Zwei Rennradtouren in Südtirol sind nicht nur beliebt, sondern legendär: Der Stilfserjoch- und der Timmelsjochpass. Sie sind das Salz in der Suppe für jeden Rennradfahrer. Das Timmelsjoch und das Rennrad gehören zusammen wie Feuer und Flamme.
Das Timmelsjoch: Ein Pass der Superlative
2.509 Meter hoch trennt der Pass im Nordwesten des Landes Österreich von Italien, Südtirol von Nordtirol, das Passeiertal vom Ötztal. Der „Passo del Rombo“, wie er im Italienischen genannt wird, ist Teil der Europäischen Wasserscheide und zugleich eine Wetterscheide. Die Straße auf das Timmelsjoch gilt als eine der längsten durchgehenden Steigungen der Alpen. Wer den 2.509 Meter hohen Pass erklimmt, hat 30 Kilometer Straße und 1.821 Höhenmeter hinter sich. Vor allem der Schluss hat es in sich: Hier muss noch einmal eine enorme Steigung überwunden werden.
Auffahrt über die Ostrampe von St. Leonhard
Zwei Wege führen zum Timmelsjoch: Die Nordrampe von Sölden und die Ostrampe von St. Leonhard in Passeier aus. Die Auffahrt ist von beiden Seiten ungefähr gleich steil, jene von St. Leonhard in Passeier aus ist allerdings etwas länger - nämlich genau 29 km lang.
Die ersten Kilometer von St. Leonhard sind noch moderat, ab Moos beginnt die Steigung. Über den Ganderberg und durch Tunnels geht es bis zum Gasthof Schönau, der zur Einkehr einlädt. Nun beginnt der Steilhang mit den enorm steilen Serpentinen hinauf zum Pass. Die nächsten zehn Kilometer sind ein Kampf, manche sagen auch eine Tortur. Nicht umsonst ist der Weg auf das Timmelsjoch eine der herausforderndsten Rennradtouren in Südtirol - und ganz Europa.
Aufpassen: Radfahrer müssen mehrere kurze Tunnels passieren. Kurz vor der Passhöhe müssen Radler allerdings durch einen 500 Meter langen Tunnel, der völlig unbeleuchtet ist. Ein Rücklicht und ein Vorderlicht sollten also unbedingt mit auf die Tour!
Die Herausforderung des Ötztaler Radmarathons
Seit Jahrzehnten lässt der Ötztaler Hobbyradfahrer träumen, und alle haben sie Respekt vor den gnadenlosen Rampen am letzten Berg. Das Beste kommt zum Schluss, könnte der Untertitel zum Höhenprofil lauten: das 2.474 Meter hohe Timmelsjoch wartet als höchster und längster Anstieg des Tages wenige Kilometer vor dem Ziel. 1.760 Höhenmeter am Stück stehen als letzte, große Hürde an - und dass für diesen Kraftakt genug Energie im Tank ist, dafür gibt es die Labestation Schönau auf halber Höhe des Passes.
Tipps und Ratschläge für die Timmelsjoch-Tour
- Dauer: Von St. Leonhard aus etwa 2,5 bis 3 Stunden für den Aufstieg.
- Beste Zeit für die Tour: Ideal sind die Monate Juni und September, wenn der Reiseverkehr nicht ganz so stark ist wie zur Hauptreisezeit im Juli und August.
Ein eiskalter Wind bläst über die Passhöhe des Timmelsjochs, Wolkenschwaden ziehen über die Straße. Die Temperatur liegt nur knapp über null Grad. Zwischen den Wolkenfetzen schimmert immer wieder die Flanke des Jochs durch: Eine dünne weiße Schicht zeigt, dass es nachts noch kälter war.
Nur 15 Kilometer Luftlinie trennen Sölden vom Timmelsjoch, aber zwischen dem Startbogen in Sölden und der Zeitmessmatte auf dem Pass liegen Welten. Brutale Welten aus schnellen Abfahrten und steilen Anstiegen, die Beinmuskeln zermürben und Energiespeicher leeren. In nüchternen Zahlen ausgedrückt: Rund 215 Kilometer und 5.600 Höhenmeter sind es von Sölden bis zur erlösenden Passhöhe am Timmelsjoch auf der Strecke des Ötztaler Radmarathons 2021.
Die Labestation Schönau: Eine Oase für Radfahrer
Während sich die Fahrer von Innsbruck auf den Weg Richtung Brennerpass machen, herrscht in der Labestation Schönau am Timmelsjoch-Anstieg bereits emsiges Treiben. Auf dem Parkplatz vor dem Gasthof Schönau errichten Männer Radständer und einen Bauzaun. Wegen der Corona-Hygienevorschriften soll eine Absperrung helfen, dass nicht zu viele Sportler auf einmal zusammenkommen.
Während die Fahrer an der Spitze eigene Betreuer an der Strecke platziert haben, ist die Labestation für andere Teilnehmer wie eine Oase in der Wüste. Dort steigt jetzt die Spannung, denn die ersten Fahrer nahen. Links und rechts der Straße stehen fünf Buben bereit, mit Wasserflaschen und Getränkedosen, die sie den schnellen Fahrern reichen.
Die Buben sind mit vollem Einsatz dabei - bald laufen sie nebenher, um Fahrern die Getränke besser reichen zu können. Der 13-jährige Markus Hall ist bereits zum vierten Mal dabei. „Mir macht’s immer Spaß, weil man Menschen helfen kann“, sagt er.
Schwierigkeiten und Herausforderungen
Die gefahrene Zeit beim Ötzi ist eine Kennzahl, die viele einordnen können und mit der man im Idealfall angeben kann. Heute aber sind viele desillusioniert angesichts der Ziffern auf dem Tacho. „Ich war schon viermal dabei, aber mit der anderen Strecke ist die Zeit nicht vergleichbar - ich bin nicht mehr richtig motiviert“, meint Andreas Köstl.
Jetzt, am frühen Nachmittag, bilden sich erstmals große Gruppen von Fahrern, die ihr Rad abstellen und aus dem reichhaltigen Angebot wählen: Es gibt Getränke, Kuchen, belegte Brote, Riegel, Gels oder auch eine warme Suppe. Das Angebot wird dankbar angenommen und immer wieder gelobt. „Die Verpflegung ist mega“, meint Detlev Briese aus Pyrmont.
Die Erschöpfung liegt am späten Nachmittag drückend über dem Parkplatz des Gasthofs Schönau. Die meisten Teilnehmer sitzen still auf den Bänken und starren ins Leere, während sie Kuchen kauen. „Hauptsache, ankommen“, hört man immer wieder. Und auch Fragen nach den verbleibenden Höhenmetern und der Kontrollzeit kommen immer öfter. Die Blicke auf den Hang gegenüber, wo sich im kalten Fels die Straße zur Passhöhe abzeichnet, werden immer verzweifelter.
Die Aussicht von Schönau zum „Timmel“ ist ernüchternd: Eine furchterregende Sammlung steiler Rampen scheint direkt in die Wolken zu führen - die erlösende Passhöhe ist nicht zu sehen. 800 Höhenmeter müssen die ausgelaugten Beine noch bewältigen. Ein Zurück gibt es nicht.
„Die Helden sind immer die Langsamen“, findet Stations-Chef Markus Streiter.
Die Belohnung: Das Gefühl am Gipfel
An der Passhöhe bläst Ammann Schneeregen ins Gesicht, und der Reporter des Radmarathons lässt sich ein paar Worte ins Mikrofon diktieren. Es wird noch fast eine Stunde dauern, bis auch Ammann, begleitet vom Auto des Renndirektors, im Ziel eintrifft, wo er mit einem Bier begrüßt wird. „Das war der härteste Marathon, aber gleichzeitig der schönste“, sagt er zitternd ins Mikrofon. Seinen Traum hat er verwirklicht - auch wenn es stellenweise ein echter Alptraum war.
Alternativen zum Timmelsjoch
Statt nur Brenner und weiter via Eisacktal geht auch: Brenner als laue Vorspeise, weiter bis Sterzing - von dort über Jaufenpass ebenfalls Überfahrt ins Passeiertal nach San Lorenzo möglich. Der Jaufenpass führt in engen Schleifen lange durch Fichtenwald, relativ konstant kräftige Steigung, oben offene Bergwiesen, die Abfahrt mit weitem Südpanorama, Straße besser als die Timmelsjoch-Südseite. Strecke empfiehlt sich nicht an Wochenenden, weil wegen der vielen Kurven ein Motorrad-Eldorado. Landschaftliche Gesamtwertung gegenüber Timmelsjoch geringer.
Oder: Ab Sterzing über Penserjoch nach Bozen. Kenne ich nur in Süd-Nord-Richtung. Von Norden konstant sehr steil, lange Abfahrt auf der Südseite mit wechselndem Gefälle, auch flachere Passagen, weit unten kleine Tunnels. Straße ebenfalls sehr gut, oben etwas eng.
Bucket-List für Radsportler: Timmelsjoch und andere Klassiker
Klar. Du träumst davon, die „Klassiker“ des Radsports auf deiner Bucket-List abhaken zu können? Super!
- Großglockner: Die Spitze des namensgebenden Bergs liegt auf 3.798 Metern, aber die muss man als Radsportler nicht komplett klettern, um hier einen Klassiker zu erleben. Denn die Großglockner-Hochalpenstraße geht bis auf 2.504 Meter hoch, bis zum Hochtor. Auf der 32 Kilometer langen Highlight-Route warten Rampen mit 10, teilweise bis zu 12 Prozent Steigung.
- Stilfser Joch: Als höchster Gebirgspass Italiens bekannt, gilt das Stilfser Joch im Südtiroler Vinschgau als fester Punkt auf vielen Bucket-Lists. Es sind aber nicht die 2.757 Meter Höhe des höchsten Punkts, die nach der Tour noch lange in Erinnerung (und den Beinen) bleiben. Vielmehr ist es jede einzelne der 48 Kehren.
Wichtige Hinweise
- Die persönliche Ausrüstung muss sicher und gebrauchsfähig sein und dem jeweiligen technischen Standard entsprechen.
- Es ist zu beachten, dass im Rennradsport ein erhöhtes Unfall- und Verletzungsrisiko bestehen kann. Trotz umsichtiger Tourenplanung bleibt immer ein Basisrisiko bestehen.
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