Die Karriere von Profi-Sportler Jan Ullrich ist einmalig im deutschen Radsport. Als erstem und bisher einzigem Deutschen gelang es Jan Ullrich 1997, die Tour de France zu gewinnen. Zudem erreichte er fünfmal den 2. Platz bei der Tour. Der Profi-Sportler war auch in verschiedene Skandale verwickelt, unter anderem in den Dopingfall um den ehemaligen Teamarzt Fuente.
Die frühen Jahre und Erfolge
Jan Ullrich wurde am 2. Dezember 1973 in Rostock geboren. Schon als Kind wurde sein Talent entdeckt und gefördert. Er wurde 1987 DDR-Schülermeister und 1988 DDR-Jugendmeister im Straßenradfahren. Ullrich durchlief das Sportförderungssystem der DDR und kam mit 13 Jahren auf die Kinder- und Jugendsportschule des SC Dynamo Berlin.
Nach der Wende konnte Jan Ullrich durch weitere sportliche Erfolge auf sich aufmerksam machen und unterschrieb Mitte der 1990er-Jahre einen Vertrag beim Team Telekom. Direkt bei seiner ersten Tour de France im Jahr 1996 erreichte er einen Etappensieg im Zeitfahren und belegte den 2. Platz in der Gesamtwertung. Ein Jahr später stand Jan Ullrich dann auf dem obersten Treppchen als Toursieger 1997 und wurde im selben Jahr zum "Sportler des Jahres" gewählt.
Es folgten weitere sportliche Erfolge, unter anderem bei den Olympischen Spielen 2000, wo er Gold im Straßenrennen und Silber im Zeitfahren gewann. Im selben Jahr schaffte er es als erster Deutscher auf Platz 1 der UCI-Radsport-Weltrangliste.
Dopingvorwürfe und Suspendierung
2002 kam Jan Ullrich erstmals mit unrühmlichen Schlagzeilen in die Presse: Erst ein Unfall unter Alkoholeinfluss und nur wenige Wochen später wurden ihm bei einer Blutuntersuchung Amphetamine nachgewiesen. Es folgte eine Sperre von sechs Monaten. Dennoch wurde er 2003 erneut zum "Sportler des Jahres" gewählt.
Seine letzte Tour de France fuhr der Profi-Sportler 2005. Kurz vor der Tour 2006 wurde er aufgrund von ersten bekanntgewordenen Dopingvorwürfen gesperrt. An dem Tag, als Ullrich kurz vor der Tour de France 2006 von seinem damaligen Team T-Mobile suspendiert wurde, verfiel er in eine "Schockstarre". Anfang 2007 gab Ullrich dann das Ende seiner sportlichen Karriere bekannt. Das Verfahren vor dem Internationalen Sportgerichtshof wurde 2012 mit einem Schuldspruch und der Aberkennung seiner Erfolge ab Mai 2005 beendet.
Ullrich glaubte, selbst "nichts Verbotenes" getan zu haben, da Doping zu dieser Zeit so stark verbreitet war. Ein Jahr nach seiner Suspendierung beendete er schließlich seine aktive Karriere als Radfahrer.
Viele Profis wurde in den 90er und 2000er Jahren das Doping von Teamärzten oder sportlichen Leitern, wie im Fall von Ullrich, der fast während seiner gesamten Karriere gedopt hatte, nahegelegt. Zwischen 1996 und 2006 wurden nachträglich alle Tour de France-Sieger des Dopings überführt. Der Ausweg, nein zu sagen, hätte wahrscheinlich mit dem Karriereende gleichgestanden.
"Völlig naiv" sei er damals an seine ersten Profijahre rangegangen, sagt Jan Ullrich im aktuellen Sportstudio. Sein damaliges Team Telekom habe ihm "plausibel erklärt", dass flächendeckendes Doping zum Profiradsport dazugehöre. "Ich dachte dann, das gehört zum Profi dazu und hab das dann mitgemacht", erklärt Ullrich. Er habe in seiner Zeit niemanden erlebt, der Doping abgelehnt habe.
Im Radsport war vor allem in der Zeit der 1990er Jahre bis in die 2000er Blutdoping eine gängige Methode, um mehr Sauerstoff in die Muskeln zu transportieren.
Absturz und persönliche Probleme
Nach dem Karriereende geriet Jan Ullrich in eine schwere Drogensucht. Die Dopingvorwürfe haben ihn "mürbe gemacht" und "aufgefressen". Auch die Ehe mit seiner Frau Sarah scheiterte. Neben hartem Alkohol und Kokain soll er nach eigener Aussage in seiner schlimmsten Phase zwischen 700 und 900 Zigaretten am Tag geraucht haben.
Seitdem machte Ullrich vor allem mit Alkoholeskapaden Schlagzeilen. 2014 verursachte er einen Autounfall, als er alkoholisiert am Steuer saß. Dafür wurde er mit 21 Monaten bestraft, die zur Bewährung ausgesetzt wurden. Zwei Jahre später zog er mit seiner Familie auf die Balearen-Insel Mallorca. 2018 trennte er sich nach zwölf Jahren Ehe von seiner Frau Sara Steinhauser. Sie zog damals mit den gemeinsamen drei Söhnen zurück nach Deutschland.
Im selben Jahr wurde der Ex-Profi-Radsportler auf Mallorca festgenommen, nachdem er auf dem Grundstück von Til Schweiger randaliert hatte. Nur sechs Tage nach dem Vorfall nahm die Polizei Ullrich in einem Frankfurter Hotel fest - er sollte eine Hotelangestellte gewürgt haben. Dafür bekam er eine Strafe von 7.200 Euro. Obwohl sich der Ex-Profisportler nach seinen Eskapaden in eine Entzugsklinik begab, zeigte ein Gastronomie-Angestellter ihn 2018 wegen Körperverletzung an - das Verfahren wurde allerdings eingestellt.
Späte Lebensbeichte und Zukunftsperspektiven
Als Wendepunkt in seinem Leben beschreibt Ullrich den Weg in die Entzugsklinik. Mit Hilfe von Freunden und Familie hat er sich anschließend einen persönlichen Jakobsweg erstellt, auf dem er wichtige Orte seiner Karriere und seines Lebens nochmal besucht hat. Auf dieser Tour sei Ullrich überhaupt erst aus der Verdrängung des Dopings und der Negativ-Erlebnisse aufgewacht.
Das Dopinggeständnis im November 2023 abzulegen, nach dem er 17 Jahre geschwiegen hat, beschreibt Ullrich als "sagenhaft schwer". Aber über ein halbes Jahr später "fühlt es sich wieder besser an". Den Drogen fernzubleiben sei nach dem Geständnis "leicht". "Ich brauche diese Extreme nicht mehr", so Ullrich. Er habe ein gutes Umfeld und von allen Seiten Hilfe bekommen.
"Der Radsport ist mein Leben nach wie vor", sagt Ullrich. Eine Flut an Dopingfällen, wie es sie zu Jan Ullrichs aktiver Zeit gegeben hat, "kann sich der Radsport nicht nochmal leisten", so der Ex-Radprofi im "aktuellen sportstudio". Ullrich glaubt, dass die aktuelle Generation im Radsport "aus unseren Fehlern" gelernt hat. Ich glaube, dass es heute nicht mehr möglich ist, flächendeckend zu dopen.
Erfolge von Jan Ullrich
- 1x 1. Platz Gesamtwertung Tour de France (1997)
- 1x 1. Platz Gesamtwertung Vuelta a Espana (1999)
- 7 Etappensiege bei der Tour de France (2003, 1998, 1997 & 1996)
- 1x Olympiasieger im Straßenrennen (2000)
- 2x Weltmeister im Einzelzeitfahren (2001 & 1999)
- 5x 2. Platz Gesamtwertung Tour de France (2003, 2001, 2000, 1998 & 1996)
- 1x 1. Platz Gesamtwertung Tour de Suisse (2004)
Teams von Jan Ullrich
- 1995 Team Deutsche Telekom
- 1996 Team Telekom
- 1997 Team Telekom
- 1998 Team Telekom
- 1999 Team Telekom
- 2000 Team Telekom
- 2001 Team Telekom
- 2002 Team Telekom
- 2003 Team Coast/Bianchi
- 2004 T-Mobile Team
- 2005 T-Mobile Team
- 2006 T-Mobile Team
Jan Ullrich im TV
Die Prime Video-Serie "Jan Ullrich - der Gejagte" ist ab dem 13. Juli in der ZDFMediathek zu sehen.
Zudem soll über den einzigen deutschen Tour-de-France-Sieger bei Amazon Prime Video in einer vierteiligen Doku mit dem Titel “Jan Ullrich - Der Gejagte” auf die Karriere, die Erfolge und auch die Abstürze von Jan Ullrich zurückgeblickt werden. Die Serie soll am 28. November 2023 erscheinen.
Am 7. September äußerte sich Ullrich nochmals bei einem öffentlichen Auftritt in München zur Doku: “Mit der Doku und mit der Verarbeitung meines Lebens, meiner Vergangenheit geht’s mir viel besser, viel leichter. Ich habe den Rucksack für mich abwerfen können und habe Frieden geschlossen mit meiner Vergangenheit”, sagte Ullrich.
Verwandte Beiträge:
- Weingut Jan Ulrich: Entdecke Wein, Erholung & Genuss an der Sächsischen Weinstraße!
- Radfahrerinnenbeine: Training, Pflege & die schönsten Looks
- Verkehrszeichen für Radfahrer: Übersicht & Erklärungen
- Fahrrad Regenjacke Herren Test – Die besten Modelle für echten Schutz bei jedem Wetter!
- Der ultimative Leitfaden: Perfekter Luftdruck für dein 29-Zoll Mountainbike Tubeless Setup
Kommentar schreiben