Klarer Sound auf zwei Rädern: Mit dem richtigen Bluetooth-Headset bleiben Biker in Verbindung - ob mit den Begleitern, dem Navi oder dem Lieblingssong. AUTO BILD hat beliebte Modelle in verschiedenen Preislagen getestet. Motorrad-Headsets machen das Fahrerlebnis nicht nur komfortabler, sondern auch kommunikativer.
Je nach Modell ermöglichen sie Gespräche mit dem Sozius oder mit mehreren Bikern in der Gruppe - praktisch für den Austausch zu Route und Pausen oder zum Warnen vor Gefahren - das alles, ohne anzuhalten. Doch die kleinen Geräte können noch mehr: Musik hören, Anrufe entgegennehmen oder Navigationsansagen folgen - alles direkt im Helm und während der Fahrt. Die Bedienung erfolgt meist per Knopfdruck oder Sprachbefehl, die Verbindung läuft über Bluetooth.
Rechtliche Aspekte der Nutzung von Headsets
Die Nutzung von Headsets beim Motorradfahren ist grundsätzlich gestattet, solange Umgebungsgeräusche weiterhin gut wahrnehmbar bleiben. Deshalb sind handelsübliche Motorrad-Headsets mit integrierten Lautsprechern ausgestattet, die im Helm verbaut werden - statt mit abschirmenden In-Ear-Kopfhörern.
Wichtiger Hinweis zur Zulassung:Bitte beachten Sie, dass Motorradhelme nur dann rechtssicher mit einem Kommunikationssystem nachgerüstet werden dürfen, wenn sie gemäß ECE-R 22.06 dafür zugelassen sind. Erkennbar ist dies an der „UA“-Kennzeichnung (Universal Accessories) auf dem Helm. Wird ein Intercom-System - etwa per Klebe- oder Klemmbefestigung - an einem nicht freigegebenen Helm montiert, kann dies als bauliche Veränderung gewertet werden und die Zulassung des Helms erlöschen lassen. Dies kann zu Bußgeldern im Ausland, etwa in Luxemburg, sowie versicherungsrechtlichen Problemen im Falle eines Unfalls führen.
Testverfahren
Begonnen haben wir mit dem Einbau der jeweiligen Geräte in unseren Testhelm. Eklatante Unterschiede der einzelnen Modelle ließen sich hierbei nicht feststellen. In den meisten Fällen kann das Bedienteil mit zwei unterschiedlichen Befestigungsmöglichkeiten am Helm fixiert werden, entweder per Klett- oder Magnethalter oder per Steck- bzw. Schiebesockel. Innerhalb von maximal 30 Minuten waren die Headsets jeweils startklar, weitere fünf Minuten später konfiguriert und mit unserem Smartphone verbunden.
Weshalb wir zügig zum Funktionstest übergehen konnten. Dabei bewerteten wir Bedienbarkeit mit (Leder-)Handschuhen, Bedienkomfort allgemein (z. B. den Sprachassistenten), Klangempfinden bei wechselnden Geschwindigkeiten bis hin zu Autobahntempo 130 km/h, Stabilität der Bluetooth-Verbindung sowie Reichweite und vieles mehr.
Parallel zu den fünf universell verwendbaren Headsets haben wir zwei helmgebundene Systeme außerhalb der Wertung mitgetestet. Wir wollten wissen, welchen Unterschied es macht, wenn ein für ein bestimmtes Helmmodell passendes System statt eines Allround-Sets verwendet wird. Sowohl das System Schuberth SC2 für die Schuberth-Helme C5, E2 und S3 als auch das Nolan N-Com B902L R Series für Nolan N-Com-Helme funktionieren ähnlich wie die hochwertigen Modelle von Sena oder Cardo - was nicht weiter verwundert, werden doch sowohl das Nolan-System als auch das Schuberth SC2 bei Sena gefertigt. Erwartungsgemäß passt die Remote Control perfekt zu den jeweiligen Helmen.
Lautsprecher und Mikrofon etwa sind beim Schuberth S3 bereits eingebaut und bedürfen keiner Installation. Im Stadtverkehr und auf der Autobahn checken wir, wie die Verbindungs-, Klang- und Lautsprecher Qualität ist und wie gut sich die Geräte während der Fahrt bedienen lassen.
Der wohl augenscheinlichste Unterschied liegt in der kompakteren Unterbringung der Bedieneinheit links am Helm. So steht etwa das konventionelle Cardo Packtalk Edge 28 Millimeter und das FOD Sports FX8 Pro satte 32 mm vom Helm ab, während das helmgebundene Schuberth SC2 C5 den passenden Schuberth-Helm nur um elf mm überragt. Das Nolan-System liegt ebenfalls homogen am Nolan N-Com-Helm an und kommt zusätzlich mit einem integrierten Sicherheitsfeature, einem zweiten Zusatz-Bremslicht.
Die Leuchte zeigt Not- und Gefahrenbremsen, Standlicht und Warnblinkanlage an, hat aber keinerlei Einfluss auf das tadellos funktionierende Headset. Im Alltagstest funktionierten alle Modelle zuverlässig, Navigation, Musik und Anrufe liefen reibungslos.
Ergebnisse des Headset-Tests
Testsieger: Sena 50R
Bereits beim Design macht das 50R deutlich, dass es zu den Topmodellen zählt. Doch dient die schicke Formgestaltung nicht dem Selbstzweck, sondern unterstützt eine einfache Handhabung über drei große, leicht zu ertastende Schalter. Ein Knopfdruck auf den mittleren Taster "Hey Sena" - und schon ist das Gerät per Sprachsteuerung bedienbar. Beeindruckend: Die Harmann-Kardon-Lautsprecher begeistern auch bei hoher Lautstärke mit einem ausgewogenen Verhältnis von Höhen und Tiefen. Besonders wirkungsvoll reduziert die Advanced Noise Control sämtliche Hintergrundgeräusche während der Intercom-Kommunikation. Beim Laden mit dem beigelegten Wifi-Kabel werden automatische Updates aufgespielt.
Negatives? Nun, dem 50R liegt lediglich eine unverständliche Quick-Start-Anleitung bei. Ein Benutzerhandbuch muss aus dem Netz heruntergeladen werden. Unterm Strich ist das Sena 50R ein tolles Gerät mit einem stattlichen Anschaffungspreis - unser Testsieger.
Preis-Leistungs-Sieger: Albrecht BPA 600
Das BPA 600 des deutschen Herstellers Albrecht sieht schick aus, bietet alle wesentlichen Funktionen - und es ist günstig. Das Gerät verfügt über ein integriertes, zentral zu steuerndes FM-Radio, es unterstützt Smartphones mit Sprachsteuerung (Siri/Ok Google) und baut bis zu zwei parallele Verbindungen gleichzeitig auf, etwa Navi und Telefon.
Grundsätzlich kann das Albrecht-Headset seinen günstigen Preis nicht verbergen. Die vier kleinen Taster lassen sich erst nach einiger Gewöhnung zuverlässig bedienen und wirken wackelig, die Lautsprecher sind scharfkantig, die Kabel dünner als bei den Konkurrenten. Zudem erfolgt die Lautstärkeregelung in zu großen Schritten. Auch ist das von ausgeprägten Höhen dominierte Klangerlebnis eingeschränkt. Dagegen ist die Geräuschunterdrückung am Mikrofon sehr effizient, und bei Ausführung und Umfang der Bedienungsanleitung kann das Albrecht punkten.
Unterm Strich kann das Gerät alles, was man von ihm erwartet und wird zu Recht Preis-Leistungs-Sieger des Tests.
Weitere Testergebnisse
- Cardo Packtalk Edge: Fällt besonders durch seine einfache Montage mittels Magnetverbindung auf. Die intuitive Bedienung und gute Geräuschunterdrückung sind weitere Pluspunkte, doch der Klang ist zu höhenlastig und die Bedienungsanleitung nicht zufriedenstellend.
- Cardo Freecom 4x: Besticht mit einfacher Bedienbarkeit auch mit Handschuhen und zuverlässiger Sprachsteuerung. Wie auch beim Packtalk Edge bleibt einzig der Klang - besonders im Bassbereich - etwas unter den Erwartungen, und die Bedienungsanleitung ist unzureichend.
- Fodsports FX8 Pro: Bietet einen guten Klang und nützliche Extras wie ein integriertes FM-Radio. Trotzdem wird die Bedienung durch unklar gestaltete Taster erschwert, und die Bedienungsanleitung ist kaum hilfreich.
Wichtige Kaufkriterien für Motorrad-Headsets
Beim Kauf eines Bluetooth-Motorrad-Headsets ist es wichtig, auf Klangqualität und effektive Geräuschunterdrückung zu achten, besonders für klare Kommunikation bei hohen Geschwindigkeiten. Achten Sie auch auf eine lange Batterielaufzeit, Kompatibilität mit Ihrem Helm und anderen Geräten sowie einfache Bedienbarkeit, idealerweise auch mit Handschuhen.
Weitere Aspekte
- Reichweite: Statt der oft angegebenen 1,2 bis 2 Kilometer liegt die stabile Verbindung im Test meist bei 200 bis 600 Metern.
- Bedienung: Alle getesteten Modelle lassen sich leicht installieren und koppeln, auch ohne Technikkenntnisse.
- Ausstattung und Laufzeit: Je nach Modell halten die Akkus 10 bis 20 Stunden.
Marken im Vergleich: Cardo vs. Sena
Cardo oder Sena lautet meist die Frage, und Cardo oder Sena lautet auch meist die Antwort, wenn es um die Wahl eines Kommunikationsgerätes geht. Beide Hersteller bieten Lösungen für verschiedene Preisklassen.
Einsteigerklasse
Cardo Spirit HD: Das Spirit HD setzt auf den neuesten Bluetooth-Standard und erlaubt die Verbindung zweier Fahrer mit einer Reichweite von bis zu 600 Metern. Im Gegensatz zum Sena bietet es auch eine Radiofunktion, Audioprofile, die Nutzung von Siri und dem Google Assistant und ist wasserdicht sowie darüber hinaus etwas günstiger.
Sena SF2: Bei nur drei Tasten verdrückt man sich im Praxiseinsatz zudem seltener. Somit ist die Reichweite - auch gemessen - höher als bei Cardo, zudem ist die Ladezeit kürzer.
Mittelklasse
Cardo Freecom 4X: Die Verbindung der Gesprächsteilnehmer mittels Bluetooth ist wie üblich etwas anstrengend, die Verbindung dann aber auf 600 Meter stabil. Riesiger Pluspunkt des Freecom: die geniale Klangqualität bei Musikwiedergabe.
Sena Spider ST1: Ein Tastendruck genügt, um sich mit anderen Mesh-Produkten wie 50 R, S und C oder 30K zu verbinden, klasse! Wem unkomplizierte Verbindungen zu anderen Senas wichtiger sind als höchste Audioqualität, greift zum Spider.
High-End-Klasse
Cardo Packtalk Edge: Das schlanke Packtalk Edge gibt sich deutlich moderner als das vorige Packtalk Bold, besitzt dieselben Stärken und meidet dessen Schwächen. Wer Freunde mit Cardos hat, greift zum Cardo und wird damit sehr zufrieden sein.
Sena 50 S: Als einziges Gerät des Tests besitzt das 50 S eine Halterung, die mit Schrauben an der Helmschale fixiert wird. Dabei kann es beim Anbau etwas umständlich sein, mit dem Inbusschlüssel die Schraubenköpfe am Helmfutter vorbei zu treffen.
Tabellarische Übersicht der getesteten Headsets
| Modell | Hersteller | Besondere Merkmale | Preis |
|---|---|---|---|
| Sena 50R | Sena | Harman-Kardon-Lautsprecher, einfache Bedienung, Geräuschunterdrückung | Hochpreisig |
| Albrecht BPA 600 | Albrecht | FM-Radio, Sprachsteuerung, günstiger Preis | Günstig |
| Cardo Packtalk Edge | Cardo | Magnetische Montage, intuitive Bedienung | Mittelpreisig |
| Cardo Freecom 4x | Cardo | Einfache Bedienung mit Handschuhen, zuverlässige Sprachsteuerung | Mittelpreisig |
| Fodsports FX8 Pro | Fodsports | Guter Klang, FM-Radio | Günstig |
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