Head-up-Display Motorrad Nachrüsten: Ein Test

Head-up-Displays (HUD) zeigen wichtige Informationen direkt im Blickfeld des Fahrers an. Ursprünglich im Flugzeugbau eingesetzt, fanden sie in den 1980er Jahren ihren Weg in die Automobilbranche, um die Sicherheit zu verbessern. Moderne Fahrzeuge nutzen diese Displays, um essentielle Informationen wie Geschwindigkeit, Drehzahl und Motortemperatur direkt im Blickfeld des Fahrers anzuzeigen, sodass dieser den Blick nicht von der Straße abwenden muss.

Wer in seinem Auto über kein werksseitig verbautes Head-up-Display verfügt, kann es ganz einfach und kostengünstig nachrüsten. Aber wie effektiv sind Nachrüstlösungen für Motorräder? Wie gut funktionieren im Blickfeld schwebende Navigationen in der Praxis?

Funktionsweise und Features

Grundsätzlich nutzt das HUD die gleiche Spiegelungs-Technologie, wie sie auch schon in einigen modernen Autos zu finden ist. Ein Display zeigt die Informationen an, welche über eine kleine Glasscheibe gespiegelt werden. Da die kleine Scheibe gleichzeitig auch durchsichtig ist, blickt man mit dem rechten Auge durch und hat dabei gleichzeitig die Spiegelung der Anzeige im Blick, wodurch diese im Sichtfeld zu schweben scheint. Was auf der Anzeige zu sehen ist, hängt vom ausgewählten Navigationsmodus ab. Das Gerät koppelt sich per Bluetooth mit dem Smartphone und wird von dort per App gesteuert.

Je nachdem welchen der vier Anzeigemodi man ausgewählt hat, werden unterschiedliche Layouts mit verschiedenen Informationen in der Displayanzeige dargestellt. Turn-by-Turn-Navigation, Fahrspuranzeige, die aktuelle Geschwindigkeit, die geltende Geschwindigkeitsbegrenzung, ein Kompass, eingehende Anrufe, Uhrzeit, der Bluetooth-Verbindungsstatus, der Akkuladestand des Smartphones und des HUDs finden darin in unterschiedlichen Anordnungen Platz.

Verschiedene Anzeigemodi

  • Navigator-Modus: Konzentriert sich auf die Navigation selbst und bietet Fahrspurhinweise.
  • Minimalist-Modus: Begrenzt die Informationen aufs Wesentliche.
  • City-Modus: Geeignet für eingehende Anrufe, Navigationsanweisungen mit Straßennamen und Geschwindigkeitsanzeigen.
  • Explorer-Modus: Zeigt zusätzlich zur Navigation und Geschwindigkeitsanzeige auch noch einen Kompass mit an.

Die Helligkeit der Anzeige passt sich automatisch dem Umgebungslicht an, kann aber auch manuell eingestellt werden. Die App nutzt mit der Sygic-Kartenbasis denselben Kartenprovider, wie TomTom-Navigationsgeräte. Die Route wird in der App selbst zurechtgelegt, kann aber auch per GPX-Datei importiert werden.

Montage und Installation

Per Fragebogen findet man verlässlich zur richtigen Art der Montage. Man scannt den QR-Code am Ende und schon erscheint eine Schritt-für-Schritt-Anleitung mit extra Videos zur Erklärung. Bei manchen Helmen wird die Basis des HUD einfach zwischen die Schichten des Helmes geklemmt, bei anderen wiederum kommen Klebestreifen zum Einsatz.

Vor- und Nachteile

Entgegen meiner Befürchtungen beschneidet das Gerät das Sichtfeld nicht zu sehr. Die kleine Glasscheibe, die direkt im Blickfeld leicht rechts vor dem rechten Auge liegt, stört hingegen überhaupt nicht. Sobald man die Informationen aber ablesen möchte, reicht ein minimaler Schwenk des Auges nach rechts. Durch die Einstellung des Fokus des Auges und in der kurzen Dauer des Ablesens sind Ablenkungen zwar noch immer möglich, doch die Straße bleibt im Hintergrund stets im Blick und die benötigte Zeitspanne, um den Blick zurück aufs Wesentliche zu lenken, ist beträchtlich kürzer als bei am Motorrad montierten Geräten.

Tatsächlich bemerke ich nach einigen Kilometern, wie ich tatsächlich deutlich weniger oft den Blick von der Straße nehme. Dabei liegt das sogar weniger an der Navigation, als an der Geschwindigkeitsanzeige. Gerade in Barcelonas dichtem Straßennetz mit ständig wechselnden Geschwindigkeitsbegrenzungen ist es einfach praktisch, den gerade gefahrenen Speed immer im Blick zu haben.

Einige Herausforderungen gibt es jedoch in der Navigation. Zum Beispiel fährt man auf eine Kreuzung zu, das System zeigt den Pfeil zum Rechts-Abbiegen in 50 m an, doch bei der Kreuzung selbst gibt es drei Gassen, die nach rechts weggehen. Mit Turn-by-Turn-Navigation und ohne 3D-Karte zur Veranschaulichung weiß man erst nach dem Abbiegen, ob man sich für den richtigen Weg entschieden hat.

Beispiele für Head-up-Displays

Tilsberk DVision HUD

Das Tilsberk DVision HUD ist ein Head-Up-Display für Motorradhelme, das Navigationsanweisungen direkt ins Sichtfeld des Fahrers projiziert. Es wiegt 44g und wird über Magneten am Helm befestigt. Die Daten werden von einer App bereitgestellt und per Bluetooth an das Display übertragen. Der Preis beträgt 329 Euro.

EyeLights

EyeLights bietet ein Head-Up-Display, das in den Helm eingebaut wird. Es zeigt Geschwindigkeits-, Navigations- und Kommunikationsdaten auf einem kleinen Plexiglaswürfel vor dem rechten Auge an. Der Einbau ist einfach und das Gerät ist mit den meisten modernen Helmen kompatibel. Der Preis liegt bei 499 €.

Weitere Head-up-Displays im Vergleich

Es gibt verschiedene Head-up-Displays auf dem Markt, die sich in ihren Funktionen und Eigenschaften unterscheiden. Hier ist ein kurzer Überblick über einige Modelle:

Modell Projektions-Typ Datenquelle Stromversorgung Funktionen
Amrooloo G3 Armaturenbrettanzeige GPS über USB Anzeige Geschwindigkeit, integrierte Kompassanzeige
Cartrend 10632 Projektion auf separate Scheibe OBD2 über OBD2 Anzeige Motordrehzahl, Kraftstoffverbrauch, Smartphone-Nutzung
Ikikin 3,5-Zoll-Head-Up-Display Projektion auf Windschutzscheibe OBD2 und GPS über OBD2 oder USB Geschwindigkeits-Alarm, duales System mit OBD2 und GPS
Wisamic 17-01-14-0002DE Projektion auf Windschutzscheibe OBD2 und GPS über OBD2 oder USB Duales System mit OBD2 und GPS, flach und sehr gut integrierbar

Fazit

Head-up-Displays können eine sinnvolle Ergänzung für Motorradfahrer sein, da sie wichtige Informationen direkt im Blickfeld anzeigen und so die Sicherheit erhöhen können. Es ist jedoch wichtig, ein geeignetes Modell zu wählen, das den individuellen Bedürfnissen und Anforderungen entspricht. Auch sollte die Wahl des Geräts abhängig von der Geometrie des Armaturenbretts getroffen werden.

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