Die Vorstellung von Hexen auf Motorrädern mag modern erscheinen, doch sie wurzelt tief in der Geschichte, im Mythos und in der komplexen Beziehung zwischen Weiblichkeit, Macht und Subversion. Dieser Artikel untersucht die vielschichtigen Aspekte dieser faszinierenden Kombination.
Die Hexe: Mehr als nur ein Märchen
Der Mensch des Mittelalters war in einer völlig anderen Denkung und Wahrnehmungsweise verhaftet als wir im heutigen Zeitalter. Uralten Weisheiten entsprechend waren Symbole für den Ausdruck von Gedanken und Gefühlen vertraute Lebensbekenntnis. Die Darstellungen sind nahezu überladen mit bedeutungsvollen und hintergründigen Bezügen, dem heutigen Betrachter aber fehlt der Zugang zu ihrem Sinngehalt. Wohl ist augenfällig, daß die Symbole aus jedem Detail sprechen, doch wo ist der Schlüssel zu ihrem Verständnis?
Ähnlich ist es mit den Märchen, deren letzte Reste Männer wie die Gebrüder Grimm für die Nachwelt fixiert haben. Allerdings konnten sie das natürliche Verständnis der Symbolinhalte nicht retten. Als Schlüssel zum Zugang anderer Sphären und Welten steht häufig die Pflanze, als reales oder aber imaginäres Wesen.
Während von einigen Ärzten und Psychiatern, unter anderem auch Paracelsus, die Visionen der Hexen als Ausgeburt von Geisteskrankheiten angesehen werden, haben Historiker und Religionswissenschaftler in diesem Kult Elemente heidnischer Kulturen gesehen. Der Bock beim „Hexensabbat“ ist eher als Pan-Symbolik der weißen Fruchtbarkeitsmagie der menschlichen Ära vor dem Ackerbau und der Viehzucht zu sehen, als das von der Kirche der damaligen Zeit dargestellte Satanssymbol. Es ist der alte Fruchtbarkeitsgott Dionysos und seiner Satyrn.
Die Rolle der Frau in der Hexenverfolgung
Die meisten Hexen waren Frauen. Psychisch besonders belastete Frauen, welche das vom Christentum geforderte Maß an Triebverdrängung nicht oder nur mit großer Mühe erbringen konnten, erwiesen sich als besonders gefährdet. Ihr Glauben an den „Teufel“, das heißt an das Gegenbild der leibfeindlichen Kultur, war aber mit heftigen Schuldgefühlen verbunden.
Rauschdrogen und Hexenkulte
In den Hexenkulten überlebte ein uraltes Wissen um Rauschdrogen, das nicht nur an die Fruchtbarkeitskulte der Frühen Ackerbauern anknüpft, sondern unmittelbar an die bei vielen „Primitiven“ Völkern beschriebenen Reisen ins Geisterreich des Schamanen. Für die Wurzeln der Hexenkulte in altsteinzeitlichen religiösen Mythen spricht der Kalender, der nicht dem Ackerbau, sondern dem Fortpflanzungsrhythmus der wilden Tiere entspricht.
Die Angst vor einer Subkultur schien so groß zu sein, daß sich 1612 sogar eine Synode mit dem Mißbrauch halluzinogener Pflanzen und „allerlei Hexenwerk“ befaßte, besonders mit der Anwendung von Farnextrakten. Die botanisch sehr erfahrenen Kräutler des Mittelalters wußten sehr gut, welche Pflanzen Visionen auslösen und in diesem Zusammenhang wurden immer wieder Nachtschattengewächse genannt.
Jean Brau aber schrieb, daß es den Konsumenten „ehr ins Leichenhaus als zum Sabbat bringt“. Schierling und die Nachtschattendrogen sorgen für die Betäubung, das Haschisch für die Visionen und die Kanthariden für den erotischen Teil des Hexensabbats.
Giovanni Battista Porta beschrieb in seiner „Magia naturalis“, wie er eine Hexe dazu brachte, in seiner Gegenwart ihren ganzen Körper mit Salbe einzurei9ben. „Als die Kraft der Salbe nachließ, wachte sie auf und erzählte uns irre Ideen: Sie sei über Meer und Berge geflogen. Übrigens war es für Jean Bodin in seiner Instruktion für Richter, die mit der Hexerei zu tun hatten, schon ein Indiz für die Folter, wenn der Angeklagte irgendwelches Fett auf seinem verstrichen hatte, „denn man weiß, daß die Zauberer sich solcher Drogen bedienen.“
Neben den Solanceae, Apiceae und Ranunculaceae wurden auch Pilze verwandt, an erster Stelle der Fliegenpilz (Amanita muscaria).
Beispiele für halluzinogene Pflanzen
Einige Beispiele für halluzinogene Pflanzen, die im Zusammenhang mit Hexerei verwendet wurden:
- Atropa belladonna L. (Tollkirsche): Alle Anteile dieser Pflanze enthalten ein hochwirksames Alkaloidgemisch aus Atropin, Hyoscyanin und Scopolamin.
- Datura stramonium L. (Stechapfel): Wie die Tollkirsche, so enthält auch der Stechapfel in allen Pflanzenanteilen Tropanalkaloide.
- Hyoscyairnus niger L. (Bilsenkraut): Der Gehalt an Tropanalkaloiden ist im Bilsenkraut deutlich niedriger als bei Atropa und Datura.
- Cicuta virosa L. (Wasserschierling): Aufgrund seines Polyingehalts gehört der Wasserschierling zu den giftigsten einheimischen Pflanzen.
- Aconitum napellus L. (Blauer Sturmhut): Verschiedene Aconitumarten im asiatischen Raum wurden als Pfeilgifte verwand; dies mag die Toxizität dieser Gattung darstellen.
- Amanita muscaria (Fliegenpilz): In geringen Mengen löst der Fliegenpilz Euphorie und ein Gefühl der Schwerelosigkeit, eventuell auch farbige Visionen aus.
Auswirkungen von Halluzinationen
Die Kombination aus all den beschriebenen Symptomen läßt eine Ahnung der verschiedenen Ebenen der Halluzinationen zu.
- ..können aktiviert werden.
- Hierbei stehen grauenhafte Empfindungen und Visionen im Vordergrund. Es kann eine Eigen- oder Fremdgefährdung, wie Sprünge in Schluchten oder tätliche Angriffe auf andere Personen nach sich ziehen.
- Dies sind plötzlich auftretende Rauschzustände, die Tage oder Wochen nach der letzten Drogeneinnahme aktiviert werden. Unsicherheit und eventuelle Realitätsverschiebungen können die Folge sein.
Die rnagischen Praktiken der Hexen irn Mittelalter können als letzte heidnische Verbindung des Wissens aus der Jägerund Sammlerzeit gesehen werden. Höhlengemälde von vor zwölf- bis zwanzigtausend Jahren zeigen fast identische Riten auf.
Marilyn Monroe: Von der Hexe zur Heiligen
Solange sie lebte, war Marilyns provokativ zur Schau gestellte Weiblichkeit den Frauen, besonders den organisierten Tugendhüterinnen Amerikas, ein Ärgernis - als Tote aber ist das Lustobjekt der Männer zum Idol der Frauen geworden. Aus Marilyn, der Frevlerin, war das Opfer geworden. Erst Hexe, dann Heilige. Frauen haben sie gehaßt, beneidet, verehrt, imitiert und endlich als »Schwester« entdeckt.
Aus feministischer Sicht waren die fünfziger Jahre für die amerikanische Frau eine Zeit des Rückschritts - obgleich Werbung und herrschende Ideologie das Gegenteil behaupteten: Die Frau - nämlich die Ehefrau und Mutter - habe es so gut wie nie, hieß es. In den Kriegsjahren hatten Millionen von Amerikanerinnen (darunter auch die junge Norma Jean Baker, aus der später Marilyn Monroe wurde) in der Rüstungsindustrie gearbeitet, wie die vaterländische Propaganda es empfahl und die Wirtschaft es erforderte.
Gefragt war nun wieder das Urbild der Hausfrau, nur unwesentlich aufgehellt durch solche Attribute wie College-Erziehung und komplette Maschinenparks in den Küchen. Die Universität aber wurde bald - durchaus wunschgemäß - von den meisten Frauen nur als Gelegenheit genutzt, sich einen Mann zu angeln. Das Heiratsalter sank.
In den vierziger Jahren hatte sie noch Heroinen vorgeführt, die selbständig dachten und handelten, aber in den Fünfziger-Jahre-Filmen war eine alleinstehende, ihre Unabhängigkeit behauptende Frau nur noch Witzfigur oder Schreckgespenst. Allein gilt die Frau nichts mehr, doch alles, wenn sie einen Mann an ihrer Seite hat.
Daß diese Botschaft nicht allzu plump wirkte, ist vor allem Marilyn Monroe zu danken: Ihr Sex-Appeal war nicht plakativ, sondern ironisierend. Den Frauen, die für Zwischentöne empfänglich sind, gibt sie vieldeutige Signale. Ihre Wirkung auf Männer war eindeutig. Frauen dagegen reagierten widersprüchlich. Manche fanden sie lächerlich, manche zeigten Abscheu. In anderen weckte sie beschützerische Instinkte: Von der Leinwand herab, unter ihrem zur Ikone geschminkten Gesicht, schien Verletzlichkeit auf, Schwäche, Hilfsbedürftigkeit.
Trotz Starruhm und Erfolg blieb die Monroe zeitlebens ein Bündel von nagenden Zweifeln und inneren Widersprüchen. Ihre Ausstrahlung, die so viel Selbstsicherheit suggerierte, wollte nicht zu ihrem übergroßen Bedürfnis nach Bestätigung und beschützender Liebe passen, und der Wille, als Schauspielerin ernst genommen zu werden, nicht zu der wiederholten Flucht in Lethargie und/ oder neue Liebesbeziehungen.
Wie sollte sie auch solidarisches Verhalten von Frauen erfahren haben, wo es doch Männer waren, die sie zum Star machten? An sie hat sie sich ausschließlich gewandt - ihr Gang, ihre Aufmachung, ihre Selbststilisierung zum verführerischen Unschuldsengel. Sie verhieß alles und brauchte nichts einzulösen, suggerierte Verfügbarkeit und entzog sich doch ständig - der ideale Phantasie-Partner S.137 für Männer. Männer haben ihren Erfolg gemacht - aber sie haben sie gleichzeitig auf ihr Sex-Image festgelegt.
Die Monroe selbst war das schon nach ihren ersten großen Erfolgen leid und wünschte sich andere Rollen, bessere Drehbücher. Doch ihre Vertragsfirma Centfox - allen voran der Boß Darryl F. Zanuck, ein exemplarischer Chauvinist und Frauenverächter - dachte weder daran, die Erfolgsformel zu ändern, noch Marilyn entsprechend ihrem Marktwert zu entgelten. Seit 1950 war sie an einen Siebenjahresvertrag mit magerer Gage gebunden.
Immer wieder hatte Marilyn in ihren Männern auch den Lehrer gesucht. Freud-gläubige Biographen verwiesen auf ihre vaterlose Kindheit und die lebenslange Suche nach einem Ersatzvater. Glaubte sie, ihn in Miller gefunden zu haben? In diese Ehe investiert sie alles: Sie tritt zum Judentum über, bekennt sich zu Miller, als er vor McCarthys Ausschuß für unamerikanische Umtriebe aussagen muß, spielt monatelang Hausfrau.
Zu guter Letzt wirft Marilyn ihm noch vor, die Rolle der Roslyn in »Nicht gesellschaftsfähig« nicht anspruchsvoll genug gestaltet zu haben. Selbst in dem Film, den ihr eigener Mann für sie schrieb, ist sie nicht viel mehr als das ihr verhaßte Blondchen.
Bei den Dreharbeiten zu ihrem letzten Film »Something''s Got To Give« spielt sie zum erstenmal völlig nackt, obgleich das niemand von ihr fordert. Zwei Photographen sind zugegen. Mit diesen Bildern werden sie später ein Vermögen verdienen. Es ist, als wolle sie sich beweisen, daß wenigstens etwas noch mit ihr stimmt, daß mit sechsunddreißig Jahren wenigstens ihr Körper immer noch schön ist.
Die Hexe auf dem Motorrad als Symbol
Die Hexe auf dem Motorrad ist ein kraftvolles Symbol für Weiblichkeit, Unabhängigkeit und Rebellion. Sie vereint traditionelle Vorstellungen von Hexerei mit moderner Technologie und dem Streben nach Freiheit.
Filmtipp: Saint-Narcisse
In seinem neuen Film „Saint-Narcisse“ interpretiert der kanadische Kultregisseur Bruce LaBruce („Otto; or, Up with Dead People“) den alten Mythos von Narziss als queere Selbstfindungsgeschichte. Auf der Suche nach ihr fährt er auf dem Motorrad nach Saint-Narcisse, wo er die im Ort als Hexe verschriene Mutter und deren junge Lebensgefährtin Irene antrifft.
Verwandte Beiträge:
- Hexe auf Motorrad & Besen: Kuriose Bilder & Geschichten
- Polo Motorradbekleidung: Test, Kollektion & Kaufberatung
- Motorrad Kostüm für Erwachsene: Die besten Outfits für Biker
- Qplay Dreirad Elite mit Schubstange: Test & Erfahrungsbericht
- Wie viel Luftdruckverlust bei Fahrradreifen ist normal? Experten klären auf!
Kommentar schreiben