E-Bikes und hochwertige Tourenräder werden immer häufiger mit hydraulischen Bremsen ausgestattet. Auch hydraulische Bremsen am Fahrrad können Sie bei Bedarf selbst überholen. An fast allen Fahrrädern findet man inzwischen hydraulische Scheibenbremsen. Die modernen Systeme sind ausgereift und verhältnismäßig einfach zu warten.
Funktionsweise hydraulischer Scheibenbremsen
Fahrräder, insbesondere Mountainbikes, sind entweder mit mechanischen Bremsen oder mit hydraulischen Bremsen ausgestattet. Bei mechanischen Bremsen treiben die Bremsen mit einem klassischen Stahlseil an. Bei hydraulischen Bremsen üben die Steuerhebel keinen Druck über das Kabel aus, sondern über eine kleine Pumpe. Diese bringt Öl in den Bremskreislauf und setzt dieses unter Druck. Da es nicht komprimierbar ist, übt das Öl den gleichen Druck auf die Kolben im Bremssattel aus. Die Kolben übertragen den Druck auf die Beläge, die die Bremsung dann durchführen.
Beide Systeme sind in vielen Mountainbikes verbaut, jedoch sind hydraulische Bremsen unter Mountainbike-Enthusiasten die bevorzugte Variante. Sie reagieren besonders schnell, sind robust und bieten eine gute Kontrolle der Bremskraft. Weitere Vorteile sind eine sehr gute Dosierbarkeit und hohe Bremskräfte.
Wartung hydraulischer Scheibenbremsen
Auch wenn die flüssigkeitsgefüllten hydraulischen Bremsen am Fahrrad zunächst technisch aufwendiger anmuten, so sind sie doch weitgehend wartungsfrei - das enthaltene Öl ist dauerhaft und zieht, anders als die Bremsflüssigkeit im Auto, kaum Feuchtigkeit an. Ein regelmäßiger Wechsel ist deshalb nicht nötig. Dennoch wird nach einigen Jahren der Nutzung meist eine Wartung fällig - das liegt meist an kaum vermeidbaren, minimalen Undichtigkeiten. Auch wenn das System beschädigt wird, ist eine neue Befüllung mit Hydrauliköl fällig.
Regelmäßige Reinigung
Wer viel und gerne Fahrrad fährt, sollte das Rad auch regelmäßig reinigen. Um die Bremswirkung konstant zu halten, ist die Sauberkeit der Bremsscheibe von großer Bedeutung. Schmutz und Verunreinigungen sollten regelmäßig mit einem trockenen Tuch entfernt werden. Beachten Sie außerdem, dass keine Reinigungsmittel, Öle, Fette oder Ähnliches verwendet werden. Anderenfalls kann die Bremswirkung der Bremse extrem herabgesetzt werden, da die Reibwirkung zwischen Bremsscheibe und Bremsbelag stark gemindert wird. Dies würde ein hohes Sicherheitsrisiko für den Fahrer bedeuten.
Im Zuge eines solchen Waschgangs kannst du die Scheibenbremsen im Prinzip ohne besondere Behandlung einbeziehen. Die Bauteile vertragen Wasser und Fahrradreiniger problemlos. Bei stärkerer Verschmutzung solltest du mit Bremsenreiniger (Spray) arbeiten, der speziell den typischen, aggressiven Bremsstaub lösen kann. Wir empfehlen, den Reiniger dosiert einzusetzen, oder ihn mit einem benetzten Tuch aufzutragen. Zum Beispiel zum Säubern der Scheiben.
Achtung: Niemals Öl oder ölhaltige Substanzen auf die Beläge bringen!
Bremsbeläge prüfen und wechseln
Kontrollieren Sie turnusmäßig die Beläge Ihrer Bremsen. Sind diese abgenutzt, müssen sie ausgetauscht werden. Einige Hersteller versehen ihre Produkte mit Markierungen, an denen Sie ablesen können, wann die Beläge verschlissen sind und gewechselt werden müssen. Je nach Fahr-Intensität solltest du etwa alle zwei bis drei Wochen einen Blick auf die Beläge werfen. Nach Schlechtwetter-Einsätzen jedoch gezielt und öfter! Das kannst du bei relativ neuen Belägen mit Hilfe einer Taschenlampe von oben durch den Schlitz im Sattel erledigen.
Wenn die Beläge dünner werden, empfehlen wir, sie zur Sichtprüfung auszubauen. Dazu zunächst das Laufrad ausbauen. Als erstes sollten die Beläge in ihre maximale Ausgangsposition zurück gedrückt werden. Dazu mit einem flachen und stumpfen Hebel zwischen die Beläge fahren und diese mit sanfter Gewalt auseinander drücken. Es eignet sich zum Beispiel ein dünner Reifenheber. Das Zurückdrücken der Kolben ist auch nötig, damit bei Bedarf neue Beläge im Sattel genügend Platz finden.
Zur Entnahme musst du noch den Sicherungsbolzen oben auf dem Sattel entfernen (i. d. R. Innensechskant-Schraube). Der Bolzen ist mit einem kleinen Sprengring gegen selbstständiges Lösen gesichert, der sich mit Hilfe einer Spitzzange oder von Hand abziehen lässt.
Wichtig: Neue Bremsbeläge unbedingt einbremsen! Erst nachdem neue Bremsbeläge nach folgendem Prozedere eingebremst wurden, können sie ihre volle Bremsleistung entfalten: Das Fahrrad etwa 20 bis 30 Mal hintereinander auf rund 30 km/h beschleunigen und anschließend kraftvoll bis zum Stillstand abbremsen.
Geräusche beseitigen
Nichts ist schlimmer, als eine quietschende Scheibenbremse. Grund genug, die Probleme aufzuspüren und zu beseitigen.
Mögliche Ursachen und Lösungen:
- Quietschen bei Nässe: Leider ist es ein recht häufiges Phänomen, dass Scheibenbremsen während einer Regenfahrt plötzlich zu quietschen anfangen. Die Geräusche verschwinden, sobald alles wieder trocken ist. In diesem Fall kannst du kaum etwas dagegen tun.
- Welche Beläge sind montiert? Es gibt hauptsächlich zwei verschiedene Arten von Material, das für Bremsbeläge zum Einsatz kommt: 1) Organische Beläge aus verpressten Fasern organischer Stoffe. 2) Beläge aus Sintermetall, also verschiedenen Metallgranulaten. Wer sich häufig über Bremsgeräusche ärgert, sollte unbedingt organische Beläge verwenden.
- Sind die Beläge verschlissen? Auch abgefahrene Beläge können Geräusche verursachen. So oder so müssen derart abgenutzte Bremsbeläge unverzüglich ausgetauscht werden!
- Ist die Oberfläche der Beläge verglast? Durch die hohen Temperaturen kann sich mit der Zeit eine harte, glänzende Schicht auf den Bremsbelägen bilden. Man spricht dann von verglasten Belägen. Bei rechtzeitiger Behandlung kannst du die Beläge retten und weiter verwenden. Dazu die Beläge ausbauen und so oft über einen ausgelegten Bogen Schleifpapier ziehen, bis die Bremsfläche wieder matt aussieht.
- Alle Schraubverbindungen fest? Du kannst jedoch prüfen, ob alle Schraubverbindungen an den Bauteilen der Bremsanlage fest geschlossen sind: Das sind zum einen die Befestigungsschrauben der Sättel an Rahmen und Federgabel. Zum anderen die Befestigungsschrauben der Bremsscheiben an den Naben. Bitte hier mit Gefühl vorgehen und einen Drehmomentschlüssel verwenden!
- Sitzt der Bremssattel mittig über der Scheibe? Die Bremsscheibe muss bei geöffneter Bremse mittig zwischen den Bremsbelägen rotieren, ohne diese zu berühren. Schleift die Bremse einseitig, kann dies Geräusche verursachen.
- Fahren alle Kolben gleichmäßig und leichtgängig aus? In diesem Fall müssen die Kolben wieder gängig gemacht werden. Dazu das Rad ausbauen, die Beläge (und Kolben) zurück drücken und anschließend entnehmen.
Entlüften der Bremsen
Bei abnehmender Bremswirkung wird man zunächst die Nachstellschraube am Bremshebel justieren - diese ist vor allem zum Ausgleich der kleiner werdenden Belagstärke bei Verschleiß der Bremsklötze gedacht. Die Einstellung ist korrekt, wenn die Bremse bereits bei geringer Betätigung anspricht und die volle Bremsleistung vor Nutzung des kompletten Hebelwegs erreicht wird.
Damit eventuell im Leitungssystem enthaltene Luft austreten kann, wird neue Flüssigkeit von unten nach oben in das Leitungssystem eingefüllt. Als Einlassöffnung wird die Verschluss-Schraube am rechten Bremszylinder genutzt, sie ist unter einer Schutztülle verborgen. Damit die Austrittsöffnung am Bremsgriff zum höchsten Punkt wird, lösen Sie dessen Befestigung und drehen den Hebel nach oben oder - wenn sich die Entlüftungsschraube seitlich befindet - in die Waagerechte.
Pressen Sie solange frisches Hydrauliköl in das Leitungssystem, bis keine Luftblasen mehr in die oben am Griff befestigte Spritze austreten. Pumpen Sie während des Füllvorgangs immer wieder mit dem Bremsgriff verbliebene Luft aus dem System. Zuletzt Nachstellschraube wieder justieren.
Das richtige Öl für die hydraulische Bremse
Das Hydrauliköl in Fahrradbremsen muss übrigens nicht regelmäßig gewechselt werden, da es sehr alterungsbeständig ist. Bei Undichtigkeit oder nachlassender Bremswirkung ist ein Wechsel oder eine Ergänzung der Flüssigkeit jedoch nötig.
Wichtig: Benutzen Sie keine Bremsflüssigkeit!
Damit das Hydrauliköl ungehindert durch das Leitungssystem geleitet werden kann, muss in der am Griff befestigten Spritze die entweichende Luft entweichen können. Dazu ziehen Sie den Kolben möglichst weit auf und bohren - soweit nicht schon vorhanden - ein kleines Loch etwas oberhalb der maximalen Skalenangabe in den Zylinder. Wird der Kolben später bei gefüllter Spritze vor das Loch geschoben, wird ein unkontrolliertes Entweichen der Flüssigkeit sicher verhindert.
Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Entlüften der Bremsen
Die Wartung der hydraulischen Scheibenbremsen an deinem Mountainbike oder Rennrad erfordert eine gute Vorbereitung und ein technisches Verständnis der durchzuführenden Maßnahmen.
Bitte beachten! Verwende immer die richtige Bremsflüssigkeit für die Marke und den Typ deiner Bremse. Bei Shimano-Bremssystemen ist dies eine Flüssigkeit auf Mineralbasis. Bei SRAM handelt es sich beispielsweise um DOT-Flüssigkeit.
- Bremshebel einstellen: Stelle den Bremshebel mit Hilfe der Einstellschraube im Bremskörper so weit wie möglich vom Lenker weg. Nach dem Entlüften kannst du ihn wieder in deine bevorzugte Position bringen.
- Fahrrad vorbereiten: Hänge dein MTB in einen Montageständer oder Haken. Stelle den Rahmen in einen Montageständer und stelle sicher, dass zwischen dem Bremssattel (unten) und dem Bremshebel (oben) eine durchgehende Linie nach oben verläuft.
- Entlüftungskopf vorbereiten: Entferne die Kappe vom Entlüftungskopf. Beachte hierbei, dass die Position des Entlüftungskopfes von Modell zu Modell unterschiedlich sein kann. Suche am Bremshebel die Schraube für die Entlüftungsöffnung.
- Entlüftungsadapter befestigen: Befestige den Entlüftungsadapter am Trichter und schraube diese Konstruktion auf die Entlüftungsöffnung des Bremshebels.
- Spritze vorbereiten: Fülle die Spritze zu etwa zwei Dritteln mit Shimano Mineralöl. Halte den Füllschlauch mit dem offenen Ende nach oben und drücke den Kolben leicht hinein.
- Entlüftungsanschluss öffnen: Öffne nun den Entlüftungsanschluss um eine halbe Umdrehung. Drücke anschließend fast die gesamte Flüssigkeit durch den Bremssattel nach oben in Richtung des Trichters am Bremshebel.
- Flüssigkeit prüfen und ggf. ersetzen: Wenn die austretende Flüssigkeit verschmutzt ist, muss sie ersetzt werden. Schließe den Trichter und entferne die alte Flüssigkeit. Bremsflüssigkeit gehört nicht in den Ausguss! Entsorge sie bei deiner örtlichen Sammelstelle für chemische Kleinabfälle. Nun kannst du den sauberen Trichter wieder auf den Bremshebel setzen und ihn zu drei Vierteln mit neuer Flüssigkeit füllen. Drehe den Lenker nach oben, sodass sich der Bremshebel in einem 45-Grad-Winkel befindet.
- Überschüssige Flüssigkeit auffangen: Schließe den Schlauch der Spritze, an dessen anderem Ende z. B. ein Ziplock-Beutel befestigt ist (um überschüssige Flüssigkeit aufzufangen), wieder an die Entlüftungsöffnung des Bremssattels an.
- Bremshebel betätigen: Betätige nun mehrmals den Bremshebel, um den Fluss der Bremsflüssigkeit zum Bremssattel einzuleiten. Fange die überschüssige Flüssigkeit in dem Beutel am anderen Ende des Schlauchs auf. Klopfe vorsichtig an der Bremsleitung und am Bremssattel entlang. Achte darauf, den Trichter mit neuer Bremsflüssigkeit zu füllen, wenn er leer ist, damit nicht unerwartet Luft in die Leitung gelangt.
- Entlüftungsöffnung öffnen und schließen: Öffne und schließe die Entlüftungsöffnung mit einer gleichmäßigen Bewegung. Das Ganze sollte mit etwas Tempo passieren. Der Druck vom Bremshebel weicht nun. Löse das Spannband und betätige den Bremshebel mehrmals, bis sich der Druck wieder auf das ursprüngliche Niveau aufgebaut hat. Wiederhole diese Schritte ein weiteres Mal.
- Bremse prüfen: Prüfe den Bremshebel und stelle fest, ob die Dosierung deinen Vorstellungen entspricht. Betätige die Bremse erneut mehrmals, um Luftblasen zu entfernen. Drehe nun den Lenker zurück, bis der Trichter um 30 Grad nach vorne geneigt ist. Betätige die Bremse noch einige Male. Drehe nun den Lenker so, dass der Trichter aufrecht steht.
- Entlüftungsöffnung schließen: Setze die Schraube wieder auf die Entlüftungsöffnung des Bremshebels. Setze die Schraube mit der Gummischeibe wieder ein, sodass die Entlüftungsöffnung des Bremsgriffs wieder verschlossen ist.
- Bremssattel reinigen und Bremsbeläge einsetzen: Entferne den Bremsbelagspacer aus dem Bremssattel und reinige den Bremssattel mit Isopropanol-Alkohol, bevor du die Bremsbeläge austauschst. Setze dann die Bremsbeläge in den Bremssattel und das Laufrad wieder in den Rahmen ein.
Werkzeug für die Wartung
- Satz Innensechskantschlüssel (Inbus)
- Torx Schlüssel (je nach Bremsentyp)
- Drehmomentschlüssel (empfehlenswert!)
- Schleifpapier ca. Korn 100 bis 150
- Bremsenreiniger Spray
- Zur Bremse passende Ersatzbeläge
- Entlüftungskit (Hersteller-spezifisch)
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