Die Geschichte der MotoGP und der Dutch TT in Assen

Mit der Dutch TT in Assen steht das MotoGP-Wochenende mit der größten Tradition bevor. Seit der ersten Saison der Motorrad-Weltmeisterschaft gastiert die Serie Jahr für Jahr in Assen. Auf keiner anderen Rennstrecke wurden so viele Grands Prix ausgetragen.

Die Anfänge in Assen

Die Dutch TT war bereits im ersten Jahr der Weltmeisterschaft 1949 Teil des Kalenders. In der Saison 1949 wurde die erste Dutch TT ausgetragen. Und seither wurde ununterbrochen in Assen gefahren.

Anfänglich wurden die Rennen noch nicht auf einer echten Rennstrecke abgehalten. Die Rennen wurden damals auf öffentlichen Straßen gefahren. Als Kurs diente zu Beginn das 28,4 km lange Straßendreieck zwischen Rolde (Start/Ziel), Borger und Schoonloo. Ab dem 2. Jahr wurde ein im Süden der Drenter Hauptstadt gelegener, 16,5 km langer Parcours verwendet.

Die Entwicklung der Rennstrecke

Die Tradition ist überall spürbar, aber über die Jahre musste sich auch dieser Kurs anpassen, um mit den modernen (Sicherheits-) Standards mitzuhalten.

Der ursprüngliche Kurs wurde bis zur Saison 1954 befahren und war 16,54 Kilometer lang. Für 1955 wurde es auf 7,7 Kilometer reduziert. Der Circuit van Drenthe, wie er ab 1926 bis 1954, mit einer Pause zwischen 1939 und 1946 aufgrund des 2. Weltkriegs genannt wurde, erhielt einen Rundkurs-Neubau.

Im Jahr 1984 gab es weitere Modifikationen, wodurch die Strecke auf 6,1 Kilometer verkürzt wurde. Durch Kürzung der Nordschleife um 1,5 Kilometer reduzierte sich die Länge auf 6,1 Kilometer. Fünf Jahre später gab es einen neuerlichen Ausbau mit einigen Verbesserungen und einer Verbreiterung der Piste um 3 auf 10 Meter. Seit 2006 wird auf dem aktuellen Layout gefahren, das nur noch kleine Veränderungen erfuhr. Das aktuelle Layout mit einer Länge von 4,5 Kilometern wird seit 2006 benutzt.

Im Jahr 1992 wurde der heutige TT Circuit Assen zum ersten Mal dauerhaft vom öffentlichen Verkehr getrennt. Ende 2003 gab es weitere Ausbauten mit zusätzlichen Tribünen und es kam ein Motorradparkplatz hinzu, auf welchem rund 12.000 Motorräder auf Betonabschnitten abgestellt werden können. Dazu kam eine Erweiterung und Vergrößerung der Kiesbetten, zusätzliche Schutzzäune und weitere Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit.

Traditionen und Veränderungen

Traditionell fand das Rennen immer am Samstag und am letzten Juni-Wochenende statt. Der GP der Niederlande wurde bis 2015 traditionell am letzten Samstag des Junis gefahren. Seit 2016 wurde der Zeitplan an alle anderen Grands Prix angepasst. Seither wird am Sonntag gefahren. In diesem Jahr findet das Rennen zum ersten Mal seit 1955 im Juli statt.

Der TT Circuit ist die einzige aktuelle WM-Strecke, die speziell für Motorräder konzipiert ist.

Denkwürdige Momente in Assen

Vor 41 Jahren kam es in Assen zu einem ungewöhnlichen Vorfall, der sich in der Geschichte der Motorrad-WM nie wiederholte: Beim 500er-Rennen war die Zeitnahme überfordert, den Sieger herauszufinden. Barry Sheene und Giacomo Agostini überquerten zeitgleich die Linie. Damals wurden die Abstände in Zehntelsekunden gemessen. Die Verantwortlichen waren nicht in der Lage, die beiden Fahrer zu trennen. Zum einzigen Mal in der Geschichte erhielten beide die gleiche Rennzeit gutgeschrieben, Sheene wurde zum Sieger erklärt.

1975 spielte sich dort zwischen Barry Sheene (Suzuki) und Giacomo Agostini (Yamaha) ein enges Duell um den Sieg ab. Beide fuhren nebeneinander über die Ziellinie, aber es konnte kein eindeutiger Sieger bestimmt werden. Damals wurde die Zeit noch per Hand gestoppt, und die Offiziellen konnten keinen Unterschied feststellen.

Das Wetter hat in Assen auch schon oft eine entscheidende Rolle gespielt. Unvergessen ist das jüngste Regenchaos im Jahr 2016, als sich Jack Miller sensationell den Sieg holte.

Erfolgreiche Fahrer in Assen

Angel Nieto ist mit 15 Siegen in den Klassen 125ccm und 50ccm der erfolgreichste Fahrer in Assen. Giacomo Agostini hat 14 mal gewonnen (500ccm und 350ccm). Mit zehn Siegen ist Valentino Rossi der erfolgreichste aktive Fahrer in Assen. Achtmal hat er davon in der Königsklasse triumphiert.

Genau vor einem Jahr feierte Rossi in Assen seinen bisher letzten Sieg. Ein Erfolg wird an diesem Wochenende wichtig sein, wenn Yamaha eine Negativserie beenden will.

Rossi ist der bisher letzte Pilot, der bei der Dutch TT zwei aufeinanderfolgende Siege einfahren konnte. 2004 und 2005 gewann der "Doktor". In diesem Jahr könnte Rossi mit einem Sieg diese Statistik auffrischen.

Yamaha führt die Statistik der MotoGP-Viertaktära an. Acht Siege wurden mit der M1 seit 2002 eingefahren. Honda blickt auf fünf Triumphe zurück, Ducati gewann 2008 die Dutch TT. Suzukis letzter Assen-Erfolg in der "Königsklasse" liegt mehr als 20 Jahre zurück: 1993 sicherte sich Kevin Schwantz den Sieg im 500er-Rennen. In der MotoGP kam Suzuki bisher nicht über fünfte Plätze hinaus.

Im Jahr 1995 wurde das Rennen in der Königsklasse (500 cm³) vom Australier Mick Doohan gewonnen, der von 1994 bis 1998 fünfmal in Folge den WM-Titel einfuhr. Aktuell hält Marc Marquez bei derselben Zahl in der MotoGP. Nur Giacomo Agostini mit 8 Titeln in der höchsten Kategorie und Valentino Rossi mit deren 7, waren noch erfolgreicher.

Das Rennen der Kategorie 250 cm³ von 1996 in Assen gewann der viel zu früh verstorbenen Ralf „Waldi“ Waldmann, der im Jahr 1991 bereits das 125 cm³ Rennen für sich entschieden hatte. Die 125 cm³ Klasse gewann 1993 und 1995 mit Dirk Raudies ebenfalls ein Deutscher, beim 2. Sieg vor seinem Landsmann Peter Öttl.

Valentino Rossis erster Sieg in der Königsklasse

Am 9. Juli 2000, auf dem Donington Park Circuit, schrieb Valentino Rossi die erste Seite seiner Geschichte in der Königsklasse. Dieser Sonntag begann bei typisch englischem Regen. Der junge Italiener, damals Rookie im Honda-Werksteam, wollte die schwierigen Bedingungen nutzen, um seinen ersten Sieg in der 500-cm³-Klasse zu erringen.

Zur gewohnten Startzeit begann das Rennen auf nasser Strecke. Valentino Rossi, Vierter in der Startaufstellung - die erste Reihe bestand zu diesem Zeitpunkt aus vier Plätzen - verpasste seinen Start: Sein Hinterreifen drehte auf dem nassen Asphalt durch, und er fand sich am Ende der ersten Runde auf Platz elf wieder. Doch die sich allmählich verbessernden Bedingungen ermöglichten ihm eine Aufholjagd.

Runde für Runde arbeitete sich Rossi im Peloton nach vorn und überholte einige der größten Namen der Ära, wie Régis Laconi, Norifumi Abe und Takumi Aoki. An der Spitze führte Kenny Roberts Jr. Vier Runden vor Schluss steigerte Rossi, damals Dritter, seine Leistung noch einmal. Er überholte McWilliams und dann Roberts und übernahm die Führung.

Trotz des Widerstands des Iren und des Drucks des zukünftigen Weltmeisters Kenny Roberts Jr. Im Jahr 2000 wurde er hinter Roberts Zweiter bei der Weltmeisterschaft und legte damit den Grundstein für die spätere Legende des „Doktors“.

Seinen 1. Sieg in der 500er-Klasse erringt Rossi schon bei seinem 9. Rennen, dem Grand Prix von Großbritannien am 9. Juli 2000 in Donington. Er gewinnt vor Kenny Roberts Jr.

Auf dem Donington-Podium duscht Sieger Rossi den Zweitplatzierten Roberts Jr. ab.

Die MotoGP in Assen 2018

Die Dutch TT in Assen 2018 ging nicht nur durch das Spektakel in die Geschichtsbücher ein. Die Top 15, also die Fahrer in den Punkterängen, kamen innerhalb von 16 Sekunden ins Ziel. So eng langen die Top 15 in der Geschichte der Motorrad-WM noch nie beisammen.

Neue Identität der MotoGP

Während der Preisverleihung 2024, bei der Jorge Martin seinen Namen in die Meistertrophäe der Königsklasse eintrug, wurde der MotoGP sein brandneues Logo vorgeführt. Das „M“ des neuen MotoGP-Logos ist von zwei Motorrädern inspiriert, die geneigt und sehr nahe beieinander auf der Strecke stehen, wie die betreffende Institution erklärte. Die „O“s deuten auf die Geometrie der Räder hin. Das „t“ schließlich repräsentiert den Fahrer zwischen den Rädern.

« „Es war eine unglaubliche Ehre, an der neuen MotoGP-Identität zu arbeiten“, sagt er Angus Hyland, Creative Director und Pentagram-Partner. Es war großartig, mit dem MotoGP-Team zusammenzuarbeiten, um diese ikonische Marke neu zu erfinden, und es war unmöglich, sich nicht von der Begeisterung der Konkurrenz und der Menschen darin anstecken zu lassen. Wir hoffen, dass Fans auf der ganzen Welt dieses neue Erscheinungsbild annehmen, während die MotoGP ihr nächstes Kapitel aufschlägt.

Eine Begeisterung, die auch Carmelo Ezpeleta, CEO von Dorna Sports, teilt, dem Unternehmen, das die kommerziellen Rechte an der MotoGP besitzt. „ Wir freuen uns sehr, unsere neue Identität zu enthüllen. Sie lädt Fans aus aller Welt ein, die neue MotoGP zu entdecken. Die Schlüsselfrage während dieses Prozesses war „Was ist MotoGP?“ Sowohl jetzt als auch beim Nachdenken darüber, wer wir sein wollen. Wir hoffen, dass diese neue Identität alle Aspekte davon kommunizieren wird. Von Geschwindigkeit bis Leidenschaft und alles dazwischen. Es ist MotoGP.

Auch das Logo für Sprintrennen wird sich ändern. Zusätzlich zu diesem neuen Logo wird die Disziplin an diesem Dienstag im Rahmen des offiziellen Barcelona-Tests zum letzten Mal der Saison auf die Strecke gehen.

Todesopfer in Assen

Nach der TT auf der Isle of Man ist Assen leider bezüglich der Anzahl der Todesopfer im Rennsport weit vorne in der Statistik.

Hier eine Liste der Todesopfer:

  • Gosta Lönnfors, 34 (FIN), gestorben 26.6.1948
  • Josef Knebel (Deutschland, Side Car), gestorben 28.6.1957
  • Peter Ferbrache (UK, 350 cm³), gestorben 28.6.1960
  • Hans Schuld (NED, 250 cm³), gestorben 29.6.1962
  • Roland Föll (GER, 125 cm³), gestorben am 27.6.1964
  • Norman Huntingford (GBR, Sidecar), gestorben am 25.6.1966
  • Rolf Thiele (GER, 125 cm³), 26.6.1975
  • Yasumoto Nagai (JAP, WSBK), 12.9.1995

Besucherzahlen in Assen

Am meisten Besucher wurden 1995 gezählt, als beinahe 200 Tausend Zuschauer am GP Assen gezählt wurden.

Hier eine Tabelle mit den Besucherzahlen von 2010 bis 2019:

Jahr Besucher
2010 125.000
2011 130.000
2012 128.000
2013 115.000
2014 118.000
2015 122.000
2016 135.000
2017 142.000
2018 148.000
2019 155.000

Nicht selten hatte es in Assen während des Rennwochenendes geregnet: 1996, 1998, 2002-2004, 2007, 2008, 2011, 2013 und 2014.

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