IXS Motorradhandschuhe im Test: Sicherheit, Komfort und Funktionalität

Motorradhandschuhe gehören wie Helme, robuste Stiefel oder Schuhe mit Protektoren zur persönlichen Schutzkleidung. Sie zeichnen sich durch abriebfeste Materialien aus Kunstfasern und/oder Leder mit aufgesetzten oder eingearbeiteten Protektoren an besonders gefährdeten Bereichen wie der Handkante oder den Fingerknöcheln aus. Ob sie mit kurzer oder langer Stulpe und mit oder ohne atmungsaktive sowie wasserdichter Membran ausgerüstet sind, ist Geschmackssache und hängt vom individuellen Einsatzzweck ab. Die Modellvielfalt ist groß und reicht vom leichten und knapp geschnittenen Handschuh für Offroad-Fahrten hin zum dick gepolsterten und wasserdichten Winterhandschuh.

Allround-Talente im Fokus

Die hier getesteten wasserdichten Tourenhandschuhe müssen ein kleines Kunststück vollbringen, da sie einen relativ weiten Einsatzbereich abzudecken haben. Gleichzeitig soll ein möglichst enger Sitz mit Bewegungsspielraum und guter Fingerfertigkeit für die Bedienung aller Hebel und Schalter am Lenker gegeben sein. Die Hände sollen weder zu warm noch zu kalt werden - etwas Futter und Membran bedeutet aber zusätzliches Material. Zudem sollte das Navigationsgerät zumindest rudimentär bedienbar sein, ohne die Handschuhe ausziehen zu müssen.

Sicherheitsmerkmale und Zertifizierungen

Standard ist bei geprüften Motorradhandschuhen die Kennung „EN 13594:2015“. Nach dieser Prüfung werden zum Beispiel Verstellsystem, Reißfestigkeit, Nahtstärke, Abriebfestigkeit, Schnittfestigkeit, Fingerfertigkeit und Knöchelprotektoren zertifiziert. Die Schutz- und Pufferzone beim Motorradfahren ist minimal, insbesondere die Hände sind bei einem Sturz exponiert und verletzungsanfällig. Als Knöchelschutz beispielsweise haben sich ergonomisch geformte Hartschalen gegenüber schlagdämpfendem, aber weichem Material durchgesetzt. Die harten Protektoren sollten allerdings nicht zu schmal auf dem Handrücken ausfallen, weil der Tragekomfort bei geballter Hand ansonsten leiden kann.

Gute Handschuhe sind zudem auf der Innenseite an der Handkante mit aufgesetzten (gepolsterten) Lederstücken oder eingearbeiteten Kunststoffprotektoren ausgerüstet. Damit soll die Hand beim reflexhaften Abstützen möglichst unbeschadet bleiben. Bereits beim Anziehen hilft eine ausgeformte Lasche - insbesondere bei Modellen mit kurzer Stulpe - den Handschuh überzustreifen ohne dabei abzurutschen. Wenn der Hersteller auf dem Handrücken, an Fingergelenken und besonders am Daumen Stretcheinsätze verarbeitet hat, kommt das dem Tragekomfort sehr zugute. Gleichzeitig muss der Motorradhandschuh stramm und eng an der Hand anliegen und der Schnitt ausgewogen sein. Gerade das ist allerdings bei der Vielzahl an anatomischen Variablen ein großes Kunststück, das nicht bei jedem Modell gelingt.

Materialien und Komfort

Ob die Motorradhandschuhe aus (verstärktem) Textilgewebe oder Leder gefertigt sein sollten, ist Geschmackssache. Beide Materialien haben individuelle Vor- und Nachteile: Gutes und nicht zu dünnes (Ziegen-) Leder bietet im Prinzip den besseren Schutz, weil es bei Rutschern nicht so schnell durchscheuert. Dafür ist die Atmungsaktivität von Textilmaterialien besser.

Wenn der Handschuh entsprechender Größe über die gestreckte Hand gezogen wird, passt er meistens recht ordentlich. Beim Griff um die Lenkerenden kommt es jedoch oft zur Faltenbildung in der Handinnenfläche, wenn das Material dort zu großzügig verarbeitet wurde. Ein indirektes oder unbequemes Griffgefühl ist dann die Folge - sogar Druckstellen können sich bilden. Bei der Anprobe sollte deshalb insbesondere diese Handstellung gecheckt werden. Nicht nur die Materialmenge, auch die Griffigkeit von Materialkombinationen der Handinnenfläche ist wichtig. Denn der Lenker und insbesondere der Gasgriff müssen immer sicher geführt werden können.

Viele klassische Motorräder verfügen über vergleichsweise wenige, aber oft kleine Schalter und Taster an den Griffarmaturen. Moderne Motorräder sind häufig mit einer Vielzahl von Steuerungselementen zum Drücken, Drehen und Schieben ausgestattet. Wenn sich diese Filigranarbeit nur ungefähr erledigen lässt, weil die Fingerkuppen der Motorradhandschuhe dick und wulstig ausgeführt sind, kann es zu gefährlichen Fehlbedienungen kommen. Doch nicht nur die sicherheitsrelevante Bedienung leidet unter dick ausgeführten Fingerkuppen. Auch die Schaltflächen auf Displays von Navigationsgeräten sind manchmal für üppige Handschuhe zu klein. Noch kniffliger wird es bei der Bedienung der Routen-App auf dem Smartphone: Die ist selbst mit knapp und eng geschnittenen Fingerkuppen kaum zielsicher zu bewerkstelligen.

Einzelmodelle im Test

IXS ST-Plus Tour

Der ST-Plus Tour von IXS erlaubt es durch spezielles Material an der Spitze des linken Zeigefingers, Touchscreens von Smartphones oder Navis zu bedienen. Auch seinen eigentlichen Zweck, die Hand beim Motorradfahren vor Kälte, Wind und Nässe zu schützen, erfüllt er recht zuverlässig. Dank einer Membran soll der Handschuh wasserdicht sein. Tester haben das ausprobiert und bei den meisten Versuchen ist auch tatsächlich kein Wasser durchgedrungen. Zum Schutz bei Stürzen dienen Verstärkungen aus Polyurethan und dem Synthetikleder Clarino sowie ein vorgeformter Knöchelprotektor. Die Passform soll nach Angaben von Testern sehr gut sein. Das Futter ist mit Silber geruchshemmend behandelt.

Büse Open Road Touring

Der Büse Open Road Touring ist beinahe rundum perfekt gelungen. Er wird mit langer Stulpe durch zwei Klettriegel sicher fixiert. Die Passform ist für die Testhände beidseits sehr gut. Trotz Fütterung konnte der Hersteller die Fingerfertigkeit erhalten. Blinker, Lichtschalter und Hupe lassen sich gut ertasten - die Schaltflächen des Navigationsgerätes zielsicher betätigen. Auch das Smartphone-Display (ohne Schutzfolie) reagiert auf Berührung. Die Beweglichkeit von Fingern und der gesamten Hand ist ausgezeichnet. Hebel sind gut erreichbar und lassen sich ermüdungsfrei bedienen und unter der Dusche zeigt der „Open Road“ eine Stärke und bleibt dicht.

Held Bilbao WP

Der Held Bilbao WP greift nur knapp am Testsieg vorbei. Der Motorradhandschuh Held Bilbao WP passt wie angegossen. Schnitt, Proportionen und Stretch-Einsätze an den Fingern ergeben eine perfekte Passform, die Beweglichkeit am Lenker und während der Fahrt ist uneingeschränkt. Die Fingerfertigkeit ist sehr gut, auch die Bedienung vom Navi sowie dem Smartphone läuft zuverlässig. Bei der Ausstattung punktet der Handschuh mit einer Lasche am Bündchen und einem Visierwischer. Zwei Dinge haben uns weniger gefallen: So ist das Bündchen lediglich mit einem Klettriegel versehen und in Kombination mit dem dehnbaren Material in dem Bereich lässt sich der Handschuh selbst bei eng geschlossenem Riegel mit mäßiger Kraft von der Hand ziehen.

Richa Nasa 2

Trotz kleiner Unzulänglichkeiten gibt der Richa Nasa 2 ein gutes Gesamtbild ab. Ein Regenguss kann dem günstigen und wasserdichten Richa Nasa 2 nichts anhaben. Und wenn Regen auf dem Visier getrübte Aussichten bringt, hilft der Gummiwischer am linken Zeigefinger. Mit zwei Riegeln lässt sich der Handschuh sicher fixieren und der breite und harte Knöchelschutz ist vertrauenserweckend. Gedoppeltes Material in der Handinnenfläche soll Durchscheuern verhindern. Die Fingerfertigkeit an Schaltern und Armaturen ist sehr fein. An der Bedienung der Navigationselektronik ist kaum etwas auszusetzen, lediglich das Smartphone mit Schutzfolie will nicht auf Befehle reagieren. Der Handschuh mit langer Stulpe ist nur leicht gefüttert und eher für wärmere Tage geeignet.

Weitere getestete Modelle

Im Test wurden auch weitere Modelle wie der Held Stroke und der Spidi Rainwarrior H2Out getestet, die jedoch Schwächen in der Wasserdichtigkeit oder Ausstattung zeigten. Der Alpinestars Drystar XF zeigte ebenfalls einen kleinen Wassereinbruch, bot aber ansonsten gute Beweglichkeit und Fingerfertigkeit.

IXS Viper-GTX 2.0

Mit dem Viper-GTX 2.0 hat iXS einen echten Allrounder im Programm. Vor allem für längere Touren sucht man bei der Handschuhwahl ein echtes Multitalent. Der Viper-GTX 2.0 von iXS bringt all diese Eigenschaften mit und konnte im Test in jeder Disziplin überzeugen. Das Innenfutter aus Polyester hat ein angenehmes Tragegefühl und auch bei schweißtreibenden Fahrten herrscht dank Gore-Tex Membran im Inneren immer ein angenehmes Klima. Besonders auffällig für einen mehrlagigen Handschuh ist das gute Griffgefühl, durch den gelungenen Schnitts lassen sich die Finger gut bewegen und die Armaturen einfach bedienen. Dank Knöchelschutz, Daumenpolster, Lederdopplungen, Kunststoffschutz für den Ballen und Reflektoren auf den Fingern kommt auch die Sicherheit nicht zu kurz.

IXS Season-Heat-ST: Beheizbare Handschuhe im Test

Klamme Finger am Motorrad sind nicht nur eine unangenehme Sache, sie können auch eine sicherheitsrelevante Rolle spielen. Insbesondere für Ganzjahresfahrer stellen beheizte Handschuhe eine interessante Option dar.

Technologie und Komfort

Verbindet man die IXS Season-Heat-ST via App mit dem Mobiltelefon wird man Schritt für Schritt durch die persönliche Anpassung der Handschuhe geführt. Die individuelle Wohlfühltemperatur der Hände lässt sich dabei zwischen 20 und 35 Grad anpassen und wird dann durch das System selbstständig und dauerhaft gehalten. Hier kommt die clim8-Technologie ins Spiel.

Beim Anziehen schalten sich die Handschuhe automatisch ein (diese Funktion ist in der App auch deaktivierbar, dann startet der Handschuh, sobald man den Akku anschließt), binnen Sekunden wird der Innenraum auf die gewünschte bzw. Folglich bietet die Kombination aus Handguards, Griffheizung und Handschuh die Idealvariante, da so von allen Seiten Wärme zu den Händen gelangt. Werden die Handschuhe von einer Griffheizung unterstützt, steigert sich die maximale Temperierfähigkeit der Handschuhe deutlich, da die Sensoren den Temperaturanstieg durch die Griffheizung registrieren und die Heizleistung der Handschuhe selbst drosseln.

Einsatzbereiche und Kritikpunkte

In den Morgenstunden sind die Temperaturen auch in Spanien im einstelligen Bereich, sodass ich auch hier die wärmenden Handschuhe zu schätzen weiß. Mittags haben wir 15 Grad, sodass ich die Akkus entferne und die Handschuhe als normale Handschuhe für die Übergangszeit nutze. Ein Unterschied zu Mitbewerbern ist dabei nicht festzustellen, auch bei feuchten Verhältnissen tut der IXS Season-Heat-ST genau, was er soll - die Hände des Fahrers warm und trocken halten. Die beworbene Touchfunktion von Daumen und Zeigefinger funktioniert nicht, wie man es von einem Produkt in dieser Preisklasse erwartet. Während Eingaben am Touchscreen der Honda Africa Twin, deren Touchscreen auf die Eingabe mit Handschuhen ausgelegt ist, locker von der Hand gehen, ist es am Smartphone ein Ding der Unmöglichkeit, zielsicher Eingaben vorzunehmen.

Passform und Akkulaufzeit

Der Season-Heat-ST ist vom Schnitt her auf der kleinen Seite. Die große Stulpe, die den Akku beherbergt, kann bei dicken Winterjacken eng werden. In diesem Fall spürt man die Energiespender am Arm, die sich sonst unaufdringlich im Handschuh verbergen. In der Praxis steckt man die Akkus nach der Ausfahrt, bzw.

Während der Testperiode hatte ich bei einer konstant eingestellten Wohlfühltemperatur von 26 Grad im Hochwinter bei -5 Grad Außentemperatur noch 55% Akkustand nach einer ca. Hochgerechnet kommt man auf 3:30 Stunden bis 8 Stunden, bis der Saft ausgeht.

Weitere getestete Winterhandschuhe

Im Test wurden auch weitere Winterhandschuhe wie der IXS Tour LT Vail 3.0 und der IXS Glasgow Damenhandschuh getestet, die ebenfalls gute Wärmeleistung zeigten. Der Germot Lakes Unisex Motorrad Winterhandschuh überzeugte durch guten Sitz und angenehme Wärme.

IXS RS-300: Racing-Handschuh im Detail

Der Schweizer Motorradbekleidungshersteller IXS hat mit dem IXS RS-300 einen echten Racing-Handschuh geschaffen. Verwendet wurden nur hochwertigste Materialien wie Ziegenleder an der Oberhand, Aramid und Coolmax-Polyesterfasern als Innenfutter und an der Innenhand Känguru Leder.

Die Handballen und der kleine Finger sind mit einer Lederaufdopplung und Knox-Protektoren verstärkt. Auch die restlichen Finger wurden mit Lederaufdopplungen versehen, als Polsterung wurde Superfabric-Textilfasern verwendet. Über den Knöcheln wurde ein bruchfestes Formteil aus Kunststoff verbaut mit dem IXS Air Intake System als wirksame Belüftung.

Komfort und Sicherheit

Der Finger-Stretch an Daumen-/Zeige- und Ringfinger bietet bestmögliche Bewegungsfreiheit und trägt somit zur aktiven Sicherheit bei. Ein weiteres Sicherheitsfeature ist der Riemen am Handgelenk gegen Abstreifen beim Sturz, sowie die Verbindung zwischen kleinem Finger und Ringfinger. Die Stulpe besitzt 2 Klettverschlüsse und ist dadurch quasi stufenlos in der Größe verstellbar.

Der IXS Handschuh ist ein vollwertiger Racing-Handschuh mit diversen Verstärkungen an den am stärksten gefährdeten Stellen und langgezogener Stulpe für bestmöglichen Schutz. Er liegt sehr gut an der Hand an und vermittelt aktiv das Gefühl von Sicherheit beim Fahren. Die Belüftung im Knöchel durch das herstellereigene System funktioniert wunderbar.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0