Motorradhelme: Ein umfassender Überblick

Speziell zum Motorradfahren entwickelte Bekleidung soll den Körper doppelt schützen: Einmal vor Witterungseinflüssen, das sichert unser Wohlbefinden und dient so auch der Sicherheit. Zudem soll sie im Falle eines Sturzes dessen Folgen möglichst gering halten. Eines muss aber klar sein: Jede Schutzkleidung ist besser als gar keine! Wichtigster Teil der Ausrüstung ist der Helm.

Der Helm ist bekanntlich sehr wichtig, denn Zweirad / Vespa-Fahrer sind einem weitaus höheren Risiko ausgesetzt als Auto-Fahrer und unterliegen einem höheren Risiko gerade von Kopfverletzungen. Seit 1976 besteht in Deutschland die Helmpflicht für motorisierte Zweirad-Fahrer ab einer Geschwindigkeit von 20 km/h. Um die Anzahl der tödlichen Motorradunfälle zu minimieren, wurde daher 1976 die Helmpflicht eingeführt. Damit konnte die Anzahl der tödlichen Kopfverletzungen bei Motorradfahrern auf heute zwei Prozent gesenkt werden.

Die Qual der Wahl: Welcher Helmtyp ist der Richtige?

Die Auswahl verschiedener Helmarten am Markt ist groß. Die Entscheidung wird durch die große Auswahl erschwert. Wir zeigen, was der Markt bereithält und erklären die jeweiligen Vor- und Nachteile. Denn nicht jedes Teil eignet sich für jeden Zweck. Oberste Priorität muss die optimale Passform haben, denn was nicht richtig sitzt, schützt auch nicht richtig. Hier ist ein Überblick über die gängigsten Helmtypen:

Integralhelm

Die verbreitetste Helmform, sie löste in den Siebzigerjahren den offenen Helm als Standard ab. Sie zählen wohl seit den 1970ern zur verbreitetsten Helmform in Deutschland, nachdem sie den offenen Helm als Standardhelm ablösten. Mit ihrer festen Kinnpartie und verschließbarem Visier bieten sie aufgrund ihrer Bauart den bestmöglichen Schutz für Motorradfahrer. Ihr Kopf- und Kinnschutz fühlt sich an als wäre er aus einem Guss. Nicht nur aus diesem Grund werden die Integralhelme auch als Vollvisierhelme bezeichnet. Breites Einsatzspektrum von Alltagsfahrten bis hin zur Rennstrecke. Der Typus Klapphelm ist eine Variation des Integralhelmes.

Vorteile: Beste Sicherheit, weil aus einem Guss, Fahrtwindgeräusche sind daher am leichtesten gering zu halten.

Nachteile: Kann ein beengtes Tragegefühl vermitteln, Auf- und Absetzen bisweilen mühsam, vor allem für Brillenträger

Klapphelm

Ein Integralhelm mit hochklappbarem Kinnteil, die aktuell vor allem bei Tourenfahrern beliebteste Helmform. Bei ihnen lässt sich die Kinnpartie hochklappen. Universell einsetzbar und besonders passend für Brillenträger. Tourenfahrer schwören auf diesen Helmtypen. Große Auswahl von vielen Herstellern in allen Preisklassen; der Trend geht zur reichhaltigen Komfortausstattung.

Vorteile: Einfach praktisch, vor allem für Brillenträger. Nach Unfall von Laien leichter abzunehmen.

Nachteile: Oft schwerer als ein nicht klappbarer Integralhelm, beim Kinnaufprall je nach Qualität des Verschlusses mit leichten Einschränkungen in der Schutzwirkung.

Jethelm

Jethelme sind offene Helme ohne Kinnteil. Sie galten jahrelang als unmodern, waren verdrängt vom gestiegenen Sicherheitsbewusstsein. Jetzt erlebt der Jethelm eine Renaissance; Classic- und Retro-Fans stehen drauf. Lange Zeit galten sie als unmodern und wurden aufgrund des stetig steigenden Sicherheitsbewusstseins mehr und mehr von anderen Helmtypen verdrängt. Doch in den letzten Jahren ließen besonders Retro-Fans diesen Helm-Klassiker wiederaufleben. Stilecht werden die Halbschalenhelme mit (Retro-)Brille getragen, oft praktischer ist allerdings ein angebrachtes Visier. Beliebt bei Besitzern von City-Rollern und im Sommer. Besonders stilecht trägt man einen Jethelm mit Brille, praktischer ist er mit Visier. Vereinzelt ist auch der Begriff "Policehelm" im Umlauf und meint dann vor allem Jethelme mit schlichtem Design, ohne Visier und mit kurzem Schirm.

Vorteile: Der Jethelm bietet ein subjektiv "freieres" Fahrgefühl, ein intensiveres Fahrerlebnis schon bei niedriger Geschwindigkeit, mehr Luft, großes Sichtfeld, relativ niedriges Gewicht.

Nachteile: Größtes Manko eines Jethelms ist der fehlende Kinn- und Gesichtsschutz. Hinzu kommt, dass sie - gerade mit Motorradbrille - schon mal recht laut sein können.

Systemhelm mit abnehmbarem Kinnteil

Mit Kinnteil ein Integralhelm, ohne ein Jethelm, geprüft in beiden Versionen, das Ganze in moderner Optik.

Vorteile: Großes Gesichtsfeld, gute Belüftung, Brille kann aufbleiben, wenn Kinnteil beim Aufsetzen abgenommen wird. Geräuschniveau wie beim Integralhelm.

Nachteile: Abgenommenes Kinnteil ist verlustgefährdet, Einstecken des Kinnteils bei aufgesetztem Helm kann fummelig sein.

Enduro- bzw. Motocrosshelm

Der Helm aus dem Offroad-Sport. Wird gerne auch von Endurofahrern eingesetzt und ist stilecht auf allen Motorrädern mit Geländeambitionen. Wer öfters im Gelände unterwegs ist, braucht etwas Sportlicheres. Crosshelme und Endurohelme eignen sich hierfür besonders gut. Mit ihrer leichten Bauweise und dem fehlenden Visier zur besseren Belüftung sind sie wie gemacht für den sportlichen Einsatz abseits der Straße. Aufgrund des fehlenden Visiers sollten Enduristen bei der Fahrt eine Schutzbrille tragen. Enduro- oder Crosshelme mit Visier sind eher eine Seltenheit.

Vorteile: Hervorragende Belüftung, unverzichtbar bei Anstrengungen im Gelände. In Dreck, Staub und Schlamm der Lösung mit Visier überlegen.

Nachteile: Schlechter Schutz bei Regen und Kälte, Gesicht wird nass. Häufig hohes Geräuschniveau. Umständlich anzuziehen. Bei hohem Tempo erhöhter Druck auf die Nackenmuskulatur durch schlechte Aerodynamik.

Enduro-Tourenhelm

Eine Kreuzung aus Integral- und Crosshelm. Vom Crosshelm hat er die Form und den großen Schirm, vom Integralhelm das Visier. Die Gattung ist recht jung und hat mit den großen Reiseenduros ihren Siegeszug angetreten. Daher ist die Auswahl inzwischen auch hier recht groß.

Vorteile: Luftig, großes Sichtfeld, Blendschutz durch Schirm, im Gelände und bei Hitze wahlweise auch mit Endurobrille fahrbar.

Nachteile: Durch Schirm und Form oft spürbar lauter als ein vergleichbarer Integralhelm, gegen das gerne mal etwas höhere Gewicht hilft in oberen Preisklassen Karbon.

Enduro-Tourenhelm als Klapphelm

Die neueste Variante auf dem Helmsektor. Eine Kombination aus klappbarem Integralhelm mit Kinnbügelform und Schirm wie beim Endurohelm.

Vorteile: Für alle Eventualitäten gerüstet.

Nachteile: Recht schwer, durch Schirm und viele Belüftungen lauter als ein vergleichbarer Integralhelm, durch den Schirm Einschränkungen bei der Aerodynamik.

Materialien der Helmschalen

Zwei Werkstoff-Gruppen werden zur Helm-Herstellung genutzt: Thermoplastische Kunststoffe und Duroplaste.

  • Thermoplaste: Thermoplastische Granulate aus Acrylnitril-Butadien-Styrolt (ABS), Polycarbonat (PA) oder Polyamid (PC) sind unter Hitze leicht formbar. Sie eignen sich für das Spritzguss-Verfahren (rund 300 Grad und unter dem Druck von mehreren hundert Tonnen). Damit lassen sich Helme kostengünstig und leicht in großen Mengen herstellen lassen.
  • Duroplaste: Es sind harte glasartige Polymerwerkstoffe aus Kunstharz und Armierungsgewebe (z. B. Aramidfasern, Glasfaserverstärkter Kunststoff, Carbon), die nach ihrer Aushärtung nicht mehr verformbar sind und erfordern ein aufwendiges Laminat-Verfahren. Schalen dieser Materialien sind besonders hart und bruchfest, aber darurch teurer.

Carbon-Helme nehmen als besonders leichte Helme eine Sonderstellung in der Gruppe der Duroplast-Helme ein. Anders als oft vermutet, bestehen sie nicht zu hundert Prozent aus dem teuren Werkstoff Carbon, sondern verfügen über mindestens eine Trägerschicht aus Fremdmaterial, meist Aramid oder GFK.

Sicherheitsnormen und Prüfverfahren

Motorradhelme müssen aktuellen Sicherheitsnormen entsprechen und durchlaufen dafür ein mehrstufiges Prüfverfahren. Viele Jahre galt die Sicherheitsnorm ECE-R 22.05, seit 2022 wird jedoch nach der neuen und strengeren Norm ECE-R 22.06 getestet. Schutzhelme, die der alten Norm entsprechen, dürfen allerdings noch immer getragen werden.

Grund für die neue Norm für Motorradhelme sind verschärfte Testanforderungen, die ein erweitertes Prüfprogramm mit neuen Testverfahren und zusätzlichen Prüfungen enthält, um die Sicherheit zu erhöhen.

Hersteller sind dazu verpflichtet, die erfüllte ECE-Prüfnorm im Helm anzugeben. Der entsprechende ECE-Einnäher trägt mehrere Kennzeichen. "E1" gibt beispielsweise die deutsche Zulassung an, "E3" etwa bedeutet eine Genehmigung in Italien. Die Sicherheitsnorm ECE-R 22.05 ist an der Angabe "05" im Etikett zu erkennen, die neue Sicherheitsnorm ECE-R 22.06 mit "06" angegeben.

Worauf bei der Helmauswahl achten?

Einige Hinweise und Tipps: Um den richtigen Vespa-Helm zu finden, nachfolgend einige relevante Faktoren:

  • Passform: Der Helm sollte fest auf dem Kopf sitzen und während der Fahrt nicht verrutschen oder gar rotieren können. Jedoch darf es keine Druckstellen geben, die für Kopfschmerzen sorgen.
  • Kopfform: Die Kopfform ist für das optimale Passen sehr wichtig.
  • Kinnriemen: Der Kinnriemen sollte auf keinen Fall auf dem Kehlkopf aufliegen.
  • Schutz: Der Helm sollte unbedingt zertifiziert sein und aktuellen Sicherheitsstandards entsprechen, in Europa sind das die ECE 22.05 oder ECE 22.06, in Deutschland werden auch Helme mit der amerikanischen Norm DOT (Department of Transportation) toleriert.
  • Gewicht: Ein leichter Helm ist angenehmer zu tragen und reduziert das Risiko von Hals- und Nackenverletzungen. Gerade bei längeren Touren ist dies vorteilhaft.
  • Belüftung: Eine ausreichende Belüftung ist wichtig, um während der Fahrt konzentriert bei der Sache zu sein und Überhitzung zu vermeiden. Gleichzeitig sollte die Helmbelüftung keinen störenden Zug in die Augen zulassen. Für Brillenträger:innen ist dies besonders wichtig, damit die Brille nicht beschlägt.
  • Sicht: Der Helm sollte ein ausreichendes Sichtfeld bieten, d. h. der Ausschnitt für das Visier sollte nicht allzu schmal ausfallen.

Mein persönlicher Tipp: Den Helm unbedingt anprobieren - im Geschäft, um verschiedene Modelle und Passformen auszuprobieren und die Unterschiede direkt zu spüren.

Pflege und Haltbarkeit von Motorradhelmen

Die Lebensdauer von Helmen ist begrenzt. Langzeit-Materialtests zeigen, dass Duroplaste Helme weniger schnell „altern“. Bei guter Pflege währt die Lebensdauer rund acht bis zehn Jahre. Helme aus Thermoplasten können bei starker Ultraviolett-Strahlung und durch andere Einflüsse (Lösungsmittel, Benzin) früher spöde werden. Nach Empfehlungen des ADAC sollten diese Helme nach rund fünf Jahren auszutauschen. Helme mit zusätzlicher Lackschicht haben eines etwas längere Haltbarkeit.

Nutzt man den Helm häufig und stark, dann gilt diese Empfehlung für alle Helmarten.

Wichtig: Nach Aufprall des Helms (z. B. Unfall), den Helm unbedingt austauschen. Ein Aufprall führt zu einer Komprimierung und damit bleibender Verformung des Materials.

Reinigung und Pflege

Generell gilt, bei der Pflege des Motorradhelms spezielle Reinigungsmittel oder sanfte Haushalts-Reinigungsmittel wie Seife zu verwenden, um das Material und die Helm- und Visierbeschichtung nicht zu beschädigen.

  • Reinigung der Helmschale: Die Helmschale wird mit einem Tuch und sanften Reinigungsmittel abgewaschen und so von Insekten, Ölresten sowie Straßenschmutz befreit.
  • Helm-Innenpolster waschen: Das Helm-Innenpolster kann man im Regelfall aus dem Helm herausnehmen und bei 30 Grad in der Waschmaschine oder per Hand waschen.
  • Reinigung des Visiers: Zunächst baut man das Visier und - falls vorhanden - das Pinlock-Innenvisier aus. Die Außenseite kann man unter fließendem Wasser oder mit einer milden Seifenlauge und einem Lappen reinigen und so von Schmutz und Insekten befreien.

Motorradhelm-Visiere

Motorradhelm-Visiere bestehen aus dem Kunststoff Polycarbonat, welches äußerst schlagfest und wasserabweisend ist. Es schützt den Fahrer so vor Steinschlag oder anderen Außeneinflüssen. Diese besonderen Visiere verfügen über eine separate Scheibe mit Silikondichtung, die das Beschlagen verhindern sollen.

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