Quer durch Deutschland radeln und dabei kaum eine Steigung hinauf strampeln? Kein Problem, wenn man sich am Mittellandkanal orientiert. Mit gut 320 Kilometern ist er die längste künstliche Wasserstraße Deutschlands. Quer durch Niedersachsen verbindet der Kanal Ems und Rhein im Westen mit der Elbe im Osten.
Ausgebaute Betriebswege begleiten jedoch fast überall den Kanal. Sie sind für Fußgänger und Radfahrer freigegeben, ihre Benutzung erfolgt auf eigene Gefahr. Die Wege führen schön eben am Ufer entlang und sind meistens mit feinem Splitt befestigt, zum Teil auch gepflastert oder asphaltiert. Einige Baustellen verhindern zur Zeit noch eine durchgängige Befahrbarkeit der Uferwege mit dem Fahrrad.
Die Benutzung durch Radfahrer sowie eine Asphaltierung der bisher wassergebundenen Decke wird von Seiten des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes darüber hinaus gestattet.
Schon zur Silvestertour 21/22 war diese Option unser Plan B gewesen, falls wir Corona-bedingt nicht in die Niederlande gekonnt hätten. War zu dem Zeitpunkt dann aber nicht akut geworden. Dieses Mal gewann die Idee zunehmend Charme: Wegen des begrenzten Zeitfensters über Ostern wollten wir nur den Mittellandkanal fahren. Die Anreise einfach mit direkter Zugverbindung nach Rheine und auch die Abreise aus Magdeburg sollte selbst am Osterwochenende gelingen.
Streckenabschnitte und Sehenswürdigkeiten entlang des Mittellandkanals
Vom Wasserstraßenkreuz Magdeburg in Richtung Wolfsburg kann man fast durchgängig am Rande des Mittellandkanals entlang radeln. Auf der Trogbrücke über die Elbe sind beide Seiten mit Wegen ausgerüstet. Um in Richtung Haldensleben weiter zukommen, hält man sich am Besten gleich auf der Nordseite. Hier kann man zunächst bis Elbeu gut auf geschottertem Wirtschaftsweg fahren.
Zwischen Elbeu und Jersleben befindet sich eine kurze Kanalbaustelle und der Weg ist sandig. Als Alternative bietet sich die asphaltierte Straße unterhalb des Kanals zum Jersleber See. Auf dem Aller-Elbe-Radweg könnte man die Radtour zu einem Rundkurs über Samswegen, Groß Ammensleben, Wolmirstedt zurück nach Hohenwarthe werden lassen. Nach einem Abstecher durch Haldensleben erreichen wir über die Süplinger Straße, von der wir hinterm Bahnübergang rechts in die Warmsdorfer Straße abbiegen, schließlich wieder das Kanalufer.
Erst bei Calförde ist ein durchgängiges Kanalradeln wieder unterbrochen und wir müssen durch den Ort fahren und auf der Landstraße in Richtung Velsdorf den Kanal überqueren. Wo die Landstraße einen Linksbogen macht, geht geradeaus ein Waldweg weiter. Hier hat man zwar keinen Blickkontakt zum Kanal aber er verläuft unmittelbar hinterm bewaldeten Wall. An der nächsten Brücke bei Wieglitz fahren wir zurück und folgen erneut dem nördlichen Uferweg.
Hinter der Brücke nach Mannhausen wurden bei dem Kanalausbau einige Biotope angelegt und rechts hinterm Damm gibt es Flachwasserzonen und Vogelbeobachtungspunkte, wo man durchaus ein wenig verweilen und die Ruhe genießen kann. Eine Informationsstelle im Naturpark Drömling erreicht man hier rechts ab nach wenigen Metern vor der Ohrebrücke. Durch den Drömling führen einige Radwanderwege.
Am südlichen Ufer gelangt man nun bis Rühen. Auf dem Abschnitt nach Rühen sind einige Gewässer-Entlaster zu sehen (Drömling, Ohre, Aller). Dahinter in Richtung Wolfsburg verhindern derzeit einige Baustellen die durchgängige Weiterfahrt am Mittellandkanal.
Wir empfehlen, die Gegenrichtung nach Grafhorst einzuschlagen und von dort den Aller-Radweg zu nutzen, der auch über Vorsfelde nach Wolfsburg führt, wo man den Mittellandkanal wiederfindet. Oder man hat in Grafhorst die Möglichkeit, dem Aller-Radweg über Oebisfelde bis Seggerde zu folgen, wo der Aller-Elbe-Radweg nach Hohenwarthe abzweigt.
Es gibt sogar einen Aussichtspunkt, um diese Attraktion ausreichend zu würdigen: Gleich dahinter ein Imbiss-Wagen mit einladender Sitzecke, an der wir auch nicht einfach vorbeifahren können. Es geht auf Schotter rund 400 km in Richtung Osten. Geradeaus. Immer am Kanal entlang, mal auf der linken, mal auf der rechten Seite.
So rollen wir schon bald auf einer nahezu endlosen Schotterpiste gen Osten. Solange man Schotter (und zugegebenermaßen auch Industriekulissen) mag und gern fernab vom Verkehr unterwegs ist, ist der Mittellandkanal eine Super-Option um einmal durch die Republik zu fahren.
Richtig spannend wird es dann als wir Minden erreichen. Hier kreuzt der Mittellandkanal die Weser mit einem Wasserstaßenkreuz ähnlich wie bei Magdeburg über die Elbe. Das ist schon sehr beeindruckend. Wir queren immer wieder mal den Kanal, immer auf der Suche nach der besten Fahrspur…
Wir bleiben am Kanal, umfahren die Stadt so nördlich und machen nur zur Mittagspause einen kurzen Abstecher zu einem nahegelegenen Imbiss. Der Weg geht mit wechselnder Qualität weiter und es braucht heute sehr lange, bis die Sonne sich endlich durch die Wolken gekämpft hat.
Wir passieren eine Neubausiedlung mit Marina, die bei dem Sonnenschein schon fast sowas wie mediterranen Flair hat. Schöner kann geradeaus fahren gar nicht sein: Die Autostadt in Wolfsburg zwingt uns nochmal zu einem kleinen Schlenker über die Kanalbrücken und dann direkt vorbei an der Teststrecke.
Der Mittellandkanal in der Region Hannover
Von Ost nach West (oder umgekehrt) die Region Hannover durchqueren und dabei immer hart am Wasser bleiben? Dies geht nur am Mittellandkanal. Vom Yachthafen Idensen in Wunstorf bis zum Kraftwerk Mehrum kurz hinter der Grenze zum Landkreis Peine quert die Bundeswasserstraße die Städte Wunstorf, Seelze, Garbsen, Hannover und Sehnde und ist damit das wohl längste Naherholungsgebiet der Region Hannover. Eingebunden sind viele Attraktionen und Rastpunkte am Wegesrand.
Während verschiedene, ausgeschilderte Routen, die den Mittellandkanal queren, ihn in Teilabschnitten begleiten oder kurz streifen, ist die Mittellandkanalroute eine durchgängige Verbindung von Ost nach West oder umgekehrt. Sie ist über die zehn Routen der Fahrradregion und den Grünen Ring erreichbar.
Die beiden von der Region Hannover zur Mittellandkanalroute veröffentlichten Faltblätter sind in eine Route West und eine Route Ost aufgeteilt. Beide Abschnitte haben eine Streckenlänge von je rund 30 Kilometern. Die West-Route startet am Yachthafen Wunstorf-Idensen (Kanalkilometer 135,5) und endet am Nordhafen Hannover. Die Ost-Route startet am Nordhafen und endet kurz hinter Sehnde am Kraftwerk in Mehrum
Reihenfolge und Etappenlänge sind beliebig wählbar, da der Mittellandkanal sehr gut über die ausgeschilderten Radwege der FAHRRADREGION Hannover erreichbar und mit den Haltestellen bzw. Bahnhöfen im Großraum-Verkehr Hannover (GVH) verbunden ist.
Bei der Auswahl der Anlaufpunkte wurde bewusst darauf geachtet, dass der Mittellandkanal nicht ausschließlich als Verkehrsweg für Fahrrad und Schifffahrt dargestellt wird, sondern als regional bedeutsames, 60 Kilometer langes wasserbezogenes Erholungsgebiet mit zahlreichen interessanten Anlaufpunkten, Ausflugszielen und Freizeitmöglichkeiten beschrieben wird.
Neben einzigartigen technischen Anlagen wie beispielsweise den Trogbrücken in Seelze oder den Schleusen in Anderten und Bolzum sind daher auch Yachthäfen, Anlegestellen der Hannoverschen Personenschifffahrt, Freibäder und Badeseen, Wassersportvereine, Gärten, Parks, Museen, Bootsverleihe u.v.m. aufgenommen worden.
Beide Faltblätter sind in der Tourist-Info Hannover und im Bürgerbüro der Region Hannover erhältlich und liegen auch in den Mittellandkanalkommunen Wunstorf, Seelze, Garbsen, Sehnde aus.
Weitere Informationen zum Mittellandkanal
Bereits vor mehr als 100 Jahren begannen die Bauarbeiten. Die Wege sind meist mit feinem Kies befestigt, stellenweise geteert. Autos begegnen einem nur in Ausnahmefällen. Obwohl es keine durchgängige Beschilderung gibt, können sich Radler kaum verfahren. Langweilig wird es auf einer Kanaltour trotzdem nie. Die Route führt durch Wiesen und Felder, Naturschutzgebiete, an Häfen und Anlegestellen vorbei und in Hannover auch durch eine Großstadt.
An vielen Stellen liegt der Kanal höher als die Landschaft ringsum und bietet so einen weiten Blick über das flache Land. Wer den Mittellandkanal in voller Länge mit dem Rad begleiten möchte, sollte im Westen starten, um den üblichen Westwind im Rücken zu haben. Bei Hörstel in Nordrhein-Westfalen beginnt der Kanal als Abzweig des Dortmund-Ems-Kanals. Nach einigen Kilometern kommt er bei Bramsche nach Niedersachsen und führt nördlich des Wiehengebirges über Bad Essen nach Minden.
Eine 341 Meter lange Brücke leitet den Kanal dort in zwei riesigen Trögen über die Weser. Der Weg am Kanal entlang verläuft mal im Norden, mal im Süden, stellenweise auch auf beiden Seiten. Ein Pumpwerk sorgt dafür, dass der Wasserstand im Mittellandkanal stets konstant bleibt. Da erhebliche Mengen Wasser verdunsten, wird regelmäßig Nachschub aus der Weser in den Kanal gepumpt. Damit der Wasserstand der Weser in trockenen Sommern nicht zu weit absinkt, wurde um 1910 in Nordhessen die Edertalsperre gebaut.
Daten zum Mittellandkanal
| Länge: | 324 Kilometer |
| Verbundene Flüsse: | Weser, Elbe (direkt), Ems, Rhein (indirekt) |
| Wassertiefe: | 4 Meter |
| Wasserbreite: | 42 bis 55 Meter |
| Wasserhöhe über Normalnull: | 50,3 bis 65 Meter |
| Schleusen: | 3 (Hannover, Sülfeld/Wolfsburg, Hohenwarthe/Magdeburg) |
| Brücken über den Kanal: | 385 (inkl. |
Am Schaumburger Wald entlang führt der Kanal weiter in nördliche Richtung fast bis zum Steinhuder Meer und nach Hannover. Nach rund 150 Kilometern überquert die Wasserstraße die Leine in einem weiteren Trog. Hier kann man mit dem Rad unter dem Kanal hindurchfahren. Dann geht es in einem Bogen durch die nördlichen Viertel Hannovers zur größten Schleuse am Kanal im Stadtteil Anderten.
Kurz vor Braunschweig zweigt bei Kilometer 213,5 einer der zahlreichen Stichkanäle ab und verbindet die Stahlstadt Salzgitter mit dem Wasserstraßennetz. Rund 20 Kilometer später mündet von Norden der Elbe-Seitenkanal in den Mittellandkanal. Im Wolfsburger Stadtteil Sülfeld steht die zweite Schleusenanlage. Das Niveau des Wassers sinkt dort wieder von 65 auf 56 Meter.
Nördlich der Stadt trifft der Kanal auf die Elbe, mit der er über eine Schleuse verbunden ist. Die Anlage senkt Schiffe, je nach Wasserstand der Elbe, um 10,5 bis 18,5 Meter auf das Niveau des Flusses ab. Der Kanal selbst führt in einem Trog über die Elbe und endet wenig später offiziell an der Schleuse Hohenwarthe.
Erste Pläne für den Bau eines Schiffskanals, der das Ruhrgebiet mit der Elbe verbinden soll, kommen 1856 auf. 1905 fällt ein offizieller Beschluss, ein Jahr später beginnt der Bau im Westen mit dem Abschnitt von Bergeshövede nach Hannover. 1915 wird das erste Teilstück bis Minden an der Weser als Ems-Weser-Kanal eröffnet, 1916 die gesamte Strecke bis Hannover.
Nach fünf Jahren Bauzeit wird am 20.6.1928 die damals größte Binnenschleuse Europas eingeweiht: die Hindenburgschleuse in Hannover-Anderten. Damit ist der Kanal bis Peine befahrbar.
Eine „Fahrradautobahn“ am Mittellandkanal
Eine „Fahrradautobahn“ entsteht am Mittellandkanal - durchgehend asphaltiert und mit Beleuchtung. Wunstorfs Radfahrer bekommen damit „Autobahnanschluss“ nach Hannover. In diesem Zuge werden auch die Wunstorfer Wege zur Trasse neu gestaltet.
Dafür kamen am Donnerstag Bürgermeister Carsten Piellusch (SPD) und Regionspräsident Steffen Krach (SPD) im Beisein von Bundestagsabgeordneter Rebecca Schamber (SPD) am Mittellandkanal zwischen Wunstorf und Kolenfeld zusammen, um die entsprechende gemeinsame Vereinbarung zwischen Stadt und Region zu unterzeichnen.
Gegenstand der Vereinbarung ist die Planungsphase, mit der die künftige Radroute an Wunstorf angebunden wird. Auf die Planungsphase folgen später Genehmigungsphase und Bauphase, für Letzere wird dann noch ein weiterer Vertrag aufgesetzt werden. Der Anschluss in Wunstorf wird über die Weißer-Damm-Kanalbrücke geführt: Aus Richtung Wunstorf wird auf der Brücke - ein Stück westlich der Mittellandkanalbrücke an der Landstraße - der Mittellandkanal erst überquert, um dann auf die Hauptstrecke einbiegen zu können.
Die Entfernung vom Wunstorfer Zentrum zur Radtrasse wird rund 4 Kilometer betragen. Die Haupttrasse wird in den kommenden Jahren gebaut, sie wird zu 90 % mit Bundesmitteln bezahlt.
Gebaut wird aus Richtung Osten, aus Richtung Garbsen und Seelze werden die Bauarbeiten später Wunstorf erreichen. Am Ende wird damit eine 54 Kilometer lange durchgehende Fahrradtrasse entstanden sein - „der längste Radweg in der Region, vielleicht sogar Niedersachsens“, sagt Regionspräsident Krach. Vorbild seien die niederländischen Radwege. Auch Beleuchtung soll es an der Trasse geben.
Das zuständige Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Mittellandkanal/Elbe-Seitenkanal betont jedoch, dass der Weg auch in Zukunft ebenso Fußgängern, Anglern und anderen Erholungssuchenden auf eigene Gefahr weiterhin zur Verfügung stehe.
Die Finanzierung der Asphaltierung der Betriebswege in bestehender Breite wird nach aktuellem Stand zu 90 % der Bund tragen. Die Kosten für die Beleuchtung, Beschilderung, Verbreiterung des Betriebsweges und Zufahrten zum Betriebsweg werden nicht vom Bund finanziert und liegen bei Region oder Kommune.
„Es wird niemand verdrängt“, sagt auch Piellusch dazu, Spaziergänger sollen in Zukunft am Mittellandkanal weiterhin unterwegs sein können.
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