Das Timmelsjoch, mit einer Höhe von 2474 Metern, stellt eine der größten Herausforderungen für Rennradfahrer in den Alpen dar. Dieser Pass, der das österreichische Ötztal mit dem Südtiroler Passeiertal verbindet, ist jährlich Teil des berühmten Ötztaler Radmarathons und war bereits Etappenziel des Giro d’Italia (1988) und der Tour Transalp.
Der Ötztaler Radmarathon und das Timmelsjoch
Seit Jahrzehnten lässt der Ötztaler Hobbyradfahrer träumen, und alle haben sie Respekt vor den gnadenlosen Rampen am letzten Berg. Rund 215 Kilometer und 5.600 Höhenmeter sind es von Sölden bis zur erlösenden Passhöhe am Timmelsjoch auf der Strecke des Ötztaler Radmarathons 2021. Das Beste kommt zum Schluss, könnte der Untertitel zum Höhenprofil lauten: das 2.474 Meter hohe Timmelsjoch wartet als höchster und längster Anstieg des Tages wenige Kilometer vor dem Ziel. 1.760 Höhenmeter am Stück stehen als letzte, große Hürde an - und dass für diesen Kraftakt genug Energie im Tank ist, dafür gibt es die Labestation Schönau auf halber Höhe des Passes.
Wetterkapriolen und Routenänderungen
Selten wurde so viel über das Wetter geredet wie vor diesem 40. Ötztaler Radmarathon. Dauerregen bei knapp über null Grad, Schnee auf den Passhöhen - die Wettervorhersage war grausig. Nur 2.751 von 4.000 Gemeldeten stehen am 29. August im Morgengrauen in den Startblöcken auf der Hauptstraße in Sölden. Vielleicht ist auch die geänderte Strecke schuld an der auffallend großen Startunlust: Wegen eines Felssturzes muss eine Umleitung gefahren werden - mit zusätzlichen 10 Kilometern und 250 Höhenmetern. Doch die Umleitung über Sattele/Haimingerberg bringt nicht nur ein Mehr an Höhenmetern mit sich, sondern gleich zum Einstieg steile Rampen.
Die Labestation Schönau: Eine Oase der Erholung
Während sich die Fahrer von Innsbruck auf den Weg Richtung Brennerpass machen, herrscht in der Labestation Schönau am Timmelsjoch-Anstieg bereits emsiges Treiben. Unter großen Partyzelten schmieren Frauen Brote, verteilen Kuchen auf dem Büfett, schälen Gels und Riegel aus den Verpackungen. Während die Fahrer an der Spitze eigene Betreuer an der Strecke platziert haben, ist die Labestation für andere Teilnehmer wie eine Oase in der Wüste.
Herr über die Verpflegungsstation ist Markus Streiter. Streiter ist 1983 selbst den Marathon gefahren und betreut seit Jahren die Station Schönau. Er ist Teil der Wirte AG, die in Eigenregie die Verpflegungsstationen betreut. Das beginnt mit der Organisation der Helfer und geht bis zum Einsammeln der selbstgebackenen Kuchen, die Privatleute und ortsansässige Firmen spenden.
Ein kleines Stückchen zum Sieg haben die jungen Helfer also beigetragen. Der 13-jährige Markus Hall ist bereits zum vierten Mal dabei. „Mir macht’s immer Spaß, weil man Menschen helfen kann“, sagt er.
Die Auffahrt zum Timmelsjoch
Das Timmelsjoch liegt auf einer Höhe von 2474 Metern, umgeben von gewaltigen Dreitausendern. Zwei Wege führen zum Timmelsjoch: Die Nordrampe von Sölden und die Ostrampe von St. Leonhard in Passeier aus. Die Auffahrt ist von beiden Seiten ungefähr gleich steil, jene von St. Leonhard in Passeier aus ist allerdings etwas länger - nämlich genau 29 km lang.
Nordrampe ab Sölden
Nach dem Start in Sölden bei der Freizeit Arena geht es entlang der Bundesstraße Richtung Süden. Auf den ersten Kilometern nach Sölden lässt man vor Zwieselstein das Venter Tal rechts liegen. Mit Steigungen von bis zu 13 Prozent geht es bis nach Obergurgl, wo die eigentliche Timmelsjoch-Hochalpenstraße beginnt. Sie führt über Hochgurgl, passiert die Mautstelle und fällt noch einmal 150 Höhenmeter in das Timmelsbachtal ab. Von dort geht es mit sechs Kehren und gut zehn Prozent Steigung aufs Timmelsjoch.
Die Nordanfahrt zum Timmelsjoch zeigt sich recht abwechslungsreich - anfänglich noch geprägt von grünem Bewuchs, weiter oben erwartet die Passbezwinger eine karge Steinlandschaft mit Schutthöckern, auf die die Bezeichnung Timmel zurückgeht. Die ausgestellten Exponaten (ca. 230 Motorräder) muss man einfach gesehen haben, auch wenn man selbst kein Motorradfahrer ist. Die Weiterfahrt für Radsportler ist kostenfrei mit separater Durchfahrt.
Es folgt eine kurze Abfahrt, die zu einer Erholungspause genutzt werden kann. Hier bietet sich bereits der Blick auf die lange Rampe durch das Timmelstal, bevor es dann wieder steil hinauf zur Passhöhe auf 2474m geht.
Südrampe ab St. Leonhard
Die ersten Kilometer von St. Leonhard sind noch moderat, ab Moos beginnt die Steigung. Über den Ganderberg und durch Tunnels geht es bis zum Gasthof Schönau, der zur Einkehr einlädt. Nun beginnt der Steilhang mit den enorm steilen Serpentinen hinauf zum Pass. Die nächsten zehn Kilometer sind ein Kampf, manche sagen auch eine Tortur.
Die Straße weist zahlreiche Tunnel und Gallerien auf, die zwar überwiegend recht kurz sind. Kurz vor der Passhöhe müssen Radler allerdings durch einen 500 Meter langen Tunnel, der völlig unbeleuchtet ist. Ein Rücklicht und ein Vorderlicht sollten also unbedingt mit auf die Tour!
Details zur Strecke
Entlang der Timmelsjoch Hochalpenstraße gibt es so einiges zu entdecken. Die Highlights hier sind der "Steg" an der Mautstation, der "Schmuggler" im Timmelstal oder das "Passmuseum" auf der Passhöhe. Hier erfahrt ihr mehr über die Geschichte der Timmelsjoch Hochalpenstraße sowie des Naturparks Ötztal.
Bevor man sich auf den Rückweg macht lädt das Rasthaus Timmelsjoch zu einer wohlverdienten Pause ein. Die Fernsichten auf die umliegende Berg- und Gletscherwelt lässt so manche Strapazen vergessen.
Tipps für die Timmelsjoch-Tour
- Beste Zeit: Ideal sind die Monate Juni und September, wenn der Reiseverkehr nicht ganz so stark ist wie zur Hauptreisezeit im Juli und August.
- Ausrüstung: Die persönliche Ausrüstung muss sicher und gebrauchsfähig sein und dem jeweiligen technischen Standard entsprechen.
- Beleuchtung: Unbedingt Rücklicht und Vorderlicht mitnehmen, insbesondere für den Tunnel kurz vor der Passhöhe.
- Verkehr: Für die Etappe übers Timmelsjoch wählt man idealerweise einen Wochentag, da dann nicht so viele Motorräder und Autos zu erwarten sind.
Alternativen zum Timmelsjoch
Als Alternativ-Route bietet sich der Jaufenpass an. Ab Sterzing über Penserjoch nach Bozen. Von Norden konstant sehr steil, lange Abfahrt auf der Südseite mit wechselndem Gefälle, auch flachere Passagen, weit unten kleine Tunnels. Straße ebenfalls sehr gut, oben etwas eng.
Die Timmelsjoch Hochalpenstraße
Die Timmelsjoch Hochalpenstraße hat in der Regel von Mai bis Ende Oktober von 7 bis 20 Uhr geöffnet. Es gilt die StVO. Es ist zu beachten, dass im Rennradsport ein erhöhtes Unfall- und Verletzungsrisiko bestehen kann. Trotz umsichtiger Tourenplanung bleibt immer ein Basisrisiko bestehen.
Verwandte Beiträge:
- Unvergessliche Timmelsjoch Rennrad Erfahrung: Meistere die Alpen-Legende!
- Das TOP Mountain Motorcycle Museum am Timmelsjoch: Ein Paradies für Motorradfans entdecken!
- Radtour über das Timmelsjoch: Das ultimative Abenteuer in den Alpen entdecken!
- Der Altmühl-Radweg: Die besten Unterkünfte & perfekte Etappen für dein Abenteuer
- BMW Motorrad Farbcode finden: Ultimative Schritt-für-Schritt Anleitung für jeden Biker!
Kommentar schreiben