Die Straßenverkehrsunfallstatistik erfasst alle von der Polizei aufgenommenen Unfälle, bei denen auf öffentlichen Straßen und Plätzen Personenschaden oder Sachschaden entstanden ist. In unseren Tabellen finden Sie neben Daten zu Verunglückten nach Alter, Art des Fahrzeugs (beispielsweise Autounfälle, Motorradunfälle oder Busunglücke) ebenso Unfallursachen. Fahrerbedingte Gründe wie Alkoholfahrten oder Raserei weisen wir ebenso nach wie Verkehrsunfälle durch Eisglätte, Nebel oder Wildunfälle. Neben Autounfällen veröffentlichen wir auch Unfälle von Fußgängern sowie Fahrradunfälle und neuerdings Unfälle mit E-Scootern.
Die Statistik dient der Gewinnung zuverlässiger, umfassender, differenzierter, aktueller und bundesweit vergleichbarer Daten zur Verkehrssicherheitslage. Die Ergebnisse dieser Bundesstatistik dienen der Gewinnung zuverlässiger, aktueller und bundesweit vergleichbarer Daten (insbesondere zu den Unfällen auf der Straße) für vekehrszweigübergreifende Unfallrisikovergleiche und schaffen eine notwendige Grundlage für die staatliche Verkehrspolitik - nicht zuletzt auf dem Gebiet der Infrastruktur- und Verkehrssicherheitspolitik.
Motorradfahren: Erhöhtes Unfallrisiko
Aktuell sind in Deutschland 4,7 Millionen Motorräder zugelassen - davon knapp 15 Prozent auch in Frauenhand. Doch Motorradfahrerinnen und -fahrer haben ein deutlich höheres Risiko als Autofahrende: Es fehlen Knautschzonen, Sicherheitsgurte und meist auch ABS. Bei einem Unfall hat dies oft fatale Folgen. Ganz besonders bei Kollisionen mit einem Pkw.
Alleine schon auf Basis der durchschnittlichen Fahrleistungen - die Deutschen fahren ca. 13.000 Kilometer pro Jahr mit ihrem Pkw und lediglich 2.200 Kilometer mit einem Kraftrad - haben motorisierte Zweiräder gegenüber allen Verkehrsteilnehmern ein vierfach höheres Risiko, an einem Unfall beteiligt zu sein. Die Verunglücktenrate, also die Anzahl der Verunglückten je eine Mrd. gefahrene Kilometer, ist sogar siebenmal so hoch. 2021 war ca. jede fünfte im Straßenverkehr getötete oder schwerverletzte Person auf einem Kraftrad unterwegs. Danach machen die motorisierten Zweiradfahrer 18 Prozent aller Schwerverletzten und 21 Prozent der Getöteten im Straßenverkehr aus.
Ursachen für Motorradunfälle
Um Potenziale zur Vermeidung von Unfällen mit motorisierten Zweirädern zu identifizieren, wurde eine Analyse auf Basis der ADAC Unfalldatenbank durchgeführt. Dafür werteten die Fachleute des Clubs ca. 2.500 schwere Verkehrsunfälle aus, die sich außerhalb von Ortschaften (Autobahn, Landstraße etc.) ereigneten und an denen Motorradfahrende beteiligt waren.
Das Ergebnis: Insgesamt sind Kradfahrerinnen und -fahrer bei fast jedem vierten Verkehrsunfall außerorts beteiligt. Bei etwas mehr als einem Drittel handelt es sich um Alleinunfälle, bei knapp zwei Dritteln der Unfälle kollidieren die Motorradfahrenden mit anderen Verkehrsteilnehmern. Ein erhöhtes Unfallrisiko haben - gemessen an ihrem Anteil in der deutschen Bevölkerung - junge Motorradfahrerinnen und -fahrer im Alter von 15 bis 24 Jahren. Die Verletzungsschwere steigt dagegen mit dem Alter. Am häufigsten erleiden die Motorradfahrerinnen und -fahrer Schädel-Hirn-Traumata, Thorax-Traumata und Traumata an den Extremitäten. Verletzungen am Kopf, Thorax, Abdomen, Becken und Beinen führen am häufigsten zu schweren bis tödlichen Traumata.
Risiko Alleinunfall
Bei Alleinunfällen, also rund einem Drittel aller Motorradunglücke, verlieren die Motorradfahrenden oftmals auf kurvigen Streckenabschnitten die Kontrolle über ihr Fahrzeug. Sie verbremsen sich, sind unaufmerksam, stürzen und/oder kommen von der Straße ab. Mit 47 Prozent sind solche Fahrfehler die häufigste Unfallursache. Die zweithäufigste Ursache von Alleinunfällen ist mit 39 Prozent eine überhöhte Geschwindigkeit. Diese führt oft in einer Kurve zum Unfall.
Risiko Kollisionen
Bei knapp zwei Dritteln der Unfälle prallen die Motorradfahrenden mit anderen Fahrzeugen zusammen. Von Kradfahrerinnen und -fahrern verursachte Kollisionen treten am häufigsten aufgrund von Fehlern beim Überholen, einer unangepassten Geschwindigkeit und einem ungenügenden Abstand auf. Bei fast der Hälfte der Fälle waren die Kradfahrenden nicht die Unfallverursachenden. Bei mehr als der Hälfte aller Crashs davon handelt es sich um Abbiege- und Kreuzungsunfälle. Zu 80 Prozent kollidieren Motorradfahrer mit Pkw.
Technik zur Unfallvermeidung
In Bezug auf die Fahrzeugtechnik gilt es neben den Sicherheitssystemen für Motorräder auch die für Pkw zu betrachten, ist der ADAC überzeugt: "Bei Motorrädern hätte ein Kurven-ABS in Kombination mit einer Traktionskontrolle ein hohes unfallvermeidendes Potenzial. Dadurch könnte ein großer Teil der Fahrunfälle verhindert werden." Aber auch ein Abstandsregeltempomat (ACC) und ein Totwinkelassistent könnten die Sicherheit der Motorradfahrerinnen und -fahrer erhöhen. Ein eCall-System würde die Hilfeleistung nach dem Crash verbessern.
Bei jedem zehnten Unfall mit Kradbeteiligung kollidiert ein linksabbiegendes Fahrzeug mit einem entgegenkommenden Motorrad. Da überdies die Hälfte aller Kollisionen beim Abbiegen, Einbiegen oder Kreuzen passieren, könnten Linksabbiegeassistenten und Kreuzungsassistenten bei Pkw das Sicherheitsniveau deutlich erhöhen. Denn durch eine Notbremsung könnten diese einen Zusammenstoß verhüten.
Die Rekonstruktion von Abbiege- und Kreuzungsunfällen ergab, dass das ab- oder einbiegende Fahrzeug ca. 15 km/h bis 25 km/h schnell ist, wenn es auf den bevorrechtigten Motorradfahrenden trifft, der zu diesem Zeitpunkt noch mit Tempo 60 bis 80 fährt.
Empfehlungen für mehr Sicherheit
Der ADAC empfiehlt Motorradfahrern, passende Schutzkleidung zu tragen, regelmäßige Sicherheitschecks der Maschine durchzuführen und sich und die Technik zu Beginn der Fahrt "warm" zu fahren. Regelmäßige Fahrsicherheitstrainings helfen, um das perfekte Bremsen und die Kurvenfahrt zu trainieren sowie die physikalischen Grenzen des eigenen Motorrads kennen zu lernen.
Maßnahmen, die die Sicherheit von Motorradfahrenden erhöhen könnten, finden sich im Merkblatt "MVMot" der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen. Als große Probleme werden dort eingeschränkte Einsehbarkeit des Streckenverlaufs, ein mangelnder Grip auf der Fahrbahn oder fehlende Linksabbiegestreifen beschrieben.
"Schon durch kostengünstige Maßnahmen wie das Zurückschneiden der Bepflanzung, das Entfernen von Hindernissen neben der Fahrbahn, das Herabsetzen der Höchstgeschwindigkeit oder das Aufstellen von Richtungstafeln in Kurven können Unfallschwerpunkte entschärft werden", sagt der ADAC. Der Nachteil von infrastrukturellen Maßnahmen liege darin, dass ihre Wirkung örtlich begrenzt ist.
Autofahren: Statistische Sicherheit des Autoverkehrs
Das Auto gilt im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln als das unsicherste. Pro einer Milliarde Personenkilometer sterben in Deutschland etwa zwei Menschen und 240 werden verletzt. Das Risiko, in einem Auto zu sterben, ist 56-mal höher als in der Bahn; das Verletzungsrisiko ist sogar 133-mal höher.
Seit den 1970er-Jahren ist die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland deutlich gesunken. Im November 2024 wurden in Deutschland 199 Verkehrstote registriert, was einen Rückgang um 12 Personen im Vergleich zum Vorjahresmonat darstellt.
Faktoren, die die Sicherheit im Autoverkehr beeinflussen
Moderne Fahrzeuge sind mit Technologien wie Müdigkeitserkennung und Totwinkel-Assistenten ausgestattet, die dazu beitragen, Unfälle zu vermeiden. Gurtpflicht und Fahrerassistenzsysteme haben maßgeblich zur Reduzierung von Todesfällen und schweren Verletzungen beigetragen. Ein Großteil der Unfälle wird jedoch durch menschliches Versagen verursacht, wie etwa Ablenkung, überhöhte Geschwindigkeit, Regelverletzungen oder Fahren unter Alkoholeinfluss.
Im Jahr 2023 verzeichnete Schleswig-Holstein die meisten Unfälle pro Kopf (3,95 pro 1.000 Einwohner), während Thüringen mit 2,45 pro 1.000 Einwohner die wenigsten Unfälle aufwies.
Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit im Autoverkehr
Der Ausbau sicherer Straßen, Kreisverkehre und klarer Beschilderungen kann das Unfallrisiko reduzieren. Aufklärungskampagnen und verstärkte Kontrollen tragen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit bei. Die Einführung autonomer Fahrzeuge könnte langfristig menschliches Versagen minimieren und die Unfallzahlen weiter senken.
Sicherheitsvergleich: Motorrad vs. Auto
Motorrad- und Autofahrende sind auf der Straße häufig auf Kollisionskurs. Eine Analyse der Verkehrsunfälle im Jahr 2021 durch ADAC Experten ergab: 16.435 Mal krachte es in der Bundesrepublik Deutschland zwischen Pkw und Motorrädern. Dabei verletzten sich fast 10.000 Motorradfahrende schwer und 529 verunglückten infolge von Verkehrsunfällen tödlich. 93 % der Unfallopfer waren Kraftradfahrende oder -mitfahrende, aber 66,4 % dieser Unfälle wurden von Pkw-Fahrenden verursacht.
Basierend auf der Fahrleistung ist das Risiko eines Motorradfahrenden, an einem Unfall beteiligt zu sein, vier Mal höher als bei anderen Verkehrsbeteiligten. Auch das Verletzungsrisiko ist bei Motorradfahrenden erhöht. Ein möglicher Grund liegt darin, dass Krad-Fahrende so gut wie keine passiven Schutzvorrichtungen wie Airbags, Gurte oder Knautschzonen der Karosserie haben.
Praktische Tipps für mehr Sicherheit
Für Auto- und Motorradfahrende gilt: Fahren Sie defensiv, respektieren Sie die Verkehrsregeln und machen Sie sich fit für Gefahrensituationen.
- Geschwindigkeit von Motorradfahrern wird leicht unterschätzt.
- Nicht auf die eigene Vorfahrt vertrauen, besonders an Einmündungen und Kreuzungen.
- Bedenken Sie: Motorräder sind nicht wendiger als Autos und haben auch keinen kürzeren Bremsweg.
- Werfen Sie vor jedem Spurwechsel, Abbiegen oder Überholvorgang einen bewussten Sicherungsblick über die Schulter. Blinken Sie stets rechtzeitig.
- Vertrauen Sie grundsätzlich nicht auf die eigene Vorfahrt.
- Fahren Sie immer so, dass Sie an Kreuzungen für wartende Autofahrende gut sichtbar sind.
Motorradfahrer sollten sich bei jeder Fahrt mit einem ECE-Helm, Motorradhandschuhen, -stiefeln, -jacke, -hose, Rückenprotektor und Nierengurt schützen. Kontrastreiche Kleidung und Fahrzeuglackierungen sind hilfreich für eine bessere Sichtbarkeit im Straßenverkehr.
Motorrad-Unfallstatistik 2019
2019 verunglückten 28.426 Motorradfahrer auf deutschen Straßen, wie aus den Zahlen des Statistischen Bundesamts (Desatis) hervorgeht. Ums Leben kamen 542 Motorradfahrer. Das Risiko als Motorradfahrer getötet zu werden, war im Jahr 2019 also mehr als viermal so hoch wie das Risiko für Autofahrer.
35,4 Prozent der verunglückten und 18,3 Prozent der getöteten Kraftradbenutzer waren im Alter von 15 bis 24 Jahren.
Wenn andere Verkehrsteilnehmer an einem Motorradunfall beteiligt sind, handelt es sich in 80,8 Prozent der Fälle um ein Auto.
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