Hope Laufradsatz 27.5 Hinterrad Test: Eine umfassende Analyse

Der Ruf von Hope als Edelschmiede für hochwertige Komponenten, insbesondere für CNC-gefräste Aluminiumteile in auffälligen Eloxalfarben, ist wohlbekannt. Doch Hope hat sich auch im Bereich der Carbon-Bikes etabliert, die in ihrer Fabrik in Barnoldswick, UK, mit viel Handarbeit gefertigt werden.

Hope HB916: Ein Enduro-Bike der Extraklasse

Das Hope HB916 löst das bisherige HB160 als Enduro-Bike der Briten ab. Damit verabschiedet sich Hope auch von seinem bisherigen Hinterbausystem und setzt auf einen voll im Trend liegenden High-Pivot-Hinterbau. Hier ist die Kettenstrebe weit über dem Tretlager mit dem Hauptrahmen verbunden, was für einen hohen Drehpunkt sorgt. Das ermöglicht es dem Hinterrad, Schlägen nach hinten oben auszuweichen statt nur nach oben. Insgesamt soll sich so ein noch geschmeidigeres Fahrgefühl ergeben.

Hope verpasst dem HB916 170 mm Federweg an der Front und 160 mm am Heck und lässt euch mit einem Flip-Chip die Wahl, ob ihr das Bike als 29er oder Mullet, also 29” vorn und 27,5” hinten, fahren wollt.

Bei genauerem Hinsehen fällt dem aufmerksamen Betrachter auf, dass der Rahmen nicht komplett aus Carbon ist. An den Ketten- und Sitzstreben sind die Carbonstreben zum Hauptrahmen hin an ihren Enden mit Alu-Frästeilen verbunden. Dadurch sitzen die Lager an den Streben in Alu-Fassungen, was laut Hope zu mehr Langlebigkeit am Rahmen sowie den Lagern führen soll. Der Hauptrahmen dagegen besteht komplett aus Carbon.

Die Kettenumlenkrolle ist mit einer Konstruktion aus - Achtung, Überraschung - gefrästem Alu an der Schwinge befestigt. Im Unterrohr des HB916 hat Hope ein Staufach integriert. Das ist hochwertig umgesetzt: Deckel und Hebel sind beide aus gefrästem Alu, und damit eure sieben Sachen auch bei britischen Liquid Sunshine trocken bleiben, ist eine Dichtung integriert. Allerdings hat das Fach keinen Boden. Deswegen sollte man hier keine Kleinteile oder Ähnliches lose verstauen, sondern alles in die mitgelieferte Tasche packen.

Hope bietet das HB916 2022 in zwei Ausstattungsvarianten an, die sich allerdings nur beim Antrieb unterscheiden, der Rest ist identisch. Die von uns getestete Ausstattung setzt auf eine SRAM GX-Schaltung und kostet 8.400 €, während bei der Variante für 8.700 € eine mechanische SRAM X01-Schaltung verbaut ist.

Ausstattung und Individualisierung

Was an unserem Aufbau direkt auffällt? Hope-Teile, wohin das Auge blickt! Die Briten haben es sich natürlich nicht nehmen lassen, das HB916 mit möglichst vielen eigenen Teilen aufzubauen. Typisch Hope hat man an fast allen hauseigenen Parts die Wahl zwischen einer ganzen Reihe verschiedener Eloxalfarben - ein Traum für Individualisten!

Besonders stechen beim HB916 die schicken Hope Tech 4 V4-Bremsen ins Auge. Hier lassen sich am Hebel Druckpunkt und Hebelweite werkzeuglos verstellen, die hochwertigen kleinen Alu-Verstellrädchen treiben Alu-Fans die Freudentränen in die Augen. Allerdings sind die Hebel sehr lang, was dafür sorgt, dass der Schalthebel - der mit dem Bremshebel sauber verbunden ist - sehr weit Richtung Lenkermitte wandert.

Am Vorbau hat man - wie am ebenfalls hauseigenen Vorbau - jede Menge Farben zur Auswahl. Beim Fahrwerk vertraut Hope für unser Test-Bike ganz auf Öhlins. An der Front kommt die RXF 38 m.2-Gabel mit 38 mm Standrohren und 170 mm Federweg zum Einsatz.

Wer vom TTX-Air Dämpfer nicht überzeugt ist, hat noch die Wahl zwischen dem Öhlins TTX22M Coil-Dämpfer, einem FOX DHX2-Stahlfederdämpfer oder einem FOX FLOAT X2-Luftdämpfer. Hier hat man freie Auswahl und keiner der Dämpfer ist mit einem Aufpreis verbunden.

Die verbaute OneUp Dropper Post V2 mit 210 mm Hub sorgt bergauf auch als Langbeiner für eine gute Sitzposition und bergab für Bewegungsfreiheit. Bei den Reifen setzt Hope auf eine Kombination aus MAXXIS ASSEGAI in 2,5” Breite an der Front und MAXXIS Minion DHR II in 2,4” am Heck.

Geometrie

Das Hope HB916 ist in den Größen H1 bis H4 erhältlich, wobei H1 die kleinste und H4 die größte Variante ist. Der Reach wächst in 20-mm-Schritten von 450 mm in H1 bis zu 510 mm in H4 an. Durch das Drehen der oberen Lagerschale am Steuersatz lässt sich der Lenkwinkel von 64° auf 63,3° abflachen. Über alle Größen hinweg sind die Kettenstreben 440 mm lang und wachsen nicht mit.

Fahreigenschaften

Schwingt man sich auf das Hope HB916 und macht sich auf in Richtung Trails, bringt einen das Bike direkt in eine zentrale Sitzposition. Man sitzt angenehm integriert im Bike und kommt effizient vorwärts. Dabei wippt es kaum und man kann gut und gern darauf verzichten, den Dämpfer zu sperren. Auf dem Trail liefert das HB916 eine gute Balance aus Laufruhe und Agilität. Statt nur geradeaus fahren zu wollen, wechselt es willig die Richtung.

Das Fahrwerk liegt auf der straffen Seite und liefert einiges an Gegenhalt und Pop. Dadurch lädt es den Fahrer dazu ein, an jeder kleinen Welle abzuziehen und das Bike in die Luft zu befördern. Auch in Kompressionen oder beim Pushen von Wellen bietet es genug Gegenhalt und rauscht nicht durch den Federweg, wodurch man hier richtig Speed generieren kann.

Hope Tech DH-Pro 4 Laufradsatz: Ein detaillierter Blick

Der Hope Tech DH-Pro 4 Laufradsatz zeichnet sich durch seine hochwertige Verarbeitung, Stabilität und Steifigkeit aus. Die Pro 4 Naben, die das Herzstück des Laufradsatzes bilden, wurden Anfang 2016 vorgestellt. Das Vorderrad ist standardmäßig mit 20 mm Achsen kompatibel, ein Adapter auf 15 mm liegt bei. Für das Hinterrad gibt es die Varianten 135xQR mm und 142x12 mm, gegen Aufpreis ist ein Aufbau mit 150x12 mm möglich.

Mit einer Felgenbreite von 33 mm außen und 28 mm innen sorgen die DH-Pro 4 Felgen für eine breite Auflagefläche. Hope verwendet zur Umrüstung das Tubeless Kit von noTubes, bestehend aus Ventilen, Dichtmilch und dem yellow tape.

Im Einsatz begeistern die Räder vor allem durch Stabilität und Steifigkeit. In Steinfeldern und beim Bremsen hielten die Räder immer die Spur und „wabbelten“ z.B. nicht um Steine herum. Auch verschiedene unsaubere Landungen verzieh der Laufradsatz ohne Dellen und ohne sich zu Verziehen.

Hope Tech 35W Laufräder: Für Trail- und Enduro-Fahrer

Für Trail-Fahrer und Enduristen führt Hope seit einiger Zeit die Tech-35W-Laufräder mit Pro-4-Nabe im Sortiment, die vor allem durch die enorm breite Felge auffallen. Damit folgt die britische Manufaktur nicht nur dem aktuellen Trend, sondern bietet eine Alternative für Reifenbreiten von 2,3 bis 3,0 Zoll an.

Das besondere Merkmal der Hope Tech 35W stellt ganz klar die breite, geschmiedete Felge aus 6061-T6-Aluminium dar, die passend zum Produktnamen eine Innenweite von 35 Millimetern aufweist. Das äußere Maß beträgt 40 Millimeter. Ansonsten zeichnet sich die Hohlkammerfelge der Hope Tech 35W-Laufräder durch asymmetrische Speichenlöcher aus, was die Stabilität bei dieser Breite verbessern soll.

Bei unserem Laufradsatz der Hope Tech 35W stellen jeweils 32 Race-Speichen von Sapim in der J-Bend-Version die Verbindung zwischen der Pro-4-Nabe und den 35W-Felgen her. Beim Blick auf das Gewicht der Hope Tech 35W-Laufräder zeigt sich, dass der Hersteller auf Stabilität statt maximalem Leichtbau setzt: Das Set wiegt über zwei Kilogramm.

Über den gesamten Testzeitraum haben wir die Hope Tech 35W mit einigen Reifen getestet, darunter der Schwalbe Fat Albert, der Maxxis High Roller II und die Ethirteen-TRS-Modelle. Alle Pneus wurden von uns mit und ohne Schlauch gefahren. Alle drei Reifenmodelle ließen sich ohne großen Aufwand auf den Felgen montieren. Und sogar bei der Tubless-Umrüstung wurde kein Kompressor oder eine Pumpe mit Reservoir notwendig.

Dabei überzeugten die Hope Tech 35W durch die Steifigkeit mit einem präzisen Lenkverhalten. Durch die breite Felge bietet der Reifen auch einen guten Seitenhalt. Die Flanke des Pneus wirkt stabiler als bei dünneren Felgen, was vor allem Burping und dem Einknicken der Seitenwand etwas entgegenwirkt. Daraus resultiert ein besseres Fahrverhalten im Grenzbereich.

Nach fast einem Jahr im Einsatz bei allen Wetterbedingungen können wir den Hope Tech 35W einen hohe Haltbarkeit und Stabilität attestieren. Trotz der hohen Beanspruchung und einer Gewichtsbelastung von 115 Kilogramm ist kein unrunder Lauf oder Höhen- beziehungsweise Seitenschlag feststellen. Selbst die Lager laufen noch sanft und leichtgängig. Die Speichenspannung ist ebenfalls gefühlt gleichmäßig.

Hope Tech Enduro Laufradsatz: Ein Testbericht

Der Hope Tech Enduro Laufradsatz besteht aus 6061 T6 Aluminium und ist in den gängigen Größen 26“, 27,5“ sowie 29“ erhältlich. Die Außenbreite der Felge beträgt 28 mm, die Innenbreite 23 mm. Damit ist die Felge im Gegensatz zu anderen Bewerbern in diesem Bereich vergleichsweise schmal. Die Tech Enduro Felge ist tubeless ready und ist mit einem Dreikammersystem aufgebaut.

Die Pro4 Nabe ist Hope typisch in verschiedenen Farben erhältlich. Aktuell gibt es sie in schwarz, silber, blau, rot, lila und orange. Im Inneren befinden sich gedichtete Edelstahllager. Im Freilauf sorgen vier Sperrklinken in Verbindung mit 44 Rasterpunkten (ebenfalls klassisch oder als XD Freilauf erhältlich) für den typischen Hope-Sound.

Auf der Waage ergibt unsere Kombination aus Pro4 Nabe, Sapim Race Speichen und der Tech Enduro Felge am Vorderrad 940 g und am Hinterrad (mit XD Freilauf) 1065 g. Dabei gehen jeweils vergleichsweise geringe 510 g auf Kosten der Tech Enduro Felge.

Im Einsatz überzeugte der Laufradsatz vor allem durch seine Stabilität und Robustheit. Da wir in diesem Jahr das Rad überwiegend im Bikepark eingesetzt haben, waren die zugemuteten Belastungen entsprechend hoch. Diverse Drops, kleine Sprünge oder auch unglückliche Fahrmanöver (Hangups, unsaubere Landungen und diverse Einschläge) hinterließen deutlich KEINE Spuren am Material. Die Felgen zeigten sich gänzlich unbeeindruckt.

Die Speichenspannung war weiterhin gleichmäßig und der Rundlauf bis auf einen minimalen Seitenschlag am Hinterrad durchweg gegeben.

Atherton AM.150 und Hope HB916 im Vergleich

Nicht weniger fesselnd ist der erste Eindruck des Atherton AM.150.1. Schlichte Rohre aus Mitsubishi-Carbon stecken in Muffen aus Titan. Volle 16 Stunden braucht ein 3D-Drucker, um die 3500 Schichten aus bis zu zehn Mikrometer kleinen Titan-Partikeln zu einem Satz Muffen zu verschweißen. Diese werden anschließend mit den Carbon-Rohren verklebt.

Im Sattel bietet das Atherton AM.150.1 eine ausgewogene Sitzposition. Das lange Steuerrohr und der hohe Riser-Lenker sorgen für eine entspannte Lastverteilung. Anders beim Hope HB916, das nominell eine Rahmengröße unter dem Atherton liegt: Hier schieben ein steilerer Sitzwinkel und die niedrige Front den Fahrer weit nach vorne.

Sobald es bergab geht, spürt man, dass die Athertons etwas von Fahrwerken verstehen. Sensationell sensibel filtert das AM.150.1 Steine und Wurzeln aus dem Trail. Dabei fühlt sich der Federweg nach deutlich mehr an, als die von uns ermittelten 142 Millimeter. Etwas unterdimensioniert wirkt die Fox 36 im Vergleich zur Öhlins-Gabel mit massiven 38er-Standrohren am Hope.

Klassische High-Pivot-Fahreigenschaften derweil bei Hope HB916: Beim Einfedern längt sich der Hinterbau spürbar. So sorgt das System mit einer rückwärts gerichteten Raderhebungskurve für ein extrem laufruhiges Fahrgefühl bei hohen Geschwindigkeiten.

Leider surren die starken Hope-Bremsen auf Grund des Scheibendesigns laut und durchschneiden die ansonsten britisch-kultivierte Geräuschkulisse. Zudem kann die Maxxis-Reifen-Kombi das Potenzial von Geometrie und Fahrwerk nicht ganz ausschöpfen. Besser wären eine weichere Mischung an der Front und mehr Pannenschutz am Heck.

Nach Punkten übertrumpft das souverän-erwachsene Hope HB916 aber deutlich das spaßig-direkte Atherton AM.150.1. Im groben Enduro-Einsatz schlägt ein sattes Hovercraft eben den quirligen Sportwagen.

Zusammenfassung

Die Laufräder von Hope, insbesondere die Tech DH-Pro 4, Tech 35W und Tech Enduro Modelle, bieten eine hohe Stabilität, Robustheit und Individualisierbarkeit. Sie sind ideal für Trail- und Enduro-Fahrer, die Wert auf Qualität und Performance legen. Die verschiedenen Modelle bieten unterschiedliche Felgenbreiten und sind somit für verschiedene Reifengrößen geeignet. Die Pro4 Naben sind bekannt für ihren charakteristischen Sound und ihre Zuverlässigkeit.

Modell Felgenbreite (innen) Gewicht (Satz) Besonderheiten
Tech DH-Pro 4 28 mm 2250 g Hohe Stabilität, Tubeless-Kompatibilität
Tech 35W 35 mm Über 2000 g Breite Felge für 2.3-3.0 Zoll Reifen, Hohe Haltbarkeit
Tech Enduro 23 mm ca. 2005 g Robust, Tubeless-Ready

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