Hohe Kiste MTB: Ein Erfahrungsbericht

Die Hohe Kiste (1922 m) liegt im Estergebirge, nur durch ein schmales Tal getrennt vom Simetsberg. Fährt man von München kommend in Richtung Garmisch, kann man links oberhalb von Eschenlohe das gewaltige Schuttkar ausmachen, welches im Gipfel der Hohen Kiste “gipfelt”.

Die Herausforderung

Auch mit dem Fahrrad kann man Berge erklimmen. Die Hohe Kiste zumindest fast. Vor allem Touren, die mit einem langen Talhatscher am Anfang oder Ende aufwarten, sind für sowas einfach prädestiniert. Nun bot sich endlich mal wieder die Gelegenheit und mein Draftesel sollte sich mal wieder einer Herausforderung stellen. Oder ich mir selber?

Ausgangspunkt und Anfahrt

Schon von unserem Ausgangspunkt, dem Bahnhof von Eschenlohe, ist der markante, eckige Berggipfel der Hohe Kisten auf der Ostseite des Tals zu sehen. Wir fahren über die Loisachbrücke, halten uns nach der Brücke rechts und folgen der Beschilderung Kuhalm. Nach etwa zwei Kilometern biegen wir auf den guten Forstweg ab. Alternativ ist auch eine Anreise mit der Bahn bis Eschenlohe möglich.

Das Auto bleibt am Ortsende auf einem waldigen Parkplatz stehen.

Die Auffahrt

Dieser führt uns zu Beginn im Wald in mäßiger Steigung bergauf. Weiter oben wird der Weg breiter und dadurch sonniger. Wir kommen an einigen plätschernden Bächen vorbei, die den Weg kreuzen. In den Bächen gibt es kleinere Gumpen, an denen man sich erfrischen kann. Bei der Auffahrt bekommen wir immer wieder schöne Blicke auf den Herzogstand, den Heimgarten, die Hohe Kisten und hinunter ins Tal.

Vorbei an Holzstapeln geht es erst wenig steil der Forststraße folgend nach oben. Allerdings nur kurz. Nach wenigen Metern schon zieht der Forstweg ganz schön an. Es wird immer steiler. Mir kommt es vor, als würde ich eine völlig andere Muskulatur beanspruchen als sonst. Und mir fließt der Schweiß in Rinnsalen über das Gesicht, die Tropfen verharren kurz an der Nasenspitze um anschließend irgendwo zwischen Lenker und Vorderrad den Weg nach unten zu finden.

So geht es knapp 30 Minuten und endlich ist ein flaches Stück erreicht. Und welch Wonne: Es geht sogar abwärts. Allerdings nicht sonderlich lang. Nach einer scharfen Kurve, die es unmöglich macht, sonderlich viel Schwung mitzunehmen, wird es alsbald wieder steiler. Dafür werden die Ausblicke grandioser. Steil fällt der Hang hinab zur Kessellaine und ein beeindruckender Wasserfall wartet darauf, fotografiert zu werden. Eine willkommene Pause.

Es wird wieder steiler und ich quäle mich mehr und mehr. Aber es geht weiter. Ans Aufgeben verschwende ich keinen Gedanken. Auch dann nicht, als ich von unzähligen anderen Fahrradfahrern überholt werde. Irgendwie lasse ich Kurve um Kurve hinter mir. Die Bäume werden lichter.

Die Forststraße zieht gnadenlos empor, es gibt aber auch kleine Verschnaufpassagen. Beim Start war es ziemlich warm und sonnig, da war die etwas schattige Auffahrt ein guter Griff.

Ankunft an der Kuhalm

Das Ziel - die Rechtlerhütte oberhalb der Kuhalm am Ende des Forstwegs - scheint näher. Und tatsächlich: Irgendwann taucht sie vor den Augen auf und ist dann in wenigen Minuten auch erreicht. Pause, Erschöpfung und die Erkenntnis: Genießen geht anders!

Nach 12 Kilometern haben wir eine Höhe von 1520 m erreicht und sehen zwischen den Bäumen das Karwendelgebirge mit seinen massiven Felsflanken. Je höher wir kommen, desto besser können wir diese beeindruckenden Berge sehen.

Auf der Hochfläche bei der Kuhalm (Rechtlerhütte, 1630 m) ließ ich meinen treuen Drahtesel zurück. Die Hütte war schon zu, obwohl noch unzählige Schafe auf den Weiden waren.

Bike & Hike zur Hohen Kiste

Da wir noch auf die Hohe Kisten wandern möchten, lassen wir die Almhütte links liegen und folgen dem nun ruppigen Karrenweg weiter bergauf. Nach 400 Metern und wenigen Höhenmetern müssen wir unser Bike abstellen, denn in einer Kurve beginnt der Wanderweg. Wir folgen der Beschilderung und genießen schon jetzt auf dem zuerst nur leicht ansteigenden Weg die Aussicht.

Der Aufstieg zum Gipfel

Die Pause währt allerdings nur kurz. Denn ein Ziel ist ja noch vor Augen und auch in Sichtweite: Die Hohe Kiste. Die Bikes lassen wir stehen und zu Fuß geht es in etwa 25 Minuten bis zum Gipfel der Hohen Kiste. Ziemlich genau unter dem Gipfels kann man den Weg abkürzen. Hier führt rechts ein Steig erst durch Latschenkiefern und dann stetig recht steil ansteigend gen Hohe Kiste. Unterhalb des Gipfels muss man hier und da mal mit der Hand anpacken, aber die Schwierigkeiten sind doch überschaubar.

Zu Fuß gings sehr aussichtsreich den steinigen, weiter oben schrofigen Weg hinauf zur Hohen Kiste. Schon gegen 13.30 Uhr kamen blitzschnell dichte Nebelschwaden aus den Tälern von Westen herauf.

Am Fuß der Hohen Kisten vorbei bis zum Schild „Hohe Kisten“, hier steil bergauf bis zum Gipfel. Trittsicherheit erforderlich.

Die Aussicht vom Gipfel

Rechts wartet der Walchensee, dahinter der Jochberg, die Benediktenwand. Auch der Schafreuter ist gut zu sehen. Alp- und Zugspitze verhüllen sich allerdings hinter Wolken.

Wir folgen der Beschilderung und genießen schon jetzt auf dem zuerst nur leicht ansteigenden Weg die Aussicht. Vor uns, in einer Senke am Horizont, sehen wir die Weilheimer Hütte mit dem Krottenkopfgipfel. Der Weg wird steiler, ist aber für geübte Wanderer keine große Herausforderung.

Oben am Gipfel der Hohen Kisten, auf 1922 m, haben wir einen grandiosen Rundumblick auf den Pfaffenwinkel mit Starnbergersee und Ammersee, auf Murnau mit seinen vielen kleineren Seen und auf Eschenlohe. Die umliegenden Berge im Norden, Herzogstand, Heimgarten und Simetsberg sind zum Greifen nahe. Weiter östlich ist der Walchensee mit der Benediktenwand zu sehen. Am östlichen Horizont sieht man das Rofangebirge, südöstlich im Vordergrund das Karwendelmassiv mit der dominanten westlichen Karwendelspitze. Im Süden liegt das Wettersteingebirge mit der Zugspitze. Im Vordergrund steht der Krottenkopf mit der Weilheimer Hütte und im Westen liegen die Ammergauer Alpen. Beeindruckende Panoramarundumsicht.

Die Abfahrt

Über den Normalweg geht es nun in knapp 20 Minuten zurück zur Alm, wo wir wieder auf die Räder wechseln. Und jetzt folgt endlich die Belohnung für die Qualen des Aufstiegs. Recht rasant (aber doch ein wenig ängstlich) geht es die knapp 12 Kilometer Forststraße wieder zurück zum Ausgangspunkt. Zwischendurch ein kurzes Stück Gegenanstieg, aber den Spaß kann das jetzt nicht mehr kaputt machen.

Zwei Kilometer nach der Kuhalm führt ein Weg rechts hinunter zum kleinen Wildsee. Es geht um den Simetsberg herum und durch das idyllische Eschenlainetal wieder zurück nach Eschenlohe. Dieser Weg führt uns auf Wiesen- und Waldtrails, holprigen Karren- und Forstwegen zurück zum Ausgangspunkt.

Alternative Routen und Tipps

Für abenteuerlustige Trailfans gibt es auf dem Rückweg eine Alternative. Für die meisten Biker gibt es nach dem Wildsee eine Schiebestrecke, da die 80 Hm durch den Wald hinauf kaum fahrbar sind (Wurzeln, Stufen, Feuchtgebiet). Vom Parkplatz am Ortsrand der Gemeinde Eschenlohe folgen wir dem Mountainbike-Wegweiser "Zur Kuhalm". Nach nur etwa zweihundert Metern macht der Kiesweg eine Linkskurve und beginnt anzusteigen.

Nachdem wir die Schranke hinter uns gelassen haben, geht es anschließend rund vier Kilometer mit bis zu zwanzig Prozent Steigung unentwegt bergauf. Je weiter wir fahren, desto deutlicher lichtet sich der schattige Wald und lässt erste Ausblicke auf die umliegende Bergwelt zu. Auf einer Kuppe angekommen lässt es sich endlich ein erstes Mal für einen Moment ausruhen. Die nachfolgenden knapp eineinhalb Kilometer lassen wir uns entspannt rollen.

Mit Ausblick auf den bewaldeten Simetsberg (1840m) passieren wir dabei einige Felswände. Hier gilt: Vorsicht Steinschlag!

Kaum die Pustertal Laine überquert steigt der breite Forstweg nach dieser gelungenen Verschnaufpause wieder an und führt uns ohne besonders nennenswerte Verzweigungen insgesamt sechs lange Kilometer relativ fordernd bergauf. Einmal rings um die Kesselköpfe (1594m) erblicken wir über die Baumwipfel hinweg die Gipfel der Soierngruppe, des Vorkarwendels sowie des Karwendelgebirges.

Wir haben den langen Anstieg schließlich hinter uns als wir aus dem Wald herauskommen und in das freie Almgebiet rund um die Hohe Kisten (1922m) einfahren. Die Landschaft öffnet sich und unsere Blicke schweifen über die von Geröll durchzogenen Weideflächen.

Zusammenfassung der Tour

Noch etwa siebenhundert Meter bringt uns ein grober, unwegsamer Karrenweg bis zum urigen Jaghaus, das etwa siebzig Höhenmeter über der Kuhalm thront. Die hier vorgestellte E-MTB-Tour stammt ursprünglich aus dem EMTB-Führer „Die 50 schönsten E Mountainbike Touren südlich von München“.

Weitere Informationen

Die Hohe Kisten ist besonders bei Mountainbikern beliebt, denn von Eschenlohe führt eine Forststraßen-Auffahrt von über 1.000 Höhenmetern zur nahen Rechterhütte. Ganz anders sieht der Berg im Norden aus: stark zergliederte Flanken bilden hier die viele kleine Täler und teilweise unwegsames Gelände aus. Am eindrucksvollsten zeigt sich der Gipfel mit einem kantigen Felsaufbau vom Grat westlich des Gipfelaufschwungs aus. Auch sonst ist die Hohen Kisten immer gut an der kantigen, kastenartigen Form ihres Gipfelaufbaus zu erkennen.

Mittelschwere Auffahrt von Eschenlohe zur Rechterhütte im Estergebirge. Die Strecke steckt permanent und quasi gleichbleibend mit 15 Prozent Steigung an. Ausnahmen sind kleinere Rampen und eine Querpassage im Mittelteil.

Die Tour beginnt in Eschenlohe (direkt an der kleinen Brücke im Zentrum), man fährt ca. 2 Km durch den Rest des Dorfes und dann rechts ab Richtung Bergsee. Schon nach wenigen Metern beginnt die recht anspruchsvolle Auffahrt, die eigentlich nur eine Erholungssphase (nach ca. 8 Km) hat. Immer auf dem Hauptweg bleiben und der Beschilderung Richtung Kuhalm folgen.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0