Motorrad Vorausfahren Regeln: Sicher und Gemeinsam auf Tour

Viele Motorradfahrer verbinden die Freude am Fahren gern mit dem Gruppenerlebnis einer gemeinsamen Tour oder Reise. Damit für alle Beteiligten maximaler Spaß garantiert ist, gilt es, ein paar grundsätzliche Regeln zu beachten.

Motorradfahren in der Gruppe: Größe und Zusammensetzung

Prinzipiell gibt es für die Größe der Gruppe keine Grenzen. In der Tourenpraxis zeigt sich aber, dass bei unkomplizierter Verkehrssituation Gruppen mit bis zu zehn Motorrädern zügig und stressfrei vorwärts kommen. Die Größe und Zusammensetzung der Gruppe entscheidet mit darüber, wie viel Disziplin innerhalb der Fahrergemeinschaft gepflegt werden sollte, damit sie nicht zerfällt. Der Fahrstil aller Fahrer sollte ähnlich und der Umgang miteinander weitgehend harmonisch sein.

In den meisten Fällen überwiegt der Spaß an der gemeinsamen Unternehmung, so dass es den Beteiligten nicht schwerfällt, sich ausreichend anzupassen. Im Zweifelsfall - etwa bei Unzufriedenheit über einzelne Aktionen - sollte sich eine große Gruppe lieber teilen.

Vorbereitung einer Gruppenfahrt

Je nach Länge und Dauer der Ausfahrt sollte sich mindestens ein Teilnehmer mit den wichtigsten organisatorischen Dingen beschäftigen. Dazu gehören vor allem Recherchen zur Strecke und zu möglichen Pausen- und Übernachtungsmöglichkeiten. Große Gruppen werden vor der Abfahrt über den groben Tagesablauf informiert, Treffpunkte für Gruppenteile festgelegt und Termine vereinbart.

Die Reihenfolge in der Gruppe

Die Reihenfolge innerhalb der Gruppe wird nach den fahrerischen Möglichkeiten der Teilnehmer zu Beginn der Fahrt festgelegt. Sie bleibt während der Tour gleich. Die Gruppenmitglieder überholen sich nicht gegenseitig. Der Vorausfahrende sollte unbedingt in allen für das Gruppenfahren wichtigen Dingen erfahren sein. Dazu gehören:

  • Souveräne Beherrschung der Maschine auch in ungewöhnlichen Situationen
  • Regelmäßige Beobachtung der Gruppe im Rückspiegel (nicht nur des direkt nachfolgenden Fahrers)
  • Gute Orientierungsfähigkeit, schnelles, unkomompliziertes Landkartenstudium
  • Fähigkeit, während der Fahrt einen Überblick über die Verkehrsabläufe innerhalb und außerhalb der Gruppe zu bewahren
  • Rechtzeitiges, berechenbares Handeln (z.B. bei Richtungswechsel, beim Anhalten)
  • Einschätzung des Könnens und der Möglichkeiten der verschiedenen Gruppenteilnehmer

7 Tipps für das Motorradfahren in der Gruppe

  1. Wann immer es die Strecke und das Verkehrsgeschehen zulassen, wird versetzt gefahren.
  2. Jedes Gruppenmitglied sucht Nachfolgende regelmäßig im Rückspiegel (besonders nach Ampeln, Kreuzungen und Überholmanövern). Fehlt ein Teilnehmer ohne erkennbaren Grund, wird an geeigneter Stelle angehalten. Diese Vorgehensweise wird gegebenenfalls bis zum ersten Fahrer der Gruppe fortgesetzt.
  3. Halten Sie den persönlich benötigten Sicherheitsabstand ein.
  4. Richten Sie Ihren Blick nach vorne nicht nur bis zum Vorausfahrenden, sondern wechseln Sie regelmäßig zwischen diesem und der vorausliegenden Strecke.
  5. Ständiges zu dichtes Auffahren verunsichert den Vorausfahrenden. Nehmen Sie also auf dessen Sicherheitsbedürfnis Rücksicht.
  6. Das Fahrverhalten sollte für die Nachfolgenden berechenbar sein.
  7. Beim Anfahren an Kreuzungen und beim Überholen ist jeder für sich verantwortlich.

Planen Sie ausreichende und vor allem rechtzeitige Tank- und Erholungspausen ein. Bei schlechter Witterung oder Regen hält der erste Fahrer der Gruppe rechtzeitig an, damit die angemessene Kleidung angezogen werden kann.

Größere Gruppen können auf bekannten, eindeutigen und fahrerisch reizvollen Streckenabschnitten vollständig aufgelöst werden. Dann ist freies Fahren angesagt. Der nächste Treffpunkt für die Gruppe sollte allerdings vorab vereinbart werden.

Jeder Mitfahrer sollte seinen größtmöglichen Fahrspaß haben! Bei allem Gruppengefühl gilt als oberstes Gebot: Jeder ist für sich selbst verantwortlich! Halte Dich an die geltenden Verkehrsregeln der Länder, in denen wir gerade unterwegs sind (z.B. Du musst niemandem etwas beweisen. Das Thema "Tempo" ist oft eine Frage des persönlichen Empfindens. Was der Eine "angenehm zügig" nennt, ist für den Anderen bereits "zu schnell" oder umgekehrt, wobei hier verbale Übertreibungen nicht angebracht sind! Bitte redet mit uns!

Weitere wichtige Punkte

  • Treffpunkt: Alle Teilnehmer sollten pünktlich mit vollem Tank am Treffpunkt erscheinen.
  • Tanken: Die Tankstopps richten sich nach dem Motorrad mit der geringsten Reichweite. Bei einem Tankstopp tanken grundsätzlich alle Tour-Teilnehmer.
  • Reihenfolge: Vor der Abfahrt werden die Positionen innerhalb der Gruppe verteilt. Die erfahreneren Teilnehmer fahren vorne.
  • Fahrweise: Innerhalb der Gruppe wird auf geraden Strecken versetzt gefahren, in Kurven wird die Sicherheitslinie gewählt.
  • Geschwindigkeit: Die gesetzlich vorgeschriebenen Geschwindigkeitsbeschränkungen werden eingehalten.
  • Abbiegen: Beim Abbiegen blinken alle Gruppenmitglieder, sobald vorne erkennbar geblinkt wird.
  • Überholen: Beim Überholen eines langsameren Fahrzeugs sollte man seinem Hintermann die Gelegenheit geben, ggf. sofort danach auch zu überholen.
  • Verloren gehen: Sollte jemand mal "verloren" gehen, bleibt er stehen und versucht, den Tourguide über das Handy zu erreichen.
  • Rückspiegel: Jedes Gruppenmitglied sucht seinen Hintermann regelmäßig im Rückspiegel.

Handzeichen und Kommunikation

Motorradfahrer sollten vor der Konvoifahrt einige Handzeichen kennen. Vor der Abfahrt gibt der 'Road-Captain' die wichtigsten Konvoiregeln bekannt. Konvoi fahren erfordert Konzentration und Disziplin und es ermüdet.

Rolle des Road Captain

Der Roadcaptain führt die Gruppe an und hat somit die meiste Verantwortung und auch die meisten Aufgaben. Seine Entscheidungen werden von der ganzen Gruppe befolgt. Er hat zu kontrollieren, dass alle Gruppenmitglieder anwesend, abfahrbereit und während der Fahrt auch bei der Gruppe sind. Der Roadcaptain gibt am besten vor Tourbeginn die zu fahrende Route bekannt, gibt Informationen zum erwarteten Wetter, der bevorstehenden Verkehrssituation und dem nächsten Halt. Während der Fahrt muss er den Verkehr, die Geschwindigkeit, die Gruppe und den Tourplan im Blick haben.

Versetztes Fahren in der Gruppe

Einen riesigen Sicherheitsgewinn bringt eine versetzte Reihung der Motorräder in der Fahrspur mit sich. So kann jeder für sich die Verkehrssituation einschätzen und ist nicht gezwungen, auf seinen Vordermann zu reagieren. Maßgeblich für den Sicherheitsabstand ist hierbei das nächste, schräg voraus fahrende Motorrad - nicht das übernächste. Im Falle eines Falles bleibt so allen mehr Platz zum Ausweichen und Bremsen.

Wer direkt hinter seinem Vordermann fährt, kann weder Verkehrslage noch Kurvenverlauf genügend einsehen. Zudem bleibt ihm bei einer notwendigen Vollbremsung kaum Zeit, um die Fahrlinie zu wechseln. Versetztes Fahren erlaubt es, sich ein eigenes Urteil über die Verkehrssituation zu bilden und entsprechend zu reagieren. Zudem bleibt die Möglichkeit, bei Sturz oder Notbremsung des Vordermanns auszuweichen.

Weitere Tipps für die Tourenplanung

  • Kurven: Mit viel Platz und ohne Druck macht der Swing am meisten Spaß. Wer drängeln will, bucht besser ein Renntraining.
  • Roadbook schreiben: Wer eine Tour vorbereitet, macht sich eh Notizen. Diese zu ordnen und zu vervielfältigen ist dann nur noch ein kleiner Schritt, aber eine große Hilfe für alle Mitfahrer.
  • Städte meiden: Selbst wenn sie als touristisch wertvolle Ziele gelten - aus der Warte des Motorradfahrers sind sie in erster Linie nervig. Vor allem, wenn Verkehr und Ampeln die Gruppe auseinanderreißen.
  • Offen reden: Wer sich überfordert fühlt, muss das sagen; ein anderer merkt es kaum. Auch ein als provozierend oder gefährlich wahrgenommener Fahrstil und andere schlechte Angewohnheiten müssen auf den Tisch - bevor es scheppert.
  • Gesammelt tanken: Alle Bikes schlucken Sprit aus einer Säule, ohne dass die Zapfpistole eingehängt wird. Einer notiert den angezeigten Preis, wenn ein Tank voll ist, zahlt und rechnet nach der Tour ab.
  • Pausen nutzen: Stopps sind keine Pausen. Während die einen tanken, reinigen die anderen ihr Visier, entlasten ihre Blase oder teeren ihre Lunge. Keine Hektik aufkommen lassen und nicht trödeln.
  • Pausen: Oft genug, und dann richtig. Ein hastig gestürzter Espresso entspannt kaum. Nur aus echter Ruhe wird Kraft
  • Pausen nutzen: Pausen bewusst einplanen, nicht als Anhängsel an einen Tankstopp verstehen. Dort anhalten, wo es schön ist, wo es etwas zu sehen gibt und wo man in Ruhe sitzen kann.
  • Entspannt bleiben: Jeder hat so seine Eigenheiten: Einer guckt dreimal in jeden Rückspiegel, bevor er anfährt, ein anderer braucht immer zwei Kännchen Schwarztee zur Entspannung. Nicht nerven lassen; wir sind schließlich zum Spaß unterwegs.

Fazit

Gruppenausfahrten sind ein Erlebnis der besonderen Art. Es wird mit vielen Freunden auf engstem Raum gefahren, der Weg gemeinsam erlebt und gemeistert. Damit dies auch ohne Folgen erlebnisreich passieren kann, gilt es, einige Regeln zu beachten.

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