Warum bellt mein Hund Radfahrer und Jogger an?

Viele Hundebesitzer kennen das Problem: Beim Spaziergang bellt der Hund plötzlich Radfahrer oder Jogger an. Dieses Verhalten kann verschiedene Ursachen haben und sowohl für den Hundehalter als auch für die Betroffenen sehr belastend sein.

Ursachen für das Bellen

  • Jagdtrieb: Hunde reagieren generell auf Bewegungen. Je schneller ein Radfahrer, Skater oder Jogger unterwegs ist, desto eher reagiert der Hund. Manche Hunde rennen hinterher, weil der Jagdtrieb rauskommt. Das kommt ganz auf den Hund an. Manche Hunde drehen um, sobald sie den Radler oder Jogger eingeholt haben. Andere Hunde versuchen den Radler zu stoppen, indem sie ihn anspringen oder nach den Füßen schnappen. Problematisch wird es, wenn der Hund anfängt, das Rad zu umkreisen.
  • Unsicherheit und Angst: Ein unsicherer Hund bellt/beißt alles weg - das ist seine Strategie, weil er seinem Halter nicht zutraut, mit der Situation klar zu kommen.
  • Territorialverhalten: Manchmal sehen Hunde Radfahrer oder Jogger als Eindringlinge in ihr Revier.
  • Fehlendes Vertrauen: Meistens liegt es am fehlenden Vertrauen zu uns, wenn der Hund an der Leine pampt.

Trainingsansätze und Tipps

1. Aufmerksamkeit des Hundes gewinnen

Wenn deine Hündin alle Fahrradfahrer, Jogger und Roller usw. anbellt, würde ich vorher schon daran arbeiten, dass sie sich auf dich konzentriert und gar nicht erst anfängt zu bellen, denn einen Hund aus dem Bellen rauszuholen finde ich recht schwer.

Also erst dein Abbruchsignal sagen und dann was die Hündin statt dem Bellen tun soll (z.B. dich angucken). Die Aufmerksamkeit zu dir kannst du clickern oder markern wenn du damit arbeitest.

Eine Alternative kann z.B. ein „guck mal“ sein. Ich habe Hermanns Aufmerksamkeit zu mir immer hochwertig belohnt.

2. Positive Verstärkung statt Leinenruck

Zuerst solltest du deinen Trainer wechseln. Mit Leinenruck zu arbeiten ist sehr fraglich und hat rein gar nichts mit positiven Training zu tun. Es kommt ein negativer Reiz (Jogger, Radfahrer) und dann fügst du den negativen Reiz einen weiteren negativen Reiz (Leinenruck) ein. Somit machst du den den negativen Reiz (Jogger, Radfahrer) noch negativer. Das willst du doch gar nicht!

In erster Linie solltest du dir einen positiv arbeitenden Trainer suchen. Nebenbei wird es nicht schaden, wenn du deinen Hund auf ein Markersignal konditionierst (z.B. Clicker oder ein Markerwort), um deinen Hund im späteren Verlauf im richtigen Moment auf passender Entfernung zu bestätigen und ihn über einen gewissen Zeitraum beibringen kannst, dass der negative Reiz (Jogger, Radfahrer) eigentlich positiv ist, da es dann immer eine Belohnung für den Hund gibt.

3. Distanz schaffen und Sicherheit geben

Wenn dir ein Radfahrer, Jogger oder weißichwas entgegen kommt, dann dreh dich samt Hund einfach um, sodaß der Entgegenkommende aus dem Blickfeld deines Hundes ist.

Hunde versuchen alles „weg zu bellen“ , wenn sie uns nicht zutrauen, mit der Situation klarzukommen. Geben Sie Ihrem Hund Sicherheit, indem Sie ihn immer beschützen.

Sie gehen Bogen und Kreise und lassen Ihrem Hund Zeit, sich - unter Ihren Schutz und an der Leine - in Ruhe anzunähern. Grundsätzlich ist Ihr Hund HINTER Ihren Füßen und wichtig: IHR KÖRPER IST OHNE AUSNAHME IMMER DAZWISCHEN!!!!

Nehmen Sie Menschen, die Ihnen entgegenkommen, als „Übung“. Zeigen Sie Ihrem Hund, dass sie seine Furcht/Unsicherheit ernstnehmen.

4. Training in kontrollierter Umgebung

Üben Sie mit Ihrem Hund irgendwo, wo es gute Ausweichmöglichkeiten gibt. Sobald ein Radler oder Jogger kommt, gehen Sie ein Stück auf die Seite, so dass Ihr Hund noch ruhig bleiben kann.

Der Jogger oder Radler kommt von Weitem auf Sie zu: Loben und belohnen Sie Ihren Hund für das ruhige Hinschauen.

Sie können auch mit einer Ankündigung arbeiten, beispielsweise „Schau, ein Radler“, sehr freundlich und ruhig gesagt, dann geben Sie ein Leckerli.

5. Alternativverhalten aufbauen

Kann dein Hund Sitz oder Platz? Dann nimm Leckerchen und/oder Spielzeug mit. Kommen Jogger oder Radfahrer, du musst sie vor deinem Hund sehen, gehe zur Seite, sag deinem Hund ein Sitz und als Lob wird gespielt.

Ich habe meinen Hund immer bei Radfahrern und Joggern absitzen lassen, er sollte mich angucken und als Blohnung wurde gespielt.

6. Management im Alltag

Sorge dafür, dass Dein Hund sein Verhalten nicht mehr zeigen kann. Dafür benötigst Du eventuell eine Leine - oder Du wählst eine zeitlang andere Wege oder andere Uhrzeiten, um Begegnungen zu vermeiden.

7. Reizunterbrechung

Der erste Schritt ist eine Reizunterbrechung - in diesem Fall durch eine Wasserpistole. Das heißt, wenn der Rüde dem Bewegungsreiz folgt und einen Jogger oder Fahrradfahrer anbellt, wird er mit einer Wasserpistole besprüht. Der Hund wird aus seinem Schema gerissen und soll dabei lernen, dass Joggerjagen ein unerwünschtes Verhalten ist. Dieses Training findet zuerst auf einem Übungsplatz statt, damit der junge Hund nicht von zu vielen Reizen überfordert wird.

Verhalten von Joggern und Radfahrern

  • Vorausschauend laufen/fahren: Laufen beziehungsweise fahren Sie vorausschauend. Machen Sie sich bemerkbar! Klingeln Sie frühzeitig, so hat der Halter die Chance, seinen Hund abzurufen und anzuleinen.
  • Geschwindigkeit reduzieren: Reduzieren Sie die Geschwindigkeit beim Vorbeilaufen oder -fahren. Das ist erstens generell rücksichtsvoll und zweitens können Sie so zur Not rechtzeitig anhalten, falls der Hund doch nach vorne springt und verhindern somit womöglich einen Unfall.
  • Hund ignorieren: Als Jogger sollte man lieber langsam abbremsen, mit langsamen Schritten weitergehen und den Hund dabei komplett ignorieren, also weder ansprechen, noch ansehen.

Umgang mit der Situation als Hundehalter

  • Entschuldigen: In jedem Fall sollten Sie sich beim Jogger oder Radler entschuldigen und Ihren Hund direkt anleinen, sobald Sie ihn wiederhaben.
  • Freundlich bleiben: Verhaltete euch freundlich und zuvorkommend - ihr hattet euren Hund nicht unter Kontrolle!, verliert nicht die Fassung auch wenn euer gegenüber evtl. ungehalten ist und kommt für evtl. entstandene Schäden (kaputte Kleidung etc.) auf.

Zusammenfassende Tabelle

Problem Mögliche Ursachen Lösungsansätze
Hund bellt Radfahrer/Jogger an Jagdtrieb, Unsicherheit, Territorialverhalten, fehlendes Vertrauen Aufmerksamkeit gewinnen, positive Verstärkung, Distanz schaffen, Training in kontrollierter Umgebung, Alternativverhalten aufbauen, Management im Alltag, Reizunterbrechung
Verhalten von Joggern/Radfahrern - Vorausschauend laufen/fahren, Geschwindigkeit reduzieren, Hund ignorieren
Umgang mit der Situation als Hundehalter - Entschuldigen, freundlich bleiben

Es ist wichtig, geduldig und konsequent zu sein und die individuellen Bedürfnisse des Hundes zu berücksichtigen. Mit dem richtigen Training und Management kann das Problem in den Griff bekommen werden und entspannte Spaziergänge sind wieder möglich.

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