Motorrad Lederjacken im Test: Sicherheit, Komfort und Stil

Ein cooler Lederdress im Marlon-Brando-Look ist angesagt. MOTORRAD hat neun stilechte Jacken von 300 bis 450 Euro im Labor und auf der Straße getestet.

Nicht nur bei den Motorradherstellern ist die Retrowelle angesagt: Technik von heute, garniert mit dem Look von gestern. Das kann nur noch durch das entsprechende Outfit des Fahrers getoppt werden. Beim Stöbern in Bekleidungsshops und Durchblättern von Katalogen fällt schnell eine reichhaltige Auswahl an Lederjacken im deftigen Rocker-Stil auf, die dem jungen wie wilden Marlon Brando auf seiner Triumph 650er-Thunderbird gut gestanden hätten.

Mittlerweile sind mehr als fünf Jahrzehnte ins Land gegangen. So verfügen starke Naked Bikes in der Regel längst über eine standfeste Technik bei Motor und Fahrwerk, und auch von der Motorradjacke darf man heute mehr verlangen als nur modischen Chic. Weshalb unter der Lupe vieles wieder aussortiert werden muss, denn in puncto Funktionalität und Sicherheit zeigen lässig gestylte Lederjacken oftmals eklatante Schwächen.

Mängel bei Funktionalität und Sicherheit

Größtes Manko ist die Ausstattung mit unzeitgemäßer Protektorentechnik. Vieles, was unter der 300-Euro-Grenze angeboten wird, ist in den entscheidenden Sturzzonen lediglich mit dünnen Schaumpolstern anstelle von CE-Protektoren bestückt. Ebenfalls ein Problem: der Verzicht auf einen Verbindungsreißverschluss, mit dem Jacke und Hose sicher gekoppelt werden können. Und auch bei der passiven Sicherheit sieht es im wahrsten Sinn des Wortes oft zappenduster aus: Bei den meist in kultigem Schwarz angebotenen Jacken fehlt mangels Reflektoren jegliche Signalwirkung.

Dass selbst in der Preisliga "Ü-300" nicht alles im Lot ist, zeigt dieser Test. Noch ist der Rückenprotektor kein Standard, auf Reflexmaterial setzen nur wenige Hersteller, und bisweilen wird auf den Verbindungsreißverschluss verzichtet. Da sollte man auf jeden Fall noch nachlegen.

Die Testkandidaten im Detail

Im Folgenden werden einige der getesteten Lederjacken detaillierter vorgestellt:

Alpinestars Interceptor

Die Jacke Interceptor von Alpinestars bietet angenehmen Tragekomfort und eine tolle Passform. Die Schulter- und Ellbogenprotektoren sind exakt positioniert und halten den Grenzwert ein. Ein eingezipptes Thermofutter mit drei Extra-Taschen sowie weiche Abschlüsse an Ärmeln und Kragen runden das positive Bild ab. Allerdings ist der Verbindungsreißverschluss am Futter statt am Leder fixiert, es fehlen Reflektoren und ein Rückenprotektor. MOTORRAD-Urteil: sehr gut.

Dainese Lucky

Die Jacke Lucky von Dainese überzeugt mit erstklassiger Passform und exakt positionierten Schulter- und Ellbogenprotektoren, die den Grenzwert einhalten. Ein eingezipptes Thermofutter mit weichen Armbündchen sowie eine angenehme Perforierung der Front sind weitere Pluspunkte. Auch hier ist der Verbindungsreißverschluss am Futter fixiert, es fehlen Reflektoren und ein Rückenprotektor. Der Kragen drückt etwas. MOTORRAD-Urteil: sehr gut.

Furygan New Texas

Die Jacke New Texas von Furygan im Neo-Western-Look ist bezüglich Schnitt und Passform wenig Biker-tauglich. Die Schulter- und Ellbogenprotektoren sind nicht exakt positioniert und überschreiten den zulässigen Grenzwert deutlich. Zudem fehlen ein Rückenprotektor, Reflektoren und ein Verbindungsreißverschluss. Die Jacke ist nicht belüftet, wirft Falten im Brustbereich und der Front-Zipper schlägt gegen den Hals. MOTORRAD-Urteil: mangelhaft.

Hein Gericke Cool

Die Jacke Cool von Hein Gericke im klassischen Belstaff-Stil bietet ein umfangreiches Sicherheitspaket mit Protektoren an Schultern, Ellbogen und Rücken, die alle Grenzwerte einhalten. Ein fest im Leder vernähter Verbindungsreißverschluss sowie eine gute Belüftung und eine hitzereflektierende Oberfläche sind weitere Pluspunkte. Allerdings sind die Gelenkprotektoren nicht exakt positioniert und können durch den weiten Schnitt verrutschen. Reibende Ärmel und ein drückender Kragen sowie ein Taillengurt, der sich weit nach oben schiebt, trüben das Bild. MOTORRAD-Urteil: befriedigend.

Icon Motorhead

Die Jacke Motorhead von Icon legt auf der Showbühne durch eine hochwertige Verarbeitung mit vielen Details (inklusive der Christophorus-Medaille in der Innentasche) einen tollen Auftritt hin. In der Praxis hapert es aber bei der Passform. Die Protektoren liegen nicht exakt an, es fehlen ein Verbindungsreißverschluss, Reflektoren und ein Rückenprotektor. Ein tiefer Kragen mit zugigem Rundhalsausschnitt sowie umständlich zu erreichende Außentaschen sind weitere Minuspunkte. MOTORRAD-Urteil: ausreichend.

IXS Inari

Die Jacke Inari von IXS überzeugt mit geschmeidigem Leder und guter Passform. Die Protektoren an Schultern und Ellbogen halten den Grenzwert ein. Eine wasserdichte Klimamembrane und eine umfangreiche Belüftung sowie ein hoch schließender Kragen runden das positive Bild ab. Allerdings ist der Ellbogenprotektor zu tief positioniert und drückt während der Fahrt, es fehlen Reflektoren und ein Rückenprotektor. Der Verbindungsreißverschluss ist nur am Futter fixiert. MOTORRAD-Urteil: befriedigend.

Revit Adrenaline

Die Jacke Adrenaline von Revit ist schlicht gestaltet und besonders tourentauglich. Sie bietet geschmeidig anliegendes Leder, eine gute Passform, Protektoren an Schultern und Ellbogen, die den Grenzwert einhalten, wasserdicht abgedeckte Belüftungsreißverschlüsse, ein herausnehmbares Thermofutter, einen weich gepolsterten Kragen und auffällige Reflektoren. Allerdings drücken die Protektoren und der Verbindungsreißverschluss ist im Futter vernäht. MOTORRAD-Urteil: gut.

Spidi Targa

Die Jacke Targa von Spidi ist lässig geschnitten und eher für kurze Cruiser-Runden in und um die Stadt geeignet. Sie ist sehr leicht und bietet absolut geschmeidiges, eng anliegendes Leder, Protektoren an Schultern und Ellbogen, die den Grenzwert einhalten, einen weichen, druckfrei anliegenden Kragen und Belüftungszipper am Rücken. Allerdings fehlen ein Rückenprotektor, Reflektoren und ein Verbindungsreißverschluss. Die Jacke flattert ab Tempo 130 und der Front-Zipper schlägt gegen den Hals. MOTORRAD-Urteil: befriedigend.

Spool Sepang

Die Jacke Sepang von Spool ist schnittig und liegt sehr gut am Körper an. Das Ausstattungspaket ist umfangreich und sehr praxisnah, die Verarbeitung auf hohem Niveau. Sie bietet exakt anliegende Protektoren an Schultern und Ellbogen, die den Grenzwert einhalten, Belüftungseinlässe an Front und Rücken, ein eingezipptes Thermofutter und auffällige Reflexpaspeln. Allerdings fehlen ein Rückenprotektor und der Verbindungsreißverschluss ist nur am Futter fixiert. Die Ärmel drücken. MOTORRAD-Urteil: gut.

Testkriterien von Motorrad

Motorrad testet nach folgenden Kriterien:

  • Sicherheit (30 Punkte): Geprüft wird, ob die Protektoren die Dämpfungswerte einhalten und ob sie exakt sitzen. Weiterhin im Fokus: Verstärkungen in den Sturzzonen und die Verbindungsmöglichkeit zur Hose.
  • Passform (25 Punkte): In unterschiedlichen Größen wird an mehreren Testpersonen ermittelt, ob Schnitt, Längen und Proportionen stimmen.
  • Tragekomfort (25 Punkte): Beim Touren über Landstraßen und Autobahnen wird dem Komfort auf den Zahn gefühlt.
  • Ausstattung/Verarbeitung (20 Punkte): Bewertet werden praxistaugliche Features und Verarbeitungsqualität.

Testergebnisse

In der MOTORRAD-Punktewertung schafft es die Dainese "Lucky" knapp vor der Alpinestars auf Platz eins. Das italienische Spitzenpaar zeigt auf jeden Fall deutlich, dass aufs Motorrad angepasste Funktionalität und ein cooles Retro-Design durchaus in Einklang zu bringen sind. Das Prädikat Kauftipp erhält die günstigere Spool-Jacke, bei der Passform und Funktionalität stimmen.

Weitere Aspekte bei der Wahl der richtigen Motorradjacke

Neben den getesteten Modellen gibt es zahlreiche weitere Aspekte, die bei der Wahl der richtigen Motorradjacke berücksichtigt werden sollten. Dazu gehören unter anderem:

  • Material (Leder oder Textil)
  • Wettertauglichkeit (wasserdicht, winddicht, atmungsaktiv)
  • Sicherheitsausstattung (Protektoren, Reflektoren)
  • Passform und Tragekomfort
  • Ausstattung (Taschen, Belüftung)
  • Preis

Die Wahl der richtigen Motorradjacke ist eine individuelle Entscheidung, die von den persönlichen Bedürfnissen und Vorlieben abhängt. Es empfiehlt sich, verschiedene Modelle anzuprobieren und sich von Fachleuten beraten zu lassen, um die passende Jacke zu finden.

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