Motorradfahren ist für viele Menschen eine große Leidenschaft, die mit einem ausgeprägten Freiheitsgefühl verbunden ist. Wenn der Biker zudem ein Hundeliebhaber ist, kann das Motorradfahren mit Hund eine wunderbare Möglichkeit sein, diese beiden Leidenschaften optimal zu verbinden. Dieser Artikel bietet alle wichtigen Informationen, Tipps und To-Dos, die Du als Motorradfahrer mit einem vierbeinigen Passagier kennen solltest.
Rechtliche Grundlagen für das Motorradfahren mit Hunden
Grundsätzlich ist es in Deutschland erlaubt, einen Hund auf dem Motorrad zu befördern. Allerdings gibt es einige rechtliche Aspekte zu beachten:
- Die Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) legt fest, dass die Sicht und das Gehör des Fahrers nicht durch die Ladung, Tiere oder andere Ablenkungen beeinträchtigt werden dürfen.
- Wer ein Fahrzeug führt, ist dafür verantwortlich, dass seine Sicht und sein Gehör nicht durch die Besetzung, Tiere, die Ladung, Geräte oder den Zustand des Fahrzeugs beeinträchtigt werden.
Es ist sehr wichtig, den Hund beim Mitführen auf dem Motorrad sorgfältig zu sichern, um Bußgelder zu vermeiden und den Versicherungsschutz im Falle eines Unfalls nicht zu gefährden. Denn im Schadenfall kann ein schuldhaftes Vergehen wegen mangelnder Sicherung des Hundes nachgewiesen werden.
Motorradreisen mit Hund ins Ausland
Planst Du eine Motorradreise mit Hund ins Ausland? Dann solltest Du vor Reiseantritt die jeweiligen örtlichen Vorschriften prüfen, da diese von Land zu Land und Region zu Region unterschiedlich sein können. Stecke ferner unbedingt den EU-Heimtierpass für Deine Hunde ein, damit Du bei etwaigen Kontrollen den aktuellen Impfstatus Deines hündischen Begleiters vor Ort nachweisen kannst. Dein Hund muss u.a. gegen Tollwut gemäß den EU-Bestimmungen geimpft sein.
Checke ferner die jeweils gültigen gesetzlichen Einreisebestimmungen und Vorschriften zum Führen des Hundes im öffentlichen Raum in den Ländern, wo Du Dich mit Deinem Hund aufhälst, ob es nun die Region Deines Reiseziels ist, oder Du Dich nur auf der Durchreise mit dem Motorrad und Vierbeiner befindest. So musst Du unbedingt die örtlichen Bestimmungen hinsichtlich einer möglichen Leinenpflicht, Maulkorbzwang und Hundeverbotszonen kennen. Erkundige Dich ferner im Vorfeld einer Einreise, welche Rassen (Listenhunde) problemlos mit einreisen dürfen, für welche besondere Bestimmungen gelten und für welche Rassen ein Einfuhrverbot gilt.
Eine leistungsstarke Hundehaftpflicht ist für jeden Hundehalter aus verschiedenen Gründen eine sehr sinnvolle Absicherung gegen Schäden, die der Hund Dritten gegenüber verursacht.
Ausrüstung und Zubehör für den sicheren Transport
Motorräder sind primär für den Transport von Personen ausgelegt. Es gibt Motorräder mit einem oder zwei Sitzplätzen sowie Motorräder mit Beiwagen. Motorräder sind von Haus aus nicht für die sichere Mitnahme von Hunden konzipiert.
Mit der passenden Ausstattung kannst Du Dein Motorrad jedoch für den Transport Deines Hundes optimieren. Es gibt mittlerweile zahlreiche geeignete Hundetaschen und Hundeboxen, um eine adäquate Beförderung von Hunden beim Motorradfahren sicherzustellen. Sei es auf dem Tank oder als passende Box auf dem Gepäckträger. Aber bitte nicht direkt am Mann/Frau mittels Brusttasche oder Rucksack. Sollte es zu einem Verkehrsunfall beim Motorradfahren mit dem Hund kommen, ist der Vierbeiner im Topcase oder dem Tankrucksack besser geschützt.
Da Du nicht nur ein rücksichtsvoller Motorradfahrer, sondern ein sorgsamer Hundehalter bist, solltest Du bei der Auswahl spezieller Gepäckträger, Taschen und Boxen Wert auf Stabilität und Qualität legen. Zur Sicherheit aller.
Die Gewöhnung des Hundes an das Motorradfahren
Bevor es mit dem Motorradfahren mit Hund losgehen kann, muss der Hund erst einmal an das Motorrad, die gewählte Transportart (Box, Rucksack etc.) und die Begleiterscheinungen wie Fahrgeräusche, Fahrtwind, Fahrbewegungen inklusive Fliehkräfte (bei Motorädern mit Beiwagen) etc. gewöhnt werden. Der Hund soll schließlich mit dem Motorradfahren Spaß, Vergnügen und eine angenehme Aktivität verbinden, damit das Fahren mit dem Motorrad für den Hund zu einem entspannten und stressfreien Erlebnis wird.
Praktische Schritte zur Gewöhnung
Es spielt dabei keine Rolle, ob Dein Hund nun in einem Tankrucksack oder Topcase transportiert werden soll. Lass Deinen Hund sich erst einmal in Ruhe mehrere Wochen an Tankrucksack, Topcase oder Hundebox gewöhnen. Dafür kannst Du das Mittel Deiner Wahl für den Transport beim Motorradfahren mit Deinem Hund mit in den Wohnraum nehmen und in den Hundealltag integrieren.
Fortan soll die „Transportbox“ fester Bestandteil des Hundelebens sein und für den Hund zu einem normalen und liebgewonnenen Begleiter werden. Ziel ist es, dass der Hund seine „Behausung“ kennenlernt, mit ihr warm wird und im optimalen Fall von selbst durch gutes Zureden und das Wundermittel Leckerlis, dort ablegt. Gebe Deinem Vierbeiner regelmäßig immer wieder Leckerchen in seiner neuen Behausung, damit er den Platz mit einem positiven Impuls verbindet.
Zunächst sollten die Gewöhnungsschritte bei geöffnetem Tankrucksack oder Topcase erfolgen, um den Hund nicht einzuengen und damit ein mögliches negatives Bedrohungsszenario ungewollt zu erzeugen. Je nachdem wie zügig der Hund seinen neuen Aufenthaltsort annimmt, kann nach einigen Wochen dann die Box immer wieder für kurze Zeit auch mal vorsichtig geschlossen werden. Dies kann nochmals etwas tricky werden und bedarf viel Fingerspitzengefühl, damit auch dieser Gewöhnungsschritt auf positive Weise verläuft und damit perspektivisch zur Normalität wird.
Ein wenig Geduld musst Du aber noch haben. Denn dies ist nur die halbe Miete. Wir sind mit der Gewöhnung im Hinblick auf das gemeinsame Ausfahren mit dem Motorrad noch nicht am Ende. Denn nun muss die Box auf das Bike und der Hund noch an den ungewohnten Platz in der Höhe gewöhnt werden. Zunächst erfolgt dies, ohne dass das Motorrad gestartet wird. Um auch dieses Erlebnis und erwünschte Verhalten Deines Hundes zu verstärken, gibt es wieder eine Portion Leckerlis.
Gebe Deinem Hund auch bei diesem Gewöhnungsschritt ausreichend Zeit, sich an seinen Platz zu gewöhnen. Erst dann kann der Hund mit dem Motorradgeräusch in Verbindung mit dem Verweilen in der Box vertraut gemacht werden. Zunächst für einige Male im Leerlauf, dann erst sukzessive etwas mehr Gas geben, um die Drehzahl und damit das Motorgeräusch zu erhöhen.
Aber halt! Bevor Du Dich übermotiviert mit Deinem Hund auf das Motorrad schwingen und direkt zu einer Tagestour aufbrechen kannst, empfehlen wir Dir im Sinne Deines Vierbeiners, erst einmal nur einige Minuten bei langsamer Geschwindigkeit und ruhiger Fahrweise, die Gewöhnung Deines Hundes ans Motorradfahren fortzusetzen.
Da jeder Hund letztlich von Haus aus anders mit unbekannten Dingen umgeht, kann die Gewöhnung bei dem einen Hund rascher und problemloser laufen, als bei einem Artgenossen. Wie so oft kommt es also auch ein Stück weit auf Deinen Hund als Hundepersönlichkeit an, wie Du die Fahrtdauer in den nächsten Wochen nach und nach anpassen kannst. Aber auch hier gilt: Überfordere Deinen Hund nicht und gönne ihm Phasen zur Erholung.
Unterbreche die Fahrt immer wieder und lass Deinen Hund mal austreten, herumschnüffeln und einfach Hund sein. Apropos Pausen: Wenn Du mit Deinem Hund nach seiner Eingewöhnungszeit auf dem Motorrad unterwegs bist, solltest stets nach 1-2 Stunden Fahrt einen Stopp an geeigneter Stelle in Mutter Natur einlegen. Die Rast tut Deinem vierbeinigen Mitfahrer und Dir gut.
Sicherheitstraining und Fahrstil
Ergänze Deine Fahrpraxis als verantwortlicher Motorradfahrer um eine besondere Komponente: Mit einem Fahrsicherheitstraining speziell für das Motorradfahren mit Hund gewinnst du nicht nur an Routine, sondern steigerst auch die Sicherheit für Dich, Deinen Hund und alle anderen Verkehrsteilnehmer. Dort erfährst Du vom Sicherheitsprofi, wie Du durch das richtige Training und die passende Ausrüstung das Fahren mit Deinem Hund als zusätzliche Herausforderung meistern kannst.
Egal, ob Du ein erfahrener Biker bist oder gerade erst in die Welt des Motorradfahrens eintauchst, das Fahrsicherheitstraining mit Hund bietet eine sinnvolle Geschichte für alle, die ihre Fahrfähigkeiten auf zwei Rädern verbessern und in jeder Fahrsituation sicher beherrschen wollen.
Denke zu jederzeit daran, dass Du eine wertvolle Fracht an Bord hast, wenn Du mit Deinem Hund gemeinsame Motorrad fährst. Fahr entsprechend angemessen, vermeiden ruckartige Spurwechsel, ruppiges Fahren, reduziere das Tempo vorausschauend und verzichtet darauf zu stark zu bremsen.
Weitere wichtige Aspekte
- Hundepersönlichkeit berücksichtigen: Hast Du einen Angsthund oder einen Vierbeiner, der bereits Probleme mit dem Autofahren hat, sollte dies unbedingt bei Deinen Gedanken zum gemeinsamen Motorradfahren eine große Rolle spielen.
- Unterschied großer und kleiner Hund: Die Bedürfnisse und Sicherheitsvorkehrungen des hündischen Passagiers sind zu beachten.
- Mitnahme auf dem Tank, auf dem Gepäckträger oder im Beiwagen: Wo Du Deinen Hund am Ende des Tages auf dem Motorrad platzierst, hängt von mehreren Faktoren ab. Zum einen spielt wiederum die Größe eine Rolle. Denn ein großer Hund wird auf dem Tank im Tankrucksack keinen Platz haben und folglich in einem Topcase auf dem Gepäckträger oder im Beiwagen während der Motorradtour verweilen müssen.
- Aufmerksam auf das Ausdrucksverhalten achten: Halte Deinen Hund während der Fahrt (insofern er im Tankrucksack oder im Beiwagen befördert wird) gut im Auge. Fährt der Hund als Passagier auf dem Gepäckträger mit, dann sei bei den Pausen besonders achtsam. Denn fühlt der Hund sich unwohl, gestresst und verängstigt, kannst Du dies anhand seines Ausdrucksverhaltens wahrnehmen und angemessen darauf einwirken. Gefällt Deinem Vierbeiner heute das Motorradfahren, ist dies kein Garantieschein, das dies immer so ist.
- Pausen für Fressen, Trinken und das Geschäft einplanen: Damit werden durch Dich als fürsorgliches Herrchen/Frauchen wichtige Grundbedürfnisse berücksichtigt und gestillt.
Erfahrungen von Hundehaltern
Tom Winkler, ein erfahrener Motorradfahrer und Hundehalter, teilt seine Erfahrungen:
„Der Tankrucksack bzw. das Topcase dient in den ersten zwei bis drei Monaten als Rückzugsort bzw. als „Hundehütte“, in dem die Hunde immer ihr Leckerlie bekommen. Die Hunde werden dann aufs Motorrad in den Tankrucksack bzw. Nachdem dies ohne Probleme funktioniert, kann man mal den Motor anlassen und später auch mal Gas geben. Sobald sie sich wieder beruhigt haben, fängt man an mit den Hunden mal etwas zu fahren. Am Anfang fuhren wir maximal fünf Minuten und hielten dann an, ließen die Hunde raus, spielten mit ihnen und dann gings wieder 5 bis 10 Minuten auf „große“ Fahrt. Wieder eine Pause usw.“
Er betont auch, dass nicht jeder Hund für die Fortbewegung auf zwei Rädern geeignet ist: ängstlich, zurückhaltend und lärmscheu sollte das Tier nicht sein. Eine Zu- oder Abneigung lässt sich auf keine bestimmte Hunderasse festlegen, sondern kommt immer auf den Hund und seine individuelle Persönlichkeit an.
„Egal, welche Position wir für unseren Hund wählen: wichtig ist, dass wir unseren gesunden Menschenverstand einsetzen und immer noch einen Schritt weiter denken, um unser Transportbehältnis so "hundesicher" wie möglich zu machen. Es darf keine Möglichkeit für den Hund geben, aus dem Rucksack oder Hardcase zu fallen oder zu springen und auch eine großzügige Polsterung schadet nicht. Außerdem sollten wir darauf achten, was bei einem Umfaller oder Unfall passiert. Auf gar keinen Fall sollte unsere tierische Begleitung dann auf einmal unter das Motorrad kommen.“
Ausrüstung von Tom Winkler
Vorne habe ich das System von Bagster (Tankschutzhaube und Tankrucksack). Hinten ein leicht modifiziertes Topcase, wobei es auch sehr gute Taschen gibt. Als Augenschutz, eine Hundebrille von RexSpecs für Lotte. Lotte, die direkt im Fahrtwind sitzt, hat auch zusätzlich einen selbstgemachten Ohrenschutz, damit nichts in die Ohren fliegen kann. Willi vorne braucht beides nicht, da er hinter einer sehr großen Scheibe sitzt.
Empfohlene Motorradtouren
Tom Winkler empfiehlt folgende Touren:
- Pfälzer Wald
- Dolomiten
- Sauerland
- Bayerischer Wald
- Odenwald
- Harz
- Hauptsache Kurven.
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