Ein Motorradhelm ist kein Zubehör, das man mal eben im Vorbeigehen kauft, sondern ein Lebensretter, der bei einem Unfall Kopf und Gehirn vor schweren oder tödlichen Verletzungen schützen kann. Der ideale Helm bietet aber nicht nur Sicherheit, sondern erfüllt auch alle anderen Aspekte, die Motorradfahrerinnen und -fahrern wichtig sind. Doch welcher Helm kann in allen Kategorien überzeugen?
Aktuelle Klapphelm-Tests im Überblick
Rechtzeitig zum Beginn der Motorradsaison hat die Zeitschrift "Motorrad" zwölf aktuelle Klapphelme getestet (Heft 11/2024). Im Labor, auf dem Prüfstand und bei Fahrversuchen wurden zwölf Helme unterschiedlicher Preiskategorien in diesen Testkriterien untersucht:
- Passform und Tragekomfort
- Aerodynamik
- Akustik
- Belüftung
- Handhabung
- Ausstattung und Verarbeitung
- Gewicht
- Schlagdämpfung und Rotation
Testsieger ist der Schuberth C5 für 699 Euro. Doch auch günstigere Helme schneiden gut ab. Die Ergebnisse im Detail.
Testergebnisse im Überblick
Fünf Klapphelme schneiden im Motorrad-Gesamturteil jeweils mit gut oder sehr gut ab. Zwei Modelle erhalten nur die Note befriedigend. Schlusslicht im Test ist der Harley-Davidson Evo X17 Sunshield Modular, der vor allem beim Gewicht und bei der Akustik Federn - oder besser Punkte - lassen musste. In Sachen Schlagdämpfung bieten jedoch auch die beiden letztplatzierten Helme noch ordentlichen bis sehr guten Schutz.
Zum Sieger kürten die Tester den Klapphelm C5 von Schuberth. Der C5 überzeugte vor allem durch sehr gute Brillentauglichkeit, gute Passform und sehr komfortable und einfache Bedienung.
Den Beweis, dass ausreichender Schutz nicht teuer sein muss, lieferte unter anderem der MTR K-4 Evo.
Detaillierte Testergebnisse der Klapphelme
| Modell | Preis in Euro | Urteil Motorrad |
|---|---|---|
| Schuberth C5 | ab 699,00 | Sehr gut |
| Shoei Neotec 3 | ab 669,00 | Sehr gut |
| Nolan N100-6 | ab 399,99 | Sehr gut |
| LS2 FF901 Advant X Carbon | ab 469,00 | Sehr gut |
| HJC RPHA 91 Carbon | 699,90 | Sehr gut |
| BMW System 7 Carbon Evo | ab 710,00 | Gut |
| AGV Tourmodular | ab 549,95 | Gut |
| Germot GM 970 | 159,90 | Gut |
| Airoh Specktre | ab 259,99 | Gut |
| MTR K-4 Evo | ab 99,99 | Gut |
| Rocc 810 | ab 189,95 | Befriedigend |
| Harley-D. Evo X17 Sunshield Modular | 383,00 | Befriedigend |
Wichtige Aspekte beim Kauf eines Motorradhelms
Um den richtigen Motorradhelm zu finden, sind einige Faktoren zu berücksichtigen:
- Passform: Der Motorradhelm sollte fest auf dem Kopf sitzen und während der Fahrt nicht verrutschen oder gar rotieren können. Jedoch darf es keine Druckstellen geben, die für Kopfschmerzen sorgen.
- Schutz: Der Motorradhelm sollte unbedingt zertifiziert sein und aktuellen Sicherheitsstandards entsprechen.
- Gewicht: Ein leichter Motorradhelm ist angenehmer zu tragen und reduziert das Risiko von Hals- und Nackenverletzungen.
- Belüftung: Eine ausreichende Belüftung ist wichtig, um während der Fahrt konzentriert bei der Sache zu sein und Überhitzung zu vermeiden. Gleichzeitig sollte die Helmbelüftung keinen störenden Zug in die Augen zulassen.
- Sicht: Der Motorradhelm sollte ein ausreichendes Sichtfeld bieten, d. h. der Ausschnitt fürs Visier sollte nicht allzu schmal ausfallen. Eine klare Sicht, ohne Schlieren oder Kratzer sind selbstredend.
Verschiedene Helmtypen im Überblick
Neben den verschiedenen Faktoren unterscheiden sich Motorradhelme in ihrer Bauart, die sich in Design, Eigenschaften und Zweck abgrenzen. Wir geben einen Überblick:
Integralhelme
Die am weitesten verbreitete Helmform bei Motorradhelmen. Größte Auswahl am Markt in allen Preisklassen, u. a. als möglichst leichter Sporthelm oder als üppig ausgestatteter Tourenhelm mit Sonnenblende erhältlich, teilweise bereits mit Kommunikationselektronik ausgestattet oder zumindest damit nachrüstbar. Der Integralhelm bietet die beste Sicherheit, weil Kopf- und Kinnteil aus einem Guss sind. Außerdem sind beim Integralhelm Fahrtwindgeräusche bauartbedingt am einfachsten gering zu halten, weshalb er sich - zusätzlich zum Sicherheitsaspekt - am besten für hohe Geschwindigkeiten und lange Strecken eignet.
Jethelme
Diese Motorradhelme haben keinen Kinnschutz und werden gerne für Cruiser, Stadt- und Kurzstreckenfahrten genutzt. Der Jethelm bietet ein subjektiv "freieres" Fahrgefühl, bauartbedingt das Maximum an Belüftung, großes Sichtfeld, relativ niedriges Gewicht, da weniger Materialeinsatz. Das größte Manko eines Jethelms ist der fehlende Kinn- und Gesichtsschutz. Hinzu kommt, dass Jethelme recht laut sein können.
Klapphelme
Diese Motorradhelme kommen mit einem klappbaren Kinnteil. Im besten Fall besitzt ein Klapphelm die Doppelhomologation J/P. Das heißt, der Helm ist sowohl als Integralhelm als auch als Jethelm zugelassen, darf also ebenfalls offen, mit nach oben bzw. hinten geklapptem Kinnteil gefahren werden. Klapphelme sind praktisch, hauptsächlich für Brillenträger sowie für Raucher und alle, die für einen Schluck aus der Wasserflasche nicht jedes Mal den Helm absetzen möchten. Sie sind oft schwerer als Integralhelme und bieten beim Aufprall - je nach Qualität des Verschlusses - nicht die gleiche Schutzwirkung wie ein gleichwertiger Integralhelm.
Modulhelme
Diese Helme können je nach Bedarf in Integral- oder Klapphelm umgebaut werden, indem etwa das Kinnteil werkzeuglos demontiert wird. Voraussetzung hier, wie beim Klapphelm: Die Doppelhomologation J/P. Modulhelme sind vielseitiger als andere Motorradhelmvarianten. Sie können als Integral oder als Jethelm gefahren werden, mit zusätzlichem Schild wird daraus sogar ein Enduro-Tourenhelm. Abgenommene Teile können verloren gehen, Anbringen des Kinnteils bei aufgesetztem Helm kann "fummelig" sein, Geräuschniveau oft höher als bei vergleichbarem Integralhelm.
Crosshelme
Crosshelme sind speziell für den Offroad-Einsatz entwickelt, aber auch bei Supermoto-Fahrern sehr beliebt. Sie bieten eine große Blicköffnung, sodass eine Cross-Brille getragen werden kann. Oft ist das Brillenband im hinteren Helmbereich fixierbar und auf der Helmoberseite ein justier- sowie abnehmbarer Schild angebracht. Dieser dient bei Crossrennen als Schutz vor aufgewirbelten Steinen des Vordermanns, im Alltag auch als Blendschutz. Crosshelme haben eine hervorragende Belüftung, sind in Dreck, Staub und Schlamm gegenüber Helmen mit Visier überlegen. Sie bieten schlechten Schutz bei Regen und Kälte, häufig hohes Geräuschniveau. Bei hohem Tempo erhöhter Druck auf die Nackenmuskulatur durch schlechtere Aerodynamik.
Enduro-Tourenhelm
Eine Kreuzung aus Integral- und Crosshelm. Vom Crosshelm hat er die Form und das große Schild, vom Integralhelm das Visier. Die Gattung ist recht jung und hat mit den großen Reiseenduros ihren Siegeszug angetreten. Daher ist die Auswahl inzwischen recht groß. Er ist luftig, bietet ein großes Sichtfeld, Blendschutz durch Schild, im Gelände und bei Hitze wahlweise mit Endurobrille fahrbar. Durch Schirm und Form oft spürbar lauter als ein vergleichbarer Integralhelm. Gegen das gerne mal etwas höhere Gewicht hilft in oberen Preisklassen Carbon.
Materialien von Motorradhelmen
Was auch immer fantasievollen Werbe-Lyrikern an Materialbezeichnungen einfällt - Motorradhelme sind stets entweder aus Thermoplasten oder Duroplasten gefertigt.
- Thermoplaste: Um Helme möglichst preisgünstig herzustellen, werden thermoplastische Granulate aus Acrylnitril-Butadien-Styrol (ABS), Polyamid (PA) oder Polycarbonat (PC) geschmolzen und im Spritzgussverfahren maschinell zu Helmschalen weiterverarbeitet.
- Duroplaste: Harte glasartige Polymerwerkstoffe aus Kunstharz und Armierungsgewebe, die nach ihrer Aushärtung nicht mehr verformbar sind, nennt man Duroplaste.
Sicherheitsstandards und ECE-Norm
Die Sicherheitszertifizierung ECE (Economic Commission of Europe) stellt weltweit in 50 Ländern, einschließlich den USA und Kanada, den Standard für die Anerkennung von Helmsicherheit dar. Vor der Markteinführung eines Motorradhelms sind Hersteller verpflichtet, eine Charge von 50 Exemplaren zur unabhängigen Überprüfung einzureichen. Im Jahr 2020 erfolgte eine Aktualisierung der Norm zu ECE 22.06, die nun auch die Prüfung von Visieren und offiziellem Helmzubehör umfasst. Helme, die der vorherigen Norm ECE 22.05 entsprechen und entsprechend gekennzeichnet sind, behalten ihre Zulassung und dürften weiterhin gefahren werden.
Seit Januar 2024 sollen jedoch alle neu produzierten Motorradhelme den Anforderungen der aktualisierten ECE 22.06 Norm gerecht werden.
Geräuscharme Motorradhelme
Motorradfahren könnte so schön sein mit einem leisen Motorradhelm. Vor allem bei Geschwindigkeiten ab 150 km/h kann ein lauter Helm das Fahrerlebnis durch Lärm und Windgeräusche trüben. Vor allem Motorradfahrer, die regelmäßig lange Strecken fahren, suchen sich einen leisen Helm, der das kontinuierliche Rauschen dämmt. Der Helm zahlt zum auf die Konzentration ein und schont zum anderen das Gehör.
Bekannt ist, dass vor allem Crosshelme eher laut sind und auch ein Windschild für hohe Lautstärken sorgt. Integralhelme gelten als besonders leise, auch wenn sie die Windgeräusche nicht vollständig unterdrücken können.
Im Straßentest schneiden Klapphelme in puncto Lärmdämmung besonders gut ab. Insbesondere der Schuberth C4 Pro ist der Spritzenreiter unter den leisen Klapphelmen. Er ist sogar mit einem Akustikpolster ausgestattet.
Verwandte Beiträge:
- Thermo-Unterwäsche Motorrad Herren: Test, Kaufberatung & Modelle - Perfekter Komfort beim Motorradfahren
- Dirtsuit MTB Herren: Optimaler Schutz beim Mountainbiken - Top Modelle!
- Günstige Fahrradhelme für Herren: Top Modelle im Vergleich
- Radfahrer Jacke Herren: Test, Vergleich & Kaufberatung für Fahrradjacken
- Fahrradverleih Kühlungsborn: Die besten Touren an der Ostseeküste entdecken!
- Bayerns schönste Radwege entdecken: Geheimtipps für unvergessliche Touren abseits der Massen!
Kommentar schreiben