Italienische Motorradmarken: Eine umfassende Liste

Italien ist ein Land mit einer reichen, vielfältigen Motorradkultur. Heute existieren zwar längst nicht mehr so viele Hersteller auf der Stiefel-Halbinsel wie in den 50er-, 60er- oder 70er-Jahren, doch sind es immer noch viel mehr als in Deutschland. Viele italienische Motorradmarken sind aus Familienbetrieben hervorgegangen, die während des Zweiten Weltkriegs an der Produktion mechanischer Teile für die Militärindustrie beteiligt waren. So baute Piaggio Züge und Waggons, Benelli produzierte Gewehre und Laverda Traktoren und Landmaschinen. Der Nachkriegsboom und der Bedarf an billigen Transportmitteln auf nationaler Ebene führten dazu, dass viele Unternehmen auf die Produktion von Zweirädern wie Fahrrädern und Motorrädern umstellten. Die italienischen Motorradmarken erlebten eine Periode höchster Prosperität, gefolgt von einem Rückgang. In den letzten Jahrzehnten ist der Markt immer anspruchsvoller geworden und begünstigt große Hersteller, die Qualitätsprodukte zu wettbewerbsfähigen Preisen entwickelt haben. Es ist kein Zufall, dass einige Motorradhersteller von chinesischen Unternehmen aufgekauft worden sind.

Bekannte und weniger bekannte italienische Motorradmarken

Piaggio, Hercules, Honda oder Yamaha kennen wir alle, aber das sind nicht die einzigen Hersteller von unseren geliebten Zweirädern. Hier eine Liste einiger italienischer Motorradmarken:

  • Aprilia: Aprilia ist ein italienischer Motorrad- und Motorrollerhersteller mit Sitz in Noale. 1945 wurde Aprilia als Fahrradhersteller gegründet. Sein Sohn Ivano initiierte die Herstellung von Motorrädern. 1968 entstanden erste Geländesportmaschinen. Schon früh verfolgte Aprilia bei der Produktion eine moderne Strategie - man konzentrierte sich auf Entwicklung und Montage; die einzelnen Komponenten kamen von Zulieferern.
  • Benelli: Ein weiterer großer Motorradhersteller aus Italien ist Benelli. Das Unternehmen war ursprünglich eine einfache Reparaturwerkstatt, die jedoch in der Lage war, die notwendigen Ersatzteile für Fahrräder und Motorräder herzustellen. Benelli stellte 1920 seinen ersten Zweitaktmotor, den 75 CC, vor.
  • Bimota: Bimota begann als Nischenunternehmen, das hochwertige Karosserieteile herstellte und sie mit Standardmotoren anderer Hersteller zusammenbaute. Darüber hinaus haben die Bimota-Modelle ein einzigartiges Design, das sich von allen anderen Fahrrädern unterscheidet.
  • Cimatti: Cimatti ist ein vom Radrennfahrer und Olympiateilnehmer Marco Cimatti in Bologna gegründetes Unternehmen, welches zunächst Fahrräder produzierte.
  • Ducati: Der berühmteste italienische Motorradhersteller ist heute zweifelsohne Ducati. Das Unternehmen begann 1926 als Hersteller von Radio- und Elektronikkomponenten und fand schließlich seinen Weg zur Produktion einiger der prestigeträchtigsten und innovativsten Motorräder der Welt. Das Unternehmen begann als Familienbetrieb, der bis zum Zweiten Weltkrieg erfolgreich Radiogeräte herstellte. Danach stieg die Familie Ducati in den Motorradbau ein.
  • Garelli: Nach dem Zweiten Weltkrieg produzierte Garelli überwiegend schlitzgesteuerte Motoren von 34 bis 125 cm³. Den größten Erfolg in Italien hatte das Unternehmen mit dem Bau des Mosquito-Motors und des Capri-Rollers.
  • Gilera: Gilera ist einer der ältesten italienischen Motorradhersteller und eine Tochterfirma des Piaggio-Konzerns. Bereits 1909 produzierte Giuseppe Gilera einen selbst konstruierten Einzylinder-Viertakter.
  • Malaguti: Malaguti war ein italienischer Hersteller von Motorrädern, Motorrollern und Mofas mit Sitz bei Bologna.
  • Moto Guzzi: Moto Guzzi ist ein italienischer Hersteller von Motorrädern mit Sitz am Comer See. Moto Guzzi ist der älteste europäische Hersteller von Motorrädern, der kontinuierlich produziert. Sie wurde von dem Piloten und Mechaniker Giorgio Parodi und Carlo Guzzi gegründet.
  • MV Agusta: Mv Agusta ist auch als Meccanica Verghera Agusta bekannt, aber die ersten beiden Wörter werden heute allgemein als MV bezeichnet. Das Hauptziel der Marke war der Bau eines leichten Motorrads.
  • Piaggio: Piaggio ist ein italienischer Fahrzeughersteller mit Sitz in Pontedera. Das 1884 von Rinaldo Piaggio gegründete Unternehmen begann als Hersteller von Lokomotiven und Eisenbahnwagen. Ihr legendäres Modell Vespa wurde 1946 eingeführt und innerhalb von zehn Jahren wurden über eine Million Exemplare verkauft.

Moderne Klassiker aus Italien

Die Klassiker unter den italienischen Motorrädern - da gibt es viel. Und alle haben sie in den vergangenen 30 Jahren mindestens ein Motorrad hervorgebracht, das den hohen Rang eines modernen Klassikers verdient. MOTORRAD hat eine kleine Auswahl versammelt und stellt sie vor:

Ducati 916

Diese Ducati 916 ist nicht in allen Details original. Wer jemals die Verkleidung einer Ducati 851 oder 888 abgenommen hat und dieselbe Arbeit bei einer 916 verrichtet, der weiß, was diese Stilikone noch kann, außer schön zu sein: praktisch, schrauberfreundlich, jedenfalls im Rahmen ihrer auch durch den komplexen Motor vorgegebenen Möglichkeiten. Wer jemals das Pech hatte, die hochkarätige Sportlerin beim schnellen Vergnügen auf der Rennstrecke ins Kiesbett zu feuern, der weiß, was sie noch ist, außer schön und praktisch: solide gebaut. Die 916 hat einen ziemlich robusten Kern.

Und wer das Glück sturzfreier Runden auf der 916 genossen hat, der weiß, dass sie nicht nur schön, praktisch und robust ist, sondern auch wunderbar ausgewogen zu fahren. Und deshalb sehr, sehr schnell. Diese Tugenden verdankt sie ihrem legendären Konstrukteur Massimo Tamburini. Nur so konnte Anfang der 90er-Jahre etwas wie die 916 entstehen, und nur so konnte es geschehen, dass sie noch immer als der Inbegriff der sportlichen Ducati gilt, obwohl beide die Firma und diese Welt längst verlassen haben.

Wer heute die 916 fährt, wird ihr Fahrwerk noch immer voll auf der Höhe der Zeit finden. Der alte „Desmoquattro“, den sie mit leicht vergrößertem Hubraum von der 851/888 übernommen hat, ist auch noch immer ein sehr schöner Motor für die Landstraße. Dort glänzt er mit einem kräftig ausgeprägten mittleren Drehzahlbereich, in dem er auch sehr geschmeidig läuft. Im Anstieg auf das höchste Drehmoment und weiter Richtung Höchstleistung vibriert er allerdings hart.

Bemerkenswert an der Maschine, die uns für diese Geschichte zur Verfügung gestellt wurde, ist der exakte Druckpunkt der Bremse, obwohl nur Bremsleitungen und -scheiben getauscht wurden.

Technische Daten Ducati 916
Motor Wassergekühlter Zweizylinder-Viertakt-90-Grad-V-Motor
Hubraum 916 cm³
Leistung 83,0 kW (113 PS) bei 8500/min
Drehmoment 96 Nm bei 6800/min
Gewicht vollgetankt 212 kg

Bimota YB6 Exup

Edel: perfekt gefrästes und geschweißtes Alu sowie handlaminiertes GFK an der Bimota YB6. 1973, nachdem Massimo Tamburini eine MV Agusta 600 und eine Honda CB 750 optimiert hatte, begann man mit der Fertigung von Fahrwerken für Rennmaschinen, die meisten für Yamaha-TZ-Motoren. Die YB4 und YB6 etablierten eine Serie von Leichtmetallrahmen.

YB4, YB6 - hinter diesen nüchternen Bezeichnungen verbirgt sich der Beginn der erfolgreichsten Baureihe von Bimota: Für die 750er- und 1000er-Fünfventil-Vierzylinder von Yamaha baute die Manufaktur aus Rimini einen ebenso schönen wie verwindungssteifen Brückenrahmen aus Leichtmetallprofilen. Erprobt hatte ihn Virginio Ferrari, der 1987 die TT-F1-Weltmeisterschaft auf der YB4 gewann. Hätte die Einspritzung zuverlässig funktioniert, welche die eigenwilligen Techniker dem Yamaha-Motor appliziert hatten, dann wären wohl noch bessere Resultate möglich gewesen.

Für betuchte Sammler und Sportfahrer baute Bimota zwischen 1988 und 1990 die YB6 mit dem 1000er-Motor von Yamaha, 1989/90 die Tuatara mit Einspritzung. Zugleich entstanden 114 Exemplare der YB6 mit Exup-Motor; aus dieser Serie stammt das Motorrad dieser Geschichte. Seit 1994 von ihrem Eigner liebevoll gepflegt, vermittelt die YB6 noch immer die typische trockene Steifigkeit des Fahrwerks und des GFK-Monocoques mit der dünnen Moosgummiauflage.

Trotzdem ist zu spüren, dass das Fahrwerkskonzept mit wenigen Modifikationen auch heute noch funktionieren würde. Nicht ohne Grund wurde es bis zur YB11 und bis 1999 weitergeführt. In der R1 manifestiert sich auch eine für die Riminesen tragische Entwicklung: Japanische Serienfahrwerke waren mittlerweile schön und gut genug, um Spezialrahmen überflüssig zu machen.

Technische Daten Bimota YB6
Motor Wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor
Hubraum 989 cm³
Leistung 103,0 kW (140 PS) bei 9500/min
Drehmoment 113 Nm bei 7500/min
Gewicht vollgetankt 211 kg

Aprilia RS 250

Das Spiel mit dem schmalen Drehzahlband ist nicht ganz leicht, dafür zirkelt die Aprilia RS 250 traumwandlerisch sicher durch die Kurven. Sein Sohn Ivano initiierte die Herstellung von Motorrädern. 1968 entstanden erste Geländesportmaschinen. Schon früh verfolgte Aprilia bei der Produktion eine moderne Strategie - man konzentrierte sich auf Entwicklung und Montage; die einzelnen Komponenten kamen von Zulieferern.

Neun Fahrer-Weltmeisterschaften wurden auf Aprilia in der 250er-Grand-Prix-Klasse gewonnen. Eigentlich sind es sogar zehn, denn die Weltmeistermaschine von Marco Simoncelli aus dem Jahr 2008 firmiert zwar unter dem Markennamen Gilera, stammte aber ebenfalls aus der Rennabteilung von Aprilia.

Nichts lag näher, als diese Erfolge mit einem käuflichen Straßenmotorrad zu vermarkten. So kam 1995 die erste RS 250 auf den Markt. Statt dem schwierig abzustimmenden Drehschiebermotor der Rennmaschinen setzte Aprilia den membrangesteuerten Zweitakt-V2 der Suzuki RGV 250 ein, den einzigen Zweitakter der jüngeren Vergangenheit, der in Deutschland mit seiner vollen Leistung von 56 PS homologiert wurde.

Was das Fahrwerk betrifft, überflügelt die RS 250 ihre Motorspenderin sowohl in den Fahreigenschaften als auch in der Verarbeitungsqualität: Das rasante kleine Sportmotorrad ist kaum weniger aufwendig gebaut und ausgestattet als die 1000er-RSV-Mille, die Aprilia im Jahr 2008 präsentierte. Unterschiede sind nur bei der Qualität und Ausstattung der Federelemente festzustellen.

Die fulminante Beschleunigung und das messerscharfe Handling der RS passen nicht zur Behäbigkeit moderner Stadtpanzer (auch SUV genannt), deren Fahrer das Potenzial der Aprilia meist unterschätzen.

Technische Daten Aprilia RS 250
Motor Wassergekühlter Zweizylinder-V-Motor
Hubraum 249 cm³
Leistung 40,0 kW (55 PS) bei 10 500/min
Drehmoment 35 Nm bei 10 750/min
Gewicht vollgetankt 165 kg

Moto Guzzi Griso 1100

Motor-Mumm und Fahrstabilität. Doch keine andere Motorbauart hat die neuere Geschichte der Traditionsmarke so stark geprägt wie der 1966 eingeführte 90-Grad-V2 mit längs eingebauter Kurbelwelle. Ein luftgekühlter Zweiventiler mit 744 und 853 cm³ treibt heute die Klassik-Modelle der V7 und V9-Baureihe, während die aktuelle Griso und die Stelvio einen 1151 cm³ großen Vierventiler, die California-Modelle gar einen 1380er-Vierventiler erhielten. Egal ob kleine oder große Baureihe, die Guzzi-Motoren setzen eher auf gleichmäßig kräftigen Durchzug aus der Mitte als auf hektische Hochdrehzahlen.

Genauso äußerlich böse, aber mit gutem Kern sollte auch die große Guzzi aufs Publikum wirken. Was ihr in ihrer elfjährigen Karriere bis heute gut gelingt. Das hier gezeigte Motorrad ist mit dem ursprünglichen 1064er-Zweiventilmotor ausgerüstet, der unzweifelhaft das gute Herz des vermeintlichen Schurken repräsentiert. Dumpf im Ton, mit kernigen, aber nicht unangenehmen Lebensäußerungen zieht er schon bei niedrigen Drehzahlen sehr kräftig durch.

Mit Guzzi-typischem, mächtigem Schwungmoment dreht er selbst bei Vollgas nicht gerade spritzig hoch, dafür drückt er über Lastspitzen, etwa in Form kurzer Anstiege, völlig unbeeindruckt hinweg. Dazu passt das Fahrwerk mit dem sichtlich langen Radstand von 1554 Millimetern und 108 Millimeter Nachlauf.

Nicht gerade die passende Geometrie für zackiges Schikanenreißen auf der Rennstrecke, aber genau richtig für flott gefahrene, lang gezogene Kurven auf der Landstraße. Sollten diese mit Bodenwellen gespickt sein, bringt das die Guzzi auch nicht aus der Ruhe.

Technische Daten Moto Guzzi Griso 1100
Motor Luftgekühlter Zweizylinder-Viertakt-90-Grad-V-Motor
Hubraum 1064 cm³
Leistung 64,8 kW (88 PS) bei 7600/min
Drehmoment 89 Nm bei 6400/min
Gewicht vollgetankt 243 kg

Gilera Saturno 500

So einfach kann Schönheit sein: gelungene Formen, viel Rot und einige schwarze Akzente. Bereits 1909 produzierte Giuseppe Gilera einen selbst konstruierten Einzylinder-Viertakter. In Serie baute Gilera damals die mächtigen Einzylinder-500er-Saturno, Namensgeberin des hier vorgestellten Motorrads von 1988. Zu dieser Zeit gehörte die Firma bereits zum Piaggio-Konzern, der Mitte der 90er-Jahre die Motorrad- zugunsten der Rollerproduktion stoppte.

Die neuzeitliche Saturno ist ohne Zweifel ein modernes Motorrad. Dennoch vermittelt sie mehr als einen Hauch der Ära klassischer Einzylinder-Rennmaschinen wie der Manx Norton oder der Matchless G 50. Ein solches "Nichts riskieren, stehen lassen"-Fahrprogramm passt bestens zur Saturno. Der Fahrer kann sich entspannt auf den langen Tank legen.

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