Die Hohe Kisten ist ein beliebtes Ziel für Mountainbiker, besonders wegen der Forststraßen-Auffahrt von über 1.000 Höhenmetern von Eschenlohe zur nahegelegenen Rechterhütte. Der Berg präsentiert sich im Norden mit stark zergliederten Flanken, die kleine Täler und teilweise unwegsames Gelände bilden.
Die Lage: Kuhalm und Hohe Kisten
Die Kuhalm liegt malerisch auf einer Hochebene zwischen Eschenlohe und dem Walchensee. Von hier aus kann man die Hohe Kisten zu Fuß erklimmen und einen grandiosen Ausblick vom Gipfel genießen. Die hier beschriebene E-MTB-Tour stammt ursprünglich aus dem EMTB-Führer „Die 50 schönsten E Mountainbike Touren südlich von München“.
Ausgangspunkt und Anfahrt
Schon vom Bahnhof in Eschenlohe aus ist der markante, eckige Berggipfel der Hohen Kisten auf der Ostseite des Tals zu sehen. Die Anfahrt mit dem Auto erfolgt über die Autobahn A95 München Richtung Garmisch, Ausfahrt Eschenlohe. Dann Richtung Eschenlohe, bei der Kreuzung mit der Bundesstraße geradeaus in die Michael-Fischer-Straße, in Eschenlohe an der T-Kreuzung links in die Murnauer Straße und gleich wieder links in die Bahnhofstraße bis zum Bahnhof. Hier befindet sich ein kostenloser Wanderparkplatz.
Alternativ ist auch eine Anreise mit der Bahn bis Eschenlohe möglich.
Die Tour: Mit dem E-MTB zur Kuhalm
Wir fahren über die Loisachbrücke, halten uns nach der Brücke rechts und folgen der Beschilderung Kuhalm. Nach etwa zwei Kilometern biegen wir auf den guten Forstweg ab. Dieser führt uns zu Beginn im Wald in mäßiger Steigung bergauf. Weiter oben wird der Weg breiter und dadurch sonniger. Wir kommen an einigen plätschernden Bächen vorbei, die den Weg kreuzen. In den Bächen gibt es kleinere Gumpen, an denen man sich erfrischen kann. Bei der Auffahrt bekommen wir immer wieder schöne Blicke auf den Herzogstand, den Heimgarten, die Hohe Kisten und hinunter ins Tal.
Vom Parkplatz am Ortsrand von Eschenlohe folgen wir dem Mountainbike-Wegweiser "Zur Kuhalm". Nach nur etwa zweihundert Metern macht der Kiesweg eine Linkskurve und beginnt anzusteigen. Nachdem wir die Schranke hinter uns gelassen haben, geht es anschließend rund vier Kilometer mit bis zu zwanzig Prozent Steigung unentwegt bergauf. Je weiter wir fahren, desto deutlicher lichtet sich der schattige Wald und lässt erste Ausblicke auf die umliegende Bergwelt zu. Auf einer Kuppe angekommen lässt es sich endlich ein erstes Mal für einen Moment ausruhen. Die nachfolgenden knapp eineinhalb Kilometer lassen wir uns entspannt rollen. Mit Ausblick auf den bewaldeten Simetsberg (1840m) passieren wir dabei einige Felswände. Hier gilt: Vorsicht Steinschlag!
Kaum die Pustertal Laine überquert steigt der breite Forstweg nach dieser gelungenen Verschnaufpause wieder an und führt uns ohne besonders nennenswerte Verzweigungen insgesamt sechs lange Kilometer relativ fordernd bergauf. Einmal rings um die Kesselköpfe (1594m) erblicken wir über die Baumwipfel hinweg die Gipfel der Soierngruppe, des Vorkarwendels sowie des Karwendelgebirges.
Nach 12 Kilometern haben wir eine Höhe von 1520 m erreicht und sehen zwischen den Bäumen das Karwendelgebirge mit seinen massiven Felsflanken. Je höher wir kommen, desto besser können wir diese beeindruckenden Berge sehen.
Wir haben den langen Anstieg schließlich hinter uns als wir aus dem Wald herauskommen und in das freie Almgebiet rund um die Hohe Kisten (1922m) einfahren. Die Landschaft öffnet sich und unsere Blicke schweifen über die von Geröll durchzogenen Weideflächen. Noch etwa siebenhundert Meter und wir erreichen die hin und wieder bewirtete Rechtlerhütte (1843m) - auch als Kuhalm bekannt.
Bike an der Kuhalm abstellen oder noch etwa 400 m und 60 Hm auf groben Karrenweg bis zur scharfen Rechtskurve fahren, dann dort das Bike abstellen.
Hier an der idyllisch gelegenen Almhütte ist der gut beschaffene Fahrweg zu Ende. Noch etwa sechshundert Meter bringt uns ein grober, unwegsamer Karrenweg bis zum urigen Jaghaus, das etwa siebzig Höhenmeter über der Kuhalm thront.
Wanderung auf die Hohe Kisten
Da wir noch auf die Hohe Kisten wandern möchten, lassen wir die Almhütte links liegen und folgen dem nun ruppigen Karrenweg weiter bergauf. Nach 400 Metern und wenigen Höhenmetern müssen wir unser Bike abstellen, denn in einer Kurve beginnt der Wanderweg. Wir folgen der Beschilderung und genießen schon jetzt auf dem zuerst nur leicht ansteigenden Weg die Aussicht. Vor uns, in einer Senke am Horizont, sehen wir die Weilheimer Hütte mit dem Krottenkopfgipfel. Der Weg wird steiler, ist aber für geübte Wanderer keine große Herausforderung.
Den Wegweisern „Weilheimer Hütte/Hohe Kisten“ folgen. Am Fuß der Hohen Kisten vorbei bis zum Schild „Hohe Kisten“, hier steil bergauf bis zum Gipfel. Trittsicherheit erforderlich. Beeindruckende Panoramarundumsicht. Auf gleichem Weg zurück zum Bike.
Gipfelpanorama und Brotzeit
Oben am Gipfel der Hohen Kisten, auf 1922 m, haben wir einen grandiosen Rundumblick auf den Pfaffenwinkel mit Starnbergersee und Ammersee, auf Murnau mit seinen vielen kleineren Seen und auf Eschenlohe. Die umliegenden Berge im Norden, Herzogstand, Heimgarten und Simetsberg sind zum Greifen nahe. Weiter östlich ist der Walchensee mit der Benediktenwand zu sehen. Am östlichen Horizont sieht man das Rofangebirge, südöstlich im Vordergrund das Karwendelmassiv mit der dominanten westlichen Karwendelspitze. Im Süden liegt das Wettersteingebirge mit der Zugspitze. Im Vordergrund steht der Krottenkopf mit der Weilheimer Hütte und im Westen liegen die Ammergauer Alpen.
Nachdem wir uns an dem herrlichen Bergpanorama satt gesehen haben, knurrt unser Magen und möchte auch besänftigt werden. Daher gehen wir auf demselben Weg wieder zurück zur Kuhalm und genießen dort bei schöner Aussicht auf Karwendel- und Wettersteingebirge eine Brotzeit mit kühlem Getränk.
Alternative Rückwege
Für abenteuerlustige Trailfans gibt es auf dem Rückweg eine Alternative. Zwei Kilometer nach der Kuhalm führt ein Weg rechts hinunter zum kleinen Wildsee. Es geht um den Simetsberg herum und durch das idyllische Eschenlainetal wieder zurück nach Eschenlohe. Dieser Weg führt uns auf Wiesen- und Waldtrails, holprigen Karren- und Forstwegen zurück zum Ausgangspunkt.
Für die meisten Biker gibt es nach dem Wildsee eine Schiebestrecke, da die 80 Hm durch den Wald hinauf kaum fahrbar sind (Wurzeln, Stufen, Feuchtgebiet).
Weitere alternative Routen
Abseits markierter Pfade stiegen wir von Eschenlohe zunächst auf dem Steig, der letztlich ins Kistenkar führt, hoch und zweigten von diesem Weg bei einem Baum mit der Markierung "HK" rechts ab, um über stets steile Wald- und Wiesenhänge (zwischendurch an einer Verzweigung links halten) auf den Zunderkopf zu gelangen. Von dort führt das Steiglein weiter über den Nordgrat des Archtalkopfes und erreicht schließlich den Hauptkamm und den Weg, der von der Weilheimer Hütte zur Hohen Kisten führt, ungefähr in der Mitte zwischen diesen beiden Punkten. Über den markierten Weg zum Gipfel.
Den Abstieg nahmen wir zunächst ins Pustertalkarl, wo aber bei der ersten Latscheninsel ein unscheinbares, aber aus der Nähe erkennbares Steiglein einige Meter schräg nach oben und durch eine breite Latschengasse auf einen kleinen Sattel mit einem großen, pfeilerartigen Stein (den man auch schon vom Pustertalkarl aus sieht) führt. Von hier zieht das Steiglein durch ziemlich schrofiges und gerölliges Gelände bergab bis auf 1600m und führt dann hoch zum Nordgrat der Hohen Kisten. Am Gratrücken selbst ist der Steig wieder ausgeprägter und führt zum Zwölferköpfl (mit Kreuz). Abstieg von dort erneut auf kleinem Steig über häufig recht steile Hänge nach Norden zum Hahnbichlsteig und über diesen zurück nach Eschenlohe.
Die Steige sind teilweise nicht in der AV-Karte (BY 9) eingezeichnet, insbesondere nicht der Aufstiegssteig (hier zwei oder drei Ier-Stellen). aber immer so ausgeprägt, dass man sie nicht verliert. Am wenigsten ausgeprägt ist das Stück aus dem Pustertalkarl zum Nordrücken der Hohen Kisten hinüber. Hier kann man nur noch von Steigspuren sprechen, aber erkennbar.
Von Murnau aus folgen wir dem Radweg in Richtung Garmisch-Partenkirchen. In Eschenlohe überqueren wir die Loisachbrücke und gelangen geradeaus in die Krottenkopfstraße. An ihrem Ende befindet sich ein Holzlagerplatz, von dem aus die Ausschilderung des Wanderweges auf die Hohe Kiste beginnt. Wir umgehen die Schranke und bleiben auf der breiten Forststraße bis zur Reschlealm. Weiter geht es schweißtreibend 2,5 km bergauf - das Schloss Wengwies zu unserer Linken immer kleiner werdend. In der Rechtskurve gibt der Weg die Sicht frei auf den Gipfel des Heimgartens. Wir kommen an eine Biegung und befinden uns in dem urigsten und gefährlichsten Teil unserer Tour. Linkerhand die 150 m tiefe Schlucht der Kessellaine, über uns der Gipfel des Simetsberges und halbrechts der in die Schlicht stürzende große Wasserfall. Die Marterln in diesem Gebiet warnen uns vor Leichtsinn und Risiko.
Erfahrungen und Tipps
Die Strecke steckt permanent und quasi gleichbleibend mit 15 Prozent Steigung an. Ausnahmen sind kleinere Rampen und eine Querpassage im Mittelteil. Die Tour beginnt in Eschenlohe (direkt an der kleinen Brücke im Zentrum), man fährt ca. 2 Km durch den Rest des Dorfes und dann rechts ab Richtung Bergsee. Schon nach wenigen Metern beginnt die recht anspruchsvolle Auffahrt, die eigentlich nur eine Erholungssphase (nach ca. 8 Km) hat. Immer auf dem Hauptweg bleiben und der Beschilderung Richtung Kuhalm folgen. Ankunft ist wie Startpunkt.
Die Hohe Kiste zumindest fast. Vor allem Touren, die mit einem langen Talhatscher am Anfang oder Ende aufwarten, sind für sowas einfach prädestiniert.
Eigene Erfahrungen
Vorbei an Holzstapeln geht es erst wenig steil der Forststraße folgend nach oben. Allerdings nur kurz. Nach wenigen Metern schon zieht der Forstweg ganz schön an. Auf der Karte sah das nicht so aus…Und bereits nach kurzer Zeit frage ich mich, was ich hier tue. Es wird immer steiler. Mir kommt es vor, als würde ich eine völlig andere Muskulatur beanspruchen als sonst. Und mir fließt der Schweiß in Rinnsalen über das Gesicht, die Tropfen verharren kurz an der Nasenspitze um anschließend irgendwo zwischen Lenker und Vorderrad den Weg nach unten zu finden.
So geht es knapp 30 Minuten und endlich ist ein flaches Stück erreicht. Und welch Wonne: Es geht sogar abwärts. Allerdings nicht sonderlich lang. Nach einer scharfen Kurve, die es unmöglich macht, sonderlich viel Schwung mitzunehmen, wird es alsbald wieder steiler. Dafür werden die Ausblicke grandioser. Steil fällt der Hang hinab zur Kessellaine und ein beeindruckender Wasserfall wartet darauf, fotografiert zu werden. Eine willkommene Pause.
Es wird wieder steiler und ich quäle mich mehr und mehr. Aber es geht weiter. Ans Aufgeben verschwende ich keinen Gedanken. Auch dann nicht, als ich von unzähligen anderen Fahrradfahrern überholt werde. Ist ja auch kein Wunder. Denn die fahren Mercedes, Porsche und Ferrari. Zumindest die unter den Fahrrädern. Ich dagegen muss mit meinem alten Aldi-Monster Vorlieb nehmen, welches geschätzt 20 Kilo wiegt und sicher auch irgendwie einen störrischen Tag eingelegt hat.
Und so geht es weiter. Der Weg mal steiler, mal flacher. Irgendwie lasse ich Kurve um Kurve hinter mir. Die Bäume werden lichter. Das Ziel - die Rechtlerhütte oberhalb der Kuhalm am Ende des Forstwegs - scheint näher. Und tatsächlich: Irgendwann taucht sie vor den Augen auf und ist dann in wenigen Minuten auch erreicht. Pause, Erschöpfung und die Erkenntnis: Genießen geht anders!
Gipfelanstieg
Die Bikes lassen wir stehen und zu Fuß geht es in etwa 25 Minuten bis zum Gipfel der Hohen Kiste. Ziemlich genau unter dem Gipfels kann man den Weg abkürzen. Hier führt rechts ein Steig erst durch Latschenkiefern und dann stetig recht steil ansteigend gen Hohe Kiste. Unterhalb des Gipfels muss man hier und da mal mit der Hand anpacken, aber die Schwierigkeiten sind doch überschaubar. Rechts wartet der Walchensee, dahinter der Jochberg, die Benediktenwand. Auch der Schafreuter ist gut zu sehen. Alp- und Zugspitze verhüllen sich allerdings hinter Wolken.
Abfahrt
Über den Normalweg geht es nun in knapp 20 Minuten zurück zur Alm, wo wir wieder auf die Räder wechseln. Und jetzt folgt endlich die Belohnung für die Qualen des Aufstiegs. Recht rasant (aber doch ein wenig ängstlich) geht es die knapp 12 Kilometer Forststraße wieder zurück zum Ausgangspunkt. Zwischendurch ein kurzes Stück Gegenanstieg, aber den Spaß kann das jetzt nicht mehr kaputt machen.
Zusammenfassung
Die Hohe Kisten Tour ist eine kombinierte Bike & Hike-Tour, die wunderbares Training bietet und in bleibender Erinnerung bleibt. Der Aufstieg kann auf einem älteren, schweren Fahrrad eine Herausforderung sein, aber die Aussichten und die anschließende Abfahrt sind die Mühe wert.
Tourdaten
- Gipfel und Höhe: Hohe Kisten (1922 m)
- Gebirge: Estergebirge
- Art der Tour: Bike & Hike
- Ausgangspunkt: Eschenlohe (640 m)
- Tourenverhältnisse: sehr gut
Wichtiger Hinweis
Diese Tour wurde vom Autor selbst gefahren und nach bestem Wissen und Gewissen aufbereitet, eine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben wird dennoch nicht gegeben. Das Befahren erfolgt stets auf eigene Gefahr. Wir stehen für ein respektvolles Miteinander von Mountainbikern und Wanderern. Wir bedanken uns recht Herzlich!
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