Motorradfahrer werden immer älter, aber ist man fürs Motorradfahren eigentlich jemals zu alt? Kann man die Fahrtauglichkeit wirklich am „Baujahr“ des Fahrers festmachen?
Die alternde Motorradfahrerschaft
Dass wir Motorradfahrer immer älter werden, ist allgemein bekannt. Nicht umsonst klagen Handel und Industrie seit Jahren über fehlenden Nachwuchs. Heutige Jugendliche lassen sich mehr Zeit und Motorradfahren steht bei den wenigsten auf der Wunschliste. Zu teuer, zu umständlich - und die sagenumwobene Freiheit auf zwei Rädern ist für viele auch kein erstrebenswertes Ideal mehr.
Wiedereinsteiger und Spätberufene
Auch wir Älteren sind alles andere als eine homogene Gruppe. Natürlich gibt es die Enthusiasten, die schon immer gefahren sind und es auch immer tun werden. Aber auch viele Wiedereinsteiger jenseits der Vierzig oder Fünfzig finden nach der Familienphase den Weg (zurück) aufs Motorrad. Frauen, die früher Sozia waren, fangen oft in diesem Alter erst an, selbst Motorrad zu fahren.
Manchmal gemeinsam mit ihrem Mann, der sich vielleicht nach jahrelanger Pause wieder ein Motorrad gekauft hat, manchmal aber auch, um den eigenen Traum vom Motorradfahren endlich zu verwirklichen. Sowohl Anfängerin als auch Wiedereinsteiger sammeln dann erstmal ein paar Jahre Fahrpraxis und schwupp - ist man um die Sechzig und der nicht motorradaffine Bekanntenkreis fängt langsam ein, einem das Aufhören schönreden zu wollen. Dabei hat man doch gerade erst angefangen…
Die Frage der Leistungsfähigkeit
Ich finde, das Gegenteil ist der Fall - Motorradfahren ist keine Frage des Alters, sondern vielmehr eine Frage der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit. Und die kann man nicht vom Alter abhängig machen. Ich kenne 20-Jährige, die mit der Teilnahme am Straßenverkehr absolut überfordert sind, aber auch so Typen wie Walter, den kaum jemand auf 75 schätzen würde, weil er sein Leben lang sportlich unterwegs war und entsprechend fit ist.
Er fährt jedes Jahr über 20.000 km auf zwei Rädern und ist daher sicherer unterwegs als viele jüngere Menschen, die ihr Motorrad nur gelegentlich aus der Garage holen. Wer lange Jahre viel gefahren ist, erlangt eine Sicherheit, die ein junger, körperlich vielleicht leistungsfähigerer Fahrer gar nicht haben kann, weil ihm einfach die nötige Fahrpraxis fehlt.
Körperliche Aspekte und Kompensationsstrategien
Klar lässt im Alter das Sehvermögen nach. Schwerhörigkeit ist bei älteren Menschen ebenfalls häufiger anzutreffen. Aber beides lässt sich heute hervorragend korrigieren und sollte niemanden davon abhalten, am Straßenverkehr teilzunehmen - ganz egal, ob auf zwei oder vier Rädern.
Es gibt genügend Motorradfahrer, die trotz körperlicher Einschränkungen sicher im Straßenverkehr unterwegs sind. Wer z.B. die Beine nicht mehr über die Sitzbank bekommt, kann sich immer noch einen Roller mit niedrigem Einstieg kaufen. Ist die Zeit für eine Lesebrille gekommen, kann statt oder zusätzlich zur Karte ein Navi mit Ansage im Helm hilfreich sein.
Die Entscheidung zum Aufhören
Diese Frage muss jeder Motorradfahrer für sich selbst beantworten. Und wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, können wir auch instinktiv und ohne großes Nachdenken sagen, ob wir immer noch souverän fahren oder schon Probleme haben. Denn spätestens, wenn wir zum Sicherheitsrisiko werden, ist die Zeit zum Aufhören gekommen.
Schließlich ist das Motorrad hierzulande ein Hobby und in den meisten Fällen nicht zwingend notwendig, um von A nach B zu kommen. Wenn aber z.B. der Gleichgewichtssinn versagt, dann ist Schluss mit Motorradfahren. Unabhängig vom Alter. Und wenn der Spaß auf der Strecke bleibt, weil die Wehwehchen überhandnehmen, werden die allermeisten Menschen automatisch das Motorrad stehen lassen.
Die richtige Maschine finden
Einer aktuellen Studie zufolge gehen ältere Motorradfahrer ihr Hobby nämlich lieber gemütlich an. Das schlägt sich auch in der Auswahl des passenden Motorrads nieder. Wer einmal die Fünfzig überschritten hat, wünscht sich demnach eine komfortable, tourentaugliche Maschine, die das Zubehör für entspanntes Reisen bereits mitbringt. Optik, Sound und Beschleunigung sind in allen Studien klar der jüngeren Generation zugeordnet.
Individuelle Erfahrungen und Tipps
Wenn du keine Vorkenntnisse hast, dann bild dir auch keine Vorurteile. Sei offen und schließ nichts aus. Du wirst dich vielleicht wundern, wo es dich hinverschlägt. Vielleicht sogar unter die Schleiferfraktion, zu den Grobeisen aus Milwaukee, die stollenbewehrten Dreckschleudern, usw. Das sind alles Klischees, die man von außen nicht bewerten sollte. Auch nach dem Schein sollte man mal alles zumindest Probe gesessen, wenn nicht vielleicht sogar bewegt haben.
Zwei Tips von einem der mit knapp unter 40 noch/erst den Lappen gemacht hat (den für's Motorrad, den für vier Räder hab ich seit ich 18 war): Lass dir Zeit mit der Auswahl des Motorrads! Ich hatte tatsächlich (vor dem Führerschein) mal ne Phase, da hab ich mir Harleys angeschaut! Wie wir alle wissen, sind das keine Motorräder, sondern Harleys halt! Duck und wech...! Ich hab dann innerhalb von zwei Jahren mal schnell drei völlig verschiedene Motorradtypen durchprobiert, bis ich bei den (Reise)Enduros gelandet bin. Hätte ich auch einfacher haben können, ich fuhr schon immer gerne lieber Mountainbike als Rennrad und bin gerne gereist. Nochmal drei Jahr später gabs dann letzen Herbst doch noch ne reine Asphaltmaschine dazu.
DAS optimale Motorrad für alles gibts halt nicht, man muss sich entweder auf einen Anwendungsbereich einschiessen oder braucht halt wirklich mehrere! Allerdings sparst du gleich ne Menge Kohle, wenn du dir - anders als ich - von Anfang an Gedanken machst, was du eigentlich mit dem Motorrad vorhast. Nur mal schnell am Sonntag zur Eisdiele, täglich zur Arbeit, im Dreck spielen, auf die Rennstrecke oder einmal um die halbe Welt? Leg mal gleichzeitig zum Führerscheingeld noch gut 1000 Euro für gute Motorradkleidung zurück. Helm, Rückenschutz, Hose, Handschuhe und Stiefel, das geht auch nochmal in's Geld und Qualität lohnt sich immer - kostet aber auch. Nur lebensmüde setzen sich im Sweater und mit Jeans auf die Karre!
Die Rolle der Fahrschule und der Ausrüstung
Kleiner Tipp zur Fahrschulsuche: Suche dir einen Fahrlehrer, der selbst auch gerne Motorrad fährt - der wird dich dann etsprechend coachen und versuchen, dir seine Leideschaft (das Motorradfahren) näher zu bringen... ein Fahrlehrer, der Motorradfahren nicht so toll findet, KANN ein Griff ins Klo sein... (mir leider so passiert)
Bei der Wahl der FS einfach mal nachfragen, ob der FL Fahrstunden auch selbst mit dem Motorrad begleitet, welche Motorräder er hat, wie es mit der Ausrüstung aussieht (Helme, Klamotten) - was musst Du mitbringen, was stellt die Fahrschule. Wenn Anorak und Jeans reichen, spricht das nicht gerade für die Qualität, finde ich.
Motorradfahrer haben keine Knautschzone - Schutzkleidung ist deshalb unerlässlich. Die wichtigsten Bestandteile sind Integralhelm, Jacke und Hose mit Protektoren, Nierengurt, Handschuhe und Stiefel. Auch eine Sturmhaube, spezielle Socken und Funktionswäsche können nicht schaden.
Motorradführerschein für Autofahrer über 50
Autofahrer über 50 können jetzt günstig und unbürokratisch den Führerschein für Bikes bis 48 PS machen. Jan war es auch, der bei mir die Liebe zum Zweirad neu entfachte. Denn mit 16 war die Leidenschaft fürs Moped schon mal da: Anfang der Siebziger heimlich ausgelebt auf von Freunden geborgten Kreidler Florett.
Wie schon eineinhalb Jahre zuvor bei unserem großen Sohn Jan, der kurz nach dem Autoführerschein auch die Fahrerlaubnis fürs Motorrad erworben hatte und seitdem mit einer - wegen des Stufenführerscheins für unter 25-Jährige - auf 34 PS gedrosselten Honda CB 500 Baujahr 1993 unterwegs ist.
Kosten für den A2-Motorradführerschein
Die folgende Tabelle zeigt die durchschnittlichen Kosten für den A2-Motorradführerschein:
| Posten | Kosten (Euro) |
|---|---|
| Sehtest | 6,43 |
| 2 biometrische Passbilder | 16,00 |
| Anmeldegebühr Fahrschule | 52,00 |
| Grundgebühr | 50,00 |
| Übungsfahrten (6 Doppelstunden à 90 Minuten zu je 90 Euro) | 540,00 |
| Praktische Prüfung (Fahrschulgebühr) | 104,79 |
| TÜV/Dekra-Gebühren für praktische Prüfung | 75,21 |
| Gesamtsumme | 844,43 |
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