Du bist begeisterter Fahrradfahrer, hast jedoch vor kurzem einen Bandscheibenvorfall erlitten und bist dir nicht sicher, ob du jetzt weiterhin unbedenklich Radfahren kannst? Dr. Heino Arnold, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie mit der Zusatzqualifikation Sportmedizin, beantwortet alle Fragen zu dem Thema.
Ist Radfahren nach einem Bandscheibenvorfall möglich?
Gute Nachrichten: Nach Dr. Arnolds professioneller Einschätzung ist das Radfahren nach einem Bandscheibenvorfall auf jeden Fall noch möglich. Natürlich nur, wenn alle akuten Krankheitssymptome wirklich abgeklungen sind. Prinzipiell gilt: Auch nach einem Bandscheibenvorfall sollte regelmäßig Sport getrieben werden.
Fahrradfahren unterstützt viele Facetten wie Kondition, Beinmuskulatur, Herz-Kreislauf-System. Aber Fahrradfahren ist nicht ideal um seinen Rücken zu kräftigen. Wer seinen Rücken stärken will, sollte sich nach Empfehlung von Dr. Arnold nach anderen Sportarten umsehen.
Die richtige Sitzposition
Nach einem Bandscheibenvorfall gilt: nicht einfach wieder drauf los radeln. Jetzt gibt es ein paar Punkte zu beachten. Diese darf auf keinen Fall sportlich - gestreckt oder aufrecht - sein, da der heilende Bereich so zu sehr belastet wird.
Betroffene sollten nach einem Bandscheibenvorfall auf keinen Fall zu sportlich auf dem Fahrrad oder E-Bike sitzen. Das heißt, der Sattel sollte maximal auf Höhe des Lenkers sein, besser sogar darunter, damit man nicht zu gestreckt, sondern eher aufrecht auf dem Rad sitzt.
Bei einer sportlichen Sitzhaltung wird besonders der untere Rücken, also die Lendenwirbelsäule, als auch die Halswirbelsäule, belastet und überstreckt. Das sollte nach einem Bandscheibenvorfall auf jeden Fall vermieden werden, meint Dr. Arnold.
Um nach einem Bandscheibenvorfall wieder schmerzfrei Fahrradfahren zu können, sollte der Sattel nicht höher sein als der Lenker. Besser ist noch darunter, was bei den meisten Nicht-Sport-Rädern üblicher Weise der Fall ist.
Welche Fahrradtypen sind geeignet?
Wenn du von einem Bandscheibenvorfall betroffen bist, solltest du dich vor dem Fahrradfahren auf jeden Fall bei einem Fachhandel beraten lassen. Dr. Arnold rät neben der richtigen Sitzposition dringend zu einem passenden Sattel und einer geeigneten Rahmengeometrie.
Deshalb sind sportliche Räder nicht das Richtige für Betroffene. Je ergonomischer desto besser! Dennoch hat Dr. Arnold einige Empfehlungen: Klassische Hollandräder sind grundsätzlich ideal, da sie eine aufrechte Position ermöglichen.
Wer es aber sportlicher mag und auf das sportliche Fahrradfahren nicht verzichten möchte, für den sind Gravelbikes durch ihre Rahmenkonstruktion und den ergonomischen Sitz eine gute Wahl. Außerdem gilt: Wenn das Rad sportlich genutzt werden soll, dann keine einseitige Beanspruchung durch extremes Gelände oder Bergauffahrten.
Gravelbikes sind durch die ergonomische Rahmengeometrie besser für den Rücken geeignet. Bei einem Crossbike muss dauerhaft Gewicht auf das Vorderrad verlagert werden, um sicher fahren zu können.
Vielleicht denkst du dir jetzt, dass E-Bikes das Richtige für dich sind, wenn du nicht zu viel Belastung ausgesetzt sein darfst. Aber bei dem richtigen Fahrrad für Betroffene eines Bandscheibenvorfalls kommt es nicht auf die Belastung durch den Antrieb an, sondern vor allem auf die Belastung durch eine zu gestreckte Sitzposition.
Daher gilt nicht unbedingt der Fahrradtyp als ausschlaggebend, sondern ausschließlich die Sitzposition.
Federung und Sattel
Viel wichtiger als eine Federung ist jedoch ein passender Sattel, auf dem du tatsächlich mit beiden Sitzbeinen aufsitzt. Fahrräder mit Dämpfern am Hinterbau helfen dabei, Stöße abzufedern.
Übrigens: Eine gefederte Sattelstütze oder auch eine Lenkerfederung verbessert nach Ansicht von Dr. Arnold nicht die Belastung auf die Wirbelsäule oder die Bequemlichkeit, sondern die Traktion im Gelände.
Was kann ich präventiv gegen einen Bandscheibenvorfall tun?
Wer viel sitzt, übergewichtig ist oder den Rücken falsch belastet, setzt den Bandscheiben zu. Halten sie der Belastung nicht mehr Stand, kommt es zum Bandscheibenvorfall. Dr. Arnold gibt folgende Tipps:
- Treiben Sie regelmäßig, maßvollen Sport.
- Verbinden Sie verschiedene Sportarten.
- Achten Sie auf eine gleichmäßige Ausdauerbelastung.
Und beim Radfahren gilt: Egal welcher Antrieb -achten Sie auf die Sitzposition, den passenden Sattel, die geeignete Rahmengeometrie und meiden Sie insbesondere bei Vorerkrankungen allzu einseitige Beanspruchung durch extremes Gelände oder Bergauffahrten.
Zusammenfassung der wichtigsten Punkte
| Aspekt | Empfehlung |
|---|---|
| Sitzposition | Aufrecht, Sattel maximal auf Höhe des Lenkers oder darunter |
| Fahrradtyp | Hollandrad oder Gravelbike |
| Sattel | Passender Sattel, der beide Sitzbeine unterstützt |
| Federung | Dämpfer am Hinterbau können Stöße abfedern |
| Prävention | Regelmäßiger Sport, verschiedene Sportarten kombinieren, einseitige Belastungen vermeiden |
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