Helmpflicht für Kinder beim Fahrradfahren in Deutschland: Was Eltern wissen müssen

Sicherheit ist eines der zentralen Themen im Straßenverkehr. Es gibt eine Vielzahl an Maßnahmen, die dafür sorgen sollen, dass alle Verkehrsteilnehmer so sicher wie möglich am Ziel ankommen. Neben den Verkehrsregeln sind in diesem Zusammenhang auch technische Einrichtungen an den Fahrzeugen bzw. die Ausrüstung der Fahrer wichtig.

Und nicht nur in Deutschland müssen bestimmte Verkehrsteilnehmer einen Helm nutzen. Eine gesetzlich festgelegte Helmpflicht ist in Europa nicht selten und sollte bei Urlaubsreisen daher nicht außer Acht gelassen werden.

Wie und für wen die Helmpflicht in der StVO definiert ist, welche Sanktionen bei Verstößen drohen und ob es bestimmte Vorgaben für die Helme gibt, erfahren Sie in diesem Artikel.

Gibt es eine Helmpflicht für Radfahrer in Deutschland?

Nein, es gibt keine Helmpflicht auf dem Fahrrad. Auf dem Rad entscheidet jeder selbst, ob der Kopf per Helm geschützt wird oder nicht. Den Kopf auf dem Bike richtig schützen.

Wichtig: Auch bei bestimmten Pedelecs ist ein Helm Pflicht. Das S-Pedelec, welches bis zu 45 km/h schnell werden kann, erfüllt die Voraussetzungen aus § 21a StVO. Somit gilt auch auf diesem eine Helmpflicht.

Anders können die Regelungen zum Beispiel im Urlaub aussehen, denn in einigen Ländern ist auch auf dem Fahrrad eine Helmpflicht zu beachten. Ob dies für Erwachsene oder nur für Kinder gilt, sollten Reisende vorab klären.

Eltern sind oft unsicher, ob ihre Kinder beim Fahrradfahren einen Schutzhelm tragen müssen. Wie sieht hier die rechtliche Situation aus? Dies erfahren Sie in diesem Artikel.

Helmpflicht für Kinder: Die rechtliche Lage

Viele Eltern stellt sich früher oder später die Frage, ob für Kinder eine Helmpflicht beim Radfahren besteht. In Deutschland schreibt die Straßenverkehrsordnung (StVO) keine Helmpflicht für Fahrradfahrer vor - weder für Kinder noch für Erwachsene.

Sie dürfen also selbst entscheiden, ob Sie und Ihre Kinder mit oder ohne Kopfschutz aufs Rad steigen. Sinnvoll ist ein Schutzhelm - gerade für Kinder - aber in jedem Fall. Mit einem Helm auf dem Kopf sinkt das Risiko, bei einem Unfall eine schwere Kopfverletzung zu erleiden.

Ausnahmen von der Helmpflicht

Die StVO sieht lediglich für Fahrer von Krafträdern, die schneller als 20 km/h fahren können, eine Helmpflicht vor. Eine Ausnahme gilt für Polizisten. Gesetzeshüter sind hierzulande verpflichtet, während sie dienstlich auf dem Rad unterwegs sind, einen Schutzhelm zu tragen.

Haftungsrechtliche Konsequenzen beim Fahrradfahren ohne Helm?

Allerdings stellt sich gleichwohl die Frage, ob dem Kind beim Fahrradfahren ohne Helm haftungsrechtliche Nachteile drohen, wenn es einen Verkehrsunfall erleidet. Mehrere Gerichte sind nämlich davon ausgegangen, dass hier ein Schadensersatzanspruch gegenüber einem anderen Verkehrsteilnehmer wegen einem Mitverschulden des Radfahrers im Sinne von § 254 BGB gekürzt wird. Hiermit müssen vor allem Rennfahrer rechnen.

Die Frage ist allerdings, ob dies auch bei normalen Fahrrädern gilt. Zwar hat das Schleswig-Holsteinische Oberlandesgericht hier den Anspruch einer Radfahrerin wegen einem angeblichen Mitverschulden um 20% gekürzt. Diese hatte sich erheblich verletzt, weil ein Autofahrer unachtsam die Türe seines Fahrzeuges geöffnet hatte. Dadurch stürzte sie und erlitt schwere Schädel-Hirnverletzungen. Das Gericht begründete das Mitverschulden damit, dass ein Sachverständiger festgestellt habe, dass sich durch das Tragen des Helms die Wucht des Aufpralls abgemildert hätte.

Der Bundesgerichtshof entschied jedoch anders. Er stellte mit Urteil vom 17.06.2014 - VI ZR 281/13 klar, dass der Radfahrerin hier kein Mitverschulden anzulasten ist. Gleichwohl ist unklar, ob dies immer gilt. Vor allem für Rennfahrer kommt daher bei einem Verkehrsunfall eventuell die Kürzung des Schadensersatzanspruches wegen eines Mitverschuldens nach wie vor in Betracht.

Empfehlungen und Tipps für Eltern

Auch ohne eine explizite Helmpflicht auf dem Fahrrad sollten Kinder, die möglicherweise noch etwas wackelig unterwegs sind, geschützt werden. Dazu sollten die Erwachsenen am besten mit guten Beispiel vorangehen und selbst einen Schutzhelm tragen. Nicht selten zeigt sich dann auch der Nachwuchs dazu bereit, einen Helm zu tragen.

Um bei den Kindern die Akzeptanz für den Fahrradhelm zu erhöhen, ist es wichtig, dass dieser gut sitzt. Zwar soll der Helm nicht einfach verrutschen können, dabei ist aber sicherzustellen, dass dieser nicht drückt und die Bänder nicht einschneiden. Nicht zuletzt können auch modische Muster oder Designs mit den Lieblingscomicfiguren dazu beitragen, dass bei Kindern eine Helmpflicht fürs Fahrrad gar nicht notwendig ist.

Was beim Kauf eines Fahrradhelms für Kinder zu beachten ist

  • Passform: Der Helm muss gut sitzen und darf nicht verrutschen. Er sollte eng anliegen, aber nicht drücken.
  • Anpassung: Die Passform des Helmes sollte leicht verstellbar sein, damit er optimal sitzt. So kann der Helm auch mit Deinem Kind mitwachsen.
  • Sichtbarkeit: Reflektierende Elemente erhöhen die Sichtbarkeit im Straßenverkehr. Helle Farben und Designs machen den Helm noch auffälliger und auch ansprechender für Dein Kind.
  • Sturzschutz: Den Helm regelmäßig auf Schäden überprüfen und nach jedem Sturz austauschen. Helme niemals gebraucht kaufen.

Zusätzlich sollte der Helm fest sitzen und nicht über die Stirn oder in den Nacken rutschen. Kinder sollten daher unbedingt beim Kauf des Helmes dabei sein, damit die richtige Passform garantiert ist und Dein Kind den Helm gerne trägt.

Wichtig: Helme solltest Du niemals gebraucht kaufen! ADAC- und TÜV-Tests empfehlen zudem, den Helm alle fünf Jahre zu ersetzen.

Der Helm sollte rundum mit Reflektoren und LED-Beleuchtung ausgestattet sein, um die Sichtbarkeit zu erhöhen. Helle, auffällige Farben und Designs machen den Helm nicht nur attraktiver für Dein Kind. Sie verbessern auch die Sichtbarkeit und verhindern übermäßiges Aufheizen durch Sonnenstrahlen.

Den Helm richtig aufsetzen

Damit der Helm sicher sitzt, muss er richtig aufgesetzt werden. Zwischen den Augenbrauen und der Helmunterkante sind dann in etwa ein bis zwei Fingerbreit Platz.

Mit dem Verstellsystem im Nacken wird der Helm fixiert. Dazu darf es aber nicht zu stramm angezogen werden, weil das Kopfschmerzen verursachen kann. Der Helm sollte fest auf dem Kopf des Kindes sitzen, aber nicht drücken.

Der Kinnriemen sollte so locker sitzen, dass noch ein Finger zwischen Gurt und Kinn passt.

ADFC-Tipp: Unbedingt die Gebrauchsanweisung lesen. Die korrekte Einstellung der Helmgurte sollte gemäß der Herstellerangabe regelmäßig geprüft werden.

Qualität und Haltbarkeit des Fahrradhelms prüfen

In jedem Helm sollte das Herstellungsdatum vermerkt sein. Kunststoffe altern, daher sollten Helme nach etwa fünf Jahren ausgetauscht werden. Von Sonderangeboten ohne Herstellerdatum sollte man lieber die Finger lassen. Außerdem sollte der Helm das GS-Zeichen tragen.

Ohne Fahrradhelm auf den Spielplatz spielen

Beim Spielen und besonders auf Spielplätzen mit Spielgeräten müssen Kinder ihre Fahrradhelme abnehmen.

Klettergerüste sind so konstruiert, dass zwischen den Sprossen immer ein Kinderkopf unbehindert hindurchrutschen kann. Trägt ein Kind aber einen Fahrradhelm, bleibt es unweigerlich in der Konstruktion hängen und kann sich dabei schwer verletzen.

Die Helmpflicht im Ausland

Anders als Deutschland verpflichten viele andere Länder Kinder und Jugendliche auf dem Rad einen Helm zu tragen. So hält es unter anderem auch unser Nachbar Österreich. Einige Länder sind beim Thema Helmpflicht besonders streng und schreiben auch Erwachsenen das Tragen eines Kopfschutzes auf dem Drahtesel vor.

Werden Sie beziehungsweise Ihre Kinder ohne Schutzhelm angehalten, wird dafür in manchen Regionen ein Bußgeld fällig - Schweden verlangt bis zu 55 Euro und Spanien kassiert bis zu 90 Euro ab.

In der Slowakei und in Spanien gilt zum Teil eine Fahrradhelmpflicht für alle Altersklassen - und damit für Kinder und Erwachsene gleichermaßen. Von diesen strengen Vorschriften gibt es allerdings ein paar Ausnahmen, die Sie bei einem Urlaubsaufenthalt vor Ort, wie einer Fahrradtour, kennen sollten:

  • Slowakei: Wer jünger als 15 und mit dem Rad unterwegs ist, muss in der Slowakei grundsätzlich einen Schutzhelm beim Radeln tragen.
  • Spanien: Radfahrer unter 16 Jahren müssen in Spanien beim Radeln grundsätzlich einen Kopfschutz tragen. Die Helmpflicht in Spanien für Fahrradfahrer ab 16 Jahren entfällt jedoch, wenn Sie auf langen Steigungen fahren oder bei großer Hitze mit dem Rad unterwegs sind.

Statistiken und Fakten

Laut einer Statistik der Datenbank der Unfallforschung der Versicherer, führen Unfälle in 46 Prozent der Fälle zu Kopfverletzungen, wenn der Radfahrer einen Helm trug. Gerade schwere Unfälle können zu Hirnverletzungen führen - hier minimiert der Helm das Risiko beim Radfahren deutlich.

Die Helmtragequote lag 2022 bei 40,3 Prozent. Dabei war sie bei Pedelecfahrern mit 60,1 Prozent deutlich höher als bei konventionellen Radfahrerinnen und -fahrern (34 Prozent). Am höchsten - 81,3 Prozent - war sie 2022 bei den Jüngsten, nämlich bei Kindern von sechs bis zehn Jahren.

Mit 31,2 Prozent liegt die Gruppe der 17- bis 21-Jährigen in der Statistik ganz hinten.

Wie ein Fahrradhelm schützt

Bei einem Verkehrsunfall erleiden viele Radfahrende schwere Kopf- und Hirnverletzungen. Ein Helm lässt diese deutlich weniger schwer ausfallen: Ohne Helm trifft die Aufprallkraft konzentriert auf eine kleine Fläche und kommt dadurch mit großem Druck zur Wirkung. Mit Helm aber verteilt sich die Kraft auf eine viel größere Fläche, im Optimalfall auf die gesamte Helmauflagefläche.

Die Dekra Fahrzeugtechnik testete und bewertete 2020 das Nutzenpotenzial von Fahrradhelmen in realen Unfallszenarien. Als Fazit der zahlreichen Crashversuche stellte sie fest, dass richtig getragene Fahrradhelme das Risiko schwerer Kopfverletzungen bei einem Unfall - sowohl mit einem Unfallgegner als auch bei einem Sturz ohne Fremdbeteiligung - deutlich reduzieren.

Zusammenfassung

Auch wenn in Deutschland keine generelle Helmpflicht für Kinder beim Fahrradfahren besteht, ist das Tragen eines Helms zum Schutz vor schweren Kopfverletzungen dringend zu empfehlen. Eltern sollten ihren Kindern als Vorbild dienen und selbst einen Helm tragen. Beim Kauf eines Fahrradhelms ist auf die richtige Passform, Qualität und Sichtbarkeit zu achten.

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