Jutta Kleinschmidt: Eine Pionierin im Motorsport

Jutta Kleinschmidt ist eine der erfolgreichsten Frauen im Motorsport und eine wahre Ikone des Rallye-Raid-Sports. Sie ist die erste und bisher einzige Frau überhaupt, die es geschafft hat, die Gesamtwertung der Rallye Dakar zu gewinnen. Ein Meilenstein in der Geschichte des Motorsports.

Wenn man ihr zuhört, dann erkennt man schnell, dass sehr viel Leidenschaft hinter ihren Erfolgen steckt. „Leidenschaft spielt eine große Rolle, um Erfolg zu haben“, sagt die heute 60-Jährige, „du musst in dich hineinhören, das Gefühl entdecken und wissen, was dich interessiert. Wovon du träumst. Und daraus musst du dir ein konkretes Ziel stecken. Bei mir hat es funktioniert.“

Drei Faktoren waren bei Jutta Kleinschmidt schon immer entscheidend, die sie vorangetrieben und motiviert haben. „Neue Technologien haben mich schon immer interessiert, deshalb habe ich wohl auch Physik studiert. Dazu liebe ich den Wettbewerb, ob beim „Mensch ärgere dich nicht“, beim Sport oder beim Wettbewerb mit mir selbst. Und dann ist da noch das Abenteuer, das ich immer schon gesucht habe.“ Diese drei Faktoren haben sie auch dazu gebracht, 1987 mit dem Motorrad die Pharaonen-Rallye in Ägypten zu fahren.

Frühe Karriere und Entscheidung für den Motorsport

Die studierte Physik-Ingenieurin Jutta Kleinschmidt gehört zu den weltweit erfolgreichsten Frauen im Motorsport. Nach ihrem Studium an der Fachhochschule Isny ging Jutta Kleinschmidt als Ingenieurin zu BMW. Dort war sie von 1987 bis 1992 in der Fahrzeugentwicklung tätig.

Ihre Liebe zum Rallyesport und vor allem zur legendären Wüstenrallye Paris-Dakar entdeckte sie in den 80er Jahren. 1987 startete sie auf eigene Faust mit einer HPN BMW und verfolgte das Rennen als motorisierte Zuschauerin vor Ort.

Nach ersten Rallye-Erfolgen mit dem Motorrad beschloss Jutta Kleinschmidt 1992, ihren Beruf als Ingenieurin aufzugeben und Motorsport-Profi zu werden. Wenig später saß sie zum ersten Mal bei einer Wüstenrallye in einem Auto, damals noch als Beifahrerin.

1988 startete sie ebenfalls mit dem Motorrad bei der Paris-Dakar. Allerdings schied sie aus und konnte danach erst einmal keine weiteren Rallyes fahren, da das Geld fehlte. Doch das hielt sie nicht davon ab, ihr Ziel weiter zu verfolgen. „Entscheidend ist, dass man seine Komfortzone verlässt und daran arbeitet. Natürlich ist es hart. Man muss Prioritäten setzen. Doch wenn man etwas wirklich möchte, dann fällt es einem auch nicht so schwer.“

Erfolge und Meilensteine

  • 1997 gewann Jutta Kleinschmidt als erste Frau eine Etappe bei der Rallye Paris-Dakar
  • 1999 hielten ihre Beifahrerin Tina Thörner und sie als erste Frauen der Welt drei Tage lang die Führung und wurden in der Gesamtwertung Dritte.
  • Am Ende des Jahres 2000 gewann Jutta Kleinschmidt den Vizetitel in der Gesamtwertung des Cross Country Rally World Cups.
  • 2001 erreichte sie mit ihrem Beifahrer Andreas Schulz ihren bisher grössten sportlichen Erfolg: den Sieg bei der legendären Rallye Paris-Dakar.

Jutta Kleinschmidt trat 2001 die Wüstenrallye Paris-Dakar an. Kleinschmidt gewinnt mit dem knappsten Dakar-Abstand von 2:39 Minuten auf die zweitplatzierten Masuoka und Maimon. Schlesser und Magne landen mit einem Rückstand von 23:20 Minuten auf dem dritten Platz.

Kleinschmidt kann ihr Glück kaum fassen: "Dies ist natürlich ein ganz toller Sieg. Für mich ging ein Traum in Erfüllung. Oft war ich ja schon dicht dran, endlich hat es geklappt. Sie ist damit die erste Frau, die die legendäre Wüstenrallye in Afrika gewinnt.

„Es ist wichtig, dass man das, was man anstrebt, auch wirklich will. Es bringt nichts, sich irgendwas einreden zu lassen. Es muss aus einem selbst heraus kommen. Nur dann hat man die Kraft und Energie, sich auch durchzusetzen. Denn man wird öfters mal anecken oder bekommt zu hören: Das kannst du nicht! Das passt nicht zu dir, mach doch lieber was anderes! Da muss man durch und darf sich nicht von seinem Weg abbringen lassen. Auch nicht von Familie oder Freunden.“

Jutta Kleinschmidt ist Perfektionistin, wenn es darum geht, etwas erreichen zu wollen.

„Vorbereitung ist alles. Es reicht nicht, nur aus seinem Talent heraus etwas zu machen. Du musst dein Tun auch analysieren, du musst dich darauf konzentrieren, was du kannst, aber auch, was du nicht kannst. Ich habe immer geschaut, wo meine Schwächen sind, um dann besser zu werden. Das kann man übrigens alles auch ins Business übertragen. Erfolg kommt auch dort durch gute Vorbereitung, Konzentration und auch einem gewissen Wettbewerbsgedanken. Wenn du stundenlange Meetings hast, musst du konzentriert sein, und wenn der Chef seine Ziele klar definiert, dann arbeiten alle daran und wollen diese erreichen. Auch Wettbewerb kann zum Erfolg führen.“

Und mit dem Wissen, dass man auch aus Rückschlägen lernen kann. „Natürlich ist es deprimierend, wenn etwas nicht klappt. Aber bei mir geht dann sofort der Denkautomat an. Ich schaue nach vorne und suche den Grund für den Rückschlag und dann probiere ich es noch einmal. Für mich gilt: Wenn ich es nicht noch einmal probiert habe, dann ist es auch noch nicht verloren.Nach dem Motto: Jetzt erst recht. Das motiviert mich. Und ich bin der Meinung, wenn man für etwas zwei oder gar mehrere Anläufe benötigt und es danach aber schafft, dann ist der Erfolg noch wertvoller.“

Engagement und Innovation

Jutta Kleinschmidt weiß, wovon sie spricht, denn mittlerweile ist sie ein gefragter Motivationscoach und eine beliebte Keynote-Sprecherin. Dazu war sie für die elektronische Offroad-Serie „Extreme E“ tätig. „Diese Rennserie ist sehr innovativ. Nicht nur von der Technologie her. Sie hat absolute „Gender-Equality“. In jedem Team sind50 % Männer und 50 % Frauen. Viele junge Frauen bekommen da die Chance, ihr Talent zu zeigen.“

Seit einigen Jahren engagiert sich Jutta Kleinschmidt für Elektromobilität und die Energiewende, z.B. Jutta Kleinschmidt engagiert sich auch in der neuen Rennserie „Extreme E“, in der ausschließlich E-Autos an den Start gehen.

Als Präsidentin der Cross Contry Rally Commission hat sie ein Regelwerk mitentwickelt, nach dem nun auch bei der Rallye Dakar E-Rennwagen zugelassen sind.

Weitere Interessen und Engagements

Extreme sind Jutta Kleinschmidts Leidenschaft. Sie hat seit 2004 eine Lizenz als Helikopter-Pilotin und begeistert sich für das Rennradeln. 2003 überquerte sie mit dem Rad die Alpen, 2004 nahm sie zusammen mit Joey Kelly am Race Across America teil und lief beim Ötztal-Marathon mit.

Verfilmung ihrer Lebensgeschichte

Wie wertvoll ihre Erfolge, ihre Einstellung und ihre Lebensgeschichte ist, zeigt auch, dass diese bald verfilmt wird. „Wir haben gerade einen Vertrag mit Spielberg für einen geplanten Spielfilm über mein Leben unterschrieben. Das Skript steht so weit, der Regisseur ist gefunden, es müssen nur noch die Schauspieler gesucht werden“, sagt Kleinschmidt nicht ganz ohne Stolz.

Und stolz kann sie auch sein, die Frau, die die Innovation, das Abenteuer und den Wettbewerb liebt.

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