Ken Roczen, Deutschlands bester Motocrosser, blickt nicht zurück, sondern nach vorn. Er will nach oben, nach ganz oben. An die Spitze der US-Supercross-Elite.
Die Anfänge in Mattstedt, Thüringen
Mattstedt, Thüringen, im Frühjahr 2006. Der elfjährige Ken Roczen befindet sich genau an der Grenze zwischen unbedarfter Kindheit und steiler Profikarriere. Er tollt übermütig mit seiner Dogge und den Kumpels umher, rast und fliegt täglich ganz unbeschwert über die Crosspiste neben dem Elternhaus. In der Schublade des Kinderschreibtischs liegt allerdings schon ein Fünfjahresvertrag mit einer eigens für ihn zusammengeführten Sponsorengruppe. Treibende Kraft dahinter ist der damalige Suzuki-Manager Bert Poensgen, der wie immer publikumswirksam orakelt: „Diesen Jungen kann in der Motocross-Welt gar nichts stoppen. Abgesehen von einer schweren Verletzung. Oder von den Eltern.“
Der zukünftige Star-Crosser sitzt derweil in der elterlichen Küche und diktiert seine eigene Version der Zukunft in den Notizblock des Reporters: „Mit 15 kann ich in der Motocross-WM starten, dann werde ich Weltmeister. Und dann gehe ich in die USA.“ Punkt, aus, keine Zweifel, sondern die Langfrist-Planung eines Elfjährigen, angesichts derer man sich als reflektierender Erwachsener doch nachdenklich fragt, was man selber in diesem Alter auf die Reihe brachte.
Auch zum Thema Ernährung besitzt der Möchtegern-Champion - in der Hand eine knackige Thüringer Bratwurst - eine klare Meinung: „So muss das aussehen - außen knusprig, innen saftig und bloß nicht so ein Leichenfinger.“ Schon damals starke Worte - nach starken Taten. Bis auf wenige Krabbel- und Windeljahre, sitzt dieser Ken Roczen sein ganzes Leben auf Motocrossmopeds, fährt und fährt und fährt - und gewinnt eigentlich immer. Ist er mal wieder Jüngster seiner Klasse oder ist tatsächlich mal ein anderer schneller, dann gewinnt er eben im darauffolgenden Jahr. Junioren-Vizeweltmeister, dann Weltmeister. MX2-Vizeweltmeister und dann Weltmeister - in diesem Rhythmus. Wie er es der zweifelnden Welt vorhersagte, zieht er es durch. Genau wie auch die Sache mit den USA. Und das ist jetzt der Punkt, wo wir den ersten Zeitsprung vornehmen müssen.
Der Wechsel in die USA
Kalifornien, Sommer 2012. „Eigentlich“ hat es Ken Roczen jetzt geschafft. Er scheint am Ziel seiner Träume. Lebt jetzt mit Papa Heiko, seinem Trainer und ständigen Begleiter, in seiner erklärten Traumregion. Aber da steht ja das „eigentlich“, und das will erklärt sein. Rückblende, Saisonvorbereitung 2011. Der Familien- und Wohlfühlmensch Ken Roczen, der seine ganze Karriere auf Suzuki-Crossern saß, wechselte die Marke und startete von nun an im offiziellen KTM-Werksteam. Ein kompliziertes Konstrukt von Sponsorverträgen, das der pfiffige KTM-Sportmanager Pit Beirer geschickt interpretiert, macht es möglich. Rein sportlich ändert sich am Vorwärtsdrang des Thüringers wenig. Er gewinnt souverän den Weltmeistertitel 2011.
Im Suzuki-Lager aber hinterlässt der Sonnyboy enttäuschte Freunde. Seine langjährigen Förderer müssen mit ansehen, wie Österreich die Ernte einfährt, welche die Japaner gesät haben. Für den jungen Ken ist das die erste Erfahrung, dass man es als Siegertyp nicht allen recht machen kann. Und weitere werden folgen.
Zurück nach Kalifornien, zurück in den Sommer 2012. Um das Thema „Roczen in den USA“ zu verstehen, muss man die Weltkarte des Motocross betrachten. In Europa existiert eine mittelprächtig funktionierende WM, deren Protagonisten neidisch über den Großen Teich schielen, während den Amis die Europa-Szene gepflegt am Hinterrad vorbeigeht. In den Vereinigten Staaten gibt es in riesigen Stadien pompös inszeniertes Supercross und in den Sommermonaten die eher traditionellen „Outdoor-Nationals“. Was aber zählt, ist Supercross. Da sind die Stars, da steckt das Geld, da gibt es den Glamour und die Zuschauer und die Mädels mit reichlich Silikon. Das ist ein knallhartes Geschäft, ein Haifischbecken. Und mittendrin schwimmt nun der erfolgsverwöhnte Europa-Karpfen Ken.
Extreme Reiserei, ungewohnte Lebensverhältnisse und die schnellsten Offroadkutscher der Welt, die ganz schnell kapieren, dass dieser Europäer gute Linien findet. Aber auch, dass er am Ende manchmal körperlich ein wenig nachlässt, vor allem im Freien. Die Kritiker flüstern schon, dass ihm womöglich das erste Mal in seinem Leben die Grenzen aufgezeigt werden. Aber Ken, der Steher, kontert und macht nach einem guten, aber eben nicht perfektem Jahr 2012 seine Hausaufgaben für 2013. Er gewinnt in einem dramatischen Finallauf in buchstäblich letzter Runde die West Lites-Serie und erreicht bei den „Outdoor-Nationals“ Platz zwei. Jetzt kurz durchschnaufen, dann folgt der Absprung in den letzten Abschnitt.
Der Aufstieg in die 450er-Klasse
Florida, Dezember 2013. Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft - jetzt klappert es richtig in Roczens Würfelbecher, denn für ihn geht es mit dem Beginn der Supercross-Saison 2014 am 4. Januar in Anaheim/Kalifornien um den womöglich wichtigsten Schritt in seiner Karriere. Er startet von nun an in der großen 450er-Klasse und tritt gegen die Allerbesten an. Im Wettkampf um die dicksten Fleischtöpfe in der Arena. Aber auch darum, der beste Motocrossfahrer aller Epochen zu sein. Dieses Ziel formulierte er schon vor Jahren. Ab 2014 kann er es beweisen.
Dabei ist der Zeitpunkt nicht so richtig günstig, denn nach seinem einzigen Auftritt in Europa mit einem formidablen Ritt beim Motocross der Nationen in Teutschenthal kam auf einmal irrsinniges Tempo in die Lebenswelt des US-Neubürgers. Das Fahrwerk an seiner Werks-KTM behagte ihm nicht, Gerüchte machten die Runde, er wechsle zurück zu Suzuki.
Die Spekulationen verstummten jedoch blitzartig, als KTM deutlich machte, dass es noch einen gültigen Vertrag gebe. Zusätzlich gab es ein neues Management, ein Umzug nach Florida stand an, dann das Zerwürfnis mit Vater und Trainer Heiko. Ab sofort trainiert Roczen bei Fitness-Guru Aldon Baker. Eine Trumpfkarte, denn der südafrikanische Ex-Radprofi arbeitet nur mit einer auserwählten, aber solventen Kleingruppe, zu der auch der amtierende Supercross-Champion Ryan Villopoto zählt.
Typisch amerikanisch kicken sich die Fahrer bis zum Startgatter gegenseitig hoch, dann hat die wilde Meute freien Lauf. Daher heißt es jetzt, neben dem Talent auch die letzten Reserven zu mobilisieren. Das bedeutet: Ausdauertraining mit dem Rad, Eisen pumpen, Laktatwert, permanente Pulsüberwachung und eine radikale Ernährungsumstellung.
Bei Aldon Baker stehen Zucker und Burger auf der Roten Liste. Zum Ausgleich gibt es Drill, ausgeklügelte Psychologie und Rundumbetreuung bei jedem Training und Rennen. Der 44-jährige Fitness-Papst, der bei etlichen Quälübungen seinen Schützlingen höchstpersönlich noch was vormacht, formte vor Jahren aus einem aufgequollenen Ricky Carmichael einen Seriensieger, betreut Moto-GP-Star Nicky Hayden und viele mehr. Aber er macht sich auch schon Sorgen. Besonders um das Vater-Sohn-Verhältnis der Roczens.
Der Profi weiß: „Das ist eine Ablenkung, die Kenny nicht gut tut.“ Genau darum möchte der Jungstar die Beziehung auch gerne kitten: „Wir haben seit dem Motocross der Nationen nicht mehr miteinander gesprochen. Es ist sehr hart für ihn, mich nicht mehr zu trainieren, er ist verletzt. Aber ich hoffe sehr, dass er mich zumindest bei den Rennen an der Westküste wieder besucht.“ Wenn die beginnen ist diese Geschichte schon erschienen und Ken Roczens Zukunft schon wieder Vergangenheit. So schnell kann das gehen - jenseits von Mattstedt.
Die Karriere-Highlights von Ken Roczen
Mit dem am 29. 4. 1994 in Thüringen geborenen Ken Roczen startete 2006 ein in Deutschland bis dato einmaliges Projekt. Allen voran Bert Poensgen von Suzuki und Wolfgang Thomas von Fox Deutschland betrieben zusammen mit Motul, Bridgestone und dem ADAC Nachwuchsförderung auf höchstem Niveau. Das Paket: ein finanziell abgesicherter Fahrer samt Familie und Förderer, die sich in den Kopf gesetzt hatten, einen deutschen Motocross-Weltmeister hervorzubringen. Der Plan war gewagt, ging aber dank eines Jahrhunderttalents auf. Der junge Ken war nervenstark, sein Vater verschwendete keinen Gedanken an einen Ausstiegsplan wie Schule oder Beruf. Es gab immer nur eine Richtung: vorwärts.
Ken Roczen räumte alle erreichbaren Titel ab:
- ADAC Junior Cup-Sieger
- Deutscher Meister
- Junioren-Weltmeister
- MX-Masters-Sieger
- 2011 MX2-Weltmeister
Die Förderer von damals können sich heute - zum Teil - noch die Hände reichen und zufrieden lächeln. Wolfgang Thomas von Fox blieb väterlicher Freund des Jungstars, Bert Poensgen war bis vor Kurzem sein Manager, der ADAC profitiert von seinem Aushängeschild auch bei der Breitenförderung. Traurigkeit herrscht nur beim Vater, der nach 15 Jahren gemeinsamen Teamworks unter dem derzeit zerrütteten Vater-Sohn-Verhältnis leidet. In Deutschland steht momentan weit und breit kein neuer Ken Roczen am Startgatter.
Roczen sorgt weiter für Furore
Ken Roczen sorgt weiter für Furore in der laufenden Monster Energy AMA Supercross Saison. Beim dritten Rennen in Anaheim 2 landete der Deutsche mit seiner Suzuki auf einem starken zweiten Platz und sicherte sich damit die Führung in der Meisterschaft in der 450SX Klasse. „Wenn mir jemand vor der Saison gesagt hätte, dass ich nach drei Runden das Red Plate habe, hätte ich gefragt: ‚Bist du sicher?‘“, scherzte Roczen nach dem Rennen. Doch der 30-Jährige beweist, dass harte Arbeit und Geduld sich auszahlen.
Das Rennen in Anaheim 2 verlangte den Fahrern alles ab. Besonders die zwei Sets von Whoops - einer davon so hart wie Beton - machten das Leben auf dem Bike nicht einfacher. Doch Roczen meisterte die schwierigen Bedingungen souverän und lieferte sich packende Duelle mit der Konkurrenz.
Dass Roczen auf seiner Suzuki das Red Plate trägt, ist ein kleines Wunder in der AMA Supercross-Welt. Der Hersteller, der zu Beginn der Saison auf dem letzten Platz im Power-Ranking geführt wurde, war in den letzten Jahren nicht gerade für Spitzenleistungen bekannt, doch Roczen zeigt, dass er und das HEP Motorsports Team das Beste aus der Maschine herausholen können. Mit zwei Podiumsplätzen aus den ersten drei Rennen reist Roczen nun nach Glendale, wo er die Meisterschaftsführung verteidigen will.
Unser Kollege, Geoff Meyer, vom MXLARGE Magazin führte nach dem Rennen in Anaheim ein Interview mit Ken Roczen. Der WSX Weltmeister, ehemalige MX2-Weltmeister und zweimalige AMA 450 Pro Motocross Champion, Ken Roczen macht große Fortschritte, während er für das private Suzuki-Team von HEP Motorsports fährt.
Ich denke, ich spreche für alle, wenn ich sage, dass wir gespannt darauf sind, ob Roczen in den späteren Phasen seiner Karriere in die Punkteränge fahren kann, vielleicht ein paar Siege bei den Hauptrennen holt und um seine erste AMA Supercross-Meisterschaft kämpft. Es wird harte Arbeit werden, aber davor hat Roczen keine Angst. Er hat bereits die Plätze 5, 4 und 3 erreicht.
Ken, du bist jetzt eine Handvoll Rennen mit dem Team gefahren und hast auf dem Podium erwähnt, dass ihr Änderungen vorgenommen habt und alles getan habt, um das Motorrad zu verbessern.
Roczen: Ich glaube, ich habe jetzt mehr Freiheiten als je zuvor, was das Motorrad und die technische Seite angeht. Und das macht eine Menge Spaß. Aber diese Seite unseres Sports hat es mir wirklich angetan. Es ist das erste Mal, dass ich das mache, aber es hat mir wirklich Spaß gemacht, und es ist schwer, über all die Arbeit zu sprechen, die wir geleistet haben, aber wir haben einige große Veränderungen vorgenommen. Wir fahren viel unter der Woche und arbeiten alle zusammen, und das hilft mir sehr. Ich bin sehr zufrieden damit, wie wir alle zusammenarbeiten. Was die Ergebnisse angeht, gehen wir in die richtige Richtung. Wir haben noch eine Menge Arbeit vor uns, und ich freue mich riesig, dass ich heute Abend das Podium erreicht habe. Ich hatte das Gefühl, dass es hart verdient war. Am Ende habe ich wirklich hart gepusht, und natürlich ging Eli zu Boden, aber in der letzten Runde habe ich Dylan überholt.
Beunruhigt dich der Aufwand, den du betreibst, wenn man bedenkt, dass du gegen Ende der Saison gesundheitliche Probleme hattest?
Roczen: Zunächst einmal ist es ein Ausgleich, aber ich habe nicht das Gefühl, dass es eine Belastung für mich ist. Wir haben lange Tage, aber es ist kein Stress für mich. Wir hatten die Off-Season. Mein Gesundheitszustand ist wirklich gut, und darüber bin ich froh. Ich denke, dass diese harte Arbeit notwendig ist, um an die Spitze zu kommen, und ich bin ziemlich zuversichtlich, dass wir das Richtige tun. Mein ganzes Training mach ich allein und plane meine ganze Woche selbst, also habe ich das Gefühl, dass ich im Moment ein wirklich gutes System habe.
Roczen: Für mich persönlich sehe ich keine Nachteile. Ich habe nie jemanden gebraucht, der mich aus dem Bett wirft, um zu trainieren, und bei all den Rennen außerhalb der Saison, die ich bestritten habe, sah ich keine Notwendigkeit, dass mir jemand sagt, was ich zu tun habe. Ich bin nach Australien, Kalifornien und England geflogen, und es ist schwer, jemanden zu haben, der mir sagt, was ich tun soll, wenn er nicht bei mir ist. Damit fing es an, und ich habe es genossen. Auch meine Gesundheit war viel besser. Ich hatte das Gefühl, dass ich alles aufnehmen und härter trainieren konnte. Ich hatte das Gefühl, dass ich gute harte Tage und einige leichte Tage hatte.
Roczen: Ich habe es ein paar Mal im Training gemacht, aber es gab eigentlich keinen besonderen Grund. Das Problem war, dass es einfach nicht gut lief, sobald man vom Table wegkam. Ich habe es im Training überprüft, und es war wirklich nicht schneller.
Roczen: Ich meine, es fühlt sich großartig an, und in den letzten paar Rennen konnten wir kämpfen, und ich hatte Rennen, in denen ich nicht so gut gefahren bin. Also wenn ich ein gutes Rennen fahre und Moves und Überholmanöver machen kann, dann macht es mir viel mehr Spaß. Ich hatte eine wirklich gute Zeit da draußen, ganz einfach. Dennoch bin ich wirklich traurig, dass ich vor der Ziellinie rausgerutscht bin und deshalb Eli vorbeigegangen ist. Ich hätte den zweiten Platz halten und vielleicht den Gesamtsieg holen können, aber wir nehmen das Gute mit dem Schlechten und gehen zum nächsten Rennen.
Ken, dein erster Podiumsplatz mit dem Team und ich glaube, es ist der erste Podiumsplatz für das Team überhaupt.
Roczen: Ich meine, es war großartig, wir versuchen nur, das alles richtig zu verarbeiten. Ich würde nicht sagen, dass es aus heiterem Himmel kam. Man denkt es, wenn man in die Saison geht. Es ist lange her, dass ich das letzte Mal auf dem Podium war. Mit der neuen Crew hatte ich noch nicht so viel Zeit auf dem Motorrad. Um ehrlich zu sein, war San Diego ein Testtag für mich.
Roczen: Ein Schritt in die richtige Richtung ist enorm. Ein Podium bedeutet nicht, dass wir uns darauf ausruhen, wir haben noch eine Menge Arbeit vor uns und wir müssen einfach sehen, wie die nächste Woche verläuft. Natürlich gehen wir auf die Strecken an der Ostküste, und darauf freue ich mich schon sehr.
Du hast erwähnt, dass du niemanden hast, der dir sagt, was du tun sollst.
Roczen: Ich brauchte dringend eine Veränderung, und ich denke, ich habe eine große Veränderung vorgenommen, die den Ball ins Rollen gebracht hat, und von da an habe ich den Spaß wiedergefunden. In meiner Karriere war ich bei einigen guten Trainern, und ich habe etwas davon genommen und bin mit allem klug umgegangen. Ich bin selbstmotiviert und stehe früh auf.
Teamwechsel zu KTM
Auch wenn es noch niemand offiziell bestätigen darf, Ken Roczen wird ab 2011 KTM fahren. Eigentlich sollte der Deal schon letzte Woche beim GP in Lierop verkündet werden, doch die Vertragspartner konnten sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht endgültig einigen. Mittlerweile ist der Wechsel jedoch beschlossene Sache.
Der Wechsel zu KTM war eine schwierige Entscheidung für das Familienunternehmen Roczen.
«Ich trau mich irgendwie noch nicht rein», meinte Ken Roczens Vater Heiko Klepka zu mir, als ich ihn am späten Sonntagabend in Fermo vor dem Teamzelt von KTM getroffen habe. Drinnen im Zelt feierte die gesamte KTM-Crew und viele Gäste aus dem Fahrerlager - auch von anderen Teams- die drei WM-Titel der Österreicher. Stefan Everts gab den DJ und auch Ken Roczen und sein Teamkollege Arnaud Tonus tanzten ausgelassen in der Menge.
Heiko Klepka war sich natürlich bewusst dass er mehr als willkommen war auf der Party, er meinte mit seiner Aussage wohl viel mehr dass er seine innere Barriere noch nicht überwinden konnte. Der Vater des deutschen Nachwuchsstars ist noch so emotional mit Suzuki verbunden, dass er sich nach dem Doppelsieg seines Sohnes in Fermo und der folgenden innigen Umarmung mit den Suzuki-Leuten nicht die Abschieds-Tränen verkneifen konnte.
«Wir sind wahnsinnig eng mit Suzuki verbunden gewesen», erklärt Klepka seine Emotionen. «Wir sind seit dem ersten Rennen in der 85er Klasse nie mit einer anderen Marke gefahren. Ken ist mit Suzuki aufgewachsen und gross geworden. Sie haben uns viel ermöglicht.»
Auch der Junior war mit Herz und Seele ein «Gelber», doch ihm fällt die Umstellung aufgrund seines jugendlichen Alters ein wenig leichter als der Familie.
Auf jeden Fall war in Italien zu spüren, dass nach der Vertragsunterzeichnung eine schwere Last von der ganzen Familie abgefallen war. Die vertragliche Situation und die Verhandlungen für die nächsten Jahre waren alles andere als einfach.
Nicht leicht für einen 16-Jährigen, wenn neben den Eltern noch diverse Sponsoren und Manager Einfluss nehmen und Rat geben möchten. Doch letztendlich musste Ken Roczen selbst entscheiden was er will.
«Nachdem ich mit einer ganzen Menge Leute gesprochen hatte, forderte ich erst mal ein Gespräch mit Kenny direkt», erzählte mir Pit Beirer von dem Verhandlungsmarathon. «Ich habe ihn gefragt ob er wirklich zu uns will, denn das war für uns entscheidend.»
Ein Teamwechsl ist im modernen Motocross-Geschäft nicht ganz so einfach wie man sich das gemeinhin vorstellt. Durch das Engagement von Energy-Drink Herstellern in fast jedem Team gibt es häufig Schwierigkeiten mit persönlichen Sponsoren der Fahrer. Im Teka SuzukiTeam wurden nach einigen Querelen die Red Bull Sticker von den Motorrädern entfernt, eine Verbindung mit Rockstar wäre der logischenächste Schritt. Ken Roczen wollte nur äusserst ungern bei Red Bull aufhören, auch das hat eine entscheidende Rolle bei dem Wechsel zu KTM gespielt.
Ausschlaggebend war jedoch letzten Endes die Verpflichtung von Roger DeCoster. Roczen hatte sich schon beim Grand Prix in Glen Helen ausführlich mit dem Belgier unterhalten und die Weichen für eine Zukunft in den USA gestellt - damals noch gedanklich auf Suzuki. Mit DeCosters Kündigung war völlig unklar was Suzuki der Familie Roczen in den USA bieten könnte. Die Alternative auf Pro Circuit-Kawasaki hätte ebenfalls den Bruch mit Red Bull bedeutet, denn das Team ist eng mit Monster verbunden. Folglich fiel die Entscheidung zugunsten von KTM.
Die Umstellung wird für alle Beteiligten nicht lange dauern. Laut unbestätigten Gerüchten war der MX2-Vizeweltmeister schon zuvorgerückter Stunde in orangenem T-Shirt zu sehen. Bei Papa Heiko wird es wohl noch ein paar Tage dauern. «Ich weiss dass wir uns richtig entschieden haben», so Klepka.
Erster Start in der SX-WM
Die erste Pause der West Coast Lites Klasse am kommenden Wochenende wird von Ken Roczen nicht zum Ausruhen genutzt. Der 16-Jährige wird die Gelegenheit ergreifen und mit der 350er Maschine von KTM in die «grosse» Klasse schnuppern. Roczen wird also erstmals auf James Stewart, Ryan Villopoto und Chad Reed treffen.
KTM-Sportdirektor Pit Beirer bestätigte gegenüber SPEEDWEEK den geplanten Start des Teenagers in der SX-WM in Houston/USA. «Ken ist beim Testen schon mit der 350er gefahren und hatte sehr viel Spass dabei», so Beirer. «Deshalb ist die Idee für diesen Ausflug in die grosse Klasse schon vor zwei, drei Wochen entstanden. Konkret wurde es aber erst nach der Podiumsplatzierung am letzten Samstag.»
«Die Jungs werden in den USA noch ein paar Tests fahren», so Beirer weiter. «Wenn da nichts Unvorhergesehenes passiert, gibt es grünes Licht.»
Eine erhöhte Verletzungsgefahr für den jungen Deutschen sehen die KTM-Verantwortlichen nicht. «Dann müssten wir auch den Einsatz in der Lites-Klasse in Frage stellen», meint Beirer. «Dort wird noch wesentlich härter gefahren als in der Top-Kategorie. Die Fahrer dort sind meistens schon erfahrener und lassen sich ein wenig Platz zum Überleben.»
«Letztlich geht es darum, dass Ken Rennerfahrung beim Supercross sammelt», erklärt Beirer. «Da ist jede Runde unter Renndruck wertvoll. Deshalb haben wir der Idee auch zugestimmt. Er ist in den USA, um Erfahrung zu sammeln.
Motocross-Weltmeister mit 17
Ken Roczen ist mit gerade mal 17 Jahren ganz oben angekommen. Der Motocross-Pilot aus Thüringen wurde Weltmeister in der MX2-Klasse. Im Oktober kehrt der Youngster Deutschland den Rücken und will in den USA so richtig durchstarten. Wie ein Basketballer, der mit 20 in die Staaten ging: Dirk Nowitzki.
Am Sonntag hat sich Ken Roczen seinen großen Traum erfüllt: Der Thüringer wurde Motocross-Weltmeister. Und das mit nur 17 Jahren und zudem als erster Deutscher seit 43 Jahren. Danach wurde der knallharte Pilot ganz weich und es kamen ihm die Tränen. In den USA soll nun sein nächster Karriereschritt folgen. Es wird vorerst das letzte Mal gewesen sein, dass seine Fans ihren Helden auf einer heimischen Piste bejubeln konnten, denn Roczen will sein Glück künftig im Land der unbegrenzten Möglichkeiten suchen.
"Mein Flug geht am 18. Oktober. In den USA habe ich einfach die besten Möglichkeiten", sagte er der "Bild am Sonntag".
Ein Mattstedter als US-Superstar
Jenseits des Atlantiks ist der in Mattstedt (Weimarer Land) geborene Roczen bereits ein Superstar, diesen Status will er nutzen. Mit seinen strahlend blauen Augen, seinem strohblonden Haar und dem perfekten Sonnyboy-Lächeln ist er ein absoluter Frauentyp. Und das, obwohl er weder singt noch schauspielert, sondern stattdessen mit seiner KTM in der MX2-Klasse über Dreckpisten jagt.
"Ich habe gerade als Motocrossprofi Amerika lieben gelernt. Der Sport hat in den USA einen deutlich höheren Stellenwert als in Europa. Die besten Fahrer der Welt sind dort, Hunderte Strecken kann man befahren", sagte Roczen.
Januar im kommenden Jahr: Der 17-jährige KTM-Fahrer hat sich gestern im Training den linken Arm gebrochen. Der Thüringer war auf der KTM-Trainingsstrecke im kalifornischen Corona gestürzt, der Bruch wurde in einem nahe gelegenen Krankenhaus diagnostiziert.
Der MX2-Weltmeister plante, ab dem 7. Januar die SX-Lites-Serie der Westküste zu bestreiten. Nun will Roczen für den Start der SX Lites an der Ostküste rechtzeitig wieder fit werden: die East-Serie startet am 18.
Der deutsche KTM-Star erwischte nach seiner Verletzungspause einen schlechten Start ins Finale und musste sich nach vorne kämpfen. «Ich habe ein bisschen zu lange zum Überholen gebraucht», kritisierte sich der MX2-Weltmeister selbst. «Aber letzten Endes bin ich natürlich hoch zufrieden gleich beim ersten Rennen auf dem Podium zu stehen.» Der Sieg ging an Justin Barcia vor Darryn Durham. In der SX1-Klasse konnte erneut Ryan Villopoto vor Ryan Dungey und Jake Weimer gewinnen.
Zusammenfassung der Erfolge von Ken Roczen
Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Erfolge von Ken Roczen zusammen:
| Erfolg | Jahr |
|---|---|
| ADAC Junior Cup-Sieger | N/A |
| Deutscher Meister | N/A |
| Junioren-Weltmeister | N/A |
| MX-Masters-Sieger | N/A |
| MX2-Weltmeister | 2011 |
Verwandte Beiträge:
- Polo Motorradbekleidung: Test, Kollektion & Kaufberatung
- Motorrad Kostüm für Erwachsene: Die besten Outfits für Biker
- Angststreifen Motorrad entfernen: Tipps & Tricks
- Thermo-Unterwäsche Motorrad Herren: Test, Kaufberatung & Modelle - Perfekter Komfort beim Motorradfahren
- Mountainbike Touren Oberhof: Die besten Trails & Routen im Thüringer Wald
- Carbon-Laufräder und Bremsbeläge im Test: Ultimative Kaufberatung und Top-Tipps!
Kommentar schreiben