Hermann Maier: Der Motorradunfall und seine Folgen

Hermann Maier, der "Herminator", ist eine Legende im Ski Alpin. Seine Karriere war geprägt von unglaublichen Erfolgen, aber auch von schweren Rückschlägen. Einer der einschneidendsten Momente war sein schwerer Motorradunfall im August 2001.

Der Unfall und die ersten Befürchtungen

Am 24. August 2001 hielt eine ganze Nation den Atem an. Österreichs Skiheld Hermann Maier war mit dem Motorrad auf dem Heimweg vom Training, als er vom Mercedes eines deutschen Urlaubers erfasst wurde.

Er zog sich schwerste Verletzungen zu: eine komplizierte Fraktur des Unterschenkels, Nierenquetschung und schwere Muskelprellungen lautete die Diagnose der Ärzte. In den nächsten Tagen überschlugen sich die Nachrichten. Von drohender Beinamputation, möglichem Nierenversagen, sogar vom Rollstuhl war die Rede.

Am Unfallort soll Maier gefleht haben: "Das Bein muss erhalten bleiben. Ich will wieder gehen können". Nach der Operation war der dreimalige Gesamt-Weltcupsieger kurzzeitig in einen künstlichen Tiefschlaf versetzt worden, aus dem er am Samstagmittag auf der Intensivstation wieder erwachte.

Die Kollegen aus dem Ski-Weltcup waren derweil tief bestürzt. "Ein Wahnsinn, wie schnell so etwas passieren kann. Für mich ist es schlimm, auf so eine Art den härtesten Gegner zu verlieren", meinte Riesenslalom-Weltmeister Michael von Grünigen aus der Schweiz zum Weltcup-Aus von Maier.

Die medizinische Behandlung und die Hoffnung auf Genesung

Doch etwas mehr als drei Monate später saß der Herminator, wie ihn seine Fans mittlerweile respektvoll nennen, schon wieder auf dem Fahrradergometer. Bis zu acht Stunden täglich quälte er sich, nur ein Ziel vor Augen: die Olympischen Winterspiele in Salt Lake City im Februar.

Statt den Unterschenkelbruch zu richten und dann in Gips zu legen, haben die Ärzte eine so genannte Osteosynthese mit der völlig neuartigen Locking Compression Plate (LCP) angewandt. "Damit ist erstmals die Behandlung von komplizierten und porösen Brüchen möglich", erklärt Professor Michael Wagner, Leiter der Traumatologie am Wilhelminenhospital in Wien.

Das revolutionäre Verfahren wurde nach einjähriger Testphase an Kliniken in Österreich und der Schweiz jetzt weltweit zugelassen. Es kann die Heilungszeit um mehrere Monate verkürzen.

Schon wenige Tage nach dem Eingriff dürfen die Patienten den gebrochenen Knochen wieder teilweise belasten. "Nach drei bis vier Wochen ist Vollbelastung möglich", sagt Privatdozent Dr. Michael Schutz, der die innovative Methode jetzt auch an der Charité in Berlin anwendet.

Auch Ski-Olympiasieger Hermann Maier ist mit den Fortschritten seiner Heilung sehr zufrieden. Kurz nach dem Unfall schien die Karriere zunächst beendet, doch die Ärzte haben gute Arbeit geleistet. "Ich werde probieren, an Weihnachten wieder auf den Skiern zu stehen, ich kann schon fast wieder normal trainieren."

Der Gerichtsprozess

Der Motorradunfall des Skistars Hermann Maier im Jahr 2001 hatte auch ein gerichtliches Nachspiel in München. Wegen fahrlässiger Körperverletzung musste sich ein Rentner vor dem Amtsgericht verantworten, der mit seinem Mercedes am 24. August 2001 den "Herminator" auf dessen Motorrad beim Abbiegen rammte.

Am 11. Mai 2010, musste sich das Münchner Amtsgericht im Fall von Hermann Maier mit der Frage beschäftigen: Was ist eine verlorene Saison wert? Der Verdienstausfall "normaler" Menschen nach einem Unfall ist relativ leicht zu ermitteln. Schwieriger ist es bei Sportlern, denen durch Verletzungen weitere Siege, Imagegewinne, Werbeerlöse und Preisgelder durch die Lappen gehen.

Vor dem Amtsgericht München wurde der 75-Jährige am Donnerstag wegen fahrlässiger Körperverletzung zu 15 Tagessätzen von jeweils 50 Euro verurteilt. Der Rentner hatte Einspruch gegen einen Strafbefehl mit einer die Geldstrafe von 2750 Euro eingelegt und einen Monat Fahrverbot nicht akzeptiert.

Der Rentner habe "seine Rückschaupflicht verletzt", argumentierte der Münchner Richter. Allerdings habe Maier "trotz unübersichtlicher Verkehrslage" überholt.

Das Comeback des "Herminators"

Doch Maier ist ein Stehaufmännchen mit eisernem Willen. Trotz der schweren Verletzungen kämpfte er sich zurück an die Weltspitze. Im Januar 2003 feierte er in Kitzbühel einen emotionalen Sieg, der die Welt bewegte. Es war ein Sieg über den Tod und die Verletzungen.

Im Sommer 2001 war Maier nach seinem schweren Motorradunfall dem Tod von der Schippe gesprungen - und eineinhalb Jahre später dieser Sieg. Die Tränen und das Salz auf seiner Haut rührten die Welt.

Am Sonntagabend mitteleuropäischer Zeit gewann der Flachauer den Super-G in Lake Louise. Es war der 54. Weltcupsieg, ein besonderer in der langen Reihe von Ski-Märchen, die der Maurer aus Flachau geschrieben hat.

Seinen vierten und letzten Gesamtweltcup hatte Hermann Maier fast im wahrsten Sinne des Wortes im Schlaf gewonnen. Am 14. März 2004 wollte der "Herminator" gerade ein Nachmittagsschläfchen machen, wie er später sagte, als er erfuhr, dass der Riesenslalom beim Weltcup-Finale in Sestrière abgesagt wurde.

Bei einem unverschuldeten Motorradunfall im August 2001 zog sich Maier eine schwere Beinverletzung zu. Die Fortsetzung der Karriere des Österreichers stand lange auf der Kippe, zeitweilig drohte sogar eine Amputation des Beins. Doch Maier kämpfte sich zurück in die Weltspitze. Der Gesamtweltcup 2004 war sein erster großer Titel nach der Verletzung. 2005 sollte noch WM-Gold in Bormio im Riesenslalom folgen.

Maier sagte im Interview mit dem Spiegel: "Es macht sicher sympathisch, nach einem wahnsinnigen Tiefschlag zurückzukommen. Seriensieger zu sein oder mit zwei Sekunden Vorsprung zu gewinnen macht unsympathisch." Und: "Ganz unten zu sein macht menschlich."

Diese Tabelle fasst die wichtigsten Ereignisse nach Hermann Maiers Motorradunfall zusammen:

Datum Ereignis
24. August 2001 Schwerer Motorradunfall
August 2001 Operation und Beginn der Rehabilitation
Januar 2003 Emotionaler Sieg in Kitzbühel
14. März 2004 Gewinn des vierten Gesamtweltcups
2005 WM-Gold in Bormio im Riesenslalom
11. Mai 2010 Gerichtsprozess in München

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