ABS Nachrüstung beim Motorrad: Möglichkeiten und Wirtschaftlichkeit

Viele Motorradfahrer, die ein älteres Modell ohne ABS besitzen, fragen sich, ob eine Nachrüstung mit einem Antiblockiersystem (ABS) möglich ist und welche Kosten damit verbunden wären. Grundsätzlich ist eine Nachrüstung technisch machbar, jedoch gibt es verschiedene Aspekte zu berücksichtigen.

Technische Aspekte der ABS-Nachrüstung

Eine ABS-Nachrüstung ist ein komplexer Eingriff in das Bremssystem eines Motorrads. Mechanisch müssen an den Bremsscheiben die Lochscheiben für's ABS Signal angebracht werden.

Dann die Sensoren dazu im richtigen Abstand.

Aber nun muss der Hydraulikblock mit dem Steuergerät (ist eine Einheit) untergebracht werden.

Die ganzen Hydraulikleitungen angeschlossen, verlegt und entlüftet werden.

Zum Entlüften des Komplettsystems muss normalerweise der Pumpenmotor der Hydraulik angesteuert werden, um auch dort die Luft raus zu bekommen.

Das Ganze muss nun aber auch noch elektrisch verkabelt werden und das sind nicht nur zwei Käbelchen.

An einem Standard ABS ist meist ein 26-poliger Stecker dran, da sind zwar oft einige Pins nicht belegt aber man muss schon wissen welches Signal wohin muss.

Den passenden Gegenstecker zum Steuergerät brauchts auch und die gibts so nicht zu kaufen.

Die reinen Materialkosten liegen weit jenseits von 2000 EUR.

Natürlich kannst Du zusehen ob Du gebrauchte Teile aus einem Schrott bekommst aber ich würde mir den gesamten Umbau verkneifen.

Ein "paar" Kabelchen wären ja auch noch zu ziehen .

Wirtschaftlichkeit einer ABS-Nachrüstung

Die Kosten für die Teile zzgl. Arbeitsaufwand und Papierkram übersteigen die Differenz bei einer Anschaffung.

Allein der ABS-Block kostet EUR 1.800,--.

Ist bei den BMW wie bei anderen Marken auch: Wirtschaftlich nicht sinnvoll.

Es gibt durchaus einige, welche aus Angst vor teuren Defekten auf Maschinen ohne ABS zurückgreifen.

Die Kosten für die Teile zzgl. Arbeitsaufwand und Papierkram übersteigen die Differenz bei einer Anschaffung.

Argumente für und wider ABS

Es gibt unterschiedliche Meinungen zum Thema ABS beim Motorrad. Einige Fahrer schätzen die zusätzliche Sicherheit, die das System bietet, besonders in Gefahrensituationen. Andere wiederum argumentieren, dass ein erfahrener Fahrer kein ABS benötigt und dass das System sogar kontraproduktiv sein kann, beispielsweise auf losem Untergrund.

Vorteile von ABS:

  • Erhöhte Sicherheit bei Notbremsungen
  • Verhindert das Blockieren der Räder
  • Hilft, die Kontrolle über das Motorrad zu behalten

Nachteile von ABS:

  • Kann den Bremsweg auf losem Untergrund verlängern
  • Eingriff des ABS kann als störend empfunden werden
  • Erhöht das Gewicht des Motorrads

ABS als Fahrerassistenzsystem

Man muss sich einfach immer vor Augen halten, dass sämtliche Fahrerassistenzsysteme (ABS, ASR, ESP, Wheelieregelung, Abstandsassitenten etcpp.) ausschliesslich dazu da sind, Fahrzeuge auch an fahrtechnisch minderbemittelte zu verkaufen bzw. den Kunden Fahrzeuge zu verkaufen, die sie eigentlich nicht beherrschen.

Bevor ich anfangen würde, ein ABS in meine V11 zu frickeln, würde ich die Zeit und das Geld in Sicherheitstrainings und Alpentouren investieren.

Also ich sehe das nicht so, daß die Assistenzsysteme für Minderbemittelte sind.

Es gibt genügend Situationen in denen selbst der Geübte einfach keine Chance hat und da kann einem so ein System schon die Haut retten.

Es ist natürlich nicht dazu gedacht nun einfach ohne Hirn durch die Gegend zu brettern.

Wenn das eingreift, bist Du bereits in Schwierigkeiten.

Ich hab im Frühjahr ne rote, verdreckte Ampel in Italien auf einer der schönen glatten Küstenstrassen etwas spät bemerkt, ob das ohne ABS gut gegeangen wäre?

Da bin ich mir nicht sicher.

Sicher wären viele Motorradfahrer damit noch am Leben oder unverletzt.

In der Schrecksekunde macht man ja doch meist das falsche und bei nur 2 Rädern sind die Folgen fatal.

Ich denke auch das die meisten Moppedfahrer - also auch Roller, Mofas usw. - eben keine ausgebildeten Zweiradpiloten mit ständigen Fahrsicherheitstrainings sind und auch viele weniger als 2000 km im Jahr fahren.

Dafür darf man sicher gern den Begriff MINDERBEMITTELT verwenden.

Wir hätten gern ABS.

ABS-Pflicht in der EU

In der am Dienstag vom EU-Parlament verabschiedeten Verordnung zur ABS-Pflicht für motorisierte Zweiräder geht es vorrangig um Modelle mit mehr als 125 Kubikzentimeter Hubraum.

Ab 2016 müssen die Hersteller alle neuen Modelltypen in diesen Klassen verbindlich mit ABS ausrüsten.

Ab 2017 gilt diese Pflicht für alle zugelassenen Neufahrzeuge.

Alternativen zur ABS-Nachrüstung

Als Alternative zur teuren und aufwendigen ABS-Nachrüstung kann ein Fahrsicherheitstraining in Betracht gezogen werden. In solchen Kursen lernen Motorradfahrer, wie sie in Gefahrensituationen richtig reagieren und ihr Motorrad sicher zum Stehen bringen können.

Dann mach einen Fahrsicherheitskurs.

Das kostet Dich 120 EUR oder so und Du lernst richtig was übers richtige und Effektive Bremsen.

Ich hab bereits 3 Kurse gemacht und kann es nur jedem wärmstens ans Herz legen.

Fazit

Eine ABS-Nachrüstung bei einem Motorrad ist technisch möglich, aber in der Regel wirtschaftlich nicht sinnvoll. Die Kosten für die benötigten Teile und den Arbeitsaufwand sind oft höher als der Wert des Motorrads selbst. Zudem gibt es unterschiedliche Meinungen zum Nutzen von ABS, insbesondere für erfahrene Fahrer. Als Alternative kann ein Fahrsicherheitstraining in Betracht gezogen werden, um die eigenen Fähigkeiten im Umgang mit dem Motorrad zu verbessern.

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