Kesselberg Motorrad Sperrung: Aktuelle Situation

Die Kesselbergstrecke zwischen Kochel- und Walchensee ist auch in diesem Jahr für Motorradfahrer zeitweise gesperrt.

Die Entscheidung fällt nach einer zweijährigen Testphase, die im vergangenen Oktober endete. Wie das Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen mitteilt, tritt die Regelung ab dem 1. April 2025 wieder in Kraft. Demnach dürfen Biker die Auffahrt täglich zwischen 15 und 22 Uhr nicht benutzen.

Die Unfallkommission kam zu dem Schluss, dass sich die erprobte verkehrsrechtliche Anordnung bewährt hat. Aus diesem Grund wird die Regelung nun dauerhaft eingeführt und gilt jedes Jahr vom 1. April bis zum 31. Oktober.

Die kurvenreiche Bundesstraße 11 am Kesselberg zählt seit Jahrzehnten zu den beliebtesten Strecken für Motorradfahrer in der oberbayerischen Alpenregion. Allerdings war sie lange Zeit auch ein Unfallschwerpunkt. „In den allermeisten Fällen waren die Motorradfahrer die Verursacher der Unglücke“, betonte der Landratssprecher.

Um Motorradfahrer frühzeitig auf die Sperrung aufmerksam zu machen, werden die bestehenden Hinweisschilder beibehalten. Aus Schlehdorf und Benediktbeuern kommende Biker werden bereits an den Ortseingängen von Kochel am See durch nichtamtliche Schilder informiert. Zusätzlich werden Umleitungsmöglichkeiten angezeigt.

Für Anlieger gibt es möglicherweise Ausnahmen von der Regelung. Vor der Einführung der täglichen Sperrzeiten galt bereits ein Fahrverbot an Wochenenden und Feiertagen.

Hintergrund der Kesselberg Sperrung

Seit dem 17. Juni 1978 ist die aktuelle Streckensperrung auf der B 11 südwärts ab Kochel am See in Kraft. Immer wieder wurde in dieser Zeit versucht, die unfallträchtige Strecke zu entschärfen.

Die Geschwindigkeit ist schon lange auf 60 km/h begrenzt. Die senken per se nicht das Tempo, sondern sollen vor Kurven den Fahrkomfort senken, um so die Geschwindigkeit zu verringern. 2014 baute der Landkreis die umstrittenen Rüttelstreifen an. Genutzt hat das wohl wenig, denn 2018 wurden die Streifen wieder entfernt, da laut Behörde kein Rückgang der Unfallzahlen festgestellt wurde.

Geblieben sind hingegen die zusätzlich montierten Mittelleitschienen mit Warnbaken, die das Schneiden und Überholen in Kurven weiterhin unterbinden sollen.

Laut Landkreis ereignen sich in den Sommermonaten pro Jahr im Schnitt 30 mittelschwere sowie schwere Unfälle. Doppelt so viele Unfälle in der Nähe. Die vielen Maßnahmen am Kesselberg sind und waren nicht unbegründet. 75 Prozent davon sollen von Motorradfahrern verursacht sein, obwohl Krafträder in diesem Zeitraum nur gut 13 Prozent Anteil am Gesamtverkehr auf dieser Strecke hätten.

Details zur aktuellen Regelung

Der Landkreis Bad Tölz änderte im Jahr 2023 testweise das seit 44 Jahren bestehende Fahrverbot auf der B 11 bergauf von Kochel am See in Richtung Kesselberg. In diesem Test wurde das generelle Fahrverbot an Wochenenden und Feiertagen stundenweise gestattet, während unter der Woche die Strecke ab dem Nachmittag gesperrt war.

Am Wochenende ja, zur Feierabendrunde neinDie Anpassung der Streckensperrung und die Testphase zwischen dem 1. April 2023 und dem 31. Oktober 2024 waren eine direkte Reaktion auf die Unfallstatistik. Die zeigte, dass die meisten schweren Unfälle am Nachmittag und Abend passieren. Daher entschied sich der Landkreis für ein neues jährliches Fahrverbot für Motorräder.

Folgendes gilt seit Januar 2025:

  • Das Motorrad-Fahrverbot betrifft konkret die Strecke von Kochel in Richtung Walchensee
  • Das Motorrad-Fahrverbot gilt jährlich zwischen 1. April bis 31. Oktober
  • In diesem Zeitraum gilt das neue Motorrad-Fahrverbot von Montag bis Freitag zwischen 15:00 und 22:00 Uhr
  • An Wochenenden und Feiertagen ist das bestehende ganztägige Motorrad-Fahrverbot zwischen 22:00 und 15:00 Uhr aufgehoben.

Unterm Strich: Es gilt zwischen Kochel am See in Richtung Kesselberg täglich ein Fahrverbot für Motorräder zwischen 15:00 Uhr und 22:00 Uhr.

Georg Fischhaber, Leiter der Verkehrsbehörde im Landratsamt: "Die zeitlich begrenzte tägliche Sperrung der Bundesstraße für Motorradfahrer über ein halbes Jahr hinweg ist aus Sicht der Unfallkommission gleichzeitig verhältnismäßig. Sicherlich verhalten sich viele Motorradfahrer vernünftig auf der Straße, aber Fakt ist eben auch, dass sich Unfälle mit Motorrädern zu 78 Prozent zwischen 15 und 22 Uhr ereigneten. Schwere Unfälle wurden zu 91 Prozent von Motorradfahrern verursacht. Da kann und darf man aus unserer Sicht nicht länger zuschauen."

Auswirkungen der Sperrung

Mit der Testphase gingen die Unfälle um 40 Prozent runter, allerdings verdoppelten sich in der gleichen Zeit die Unfallzahlen gut 70 Kilometer entfernt, am Sudelfeld. Im gleichen Zeitraum nahmen laut Polizeipräsidium Oberbayern die Belastungen des Motorradverkehrs an anderen Strecken deutlich zu.

Das temporäre Fahrverbot für Motorradfahrer am Kesselberg hat seine Früchte getragen. Die Zahl der Unfälle war im zweijährigen Testzeitraum deutlich zurückgegangen. Dadurch ist es laut Polizei aber zu einem sogenannten „Verdrängungseffekt“ gekommen. Die Biker hat es ans Sudelfeld im Rosenheimer Landkreis gezogen. Zwischen der Kreisstraße RO 52 und der Landkreisgrenze Miesbach hat es in den letzten Jahren zwei tödliche und viele schwere Motorradunfälle gegeben. Jetzt reagiert die Polizei auch an dieser Gefahrenstelle. Vom 30. April bis Ende Oktober wird täglich von 11 bis 21 Uhr die Fahrtrichtung Bayrischzell für Motorräder gesperrt.

Zunehmend verlagert sich das Unfallgeschehen nun aber auf die Straßen rund um den Sylvensteinsee - vor allem, seitdem auch die Strecke am Sudelfeld für Motorradfahrer gesperrt worden war. Zwei Tote und mehrere Schwerverletzte gab es rund um den Stausee in der Gemeinde Lenggries heuer schon bei Motorradunfällen zu beklagen. Das stellt die Feuerwehren Fall und Vorderriß vor große Herausforderungen. Die Polizei reagiert auf die zunehmenden Unfallzahlen mit umfangreichen Kontrollen. Aber auch am Sylvenstein wird daher bereits offen eine Streckensperrung für Biker gefordert.

Aktuelle Baustellen und Beeinträchtigungen

Die bei Motorradfahrern beliebte Strecke der B11 über den Kesselberg hat diesen Sommer über eine Engstelle, an der der Verkehr nur einspurig vorbeifließen kann. Die Arbeiten dauern bis Oktober. Der Verkehr wird einspurig an der Baustelle vorbeigeführt.

Die weitreichendsten Auswirkungen auf den Verkehr dürfte die Erneuerung einer Stützwand am Kesselberg haben. Sechs Monate wird deswegen auf der B11 bei Kochel eine Ampelregelung gelten - also die gesamte Badesaison und weit in die Wandersaison hinein.

Die Bauarbeiten am Kesselberg beginnen laut dem Staatlichen Bauamt Weilheim am Dienstag, 10. Juni, und dauern voraussichtlich bis Oktober. „Im Bereich der letzten 180-Grad-Kurve vor Kochel von Urfeld kommend befindet sich eine talseitig angeordnete Stützwand aus dem Jahr 1979“, teilt die Behörde mit. Die etwa 85 Meter lange Stützwand verhindert das talseitige Abrutschen des Straßenkörpers. Weil Verschiebungen der Wand um bis zu zehn Zentimeter talabwärts festgestellt worden seien, müsse diese Stützwand durch einen Neubau ersetzt werden.

„Zur Verhinderung einer erneuten Verschiebung wird die betroffene Stützwand mit sogenannten Pfählen direkt mit dem unter der Straße liegenden Felsen verbunden“, schreibt ein Behördensprecher. Die Arbeiten erfolgen unter einer halbseitigen Straßensperrung, der Verkehr auf der B11 wird einspurig mit Ampelregelung über die verbleibende bergseitige Fahrspur an der Baustelle vorbeigeführt.

Unfälle trotz Sperrung

Der Kesselberg ist täglich von 15 bis 22 Uhr für bergauffahrende Motorradfahrer gesperrt. Das hatte das Unfallgeschehen beruhigt - eigentlich. August) ein junger Mann mit seiner Aprilia am Kesselberg verunglückt war, mussten Polizei und Rettungsdienst auch am Sonntagvormittag zu einem Motorradunfall an die Bergstrecke der B11 ausrücken.

Gegen 11 Uhr war erneut ein junger Fahrer mit seiner Honda gestürzt und zog sich dabei schwere Verletzungen zu. Nach Angaben der Beamten hatte der 23 Jahre alte Hondafahrer aus Saulgrub (Landkreis Garmisch-Partenkirchen), der bergab unterwegs war, in einer Linkskurve die Kontrolle über seine Maschine verloren, war gestürzt und anschließend gegen den Unterfahrschutz einer Leitplanke geprallt.

Mit schweren, aber nicht lebensgefährlichen Verletzungen wurde der Mann nach Erstversorgung vom BRK-Rettungsdienst in die Unfallklinik Murnau transportiert. Am Motorrad und an der Leitplanke entstand ein geschätzter Gesamtschaden von 5000 Euro.

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