Fahrradfahren und Hämorrhoiden: Ursachen, Auswirkungen und Prävention

Da aus falscher Scham kaum jemand über Hämorrhoidal-Leiden, seinen Stuhlgang oder seinen Enddarm spricht, gibt es viele Mythen über Ursachen, Symptome und die richtige Behandlung der Erkrankung. Solche Themen müssen aber besprochen werden, denn nur wer Symptome richtig benennen kann, kann zur Erkennung der Erkrankung beitragen. So können Symptome gelindert, Risikofaktoren minimiert und Ursachen behandelt werden. Es besteht also reichlich Aufklärungsbedarf.

Was sind Hämorrhoiden?

Jeder hat Hämorrhoiden. Diese gepolsterten Schwellkörper sorgen dafür, dass der Enddarm richtig schließt. Sie sind also keine Krankheit, sondern normaler Teil des Körpers. Eigentlich meint man Hämorrhoidalleiden bzw. die damit verbundenen Symptome, wenn davon die Rede ist, dass jemand „Hämorrhoiden hat“. Diese äußern sich z.B. durch Symptome wie Jucken und Brennen im Analbereich, Blut auf dem Toilettenpapier oder Nässe im Analbereich. Dennoch sind vergrößerte Hämorrhoiden bei Älteren häufiger anzutreffen, was vermutlich mit der sinkenden Elastizität der Gefäßwände zusammenhängt. Auch ein im Alter veränderter Stuhlgang kann hier eine Rolle spielen.

Ursachen und Risikofaktoren von Hämorrhoiden

Bis heute weiß man nicht genau, welche Ursachen Hämorrhoiden haben. Experten diskutieren zahlreiche Veränderungen von Gefäßen, Gewebe oder gar dem Stoffwechsel, durch die sich das Gefäßpolster am Po erweitert. Nach der aktuell gängigen Theorie vergrößern sich Hämorrhoiden, wenn elastische Fasern und Muskeln zerstört werden, die normalerweise das Gefäßpolster an seinem Platz verankern.

Vergrößerte Hämorrhoiden treten oft im mittleren Lebensalter auf. Dennoch sind sie keine Alterskrankheit. Zahlreiche Faktoren begünstigen die knotenförmigen Erweiterungen des Gefäßpolsters:

  • eine angeborene Bindegewebsschwäche
  • häufige Verstopfungen
  • starkes Pressen beim Stuhlgang
  • langes Sitzen auf der Toilette
  • ein Reizdarm-Syndrom
  • sitzende Tätigkeit
  • Schwangerschaft
  • Bewegungsmangel
  • Übergewicht

Langes Sitzen und mangelnde körperliche Bewegung behindern den Darm bei seiner Arbeit. Bei körperlich hart arbeitenden Menschen und Übergewichtigen kann der erhöhte Druck im Beckenboden ein Auslöser sein.

Mythos Radfahren

Selbst bei einem sehr harten Sattel gilt: Fahrradfahren löst weder Hämorrhoiden aus noch begünstigt es deren Vergrößerung. Im Gegenteil: Fahrradfahren entlastet den Beckenboden, womit man vergrößerten Hämorrhoiden vorbeugen kann. Allerdings wird insbesondere Radeln mit einem harten Sattel bei bereits vergrößerten Hämorrhoiden als sehr unangenehm bis schmerzhaft empfunden.

Die Wahrheit ist, dass Fahrradfahren eher gut gegen Hämorrhoiden ist. Häufiges Sitzen ist eine der wesentlichen Risikofaktoren für die Entstehung von Hämorrhoiden. Wenn man schon stärkere Hämorrhoiden hat und die Knoten bereits hervortreten, nässen oder entzündet sind, dann kann das Sitzen auf dem Fahrradsattel in der Tat zur Qual werden.

Es gibt keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass Sport Hämorrhoiden verursacht. Im Gegenteil: Sport ist eher hilfreich, da er Übergewicht und Verstopfungen vorbeugt. Ein typischer Mythos ist, dass Radfahren Hämorrhoiden verursacht. Wenn jemand Hämorrhoiden hat, sollte er laut dem Proktologen nicht auf Sport verzichten. Ich sage meinen Patienten immer, dass meine Aufgabe darin besteht, ihre Hämorrhoiden so zu behandeln, dass sie weiterhin sportlich aktiv sein können. Wer auf seinen Körper achte und bei Beschwerden frühzeitig zum Arzt gehe, könne „auch mit Hämorrhoiden ein aktives Leben führen“.

Gewichtheben und Fitnessstudio

Häufig hört man, dass Kraftsport Hämorrhoiden verursachen kann oder regelmäßiges Krafttraining Hämorrhoidalleiden verschlimmert. Hier ist tatsächlich etwas dran: Durch das Stemmen von schweren Gewichten wird Druck auf den Beckenboden ausgelöst, da die Bauchmuskeln angespannt werden. Regelmäßiges Gewichtheben kann so tatsächlich das Risiko eines Hämorrhoidalleidens vergrößern oder bestehende Symptome verschlimmern.

Was kann man gegen Hämorrhoiden tun?

Idealerweise geht man in einem frühen Stadium des Hämorrhoidenleidens für eine fachgerechte Therapie in eine Facharztpraxis. Mit entsprechender Behandlung können sich die Vergrößerungen gut zurückbilden. Wird jedoch nicht eingegriffen, kann sich der Schweregrad erhöhen und eine Operation notwendig sein.

Ohne entsprechende Lebensstilveränderungen oder Behandlung mit Medikamenten werden sich eine Vergrößerung und die damit verbundenen Symptome nicht zurückbilden. Wichtig ist jedoch, die Ursachen und Risikofaktoren für das Hämorrhoidalleiden zu identifizieren, entsprechende Maßnahmen einzuleiten und das Thema nicht einfach „auszusitzen“. Auch Hausmittel können begleitend zur Therapie eingesetzt werden, um akute Beschwerden zu lindern.

Bereits in einem frühen Stadium ist es ratsam, aktiv zu werden. Mit einfachen Hausmitteln und einer veränderten Lebensweise können wir zumindest teilweise beeinflussen, ob Hämorrhoiden sich vergrößern und Beschwerden machen. Und wir können auch Hausmittel anwenden, damit sie wieder weggehen. In den frühen Stadien reicht es oft schon, die Ernährung umzustellen. Betroffene sollten viel Gemüse, Obst und Ballaststoffe essen und mindestens zwei Liter täglich trinken. Dies lockert den Stuhl auf, was übermäßigem Pressen entgegen wirkt.

Tipps für Radfahrer mit Hämorrhoiden

Allerdings können ein falscher Sattel oder die falsche Hose tatsächlich zu Reizungen und Entzündungen im Afterbereich führen. Doch dagegen kannst du einiges unternehmen:

  • Der Sattel: Beschaffe dir einen ergonomischen Fahrradsattel, der zu deinem Sitzknochen-Abstand passt, das natürliche Beckenschaukeln nicht behindert, den Druck aus dem Körpergewicht gleichmäßig in die Fläche verteilt und im Dammbereich durch geeignete Vertiefungen den Druck von den sensiblen Zonen fernhält.
  • Die Radlerhose: Verzichte auf Hosen, die im Bereich der Gesäßfalte dicke Nähte aufweisen (Jeans z. B.). Beschaffe dir stattdessen eine Radhose mit flachen Nähten und einem hochwertigen, atmungsaktiven Sitzpolster. Wähle zusätzlich eine atmungsaktive Unterwäsche, damit der Schweiß über sämtliche Bekleidungsschichten nach draußen abtransportiert werden kann. Denn wenn sich der Schweiß am Gesäß staut, kann das bakterielle Entzündungen begünstigen.
  • Die Federsattelstütze: Besonders wirkungsvoll zur Vermeidung von Druckspitzen und Reizungen jeder Art ist eine hochwertige Federsattelstütze. Investiere am besten in eine Parallelogramm-Sattelstütze und genieße bis zu 10 cm Federweg.
  • Deine Sitzhaltung: Eine leichte Vorneigung des Oberkörpers bildet den besten Kompromiss zwischen effizientem Pedalieren, Nacken-schonender Kopfhaltung und einer bestmöglichen Entlastung des After- und Damm-Bereichs. Die passende Sitzhaltung stellst du über die Lenkerhöhe und den Vorbau ein. Voraussetzung ist natürlich, dass dein Fahrrad in der Größe auch tatsächlich zu deiner Anatomie passt.

Weitere Tipps zur Vorbeugung

  • Vermeide ausgedehnte Sitz-Phasen, baue viele Bewegungs-Pausen ein, achte auf eine gute Sitzhaltung und reduziere die sitzenden Tätigkeiten weitgehend.
  • Spezielle Hämorrhoidenkissen entlasten den Afterbereich bei sitzenden Tätigkeiten und nehmen den Druck vom Enddarm.

Geeignete Sportarten bei Hämorrhoiden

  • Spazierengehen - fördert die Durchblutung und verhindert Verstopfung
  • Schwimmen - entlastet den Beckenboden und verbessert die Durchblutung
  • Radfahren auf einem weichen Sattel - kann hilfreich sein, wenn keine Beschwerden bestehen
  • Yoga & Pilates - stärken die Muskulatur und fördern eine gute Verdauung

Zusammenfassung

Radfahren kann bei leichten Hämorrhoidal-Beschwerden sogar die Heilung unterstützen, da es die Muskeln im Bein- und Po-Bereich trainiert und den Beckenboden stärkt, was sich positiv auf Hämorrhoiden auswirken kann. Es ist jedoch wichtig, auf den Körper zu hören und bei Beschwerden frühzeitig einen Arzt aufzusuchen. Mit der richtigen Ausrüstung und einer angepassten Lebensweise können Menschen mit Hämorrhoiden ein aktives Leben führen und weiterhin Freude am Radfahren haben.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zu den unterschiedlichen Schweregraden der Erkrankung, Analhygiene, Tipps im Umgang mit dem Hämorrhoidalleiden sowie naturmedizinische Produkthinweise erhalten Sie im Anwendungsbereich Hämorrhoiden.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0