Hero Motorrad Stephanskirchen: Erfahrungen und Entwicklungen

Bei der Rallye Dakar ist in der Motorrad-Kategorie viel Know-how aus dem deutschsprachigen Raum vertreten. Einerseits gibt es das Topteam KTM aus Österreich, andererseits werden die Rallye-Maschinen der indischen Marke Hero in Deutschland entwickelt.

Hero Tech Center Germany in Stephanskirchen

Seit 2016 arbeitet das Speedbrain-Team von Wolfgang Fischer mit Hero zusammen. Davor feierte man schon als Einsatzteam von BMW/Husqvarna sowie mit Honda zahlreiche Erfolge bei der Rallye Dakar und im Offroad-Sport. Die Kooperation mit Hero wurde in den vergangenen Jahren immer intensiver.

"Das hat sich aus Speedbrain heraus entwickelt", sagt Fischer im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. "Das hat auf Anhieb gut funktioniert. Sie haben das auch weltweit gut in ihr Marketing aufgenommen."

Um das Potenzial weiter zu nutzen, sind wir bei unserem Standort in Stephanskirchen bei Rosenheim seit 2019 die Hero Tech Center Germany GmbH. In diesem Sinne sind wir jetzt dort auch zu 100 Prozent Hero."

Alle Entwicklungsprojekte im Motorsport werden dort für Hero gemacht. Das Rallye-Motorrad, wie es jetzt da steht, wurde dort entwickelt. Damit wird im Prinzip alles in Deutschland, beziehungsweise mit unseren Lieferanten in Europa, zusammengestellt."

Entwicklung der Rallye-Maschinen

Die indische Marke Hero zählt weltweit zu den größten Motorradmarken. In Indien dominiert Hero den Verkaufsmarkt. In Europa ist die Marke nicht so bekannt, denn der größte Absatzmarkt ist vor allem der asiatische Raum.

Das in Neu-Delhi (Indien) ansässige Unternehmen Hero MotoCorp, dessen Philosophie auf Innovation ausgerichtet ist, steht an vorderster Front, wenn es darum geht, technologisch fortschrittliche Motorräder und Motorroller für Kunden auf der ganzen Welt zu entwerfen und zu entwickeln. Angetrieben von Leidenschaft und Abenteuerlust, ist Hero MotoSports ein funktions­über­greifendes Team von Experten, die den Rennsport leben und atmen. Im Einklang mit der Vision von Hero, „die Zukunft der Mobilität zu sein“, stellte Dr. Munjal eine neue Marke vor, die den Wandel der Mobilität auf der ganzen Welt anführen soll.

Mittig zwischen München, Salzburg und Innsbruck liegen wir, das Hero Tech Center Germany. Hier wird seit 2019, mit Blick auf die Alpen, ein entschei­dender Beitrag zur Mobilität der Zukunft geleistet wird. Hier arbeiten Konstruktion, Styling und Elektri­fizierung Hand in Hand, um entsprechende Lösungen und Inno­vationen voran­zu­treiben. Innovative Ideen hervor­bringen, ist genauso eine Aufgabe des TCG, wie alternative Bauarten oder Looks eines bestehenden Produkts aufzuzeigen. Und das haben wir beim „Cafe Racer T2“ gemacht.

Auch Hero′s erstes elektrisch angetriebenes Fahrzeug, der Vida V1, wurde in enger Zusammen­arbeit zwischen dem Hero Tech Center Germany und dem Center of Innovation and Technology (CIT) in Jaipur, Indien entwickelt. Das Fahrzeug wurde der Presse am 7. Oktober 2022 vorgestellt und erntete viel Lob und Anerkennung. Willst du wissen, was genau wir beige­tragen haben?

Herausforderungen bei der Rallye Dakar

Bei der Dakar in Saudi-Arabien zeigte das Hero-Team in den ersten Tagen groß auf und mischte in den Top 10 mit. "Für uns hat es super angefangen mit dem dritten Platz im Prolog. In der Bergetappe hat Sebastian den zweiten Platz gemacht. Es war echt super."

Hero startete mit den Fahrern Sebastian Bühler aus Deutschland, Ross Branch aus Botswana, Joaquim Rodrigues aus Portugal und Franco Caimi aus Argentinien ins Rennen. Die vierte Etappe entwickelte sich allerdings zu einem Albtraum.

"Joaquim hat sich den Oberschenkel gebrochen und wurde in Riad im Krankenhaus operiert", seufzt Fischer. "Ross und Sebastian hatten auch noch richtig Pech gehabt. Beide hatten im Prinzip Probleme mit der Benzinversorgung."

Sie haben aufgrund eines technischen Problems zu viel Benzin verbraucht. Es war extrem spritraubend, weil es zu 100 Prozent Sand war. Der Sand war nass, schwerer und noch tiefer als sonst. Das hat noch mehr Sprit gebraucht."

Umstellung auf Drive-by-Wire

Bisher ist Hero mit einem mechanischem Gaszug gefahren. Aber in den vergangenen Monaten musste aufgrund einer Regeländerung auf ein elektronisches System umgerüstet werden.

"Die größte Challenge für uns war das neue Speedlimit von 160 km/h", erklärt Fischer. "Damit der Fahrer das nicht selbst kontrollieren muss, braucht man ein elektronisches System mit einem Drive-by-Wire. Es war alles auf den letzten Drücker. Bei den Testrennen in Andalusien und Marokko hat das alles super ausgesehen und gut funktioniert. Aber richtig weiß man das erst bei der Dakar."

Ein Problem mit diesem neuen System sorgte dafür, dass Branch und Bühler der Sprit ausging. Sie verloren an Tag vier mehrere Stunden. In Etappe fünf meldete sich Bühler mit Platz 13 im Tagesergebnis zurück. Tag sechs beendete der Deutsche als 16.

Damit zeigte der 26-Jährige, dass er sich von seinem Oberschenkelbruch, den er sich bei der Abu Dhabi Desert-Challenge im Herbst 2021 zugezogen hat, erholt und wieder seinen Speed gefunden hat. "Es dauert natürlich, bis man das im Kopf verdaut und sich wieder an den Speed gewöhnt", sagt Fischer.

Die ersten Tage in Saudi-Arabien haben gezeigt, dass bei der Performance nicht mehr viel auf KTM und Honda fehlt. "Wir waren sehr froh, dass wir richtig mitfahren können. Über das Jahr haben wir schon gesehen, dass wir Etappensiege einfahren können. Wir haben noch einen langen Weg bis ins Ziel. Hoffentlich können wir noch einige gute Etappen zeigen und weiter lernen, auch für die ganze WM-Saison, damit wir uns auf dem Toplevel verankern können."

Nach sechs Etappen ist Caimi als 15. mit etwas mehr als einer Stunde Rückstand der beste Hero-Fahrer. Bühler ist aufgrund der Probleme in Etappe vier mit vier Stunden Rückstand 26. Branch fehlen in der Gesamtwertung mehr als sechs Stunden. Er ist auf Rang 40 zu finden.

Hero Mavrick 440: Neue Modelle und Varianten

Hero ist der größte Hersteller motorisierter Zweiradfahrzeuge in Indien und produziert seit 2023 die Harley-Davidson X 440. Eine eigene Version namens Mavrick 440 folgte im April 2024. Weitere Modell-Varianten könnten Scrambler und Hurikan heißen.

Wie erwartet, ist die Hero Mavrick 440 technisch und konzeptionell eng mit der bereits bekannten Harley-Davidson X 440 verwandt. Wie die obenherum eigenständig gestaltete X 440 ist sie ein einfach gestricktes, klassisches Naked Bike mit Stahlrohr-Chassis und zwei Federbeinen hinten. Mit der Standard-Telegabel vorn ist die Hero sogar noch konsequenter "basic" als die Harley, denn die hat eine Upside-down-Gabel. Hero orientiert sich wohl in erster Linie an den heimischen Konkurrenten Royal Enfield und TVS, auch im Hinblick auf Kosten und Preise.

Als Antrieb für die Hero Mavrick 440 kommt logischerweise der gleiche, langhubig konfigurierte und luft-ölgekühlte Viertakt-Einzylinder-Motor wie für die Harley-Davidson X 440 zum Einsatz, Hero nennt das Triebwerk Torqx. Die Motor-Eckdaten lagen bereits vor, und Hero übernimmt sie nahezu deckungsgleich: 79,6 mm Bohrung, 88,4 mm Hub, 440 Kubik, 9,65:1 Verdichtung, eine obenliegende Nockenwelle (ohc), 2 Ventile, maximal 27 PS (20 kW) bei 6.000/min sowie 36 Nm bei 4.000/min, kombiniert mit Slipper-Kupplung, 6-Gang-Getriebe und Endantrieb per Kette.

Zwar sieht das Speichen-Design der Aluminiumguss-Räder bei der Hero Mavrick 440 anders aus als bei der Harley-Davidson X 440, doch die Scheibenbremsen, jeweils eine pro Rad, sind anscheinend die gleichen: 320er-Scheibe vorn, 240er-Scheibe hinten und ABS zumindest optional. Nennenswerte Unterschiede gibt es bei den Reifenformaten: 110/70-17 statt 100/90-18 vorn, 150/60-17 statt 140/70-17 hinten.

Je nach Ausführung wiegt die Mavrick 440 nach Werksangaben 187 bis 191 Kilogramm, jeweils fahrbereit mit vollem 13,5-Liter-Benzintank - wie die X 440.

Den Schritt nach Europa hat Hero für 2024 bereits angekündigt. Zwar in Verbindung mit dem ebenfalls neuen Elektroroller Hero Vida V1, doch die Hero Mavrick 440 kommt ebenso für den Export infrage. Wann und zu welchem Preis, ist noch nicht genau abzuschätzen.

Preise der Hero Mavrick 440 (2024)

Die Preise für die 3 Ausstattungsvarianten der Hero Mavrick 440 zur Markteinführung in Indien 2024:

  • "Base": 199.000 Indische Rupien (umgerechnet circa 2.200 Euro)
  • "Mid": 214.000 Indische Rupien (umgerechnet circa 2.400 Euro)
  • "Top": 224.000 Indische Rupien (umgerechnet circa 2.500 Euro)

Also ist selbst die Top-Variante der Mavrick 440 preisgünstiger als die Basis-Variante der X 440.

Modellvarianten Mavrick 440 Scrambler und Hurikan 440

Auf die Hero Mavrick 440 soll offenbar die Modell-Variante Hero Mavrick 440 Scrambler folgen. Diese Modell-Bezeichnung meldete Hero am 14. März 2024 beim Indischen Patentamt (Intellectual Property India) an.

Die Modell-Bezeichnung Hurikan 440 hat Hero sich ebenfalls schützen lassen. Ob Hero die Mavrick Scrambler und Hurikan ebenfalls noch im Laufe des Jahres 2024 präsentieren wird oder erst 2025, ist bislang unklar.

Hero Vida Lynx Concept für A1

Unter seinem Elektro-Sublabel Vida bringt der große indische Hersteller Hero die leichte Sport-Enduro Lynx. Deren Entwicklung läuft zum Teil in Bayern.

Im Hero Tech Center Germany im bayerischen Stephanskirchen bei Rosenheim entwickelte Hero - der größte Zweiradfahrzeug-Hersteller Indiens - bereits seinen ersten Elektroroller, den Vida V1. Vida ist ein Sublabel von Hero, eigens gegründet für elektrische Konzepte. Eines davon ist die leichte Sport-Enduro Lynx.

Ende 2023 tauchte das Concept Lynx erstmals auf, zunächst versteckt zwischen diversen anderen Mitteilungen von Hero, dann als getarnter Test-Prototyp in einem Video. Am 1. Februar 2024 zeigte Hero eine seriennah erscheinende Version der Vida Lynx bei der Bharat Mobility Expo in Indien. Schon bald könnte die Lynx - Englisch für die Raubkatze Luchs - zum Sprung in die Serienfertigung ansetzen.

Bisher legte Hero wenige technische Daten zum Vida Concept Lynx vor, einer der wichtigsten Werte ist aber schon bekannt: 15 kW elektrische Spitzenleistung, entsprechend knapp über 20 PS. Das zugehörige Akku-Pack ist mit angeblich nur 3 kWh Kapazität allerdings relativ klein dimensioniert. Hero verspricht dennoch "circa eine Stunde" Offroad-Betrieb.

Dazu entwickelt Hero eine Smartphone-App, mit der die Energierückgewinnung im Schiebebetrieb (Rekuperation) und die Schlupfregelung eingestellt werden können. Mit formal bis zu 11 kW (15 PS) Dauer-Nennleistung wäre die Vida Lynx eine sehr heiße Kandidatin für die europäische A1-Kategorie ("125er") ab 16 Jahren.

Dass das Akku-Pack des Vida Concept Lynx kein großes ist, hat indes einen sehr erfreulichen Nebeneffekt: Damit wiegt die sportliche Elektro-Enduro angeblich nur 82 Kilogramm.

Dieses Chassis-Layout hat Hero angeblich als Patent angemeldet. Ebenfalls aus Aluminium ist die zweiarmige Hinterradschwinge gefertigt, und der Hinterradantrieb läuft konzeptgerecht per Kette.

Gut möglich, dass die in Indien und Bayern entwickelte, leichte und sportliche Elektro-Enduro im Laufe des Jahres 2024 oder spätestens 2025 in den Handel kommt.

Arbeiten bei Hero Tech Center Germany

Hero Tech Center Germany wird als Arbeitgeber von Mitarbeitenden mit durchschnittlich 4,6 von 5 Punkten bewertet. In der Branche Forschung/Entwicklung schneidet Hero Tech Center Germany besser ab als der Durchschnitt (3,6 Punkte). 100% der Bewertenden würden Hero Tech Center Germany als Arbeitgeber weiterempfehlen.

Mitarbeiter schätzen das tolle Team, interessante Aufgaben, angenehme Arbeitsatmosphäre, überdurchschnittliche Gehälter und moderne Büros.

Bewertungen von Mitarbeitern

Hier eine Zusammenfassung der Mitarbeiterbewertungen:

Faktor Bewertung
Arbeitsatmosphäre Entspannt und angenehm zum Arbeiten
Image Neu in EU, Image wird aufgebaut
Work-Life-Balance Flexible Arbeitszeiten, Home Office
Karriere/Weiterbildung Großzügiges Budget für Weiterbildungen
Gehalt/Sozialleistungen Überdurchschnittliche Gehälter
Umwelt-/Sozialbewusstsein Förderung von Elektromobilität
Kollegenzusammenhalt Freundliche Arbeitsatmosphäre
Vorgesetztenverhalten Volles Vertrauen in die Mitarbeiter
Arbeitsbedingungen Moderne Büros mit Alpenblick
Kommunikation Immer zeitnah und vollständig
Gleichberechtigung Komplette Gleichberechtigung
Interessante Aufgaben Interessante Projekte, Impact auf Endergebnis
Umgang mit älteren Kollegen Hilfreich

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