Was sind Ryker und Spyder?
Die beiden Straßendreirad-Gattungen Ryker und Spyder von Can-Am sind Exoten im Straßenverkehr. Um sie legal fahren zu dürfen, ist eine gültige Pkw-Fahrerlaubnis erforderlich. Obwohl die Zulassungszahlen seit dem Debüt des Konzepts 2016 stetig wachsen, fällt die Einordnung in gängige Fahrzeugkategorien schwer. Es sind weder Dreiradroller noch Trikes im herkömmlichen Sinne.Can-Ams Ryker wie Spyder sind zweifellos Spaßgeräte der besonderen Art, fahraktive Boliden, die kein noch so anspruchsvolles Terrain scheuen müssen. Ryker und Spyder sind zweifellos Spaßgeräte der besonderen Art, fahraktive Boliden, die kein noch so anspruchsvolles Terrain scheuen müssen.
Kurvenräuber par excellence
Nach ausgiebigen Testfahrten in den kurvenreichen Provenzalischen Alpen wurde ein grundlegendes Urteil gefällt. Der niedrige Schwerpunkt, gepaart mit einer extrem breiten Spur an der Vorderachse, vermittelt ein Gripgefühl, von dem Motorradfahrer nur träumen können. Das Can-Am-Konzept verleitet oft zu einem hochengagierten Ritt mit spätem Anbremsen und frühem Beschleunigen aus der Kurve. Die verbauten elektronischen Helferlein wie Stabilitäts- und Traktionskontrolle greifen dabei nicht übereifrig ein.Das Zusammenspiel von Gashand und Bremsfuß unterstützt solch wildes Treiben. Die einzige Bremsbetätigung für Ryker und Spyder findet sich am rechten Fuß in Gestalt eines üppig dimensionierten Bremspedals, das auf alle drei Brembo-Bremsen gleichzeitig wirkt und von einem nicht allzu früh eingreifenden ABS flankiert wird, während man - wie beim Motorrad - die Kraftzufuhr mit der rechten Hand per Drehgriff dosiert.
Das üppige Lenkerwerk des Can-Am-Dreirads - beim Spyder übrigens servounterstützt - will beherzt geführt werden, weil man eben, wie vom Motorrad gewohnt, mit Gewichtsverlagerung nicht eben weit kommt.
Doch den Dreiklang von engagiertem Lenken, dezentem Bremsen, fulminantem Gasgeben hat man schnell intus - zumal der Fahrer in seiner Choreografie von unzähligen Verstellmöglichkeiten an Fußrasten (Ryker) bzw. Trittbrettern (Spyder) profitieren darf, die Can-Am ab Werk mitgibt.
Echte Typen: Ryker und Spyder
Ryker
Der Ryker fungiert als Toröffner in den Onroad-Kosmos von Can-Am. Neben dem Basismodell mit 600-er-Zweizylinder oder 900-Kubik-Reihendreizylinder ist der Ryker Rally erhältlich, der für den robusteren Einsatz steht. Neu für 2022 ist der Ryker Sport, der mit einem vielfach verstellbaren KYB-Fahrwerk und einem Tempomaten glänzt. Sämtliche Aggregate für Can-Ams Dreirad-Bande stammen im Übrigen von dem vor Jahren in den BRP-Konzern „eingemeindeten“ österreichischen Traditionshersteller Rotax.
Spyder
Can-Ams Spyder-Familie kennt indes zwei verschiedene Grundtypen:- Den Cruiser Spyder F3
- Den Volltourer Spyder RT
Beide sind mit einem souveränen 1.330-Kubik-Reihendreizylinder ausgestattet, der von einer Sechsgang-Halbautomatik verwaltet wird. In dieser Saison gibt es Zuwachs in Gestalt des Spyder F3-S Special Series sowie des F3 Limited Special Series, die mit vielen Komfort- und Sportfeatures glänzen.
Bei den Tourern wurde das 2021 eingeführte Spitzenmodell Can-Am Spyder RT Sea-to-Sky nochmals im Detail überarbeitet und bringt unter anderem verstellbare Windabweiser, neue Räder und frische Farben mit.
An wen adressiert Can-Am seine Dreiräder?
Can-Am richtet sich an Kunden, die aufgrund ihrer Pkw-Lizenz nicht aufs Motorrad dürfen, sich aber trotzdem an das Look-and-Feel heranwagen wollen. In Nordamerika etwa seien 50 Prozent der Ryker-Treiber Neueinsteiger. Eine weitere Teil-Community sei definitiv weiblich.Can-Am Spyder: Ein Schneemobil für den Asphalt
Der Can-Am Spyder ist eine Art Schneemobil für den Asphalt. Längst hat sich rund um das Dreirad - BRP spricht gerne vom „Y“-Konzept - dennoch eine eingefleischte Fan-Gemeinde gebildet. Dem puristischen Roadster RS und dem luxuriösen Tourer RT wird nun als dritte Variante der ST (Sport Touring) zur Seite gestellt, der eine Mischung aus den beiden bisherigen Modellen ist und sich auch preislich dazwischen positioniert. Herausgekommen ist aber weit mehr als nur eine Kreuzung, denn Can-Am hat in den Komfortdetails nicht einfach nur den RT kopiert, sondern eigenständige Designlösungen umgesetzt. Zudem wurde zum Modelljahr 2013 die komplette Baureihe überarbeitet. Das betrifft vor allem die Vorderradaufhängung, die neu konzipiert und noch stabiler ausgelegt wurde. Das wirkt sich unter anderem auf eine sicherere Spurführung aus.Ebenfalls eine Bestnote gibt es für das Bremsverhalten. Trotz des für Motorradfahrer ungewohnten Systems mit nur einem Pedal und ohne Handgriff greifen die - neuen - Brembo-Bremsen nicht nur vertrauenerweckend zu. Der Spyder zeigt sich auch bei starker Verzögerung absolut spurstabil.
Fahrgefühl und Komfort
Neu sind zudem Niederquerschnittsreifen. Die 74 kW / 100 PS und 108 Newtonmeter Drehmoment sorgen bei einem Trockengewicht von rund 390 Kilogramm für potenten Vortrieb. In hart eingelenkten Kurven driftet das Hinterrad schon einmal gerne über den Asphalt. So verleitet auch der ST zu einem eher forschen Ritt über den Asphalt und sorgt dabei aber gegenüber dem RS für spürbar mehr Komfort.Eine geänderte Position der Fußrasten und ein breiterer Lenker sorgen für eine aufrechtere Sitzhaltung. Ungewohnt ist die tiefe Position der Rückspiegel, mit denen man unter den Achseln hindurch nach hinten schaut.
Ihre eigentliche Aufgabe, den wirksamen Windschutz, erledigt die Scheibe jedenfalls hervorragend. Ohnehin ist der Fahrer gut vor Witterungseinflüssen geschützt.
Mit zwei Paketen und Zusatzausstattung wie Navigationsgerät, Radio und Seitenkoffern kann der Sport Tourer noch weiter Richtung Reise aufgerüstet werden.
Sicherheit und Fahrstabilität
Als zweispuriges Fahrzeug darf der Spyder auch mit dem Autoführerschein gefahren werden. Wer keinerlei Zwei- oder Dreiraderfahrung hat, der sollte zunächst mit ein paar Übungen den Umgang mit dem Spyder trainieren. Gespannfahrer dürften am schnellsten mit dem Dreirad zurechtkommen.Neben der Fünf-Gang-Fußschaltung bietet BRP auch eine sequenzielle Halbautomatik an, die per Daumen und Finger am Lenker betätigt wird und bei Bedarf auch mit Zwischengas selbsttätig herunterschaltet.
Can-Am-typisch ist auch das Vorhandensein eines Rückwärtsgangs, bei dessen Einlegen über einen separaten Schalter automatisch die Warnblinkanlage aktiviert wird. Wie alle Spyder-Modelle darf auch der ST mit Anhänger gefahren werden.
Dennoch ist der Can-Am Spyder das wohl sicherste Fahrzeug auf drei Rädern. Dafür sorgt das Zusammenspiel aus dynamischer Servolenkung, Traktions- und Stabilitätskontrolle sowie ABS und automatischem Bremskraftausgleich zwischen den einzelnen Rädern.
Can-Am Spyder F3: Ein Hingucker mit Fahrspaß
Nicht jeder kann und möchte Motorradfahren. Dreiräder sind in unserer von Vier- und Zweirädern dominierten Verkehrswelt immer noch etwas Exotisches. Die Dreiradfamilie von Can-Am umfasst drei Modelle:- Das Einstiegsmodell Ryker ab 11.000 Euro
- Den Roadster Spyder F3 ab 26.300 Euro
- Den Top-Tourer Spyder RT, der ab 34.000 Euro zu haben ist
Während der Ryker von einem 82 PS starken Dreizylinder-Reihenmotor mit 900 ccm angetrieben wird, verfügen die beiden Spyder-Modelle über einen Dreizylinder mit 1330 Kubik Hubraum, der für 115 PS gut ist.
Grundsätzlich drehen sich die Köpfe nach allen Can-Am-Dreirädern um, doch der Spyder F3-S sticht mit rotem Rahmen und gefrästen 10-Speichen-Felgen nochmals hervor.
Wie beim Motorrad kommandiert der Gasgriff die Vehemenz des Vortriebs, eine Schaltwippe am linken Lenker sortiert die sechs Gänge des Doppelkupplungsgetriebes nahtlos.
Dazu gehören eine dynamische Lenkunterstützung, Traktionskontrolle, ein ABS und die Stabilitätskontrolle SCS, die ähnlich dem ESP beim PKW für eine sichere Straßenlage sorgen und übereifrige Aktionen schnell und sicher einfangen.
Das Fahren selbst gestaltet sich anders als bei einem Einspurfahrzeug oder einem PKW, die Kurvenfahrt nach ordentlich Zug am Lenker, dann flitzt der 428 Kilo schwere Spyder wie auf Schienen durchs Eck.
Dank der hochwertigen Sachs-Federelementen verliert frostgeschädigtes Geläuf seinen Schrecken, auf Temposchwellen sie bewahren die Besatzung vor Bandscheibenschäden.
So puristisch der Spyder F3-S auch daher kommt, zum Einkaufsbummel taugt das Gefährt dank des in der Schnauze untergebrachten Stauraums, der 24,4 Liter Fassungsvermögen aufweist. Wer mehr Tourenkomfort sucht, wird bei den großen Spyder RT-Modellen fündig.
In Deutschland und Österreich können alle Can-Ams ab 21 Jahren mit dem Pkw-Führerschein (B) gefahren werden, sofern das Portemonnaie das benötigte Kleingeld hergibt - ganz günstig ist das unvergleichliche Fahrerlebnis mit dem extrovertierten Dreirad ja nicht.
Can-Am plant elektrische Motocross-Maschinen
Die Spaßmobil-Spezialisten von Can-Am elektrifizieren ihre Modellpalette und besinnen sich dabei ihrer Historie. Mitte 2024 soll es mit den ersten Modellen losgehen! Trikes wie der Spyder oder der Ryker begeistern seit Jahren Biker, die Motorrad-Feeling wollen, aber nicht den passenden Führerschein besitzen."Viele Biker schwärmen noch heute von ihren tollen Erlebnissen mit den damaligen Dirtbikes. Jetzt bauen wir auf dem reichen Erbe der Marke Can-Am auf, um eine neue Generation von Motorradfahrer und Elektrofahrzeug-Fans zu inspirieren und zu begeistern", sagt José Boisjoli, Präsident und CEO BRP.
Can-Am Pulse und Origin: Neue Elektromotorräder ab 2025
50 Jahre nach der Vorstellung der ersten Can-Am Motorräder, also 2022, wurden neue Motorräder von Can-Am angekündigt. Zwar erst für 2024, doch die Ankündigung passte schön zum 50. Jubiläum der Marke. Sowohl die Entwicklung der neuen Technik als auch der internationalen Motorradmärkte führte zur Verschiebung der Markteinführung auf 2025. Seit Mitte August 2024 liegen die technischen Daten und die Preise für die Can-Am Pulse und die Can-Am Origin vor.Rotax E-Power
Als elektrischer Antrieb für die Can-Am Pulse und Origin kommt der in Österreich entwickelte Rotax E-Power zum Einsatz. Rotax gehört ebenfalls zur kanadischen BRP-Gruppe.
Als Mittelmotor schwerpunktgünstig und nahezu ideal an der Lagerung der Einarmschwinge positioniert, ist der flüssigkeitsgekühlte Elektro-Antrieb für 35 kW (48 PS) Spitzenleistung konfiguriert. Passend zur europäischen Stufenführerschein-Kategorie A2, zumal Can-Am die formal relevante Dauer-Nennleistung mit 20 kW (27 PS) angibt.
Von beiden Modellen, Can-Am Pulse und Origin, wird es jeweils eine A1-Variante mit nominal 11 kW (15 PS) geben, in Europa nutzbar ab 16 Jahren mit Führerscheinklasse A1 oder mit Pkw-Führerscheinerweiterung (in Deutschland B196).
Weitere Performance-Eckdaten zu Can-Am Pulse und Origin sind die maximal 72 Nm Drehmoment sowie die 129 km/h Höchstgeschwindigkeit und die angeblich circa 4 Sekunden von 0 auf 100 km/h - ohne Schalten, wohlgemerkt.
Technisch vergleichsweise aufwendig und in der Praxis umso nutzerfreundlicher ist die im Gehäuse der Einarmschwinge voll gekapselte Kette als Endantrieb zum Hinterrad.
Das ebenfalls flüssigkeitsgekühlte und mittragend eingebaute Akku-Pack der Can-Am Pulse und Origin hat 8,9 kWh Kapazität, was laut Hersteller für bis zu 160 Kilometer (Pulse) oder bis zu 145 Kilometer (Origin) reicht.
Can-Am Pulse
Als Naked Bike hat die Can-Am Pulse eine Upside-down-Telegabel von KYB mit 140 Millimeter Federweg vorn und ein vorspannbares Federbein von ZF Sachs mit 140 Millimeter Federbein hinten direkt an der Einarmschwinge.
Weitere Eckdaten zum Fahrwerk der Can-Am Pulse: Radstand 1.412 mm, Lenkkopfwinkel 62,8 Grad, Nachlauf 101 mm, Sitzhöhe 784 mm und Gesamtgewicht 177 kg.
Can-Am Origin
Als Enduro ist die Can-Am Origin zwar prinzipiell gleich aufgebaut wie ihre Naked-Bike-Schwester Pulse, allerdings mit konzeptgerechten Abweichungen.
Upside-down-Telegabel und voll einstellbares Federbein, hier beides von KYB, sind vorn wie hinten für großzügige 255 Millimeter Federweg ausgelegt.
Weitere Eckdaten zum Fahrwerk der Can-Am Origin: Radstand 1.503 mm, Lenkkopfwinkel 60 Grad, Nachlauf 118 mm, Sitzhöhe 865 mm und Gesamtgewicht 187 kg.
Ausstattung und Zubehör
Erwartungsgemäß modern ist die Ausstattung der beiden Elektro-Motorräder Can-Am Pulse und Origin: LED-Leuchten und verschiedene Modi sind längst selbstverständlich, doch das große Farb-Display (10,25 Zoll Diagonale) beeindruckt mit Touchscreen und Connectivity (Bluetooth, WLAN).Standard ab Werk sind die beleuchteten Lenkerschalter, heizbare Griffe werden als Original-Zubehör für Can-Am Pulse und Origin verfügbar sein.
Verfügbarkeit und Preise
Can-Am Pulse und Origin können ab sofort vorbestellt werden, der Auslieferungsbeginn ist für Anfang 2025 angekündigt. Das Naked Bike Pulse kostet in Deutschland ab 16.899 Euro, die Enduro Origin ab 17.499 Euro.BRP (Bombardier Recreational Products) strebt den Ausbau des Can-Am-Händlernetzes an, angeblich um bis zu 50 Prozent, wobei Deutschland einer der wichtigsten Absatzmärkte sei, so der Hersteller mit Firmenzentrale in Kanada.
Can-Am Ryker: Eine günstigere Alternative
Die Dreirad-Mobile von Can-Am waren bislang im oberen Preissegment angesiedelt. Bei der neuen Version haben sich die Verantwortlichen für einige gänzlich neue Konstruktionsansätze entschieden, die das eigenwillige Mittelding zwischen Auto und Motorrad optisch attraktiver erscheinen lassen und zugleich einen deutlich niedrigeren Preis erlauben. Verglichen mit den deutlich teureren Dreirädern der Spyder-Familie wirkt der Ryker handlich und filigran.Ein weiteres Novum der Ryker-Baureihe ist eine stufenlose CVT-Automatik, die im Vergleich zum manuellen Fünfganggetriebe eine leichtere Handhabung verspricht.
Obwohl abgespeckt, ist der Can-Am Ryker in puncto Sicherheitstechnik gut aufgestellt. An Bord sind eine über das Pedal aktivierbare Kombi-Scheibenbremsanlage, ABS, Stabilitätssystem und Berganfahrhilfe.
Waren bislang die Käufer von Can-Am-Dreirädern in Deutschland im fortgeschrittenen Alter, hofft BRP mit dem deutlich günstigeren aber auch optisch mehr Fahrspaß suggerierenden Ryker eine jüngere Klientel anzusprechen.
Gegen Aufpreis bietet Can-Am auch eine Offroad-Version namens Rally Edition an, die in mehreren Punkten für den Geländeeinsatz optimiert ist und grundsätzlich nur mit dem stärkeren Dreizylinder angeboten wird.
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