Die Ape, benannt nach dem italienischen Wort für „Biene“, wurde am 23. April 1948 der Öffentlichkeit vorgestellt. Bereits Ende 1947 gab es eine Vorpremiere, und 1948 startete die offizielle Serienproduktion. Seitdem hat das kleine Dreirad eine beeindruckende Erfolgsgeschichte geschrieben. Mit ihrer kompakten Bauweise, geringen Anschaffungskosten und dem zuverlässigen 2-Takt-Motor wurde die Ape schnell zum beliebten Transportmittel für italienische Kleinunternehmer.
Die Anfänge und Entwicklung der Ape
Die Ape kam drei Jahre nach der Vespa, zunächst mit 125 Kubikzentimeter-Zweitakt-Benziner und wahlweise als Kastenwagen oder Pick-up. Offiziell stemmte sie bis zu 200 Kilogramm, in der Realität fanden häufig 500 Liter-Weinfässer oder schwerste Baumaterialien auf die Ladefläche. Fest steht aber: Häufig fuhren frühe Ape hoffnungslos überladen.
Die Rolle des erklärten Sympathieträgers planten Unternehmer Enrico Piaggio und sein Chefingenieur Corradino d'Ascanio ursprünglich weder für Vespa noch Ape ein. Für den Betrieb ging es zu dieser Zeit schlicht ums Überleben. Die 1884 gegründete Firma aus Pontedera hatte sich vom kleinen Handwerksbetrieb zum bedeutenden Flugzeugbauer und Rüstungsproduzenten entwickelt. Nach dem Zweiten Weltkrieg lag das Werk in Trümmern und die Alliierten untersagten Piaggio einen Neustart im Waffengeschäft. Der Sohn von Firmengründer Rinaldo Piaggio und sein bisheriger Flugzeugkonstrukteur konzentrierten sich fortan auf das Kleinstfahrzeuggeschäft.
Genau diese Modelle fehlten der Ökonomie im Land, etwa um den innerstädtischen Transport, und den Warenumschlag von Kleinunternehmen, Handwerkern und Bauern zu bewerkstelligen. 1947 stellte man den ersten Ape-Prototyp vor. Bei Marktstart war das Dreirad preiswerter als alles Vergleichbare - und doch mit 170.000 Lira (rund 88 Euro, nicht Inflationsbereinigt) für weite Teile der Bevölkerung zu teuer. Das durchschnittliche Jahreseinkommen lag damals schließlich bei 139.000 Lira (umgerechnet etwas mehr als 70 Euro). Der Schlüssel zum Markt-Erfolg war die vom Hersteller angebotene Ratenfinanzierung.
So gewann man Handwerker, Bauern und Kleinunternehmer als Kunden. Manchen von ihnen waren Vierrädrige Optionen wie der Fiat Cinquecento einfach zu klein für Transportgut, oder anhand der Außenmaße zu groß für die engen Gassen der Dörfer. Der Erfolg der Ape hielt in weniger harten Zeiten an. Heute gilt sie als meistverkauftes Dreiradfahrzeug überhaupt.
Technische Daten und wichtige Modelle:
- 1948: Ape 125 mit 0,125-Liter-Zweitakt-Benziner als Pick-up und Kastenwagen
- 1954: Ape C mit 150 Kubikzentimetern Hubraum und geschlossener Kabine mit Türen
- 1960: Ape Pentaro als fünfrädrige Version der Ape C
- 1969: Ape 50 als erstes Auto, das dem Moped-Reglement entspricht
- 1984: Ape Diesel mit 422-Kubikzentimeter-Viertakt-Diesel
- 1990: Ape Poker als erste vierrädrige Ape
Die Ape im Wandel der Zeit
Lange war die Ape ausschließlich mit dem knatterndem Zweitakter erhältlich. Die Kraft wurde per Ketten übertragen, der Fahrer steuerte über eine Lenkstange. Ab 1968 verbaute Piaggio bei der Ape MPV ein richtiges Lenkrad ab 1983 gab es dann Rechts- und Linkslenker-Versionen in einer von Stardesigner Giorgetto Giugiaro entworfenen Fahrgastzelle.
Hinzu kamen damals 12-Zoll-Räder anstelle der ursprünglichen Acht-Zoll-Bereifung. 1984 fand ein Selbstzünder ins Programm. Der mit 0,4 Litern Hubraum weltweit kleinste Viertakt-Diesel-Direkteinspritzer war dank stärkerem Drehmoment die Grundlage zu einer ganzen Serie neuer Modelle. Darunter die erste vierrädrige Transporter-Version Ape Poker von 1990, oder die Ape Car Max mit beachtlicher Tragfähigkeit von 900 Kilogramm. In Indien kamen die Diesel mit 0,6 Liter Hubraum, einige wurden nach Europa exportiert.
Später brachte Piaggio mehrere Modelle mit alternativen Antrieben. Doch die Apelino-Varianten mit Batterie-, Hybrid- oder sogar Druckluftantrieb kauften wenige. Wäre wohl auch nicht authentisch. Dieses Modell lebt eben vom Charme scheinbar einfacherer Tage - näher betrachtet verdanken wir die Ape eher den tatsächlichen Schwierigkeiten dieser Zeiten.
Die Ape als Kultobjekt und Tuning-Favorit
Doch die Begeisterung für das Modell fußt nicht auf seiner Robustheit alleine. Die Ape verkörpert ein Stück Italien, ist heute häufig als fahrende Espressobar in Deutschen Innenstädten zu sehen. In vielen „Geschichten aus der Jugend“ kommt ein solches Modell vor, zumindest in Italien. Ab 1969 konnten Jugendliche mit der Ape zur Dorf-Disko oder ins Eiscafé fahren - konkret mit der Einsitzigen Variante mit 49-Kubikzentimeter-Motor. In dieser Konfiguration genügte der Piaggio als erstes Automobil Moped-Regularien.
Nicht nur Teenager wollten ihr Dreirad-Modell schneller, lauter und krawalliger: die Zweitakt-Ape bot dasselbe Tuning-Potential wie die Vespa-Roller und kleine Cross-Maschinen. Ein Hype, den Piaggio noch befeuerte, etwa durch die 1994 lancierte Ape Cross mit Signallackierungen und Offroad-Optik. Daneben bot man hier Komfort-Features wie ein Stereo-Radio.
Globale Expansion und aktuelle Situation
In den vergangenen 70 Jahren setzte Piaggio mehr als zwei Millionen Einheiten ab - alleine in Europa. Im Roller-Werk im indischen Baramati ersetzte Piaggio 1999 alte Lizenz-Konstruktionen aus Deutschland - und heute ist die Ape das beliebteste Dreirad Asiens. Mehr als 150.000 Kleinst-Transporter liefert man jährlich aus, besonders originelle Konstruktionen schaffen es mitunter bis nach Europa. Meist handelt es sich dabei um Modelle im Retrolook - wie die Vespa und der Fiat 500 zitiert sich die Ape am liebsten selbst.
Heute wirkt die Ape als indischer Transporter ebenso stimmig wie als Familientaxi in den engen Stradina von Palermo oder als Erfrischungs-Wagen in deutschen Fußgängerzonen. Nicht vielen Fahrzeugen gelingt eine solche Spreizung.
Die Tage der „Biene“ sind gezählt. Nach 76 Jahren Produktion heißt es beim Hersteller Piaggio: „Basta“. Schuld seien die neuen EU-Normen, heißt es im toskanischen Pontedera bei Pisa. Zum Jahreswechsel werden die Bänder endgültig angehalten. Eine offizielle Verlautbarung gibt es von Piaggio dazu nicht. Das Ende haben die Gewerkschaften publik gemacht.
Allerdings erfüllt das knatternde Dreirad auch längst keine Sicherheitsvorgaben wie Airbag, ABS oder ESP. Umgekippte Apes gehören seit Jahrzehnten zu den dramatischen Straßenszenen Italiens.
Die Ape bei SIP Scootershop
Für Fans und Liebhaber der Ape bedeutet das jedoch keinen Grund zur Sorge. Bei SIP Scootershop wird das Sortiment für die Ape weiterhin gepflegt und erweitert. Ersatzteile, Zubehör und Tuning-Optionen für das italienische Dreirad bleiben verfügbar.
Die Popularität der Ape könnte in den kommenden Jahren sogar steigen - sowohl im Wert als auch in der Attraktivität.
Chronik der Piaggio Ape
Hier ist eine detaillierte Chronik der Piaggio Ape, die ihre Entwicklung von den Anfängen bis heute aufzeigt:
- 1884: Gründung der Firma Piaggio durch Rinaldo Piaggio in Sestri Ponente bei Genua.
- 1916: Rinaldo Piaggio baut ein neues Werk in Pontedera, um als Flugzeughersteller zu starten.
- 1945: Die alliierten Siegermächte untersagen Piaggio die Produktion von Waffen. Enrico Piaggio entscheidet sich für den Einstieg ins Fahrzeuggeschäft.
- 1946: Der Motorroller Vespa wird eingeführt.
- 1947: Erste Prototypen einer Nutzfahrzeugvariante der Vespa führen zur Piaggio Ape.
- 1948: Vertriebsstart für die Ape 125 als Pick-up und Kastenwagen.
- 1954: Einführung der Ape C mit 150 Kubikzentimetern Hubraum und geschlossener Kabine.
- 1958: Einführung der Ape D mit größerem Radstand.
- 1960: Die Ape Pentaro debütiert als fünfrädrige Version.
- 1966: Der Zweitakter befindet sich nicht mehr unter dem Fahrersitz, sondern im Heck.
- 1968: Piaggio Ape MPV wird lanciert mit Lenkrad statt Lenkstange.
- 1969: Mit der Ape 50 bietet Piaggio das erste Auto an, das dem Moped-Reglement entspricht.
- 1970: Die Ape 125 basiert auf der Ape 50.
- 1971: Mit deutlich größerer Kabine fährt die Ape Car vor.
- 1983: Mit neuer Kabine von Giorgetto Giugiaro und Lenkrad für Links- und Rechtsverkehr geht die Ape TM an den Start.
- 1984: Erster Selbstzünder wird vorgestellt.
- 1986: Aus der Ape Diesel geht die Ape Car Max hervor.
- 1990: Piaggio präsentiert die erste vierrädrige Ape, das Modell Ape Poker.
- 1991: Facelift für die Ape 50.
- 1994: Mit der Ape Cross zielt Piaggio auf Jugendliche.
- 1996: Ein weiteres Ape-50-Derivat ist die Ape 50 Europa.
- 1998: Die Ape 50 wird aktualisiert.
- 1999: In Indien startet die Produktion der Ape für den asiatischen Markt.
- 2000: Im März wird ein Piaggio-Museum in Pontedera eröffnet.
- 2006: Piaggio stellt das Sondermodell APE „Classic“ vor.
- 2008: Auf Basis der Ape TM präsentiert sich die neue Piaggio Apelino.
- 2009: Ape Calessino Electric Lithium mit Elektromotor.
- 2013: Neu ist der Piaggio Casselino.
- 2014: APE Classic 400 eingeführt.
- 2018: Das Piaggio-Museum wird nach einer Erweiterung neu eröffnet.
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