Isarursprung Radtour: Komoot Erfahrungen

Der Isarradweg verbindet die raue Bergwelt mit den wasserreichen Landschaften der Voralpen und der Metropole München. Schließlich begleiten Sie die Isar vom Karwendelgebirge durch hügeliges bis flaches Gelände bis zur Donaumündung. Am Fluss ist die Orientierung leicht und es bleibt Zeit für schöne Aussichten. Davon gibt es auf dem Isarradweg jede Menge.

Im Karwendelgebirge startet der Fluss aus mehreren Quellen auf seinem Weg in Richtung Donau. Hier ist er türkisblau und geradezu mitreißend. Je länger Sie ihm folgen, umso mehr beruhigt er sich. Die Isar wird immer breiter und durchströmt bald schon Wiesen und Auen im bayerischen Mittenwald. Fast schon gemächlich fließt der Fluss durch das Tölzer Land. Ein Stopp in der historischen Altstadt von Bad Tölz bietet sich an. Sie folgen seinem Lauf und lernen dabei die Besonderheiten dieser bäuerlichen Kulturlandschaft kennen.

Für mehr Aufregung sorgt der Zwischenstopp in der bayerischen Landeshauptstadt München, wo ein üppiges Kunst- und Kulturangebot auf Sie wartet. Entspannt und etwas ruhiger geht es im Auwald nahe Freising zu. Sobald Sie den Landkreis Landshut erreichen, verblassen die Berge im Hintergrund und das Isarmündungsgebiet bei Deggendorf ist ganz nah.

Wandern entlang der Isar, vom Ursprung bis nach München - diese Idee schwebte schon lange im Kopf herum. Als Münchner verbinde ich unzählige Erinnerungen an laue Sommerabende an ihren Ufern, und ihr Oberlauf in den Alpen gehört für mich zu den schönsten Landschaften in ganz Deutschland. Mit dem Isar-Radweg gibt es eine tolle Route entlang des wilden Flusses, die aber nicht wirklich auf Wanderer ausgelegt ist.

Die Isar ist eigentlich eine Tirolerin, und den Weg von Scharnitz kurz hinter der bayerischen Grenze hinein ins Hinterautal kann man getrost als Hatscher bezeichnen (Nicht-Bayern bitte googeln). Aber er lohnt sich! Denn nach rund dreizehn Kilometern Schotterstraße trifft man hier auf den Ursprung jenes Flusses, der zumindest in seinem Oberlauf der letzte große Wildfluss Deutschlands ist. Wahrscheinlich auch der schönste Fluss Deutschlands.

Die ganze Strecke von Scharnitz bis zum Isar-Ursprung zu Fuß zu gehen ist nicht sonderlich populär - unter Radfahrern ist sie es dafür umso mehr. Und für alle anderen gibt es sogar einen Shuttle Service ins Tal hinein, den man ab Scharnitz buchen kann und der einen bis zum Ursprung oder sogar noch weiter bringt. Die Isar hat man während der Wanderung stets im Blick, genauso wie die hoch aufragenden Wände und Gipfel des Tiroler Karwendel.

Der offizielle Isarursprung ist nämlich keine wirkliche Quelle, sondern der Ort, an dem drei Bäche, eigentlich nicht mehr als Rinnsale, aufeinandertreffen, die aus darüberliegenden Karstquellen stammen. Knapp drei Kilometer weiter im Tal liegt übrigens die Kastenalm. Und von dort aus sind es nochmal rund sechs Kilometer bis zum Hallerangerhaus, wo man auch übernachten kann.

Am zweiten Tag steht die längste Etappe meiner Isar-Tour vom Ursprung bis nach München an. Und deswegen verlasse ich pünktlich zur Morgendämmerung meine Pension. Es nieselt, doch glücklicherweise sollen die paar morgendlichen Tropfen der einzige Regen des Tages bleiben (obwohl viel mehr vorhergesagt war). Flotten Schrittes wandere ich durch das Naturschutzgebiet Riedboden mit seinem Magerrasen-Kiefer -Gemisch.

Nach einem ausgiebigen Frühstück beim Bäcker fühle ich mich bereit für den Rest der langen Etappe. Erst wenig spannend und straßenreich, später auf dem Isaruferweg dafür umso schöner geht’s in Richtung Krün. Durch ziemlich schöne, beweidete Uferlandschaft wandere ich für eine kurze Mittagspause zur Auhütte, von der aus man besten Blick über das breite Flusstal bis zur Zugspitze hat.

Im oberen Isartal verlagert die Isar auf einer Strecke von über sechzehn Kilometern Länge ständig ihr Bett. Besteht aus Haupt- und Nebenarmen, Altwässern, Kiesbänken und angrenzenden Auenwäldern. Jedoch ist die Landschaft längst nicht so wild und natürlich, wie sie sein könnte, denn weil der Isar das Wasser zum “umgraben” fehlt, verbuschen die Kiesflächen immer mehr. Ich entscheide mich gegen das Herumlatschen auf der Mautstraße (die ich sowieso schon von Fahrradtouren kenne) und für die Forstwege auf der anderen Flussseite. Dort ist quasi niemand sonst unterwegs, und ein paar tolle Ausblicke gibt es auch von dieser Seite aus.

Ab Vorderriß wird der Weg etwas weniger offensichtlich und ich habe in mehreren Berichten gelesen, dass andere Wanderer die ganzen acht Kilometer bis Fall auf der Bundesstraße gelaufen sind. Tatsächlich kann man aber, zumindest wenn nicht gerade Hochwasser ist, den Großteil des Weges abseits der Straße wandern.

Am Sylvensteinspeicher angekommen traue ich meinen Augen kaum: Das sonst so wunderbar grünblau leuchtende Wasser ist weg! Weiter vorne gibt’s noch was, aber der hintere Seil des Sees liegt trocken. Ist die Isar ein richtiger Wildfluss? Nunja… nicht wirklich. Aber: Sie könnte zumindest teilweise einer sein. Was übrig bliebt, ist nicht mehr als ein Rinnsal im Vergleich zu dem mächtigen Flusstal.

Und dieses Rinnsal hat wenig Chancen, den Kies umzugraben, neue Inseln und Wege zu formen, und damit eine Landschaft zu erhalten, deren Bewohner auf genau diese Gegebenheiten angepasst sind. Stattdessen verbuscht das das Flussbett mehr und mehr und drängt die Isar in ein Korsett, aus dem sie sich alleine kaum noch befreien kann. Die freien Kiesbänke verschwinden. Die Dynamik der Landschaft geht verloren.

Glücklicherweise gibt es Menschen, die sich für die Isar und ihr in Deutschland einzigartiges Ökosystem einsetzen. Die (zum Beispiel) Kiesbänke für auf den Steinen brütende Uferläufer sperren. Zur Errichtung von Fischtreppen beitragen. Und die vor allem auch dafür kämpfen, dass die Isar sowie ihre wichtigsten Zuflüsse eine ökologisch sinnvolle Menge ihres Wassers behalten dürfen.

So hat zum Beispiel der der Verein Rettet die Isar jetzt schon im Jahr 1990 erwirkt, dass bei Krün im Sommer zumindest eine Restwassermenge von rund fünf Kubikmetern in den Fluss zurückgeleitet werden muss. Und es gibt einen Hoffnungsschimmer am Horizont: Im Jahr 2030 laufen die Rechte des Konzerns, der rund um den Walchensee Wasser zur Stromgewinnung nutzen darf, nämlich aus.

Die einigermaßen beruhigende Erkenntnis am Morgen: Im Sylvensteinsee ist doch noch Wasser. Nur der hintere Teil ist (fast) komplett trocken, wenngleich auch der Rest des Sees nicht gerade kurz vorm Überlaufen ist. Nach einem Stück entlang der Straße (bei deren Bau definitiv keine Fußgänger bedacht wurden, man kann sich aber einigermaßen gut an die Leitplanke quetschen) biege ich an der Staumauer nach links ab. Um der Isar zu folgen, müsste man eigentlich rechts dem Radweg folgen.

Dann macht man aber auch den ganzen Weg bis Lenggries nicht viel anderes, als auf einem Radweg entlang einer befahrenen Straße zu wandern. Da hatte ich nicht so wahnsinnig viel Lust drauf, zumal ich die Route schon mit dem Rad gefahren bin. Stattdessen hab ich die Forstwege durch bewaldete Berglandschaft vorgezogen. Eigentlich wollte ich übers Paradiesköpfel schon früher wieder runter zur Isar, das Gebiet war dann aber als Wildruhezone ausgezeichnet, weshalb ich erst einige Kilometer vor Lenggries wieder auf die Isar gestoßen bin. Den Alpenrand hab ich nun (fast) erreicht.

Ich starte bei sieben Grad und Nieselregen - was will man mehr? Glücklicherweise hält sich der vorhergesagte Regen auch heute in Grenzen, sodass die abermals eher lange Etappe angenehmer wird als befürchtet. Und schöner als erwartet wird sie auch! Das gilt insbesondere auch für den Abschnitt zwischen Bad Tölz und Wolfratshausen, denn dort führt mich meine Route viel über kleine Pfade durch den Wald - und immer wieder auch direkt an die Isar.

Menschen begegne ich an diesem Tag kaum, und so wähne ich mich tatsächlich mehr als einmal irgendwo in der Wildnis Kanadas, als ich am einsamen Kiesufer stehe, auf die Isar schaue, und die von Nebel überzogenen Nadelwälder, die bis an ihre Ränder reichen.

Am letzten Tag meiner Isar-Wanderung vom Ursprung bis nach München hält sich der Regen im Gegensatz zu den letzten Tagen nicht zurück. Das Highlight des Tages ist wohl die Pupplinger Au, die ich schon von der ein oder anderen Stadtflucht kenne, als ich noch in München gewohnt habe. Das Naturschutzgebiet liegt nördlich von Wolfratshausen im Bereich der Loisachmündung und ist der ursprünglichste und wildeste Abschnitt der Isar im näheren Stadtgebiet.

Bis zu zwei Kilometer breit ist der Auwald, der hier die Isar umschließt. Auch hier gibt es tolle kleine Pfade, die die Uferbereiche durchziehen. Irgendwann kommt München dann spürbar näher - ich sehe zwar noch nichts davon, aber die plötzlich rasant vermehrten Spaziergänger und Radfahrer lassen doch sehr eindeutige Schlüsse zu. Später tauchen die ersten Stadtbrücken auf, der Flaucher, der Tierpark.

Heimische Gefilde eben, und dass ich den ganzen Weg hierher dem Fluss gefolgt bin, das hat sich auf diesen letzten Kilometern schon ziemlich besonders angefühlt. Ab der Ludwigsbrücke zwischen Rosenheimer Platz und Isartor muss die Isar ihren Weg in Richtung Donau dann aber alleine fortsetzen.

Mit dem Isar-Radweg gibt es zwar eine (ziemlich) Radroute entlang der kompletten Isar, ein durchgehendes Äquivalent für Wanderer jedoch nicht. Letztendlich war bei den rund 160 Wanderkilometern so ziemlich alles dabei, was man sich nur vorstellen kann: Von der endlosen Forststraße bis zum perfekt ausgebauten Wander- bzw. Radweg; vom schmalen, überwucherten Trail bis hin zum (nicht wirklich vorhandenen) Randstreifen einer Bundesstraße.

Mal musste ich ständig überlegen, auf welcher Straßenseite ich wohl halbwegs sicher unterwegs bin, dann wieder stundenlang an rein gar nichts denken. Die Wanderung hatte durchaus so ihre Längen und weniger charmanten Abschnitte, aber auch wunderschöne. Und ich bin von vorneherein nicht mit der Erwartung an diese Tour gegangen, dass die Tour rein wandertechnisch gesehen perfekt werden soll.

Ich wollte einfach diesem Fluss folgen, einem der wildesten, die Deutschland noch hat. So gut es geht und mit allem, was dazu gehört…Mission erfüllt! Die Abenteurerin und Reiseautorin Carmen Rohrbach ist vor einigen Jahren die komplette Isar von der Quelle bis zur Mündung abgewandert, teilweise sogar mehrmals und zu unterschiedlichen Jahreszeiten.

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