den Gedanken weiterverfolgt und teilweise hervorragende Lösungen unter Verwendung von Industrie- und Kleinwagenmotoren gefunden.

Von kleinen Einzylinder-Industriedieseln in Oldtimer-Motorradrahmen bis zu modernen Fahrzeugmotoren in modifizierten Serienfahrzeugen oder gar komplett individuell gefertigten Rahmen haben Enthusiasten eine Vielzahl von fahrtauglichen Motorrädern auf die Räder gestellt.

Frühe Entwicklungen und Pioniere

Der älteste in Europa gefertigte Prototyp für ein Dieselmotorrad, welches anschließend in Kleinserie produziert wurde, ist ungefähr 1980 von dem Engländer Ernie Dorsett realisiert worden. Aus seiner Matchless-Robin wurden nachher die Enfield-Robins, welche in Deutschland von Gerd Engmann verkauft worden sind. Gerd Engmann ist inzwischen verstorben.

Royal Enfield war der einzige Hersteller, der über Jahre auf Basis des veralteten Konzeptes der "Enfield Bullet" und unter Zuhilfenahme eines Einzylinder-Stationärmotores für die Landwirtschaft ein Diesel-Zweirad angeboten hat: die "Enfield Taurus", welche für den modernen Straßenverkehr mit dem nur 5 kW (7 PS) starken Aggregat jedoch nur sehr bedingt geeignet ist. Die Taurus war eine Notlösung für und unter indischen Verhältnissen. Sooray war eine weitere Firma, welche in Indien ein Dieselmotorrad angeboten hat. Mit den in Indien verwendeten Motoren können westeuropäische Emmisionsvorschriften keinesfalls mehr eingehalten werden.

Kommerzielle Produktion und aktuelle Modelle

Aktuell (September 2005) ist die Sommer Motorradmanufaktur in Eppstein der einzige, der dank EU-Betriebserlaubnis ein Dieselmotorrad als Neufahrzeug in ganz Europa zulassen kann. Mit rund 150 zugelassenen Exemplaren (seit 2002) ist die Sommer-Diesel 26 das meistgebaute Dieselmotorrad in Deutschland. Sie hat 8 kW (11 PS) und erreicht eine Endgeschwindigkeit von 105 km/h, bei einem Verbrauch von ca. 2,5 l/100 km.

Ein weiteres Dieselmotorrad wird in Deutschland von der Firma Motorrad Leitner in Nittendorf unter dem Namen Dieselwiesel produziert und vertrieben. Die Nennleistung beträgt 7 kW (10 PS), die Höchstgeschwindigkeit wird mit ca. 110 km/h angegeben. Daneben finden sich weitere Anbieter, die Umbauten auf der Basis von bereits zugelassenen Rahmen anbieten.

Das HDT Dieselmotorrad

Nach einigen Jahren Forschung, Entwicklungs- und Erprobungszeit ist das erste moderne Diesel-Motorrad als Enduro (die wegen der militärischen Ausrichtung alternativ auch mit Kerosin betrieben werden kann) auf Basis der Kawasaki KLR 650 mit einem 584 cm³ Dieselmotor, knapp 22 kW (30 PS) Leistung und einer Reisegeschwindigkeit von etwa 130 km/h auf den Markt. Die erste Lieferung von offiziell 522 Stück geht an die US-Marineinfanterie.

Hamburg - Der Internetdienst PhysOrg.com berichtet von einer einzigartigen Partnerschaft zwischen der britischen Cranfield University und dem kalifornischen Unternehmen Hayes Diversified Technologies (HDT). Die US-Marines haben bereits 522 der Zweiräder bestellt, die Auslieferung beginnt Anfang 2005. Das Motorrad basiert auf der Maschine einer Kawasaki KLR650. Ausgestattet ist es mit einem Viertakt-Zylinder und 21 kW (28 PS).

Zusätzlich wurde die M1030M1 bei der britischen „National Rally“ und bei den „International Speed Trials“ in Bonneville eingesetzt. Der Hersteller, das kalifornischen Unternehmen Hayes Diversified Technologies (HDT), kündigt für das Jahr 2006 eine "street legal" Variante der Maschine an, welche den zivilen Markt unter der Bezeichnung „D650A1 Bulldog“ bereichern soll. Ein Verbrauch von weniger als 3 l Diesel auf 100 km würden die Bulldogge als Reiseenduro für Fernreisen und andere Globetrotter geradezu prädestinieren.

Fred Hayes, Gründer von HDT, berichtet stolz, dass es in Tests knapp 86 Meilen (knapp 140 km/h) geschafft hätte. Auch John Crocker, der neben Projektleiter Dr. Stuart McGuigan federführend für die Cranfield University beteiligt war, zeigte sich begeistert. "Die Fähigkeiten haben wichtige logistische Vorteile", wird er zitiert. Vom Preis her sei das Diesel-Motorrad zwar 20 bis 30 Prozent teurer als die konventionelle Variante, sagt Fred Hayes, "dafür schafft es aber mit einer Tankfüllung mehr als doppelte Laufleistung".

Weitere Entwicklungen und Innovationen

Seit einigen Semestern entwickeln Studenten der FHT Esslingen unter der Leitung von Prof. Schellmann gemeinsam einen Motorrad-Prototyp auf Basis eines Smart-Dieselmotors. Lange Zeit hat man sich im Dieselmotorradbau mit eher geringen Leistungssteigerungen auseinandergesetzt. Der indische Ursprung begann bei ca. 4,5 kW (6 PS), die ersten europäischen Prototypen hatten ca. 6 kW (8 PS). Heute haben die Einzylinder 8 kW (11 PS) und die Zweizylinder 15 kW (20 PS). Durch den Einsatz von Kleinwagenmotoren aus der Vorkammergeneration schwingen sich die Daihatsu-Treiber mit Hilfe eines Turboladers sogar auf über 22 kW (30 PS).

Aus Norddeutschland kommt die Neander 1400 Turbodiesel und aus den Niederlanden die Track Dieselpowered CDI und Star Twin Motors Thunderstar 1200 TDI. Die Neander verwendet einen revolutionären und völlig neuen Zweizylindermotor mit zwei Kurbelwellen. In der Thunderstar werkeln die Innereien eines VW Lupo 1.2l TDI in einem neuen Motorgehäuse. Die Shockster Turbo Diesel ist das erste und einzige in Österreich entwickelte und zugelassene Turbo Diesel Motorrad das voll alltagstauglich ist. Das Fahrzeug hat einen Hubraum von 1500 cm³und eine Leistung von ca. 59 kW und ein Drehmoment von ca.

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