Sommer und Motorrad-Zeit sind mittlerweile untrennbar miteinander verbunden. In den letzten Jahren hat das Motorrad an Beliebtheit gewonnen. Doch liegen bei diesem Sport Faszination und Risiko oft dicht beieinander.
Die Zahl der tödlich verunglückten Motorrad Fahrer stieg im letzten Jahr um knappe 19 Prozent auf 159. Um dieser Entwicklung entgegen zu wirken, hat die BRK-Motorrad-Streife wertvolle Sicherheitstipps für ihre Kameraden zusammengestellt.
Auch die Motorrad-Sanitäter des Bayerischen Roten Kreuzes, rund 100 Frauen und Männer, starten pünktlich und rechtzeitig zu den Pfingstferien mit ihrem Dienst, um auf den Autobahnen im Freistaat Bayern ehrenamtlich den Rettungsdienst zu unterstützen. Ab sofort sind sie ab den Wochenenden im Einsatz, um an den bekannten Brennpunkten des Verkehrsaufkommens dort zur Stelle zu sein, wo Hilfe nötig ist.
Die BRK-Engel sind über Funk mit den Rettungsleitstellen verbunden, sie sind fachkundige Ersthelfer besonders dort, wo es "kracht", wo schnelle, kompetente, medizinische Hilfe Leben rettend ist.
Grundlagen des Kurvenfahrens mit dem Motorrad
Das Kurvenfahren auf einem Motorrad ist eine faszinierende Mischung aus Physik und Finesse. Werfen wir einen Blick auf den Lenkimpuls - eine Technik, die es ermöglicht, das Motorrad präzise in Schräglagen zu manövrieren, und erklären, warum man dafür erstmal in die falsche Richtung lenken muss.
Was ist der Lenkimpuls?
Beim Motorradfahren wird oft angenommen, dass Schräglagen hauptsächlich durch die Verlagerung des Körpergewichts erzielt werden. Doch in Wirklichkeit spielt der Lenkimpuls, eine initiale, intuitive Lenkbewegung in die entgegengesetzte Richtung der Kurve, die entscheidende Rolle. Diese scheinbar widersprüchliche Aktion (nach links lenken um nach rechts in die Kurve zu gehen und anders herum) ist nötig, um die Dynamik des sich drehenden Rades zu durchbrechen und das Motorrad effektiv in die Schräglage zu bringen.
Physik hinter dem Lenkimpuls
Ein sich drehendes Rad auf einem Motorrad stabilisiert sich durch die Kreiselkräfte selbst. Um eine Kurve zu fahren, muss diese Stabilität kurzzeitig unterbrochen werden. Dies geschieht durch den Lenkimpuls. Wenn man zum Beispiel eine Rechtskurve ansteuert, lenkt man kurz nach links. Diese Gegenbewegung bewirkt, dass das Motorrad nach rechts kippt und die Schräglage für die Kurve initiiert wird. Will man also das Motorrad in eine Schräglage für eine rechte Kurve bringen, muss man rechts den Lenker mit Gefühl nach vorn drücken / schieben. Denkt man darüber nach, kann das schnell verwirren, aber meist reagiert man instinktiv schon richtig, da wir diese Impulse bereits vom Fahrradfahren usw. kennen.
Der Einfluss der Geschwindigkeit
Trotzdem fühlt sich die Lenkung eines Motorrads je nach Geschwindigkeit unterschiedlich an. Bei langsamer Fahrt, wie etwa Schrittgeschwindigkeit, muss aktiv gegen die Kipp-Tendenz gesteuert werden, indem man zum Teil sogar recht große Lenkbewegungen in die Richtung macht, in die das Motorrad kippen möchte. Bei höheren Geschwindigkeiten, etwa ab 20 bis 30 km/h, stabilisiert sich das Motorrad zunehmend selbstständig und die Impulse werden kleiner.
Aber auch schon bei sehr langsamen Geschwindigkeiten nutzen wir den „Lenkimpuls“ unbewusst. Wenn du feststellst, dass dein Motorrad nach rechts zu kippen beginnt, musst du entgegenintuitiv handeln, um das Gleichgewicht wiederherzustellen. In diesem Fall solltest du nach rechts lenken. Das klingt zunächst widersprüchlich, aber das Lenken nach rechts erzeugt eine Kraft, die das Motorrad dazu bringt, sich nach links zu neigen und somit das Kippen nach rechts auszugleichen. Im Prinzip wenden wir hier also auch schon den Lenkimpuls an, allerdings nicht um das Motorrad in Schräglage zu bringen, sondern damit es eben keine Schräglage erreicht und somit eben nicht kippt.
Oft wird davon gesprochen, dass der Lenkimpuls erst ab ca. 30 km/h zu tragen kommt, da erst da sich das Motorrad anfängt selbst zu stabilisieren. Anhand dem Beispiel, sieht man aber, dass wir unterbewusst den Lenkimpuls schon vorher anwenden und auch brauchen.
Präzise Steuerung nach dem Lenkimpuls
Nachdem durch einen initialen Lenkimpuls die gewünschte Schräglage erreicht wurde, folgt das eigentliche Lenken durch sehr subtile und gezielte Bewegungen. Die weitere Lenkung erfolgt mit minimalem Einsatz, wobei oft nur leichte Korrekturen erforderlich sind.
Lenkimpuls abhängig von der Geschwindigkeit und Schräglage
Bei einer Schräglage von 15 Grad etwa muss der Lenker nur um etwa zwei Grad bewegt werden. In dieser Position ist es wichtig, mittels geringem Gegendruck am kurveninneren Lenkergriff zu arbeiten, um das Motorrad in dieser Neigung zu stabilisieren und ein Aufstellen durch den außermittigen Reifenaufstandspunkt zu verhindern. Das Motorrad neigt dazu sich aufstellen zu wollen, wogegen man hier korrigierend eingreifen muss.
Wenn das Motorrad in eine noch tiefere Schräglage, wie 30 Grad, übergeht, verstärkt sich die Stabilität durch das veränderte Verhältnis von Fliehkraft zu Schwerkraft weiter. Die Notwendigkeit für Lenkbewegungen verringert sich in solch einer Lage zunehmend, da der Reifenaufstandspunkt sich weiter nach innen verschiebt und die Seitenführungskräfte das Motorrad effektiver in der Kurve halten.
Bei Schräglagen von bis zu 50 Grad, die durch die hohe Haftung moderner Sportreifen auf dem Asphalt ermöglicht werden, reduziert sich der Bedarf an Lenkeingriffen noch weiter.
Anwendung des Lenkimpulses in der Praxis
Der Lenkimpuls ist eine essenzielle Fahrtechnik, die jeder Motorradfahrer, oft ohne es zu bemerken, regelmäßig anwendet. Diese Technik umfasst das Ausüben von Druck auf ein Lenkerende, um das Motorrad in Schräglage zu bringen. Der Lenkimpuls wird sowohl bei langsamen Fahrten eingesetzt, wo er zur Stabilisierung des Motorrads beiträgt, sowie bei der Einleitung von Kurvenfahrten, indem er das Motorrad auf effiziente Weise (sehr schnell und mit minimalem Kraftaufwand) in Schräglage versetzt.
Bewusst eingesetzt kann der Lenkimpuls Motorradtouren viel angenehmer und entspannter gestalten, aber auch dafür sorgen, dass man sehr schnell ein Ausweichmanöver einleiten kann, was einem sogar das Leben retten könnte. Umso wichtiger ist es, sich das Ganze ins Bewusstsein zu rufen.
Grundlegende Reaktionen des Motorrads auf den Lenkimpuls
Die Besonderheit daran ist, dass man durch eine Lenkbewegung nach rechts (linkes Lenkerende nach vorn drücken) eine Linkskurve einleitet, da dadurch das Motorrad auch nach links in Schräglage kippt. Um nach links um die Kurve zu fahren, muss man also erstmal „nach rechts lenken“. Das klingt zwar im ersten Moment widersprüchlich, unterbewusst macht das aber jeder Motorradfahrer automatisch.
Wenn du den Lenkimpuls noch nicht kennst oder verstehst, dann schau dir bitte zuerst unseren anderen Artikel an, in dem wir sehr genau darauf eingehen, bevor du hier mit den Lenkimpuls-Übungen weiter machst.
Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Üben des Lenkimpulses
Vorbereitung und Einstieg
Wähle eine offene und sichere Umgebung wie einen leeren Parkplatz oder eine ruhige, gerade Straße, wo du ohne „Überraschungen“ üben kannst. Stelle sicher, dass du genügend Raum hast und frei von Verkehr oder anderen Gefahren bist. Starte die Übung in einer entspannten Körperhaltung, um eine flexible Reaktion auf die Bewegungen deines Motorrads zu ermöglichen. Die Hände sollten locker, vor allem aber keinesfalls verkrampft, den Lenker umfassen. Der Lenker ist nicht dafür da, um sich daran festzuhalten oder sich abzustützen!
Grundlagen: Langsame Fahrten und einfache Lenkbewegungen
Beginne bei einer niedrigen Geschwindigkeit, idealerweise zwischen 30 und 50 km/h, um ein grundlegendes Gefühl für die Lenkimpulstechnik zu entwickeln. Übe sanften Druck auf ein Lenkerende aus, und beobachte genau, wie das Motorrad reagiert. Wichtig ist, den Effekt des Lenkimpulses zu erkennen: Das Motorrad wird in Schräglage übergehen, abhängig davon wie schnell oder stark du drückst. Behalte im Hinterkopf, drückst du links, kippt das Motorrad nach links. Drückst du rechts, kippt das Motorrad nach rechts. Sobald du den Druck nachlässt, wird sich das Motorrad wieder stabilisieren, sich aufrichten und geradeaus fahren. Übe das in beide Richtungen und taste dich langsam heran, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie dein Motorrad reagiert.
Bewusste Kontrolle und Variation des Lenkimpulses
Nachdem du den grundlegenden Lenkimpuls verstanden und angewendet hast, beginne damit, die Intensität und Dauer des Drucks zu variieren. Erhöhe allmählich die Geschwindigkeit, um zu sehen, wie sich das Verhalten des Motorrads abhängig von der Geschwindigkeit ändert. Bei höheren Geschwindigkeiten, etwa zwischen 70 und 100 km/h, wirst du feststellen, dass das Motorrad viel steifer reagiert und der erforderliche Druck höher wird. Es ist essenziell, dass du lernst, wie du die Stärke des Drucks feinjustieren kannst, um die Kurvenfahrt präzise zu steuern.
Anwendung in realen Fahrsituationen: Kurven und Wechselkurven
Nutze leichte Kurven auf deiner Hausstrecke, um den Lenkimpuls aktiv einzusetzen. Beginne mit dem Lenkimpuls kurz bevor du in die Kurve einbiegst und passe den Druck so an, dass das Motorrad sanft, aber bestimmt in die Kurve einlenkt. Halte die Schräglage während der Kurve stabil, indem du den Druck am Lenker nach der Einleitung der Kurve leicht reduzierst und nachjustierst. Diese Technik hilft dir, Kurven effizienter und mit weniger Anstrengung zu durchfahren.
Speziell auf Motorradtouren, wo häufig Wechselkurven vorkommen, kann eine gut beherrschte Lenkimpulstechnik eine erhebliche Erleichterung darstellen. Durch die Anwendung von Lenkimpulsen in schnellen Abfolgen von Kurven kannst du fließender fahren und musst weniger korrigieren. Dies spart Kraft und erhöht deine Sicherheit und den Fahrspaß.
Fortgeschrittene Übungen: Dynamische Anpassungen
Wenn du dich mit den grundlegenden und mittleren Geschwindigkeitsbereichen wohl fühlst, beginne damit, den Lenkimpuls bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten und unter verschiedenen Bedingungen zu üben.
Weitere Fahrtipps für Motorradfahrer
Die Motorradstreife des Bayerischen Roten Kreuzes rät, folgende Fahrtipps einzuhalten:
Bremsen
Das richtige Bremsen ist für Motorradfahrer besonders wichtig. Bei höheren Geschwindigkeiten wird oft aus Angst vor einem Sturz zu schwach gebremst.
Bei Bremssaktionen folgendes beachten:
- weit vorschauen
- dabei die Arme durchstrecken und Armmuskeln anspannen
- beide Bremsen in Aktion bringen
- beim Bremsvorgang bitte auf das Vorderrad konzentrieren
- die Knie an den Tank drücken
Bremsen in Schräglage
Um in Schräglage richtig bremsen zu können, sollten Sie vorher einiges beachten. Wer die Technik nicht beherrscht, gerät leicht in die Kurvenaussenseite. Wenn bei zu starker Bremsung ein Rad blockiert, wird kann dies in den meisten Fällen zum Sturz führen.
Deshalb sollten Sie folgende Regeln beachten:
- den Blick weit vor in Fahrtrichtung
- die Arme durchstrecken
- beide Bremsen bedienen
- den so genannten Aufstellmoment ausgleichen
- beide Knie am Tank anschließen
- dosiert bremsen
- die Bremse sanft in Aktion bringen
Kurvenstile
Es gibt drei Kurvenstile: Das Legen, Drücken und Hängen.
Drücken
Durch die aufrechte Sitzposition ist es leichter, das Motorrad in größere Schräglagen zu bringen als beim Legen. Diese Aktion wird Drücken genannt. Dabei ist zu beachten:
- die Augen waagerecht halten
- aufrecht sitzen bleiben
- beim Kurveninneren sollte ein Arm gestreckt sein
- dabei das Handgelenk gerade lassen
- den Po eng zum Tank bringen
- die Fußballen sollen am Raster bleiben
- trotzdem locker und entspannt bleiben
Legen
Beim Legen ist folgendes zu beachten:
- die Augen schauen waagerecht
- eine aufrechte Sitzposition einnehmen
- dabei Arme locker auf dem Lenker lassen
- beide Handgelenke gerade lassen
- den Po eng zum Tank bringen
- die Knieinnenseite nach vorne ca. 3 cm nach vorn schieben
- die Fußballen bleiben am Raster
- dabei locker und entspannt bleiben
Ausweichen
Damit Sie schnell und sicher ausweichen können, müssen Sie mit dem Lenkimpuls, mit der Kurventechnik Drücken und der entsprechenden Blicktechnik vertraut sein.
- wenn möglich vorher Bremsen
- dabei die Bremse rechtzeitig lösen, damit kontrolliert ausgewichen werden kann.
- die Kupplung bleibt gezogen
- beim Kurveninneren ist der zur Kurve zeigende Arm gestreckt
- den Blick weit voraus
- den Finger und Fuß weg vom Bremshebel
Fahren über ein Hindernis
Versuchen Sie grundsätzlich immer am Hindernis vorbei zu fahren. Vermeiden Sie in Schräglage auf das Hindernis zu treffen, um die Sturzgefahr zu verringern. Damit Sie zum Überfahren des Hindernisses den max. Federweg zur Verfügung haben, müssen Sie kurz vorher die Bremse lösen und sich hinstellen.
- Blick weit vor, in Fahrtrichtung
- die Kupplung ziehen und bremsen
- beim Hinstellen das Gewicht nach hinten
- die Bremse lösen (Federweg!)
- Hindernis überfahren
Flucht ins Gelände
Sollte es sich tatsächlich nicht mehr vermeiden lassen ins Gelände zu fahren, bitte achten Sie dabei darauf, dass Sie gerade herausfahren und vorher die Geschwindigkeit reduzieren.
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