Was erst einmal klingt wie Zauberei, macht auf den zweiten Blick für Radfahrer absolut Sinn: Sound-Übertragung via Knochen.
Knochenschall-Kopfhörer: Eine Revolution für Radfahrer
Wie ihr Name bereits vermuten lässt, wird bei Knochenschall-Kopfhörern der Schall durch die Haut hindurch direkt auf die Knochen des Kopfes übertragen. Sogenannte Transducer sitzen vor dem eigentlichen Ohr und übertragen die Schwingungen aufs Schläfenbein. Darüber gelangt der Schall ins Innenohr und kann als Musik gehört werden. Den Sound gibt’s also nicht auf, sondern neben die Ohren.
Die Vorteile eines freien Gehörgangs liegen auf der Hand: Außengeräusche können auch mit Kopfhörern wahrgenommen werden, der Träger bleibt ansprechbar und es entsteht kein Druck im Ohr - besonders gut für Biker mit sensiblen Gehörgängen. Radfahrer dürfen Knochenschall-Kopfhörer im Straßenverkehr legal tragen.
Bei den bekannten Bügel- und In-Ear-Kopfhörern verschließt ein Lautsprecher die Ohrmuschel und überträgt Musik mit Schallwellen in den Luftraum zwischen Kopfhörer und Gehörgang. Nicht ohne Grund ist die Verwendung dieser Kopfhörer laut Gesetz im Straßenverkehr nicht erlaubt. Zu wichtig sind auditive Reize für die Wahrnehmung der Umwelt und damit die rechtzeitige Registrierung von Gefahren.
Shokz Openrun Pro im Test
Optisch haben die Shokz Openrun Pro wenig mit klassischen Kopfhörern zu tun. Eingebettet in eine edle Box, muten die Shokz Openrun Pro Sportkopfhörer bereits beim Auspacken nach High-Tech an. Via Kabel mit Magnet-Anschluss werden die Kopfhörer geladen.
Ganz entsprechend dem Stand der Technik verzichten die Shokz Openrun Pro auf störende Kabel. Eine blinkende LED zeigt an, dass ein Bluetooth-5.1-Signal gesendet wird. Dieses wird vom Smartphone auch rasch und zuverlässig erkannt - super! Durch die hochwertige Verarbeitung und die einfache Handhabung machen die Shokz Kopfhörer von Anfang an Spaß. Musik abspielen und los geht’s.
Auf dem Ohr sitzen die Openrun Pro Sportkopfhörer wie angegossen. Schon nach wenigen Minuten hat man vergessen, dass man ein kleines Technikwunder auf dem Kopf trägt. Für einen guten Sitz sorgt der Bügel, welcher hinter dem Kopf verläuft und dank des Einsatzes von Titan das Gewicht des Systems niedrig hält. Gut für spontane Headbang-Einlagen: Selbst bei heftig zuckenden Kopfbewegungen zu den wildesten Rocksongs bleiben die Shokz Kopfhörer zuverlässig in Position.
Hinter dem rechten Ohr sitzen zwei kleine Schalter, über die sich die Lautstärke regeln und die Kopfhörer einschalten lassen. Auf dem Transducer vor dem linken Ohr befindet sich ein Knopf, mit dem sich die Wiedergabe schnell und unkompliziert unterbrechen lässt - praktisch!
Dank Schnellladefunktion verspricht der Hersteller eine 60-prozentige Aufladung in 20 Minuten. 30 Minuten sollen es für 90 Prozent Akkuladung sein und eine fünfminütige Aufladung soll laut Shokz bereits für anderthalb Stunden Musikwiedergabe reichen. Das kommt im Neuzustand ungefähr hin.
Kompatibilität mit Helmen und Brillen
Selbst tief gezogenen Enduro-Helmen kommt der Nackenbügel nicht in die Quere. Auch die anfänglichen Bedenken zur Kompatibilität mit Radbrillen erübrigte sich. Wir haben die Knochenschall-Kopfhörer zusammen mit verschiedenen Helm-Brillen-Kombinationen ausprobiert und sind nicht auf Probleme gestoßen.
Zwar wird es mit großem Helm, Brille, Kopfhörern und vielen Haaren schon Mal eng über den Ohren, ein Druckgefühl blieb aber aus. Da die Bügel der Shokz über der Ohrmuschel dünn und gummiert sind, sitzen Brillenbügel trotzdem sicher am Kopf. Dafür muss aber durchsortiert werden: Erst Kopfhörer, dann Brille, dann Helm aufsetzen? Prinzipiell ja, doch bei schmalen Köpfen und mit manchen Helmen können die Gurte auf die Kopfhörer drücken.
Klangqualität und Wahrnehmung
Der erste Klangeindruck: Faszinierend! Durch die parallele Wahrnehmung von Umgebungsgeräuschen und Musik klingt Musik durch die Knochenschall-Kopfhörer ganz anders, als durch konventionelle Lautsprecher. Das neuartige Klanggefühl ist aufregend, braucht aber etwas Gewöhnung.
Zwar erreichen Töne aus der Umwelt und Musik gleichzeitig das Hörorgan, eine gleichmäßig verteilte Konzentration auf beide Reizgruppen will aber nicht so recht gelingen. Zudem hört sich die eigene Stimme für den Träger der Openrun Pro anders an als gewohnt - gewöhnungsbedürftig auch für leidenschaftliche Mitsinger. Unterhaltungen sind dank freier Ohrmuscheln kein Problem, fordern vom Gehirn aber einen Konzentrationswechsel von der Musik auf den Gesprächspartner.
Was dagegen sofort auffällt, ist die hohe Audioqualität bei der Wiedergabe von Sprache, etwa bei Podcasts oder Songtexten. Genial funktioniert dies zum Beispiel bei Abbiegehinweisen von Navigations-Apps, wie Komoot oder Google Maps. Gleichzeitig liegt die wahrgenommene Musikqualität merklich unter dem gewohnten Maß von Bügel- oder In-Ear-Kopfhörern. Höhen und Tiefen, Schlagzeug und Bass klingen nicht ganz so voll, wie gewohnt.
Keine Frage: Die generelle Sound-Qualität ist gut, die fehlende Frequenzbandbreite aber auch für Laien bei genauem Hinhören wahrzunehmen und für Musik-Fetischisten wohl ein No-Go. Zwar setzt Shokz auf die “TurboPitchTM” getaufte, neunte Generation ihrer Knochenschalltechnologie sowie zwei Bassverstärker, die Kopfhörer haben jedoch einen systembedingten Nachteil: Der Schädelknochen schwingt nur in einem bestimmten Frequenzbereich. Die Shokz können einen breiteren Bereich ausspielen, der Knochen überträgt jedoch nicht jedes kleine Musikdetail.
Alltagstauglichkeit abseits des Bikes
Kopfhörer für 190 Euro sollten auch abseits des Bikes im Alltag einsetzbar sein. Wer mit den Knochenschall-Kopfhörern vor den Supermarkt rollt, kann sie beim Shoppen einfach anlassen. Durch die offenen Ohren bleibt das Tunnelgefühl der Abschirmung aus.
Gut: Ob vom Kassierer oder vom Trainer im Fitnessstudio - mit den Shokz bleibt man jederzeit ansprechbar. Schlecht: Wenn in der Mukkibude Radio läuft und sich im Innenohr Justin Bieber mit Raise Against mischt. Bei Beinpressen mit Kopfauflage ist außerdem der Nackenbügel im Weg.
Die Shokz Kopfhörer während der Fahrt
Einmal aufs Bike gestiegen und losgerollt, tritt die Musikqualität in den Hintergrund. Dass das Ohr sowohl den abgespielten Song, als auch die Geräusche der Umwelt gleichzeitig wahrnimmt, entlockt wohl jedem Erstanwender ein Grinsen. Tatsächlich aber findet die Wahrnehmung parallel statt - soll heißen: wer sich gerade auf die Musik konzentriert, kann ein herannahendes Auto zwar hören und trotzdem davon überrascht werden.
Gerade in belebten Gebieten, kann das Gehirn sich nicht auf alle Geräusche gleichzeitig einlassen. So ist es zum Beispiel schwer zu sagen, aus welcher Richtung genau sich ein Martinshorn nähert. Zweifelsohne werden diese Geräusche jedoch entscheidend früher erkannt und insgesamt ist die Sicherheit im Straßenverkehr deutlich höher, als mit Standard-Kopfhörern. Bei der gleichzeitigen Verarbeitung vieler Reize könnte auch etwas Übung und Training helfen.
Wer glaubt, dass die Windgeräusche durch das offenliegende Ohr störender seien, der täuscht sich. Bei schneller Fahrt, etwa bergab auf dem Gravelbike, spielen die Knochenschall-Kopfhörer einen echten Trumpf aus. Im Gegenteil: Während es bei starkem Fahrtwind an In-Ear-Kopfhörern gewaltig rauscht, bleiben die Schwingungen auf dem Knochen und damit das Hören der Musik davon unbeeindruckt.
Musikhören und trotzdem die Natur wahrnehmen, Vögel zwitschern und Bäche gurgeln hören zu können, ist ein echtes Aha-Erlebnis. Als besonders genial zeigten sich die Openrun Pro auf dem Trail. Besonders der Sound einer hochwertigen Hinterradnabe, der Ton rollender Reifen und das Arbeiten eines gut eingestellten Fahrwerks machen zusammen mit Musik richtig Laune.
Mit den Knochenschall-Kopfhörern kann auch Wolfmother die eigene Atemnot nicht übertönen. Auch eine trocken gelaufene Kette, knarzende Pedale oder der summende E-Bike-Motor sind zu hören. Besser also gut ums Bike kümmern!
Alternative Sportkopfhörer
Neben den Knochenschall-Kopfhörern gibt es auch eine Vielzahl anderer Sportkopfhörer, die sich für verschiedene Aktivitäten eignen:
- Sony Linkbuds Fit: Diese In-Ear-Kopfhörer bieten einen absolut sicheren Sitz und sind dennoch komfortabel und klanglich kaum zu toppen.
- Sennheiser Momentum Sport: Neben tollem Sound und Außengeräuschunterdrückung messen diese Kopfhörer auch die Herzfrequenz und die Körpertemperatur.
- EarFun Free Pro 3: Diese kleinen In-Ears passen prima in die Ohren und bieten dank Noise Canceling ungestörte Ruhe im Fitnessstudio.
- Suunto Wing: Diese Kopfhörer arbeiten nach dem offenen Knochenschall-Prinzip und ermöglichen es, die Umgebung jederzeit wahrzunehmen.
- Shokz OpenSwim Pro: Dieser Kopfhörer eignet sich sehr gut für Wassersport und verfügt über einen integrierten MP3-Player.
Weitere empfehlenswerte Modelle
Im Folgenden werden einige weitere Sportkopfhörer detaillierter vorgestellt:
- Technics EAH-AZ 60: Diese In-Ear-Knöpfe konnten rundum überzeugen und waren im Vergleichstest einer der Favoriten der Redaktion.
- LG Tone Free DFP8: Smarte, leichte, unauffällige True-Wireless-Kopfhörer mit gutem Klang und in die Ladeschale integrierter Reinigungsfunktion.
- JBL Reflect Aero TWS: Diese In-Ear-Kopfhörer überzeugten im Test von COMPUTER BILD unter anderem mit feinem Klang.
- Jabra Elite 4: Die Elite 4 von Jabra punkten mit einem kräftigen Klang ohne Zischeln oder Verfärbungen.
Zusammenfassung der wichtigsten Eigenschaften
Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Eigenschaften der Shokz Openrun Pro zusammen:
| Eigenschaft | Details |
|---|---|
| Preis | 189,95 Euro |
| Akkulaufzeit | 10 Stunden |
| Farben | Verfügbar in vier Farben |
| Schnellladefunktion | Ja |
| Schutz | Staub- und feuchtigkeitsgeschützt nach IP55 |
| Garantie | Zwei Jahre |
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