Die Marke Hein Gericke ist besonders Motorradfahrern ab einem gewissen Alter bis heute ein Begriff. Doch die Geschichte dieser Marke ist geprägt von Höhen und Tiefen.
Die Anfänge und der Aufstieg von Hein Gericke
1970 beschloss der damals 32-jährige Hein Gericke, künftig mit Motorrädern zu handeln. 1972 hatte Gericke Verträge mit allen Herstellern und verkaufte in der Folge 5.000 Maschinen im Jahr. Bereits 1974 nahm der Geschäftsmann erstmals Motorradbekleidung ins Sortiment, die er auch selbst entworfen hat.
Im Jahr 1976 war Hein Gericke der größte Motorradhändler der Welt. Bis 1980 gab es in Deutschland bereits 14 HG-Shops. Gericke hatte den Versandhandel gestartet und brachte erstmals einen Katalog heraus. Im Jahr 1987 verkaufte Hein Gericke das Unternehmen. Die Kette umfasste zu diesem Zeitpunkt 40 Läden, die jedoch weiterhin seinen Namen trugen.
Insolvenzen und Neustarts
Die Handelskette erlebte ein beispielloses Auf und Ab, das in der letzten Insolvenz von 2017 seinen Schlusspunkt fand. Im Jahr 1994 entstand aus der Hein Gericke GmbH die Eurobike Aktiengesellschaft. Unter dem Dach der AG versammelten sich immer mehr Marken. Unter anderem gehörten auch DiFi, GoTo Helmstudio, Schuh und auch Polo dazu.
2000 betrieb Eurobike mit HG, Polo u. a. insgesamt 150 Läden in Mitteleuropa. 2003 meldete Eurobike Insolvenz an (Polo ist, da profitabel, nicht betroffen und haftet auch nicht für die Schulden). Der US-Konzern Fairchild stieg als Investor ein und übernahm u. a. die Hein Gericke-Kette. Im Jahr 2009 stieg Fairchild wieder aus und musste in den USA selbst Insolvenz anmelden.
Die Hein Gericke-Gruppe wurde nach einem Management-Buy-out durch drei Geschäftsführer fortgeführt. Polo ging da längst eigene Wege. 2011 versuchte die Hein Gericke-Gruppe, durch die Ausgabe einer Anleihe ihre finanzielle Situation zu verbessern. Aufgrund massiver Verluste musste Hein Gericke UK (Großbritannien) im Juli 2012 Insolvenz anmelden.
In der Folge beantragte Hein Gericke Deutschland ein Schutzschirmverfahren. Ende 2012 stieg die General Equity Group aus der Schweiz als Investor bei Gericke ein. Im Juni 2013 wurde ein ehemaliger Peek & Cloppenburg-Manager Vorsitzender der Geschäftsführung von Hein Gericke, blieb das jedoch nur bis November. Im September wurde der ehemalige BMW Motorrad-Chef Marco von Maltzahn Vorsitzender des Beirats der Gericke Group.
Am 16. Dezember 2013 musste die Hein Gericke GmbH vorläufige Insolvenz anmelden. Am 30. Dezember gab der Insolvenzverwalter bekannt, dass "mit einem in Spanien ansässigen Investor ein Kaufvertrag abgeschlossen" werden konnte. Es handelte sich um die Firma Tech Design Team, deren Chef Rutian Paul Liao von Barcelona aus den Vertrieb der Helme der noch jungen Marke LS2 steuern sollte.
2015 investierte Paul Liao in Hein Gericke, ließ bestehende Shops erweitern und neue eröffnen. Nach nur einem Jahr mussten die beiden Geschäftsführer, die 2014 vom Konkurrenten Polo zu Gericke gewechselt waren, wieder gehen. Im Oktober machte HG mit einem erneuten Insolvenzantrag Schlagzeilen. Es war der insgesamt dritte.
Während des Verfahrens befand sich Gericke unter einem sogenannten "Schutzschirm" und konnte eine Neustrukturierung einleiten. Erklärtes Ziel war, die Kette gesundzuschrumpfen, etwa in Form der Schließung unrentabler Läden. Rund 20 der noch 51 Shops in Deutschland wurden nach und nach geschlossen. Im September 2017 kündigte die Kette die Schließung der Shops in Österreich an. Am 3. November stellte die Hein Gericke Europe GmbH zum vierten Mal einen Insolvenzantrag, diesmal in Bremen.
Das Ende und der Verkauf der Markenrechte
2018 war das Unternehmen nicht mehr zu retten. Der Online-Handel war zu dem Zeitpunkt schon eingestellt. In den noch verbliebenen neun Shops war Ausverkauf, bis auch diese geschlossen wurden. Sechseinhalb Jahre nach der letzten von insgesamt vier Insolvenzen sind im Mai 2024 die Rechte an der Marke Hein Gericke und an deren Eigenmarken wie Bullson oder Tuareg verkauft worden.
Die niederländische Perier-Gruppe hat die Rechte aus der Insolvenzmasse der ehemaligen Hein Gericke Europe GmbH-Zubehörkette erworben. Perier Motorsport ist der Importeur bekannter Marken wie Stadler, Roof, Pando Motor, Ixon und Stylmarrtin in den Benelux. Erklärtes Ziel sei ein Weiterverkauf für eine künftige kommerzielle Nutzung des bis heute unter Motorradfahrern - zumindest ab 50 Jahren aufwärts - immer noch sehr positiv belegten Firmennamens.
Der reale Düsseldorfer Unternehmer Hein Gericke, der die Marke unter seinem Namen einst gegründet hatte, hat sie schon 1987 weiterverkauft. Seitdem erlebte die Handelskette ein beispielloses Auf und Ab, das in der letzten Insolvenz von 2017 seinen Schlusspunkt fand. Zumindest bis heute, denn mit dem Verkauf der Namensrechte wäre ein Neustart durchaus denkbar. Ob der dann aber nochmal in der Motorradbranche erfolgen wird ist keineswegs sicher.
Hein Gericke Filiale in Bremen
Erfahre hier alles zur Hein Gericke Filiale in der Fritz-Thiele-Straße 22, 28279 Bremen.
Adresse Hein Gericke: Fritz-Thiele-Straße 22, 28279 Bremen
Entfernung: 3,84 km
Kontakt: (0421) 83 69 00
Öffnungszeiten:
- Mo-Fr: 09:30-19:00
- Sa: 09:30-18:00
- So: geschlossen
Die Geschichte von Hein Gericke in der Übersicht
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1970 | Hein Gericke beschließt, mit Motorrädern zu handeln. |
| 1972 | Gericke verkauft 5.000 Maschinen im Jahr. |
| 1974 | Erstmals Motorradbekleidung im Sortiment. |
| 1976 | Hein Gericke ist größter Motorradhändler der Welt. |
| 1980 | 14 HG-Shops in Deutschland, Start des Versandhandels. |
| 1987 | Verkauf des Unternehmens. |
| 1994 | Gründung der Eurobike Aktiengesellschaft. |
| 2000 | Eurobike betreibt 150 Läden in Mitteleuropa. |
| 2003 | Eurobike meldet Insolvenz an. |
| 2009 | Fairchild steigt aus, Management-Buy-out. |
| 2012 | Insolvenz von Hein Gericke UK, Schutzschirmverfahren in Deutschland. |
| 2013 | Vorläufige Insolvenz der Hein Gericke GmbH. |
| 2017 | Vierte Insolvenz in Bremen. |
| 2018 | Schließung aller Shops. |
| 2024 | Verkauf der Markenrechte an die Perier-Gruppe. |
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