Kesselbergstraße für Motorradfahrer zeitweise gesperrt

Die Kesselbergstrecke zwischen Kochel- und Walchensee wird auch in diesem Jahr für Motorradfahrer zeitweise gesperrt. Bereits seit 1978 wird die Befahrung des Kesselbergs, also der kurvenreichen Gefällstrecke zwischen Kochel- und Walchensee, für Motorradfahrer mit immer wieder wechselnden Maßnahmen eingeschränkt.

Dauerhafte Einführung der Regelung ab 2025

Wie das Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen mitteilt, tritt die Regelung ab dem 1. April 2025 wieder in Kraft. Aus diesem Grund wird die Regelung nun dauerhaft eingeführt und gilt jedes Jahr vom 1. April bis zum 31. Oktober. Demnach dürfen Biker die Auffahrt täglich zwischen 15 und 22 Uhr nicht benutzen.

Hintergrund der Entscheidung

Die Entscheidung fällt nach einer zweijährigen Testphase, die im vergangenen Oktober endete. Die Unfallkommission kam zu dem Schluss, dass sich die erprobte verkehrsrechtliche Anordnung bewährt hat. Die Zahl der Unfälle war im zweijährigen Testzeitraum deutlich zurückgegangen.

„Die Unfallzahlen mit Motorrädern gingen in den Jahren 2023 und 2024 deutlich zurück“, erklärte ein Sprecher des Landratsamts.

Allerdings war sie lange Zeit auch ein Unfallschwerpunkt. Die kurvenreiche Bundesstraße 11 am Kesselberg zählt seit Jahrzehnten zu den beliebtesten Strecken für Motorradfahrer in der oberbayerischen Alpenregion. „In den allermeisten Fällen waren die Motorradfahrer die Verursacher der Unglücke“, betonte der Landratssprecher.

Vor der Einführung der täglichen Sperrzeiten galt bereits ein Fahrverbot an Wochenenden und Feiertagen.

Information und Umleitung

Um Motorradfahrer frühzeitig auf die Sperrung aufmerksam zu machen, werden die bestehenden Hinweisschilder beibehalten. Aus Schlehdorf und Benediktbeuern kommende Biker werden bereits an den Ortseingängen von Kochel am See durch nichtamtliche Schilder informiert. Zusätzlich werden Umleitungsmöglichkeiten angezeigt.

Reaktionen und Perspektiven

Einst Ort legendärer Bergrennen, ist die Strecke über den Kesselberg seit Jahrzehnten Zankapfel zwischen Bikern und Befürwortern immer strikterer Motorradsperrungen. »Die zeitlich begrenzte tägliche Sperrung der Bundesstraße für Motorradfahrer über ein halbes Jahr hinweg ist aus Sicht der Unfallkommission verhältnismäßig«, so Georg Fischhaber, Leiter der Verkehrsbehörde im Landratsamt, laut einer Pressemitteilung.

Auch wenn sich viele Motorradfahrer vernünftig verhielten, bleibe die Tatsache bestehen, dass 91 Prozent der schweren Unfälle auf der Strecke von Motorradfahrern verursacht würden.

Die tageszeitliche Sperrung der Kesselbergstraße ist zunächst bis zum 31. Oktober 2024 befristet.

Trotz der positiven Entwicklung am Kesselberg gab es auch negative Begleiterscheinungen. Dadurch ist es laut Polizei aber zu einem sogenannten „Verdrängungseffekt“ gekommen. Die Biker hat es ans Sudelfeld im Rosenheimer Landkreis gezogen.

Zwischen der Kreisstraße RO 52 und der Landkreisgrenze Miesbach hat es in den letzten Jahren zwei tödliche und viele schwere Motorradunfälle gegeben. Jetzt reagiert die Polizei auch an dieser Gefahrenstelle. Vom 30. April bis Ende Oktober wird täglich von 11 bis 21 Uhr die Fahrtrichtung Bayrischzell für Motorräder gesperrt.

Baustellen und Verkehrseinschränkungen im Sommer

Die bei Motorradfahrern beliebte Strecke der B11 über den Kesselberg hat diesen Sommer über eine Engstelle, an der der Verkehr nur einspurig vorbeifließen kann. Die Arbeiten dauern bis Oktober. Der Verkehr wird einspurig an der Baustelle vorbeigeführt.

Die weitreichendsten Auswirkungen auf den Verkehr dürfte die Erneuerung einer Stützwand am Kesselberg haben. Sechs Monate wird deswegen auf der B11 bei Kochel eine Ampelregelung gelten - also die gesamte Badesaison und weit in die Wandersaison hinein.

Die Bauarbeiten am Kesselberg beginnen laut dem Staatlichen Bauamt Weilheim am Dienstag, 10. Juni, und dauern voraussichtlich bis Oktober. „Im Bereich der letzten 180-Grad-Kurve vor Kochel von Urfeld kommend befindet sich eine talseitig angeordnete Stützwand aus dem Jahr 1979“, teilt die Behörde mit.

Die etwa 85 Meter lange Stützwand verhindert das talseitige Abrutschen des Straßenkörpers. Weil Verschiebungen der Wand um bis zu zehn Zentimeter talabwärts festgestellt worden seien, müsse diese Stützwand durch einen Neubau ersetzt werden.

„Zur Verhinderung einer erneuten Verschiebung wird die betroffene Stützwand mit sogenannten Pfählen direkt mit dem unter der Straße liegenden Felsen verbunden“, schreibt ein Behördensprecher. Die Arbeiten erfolgen unter einer halbseitigen Straßensperrung, der Verkehr auf der B11 wird einspurig mit Ampelregelung über die verbleibende bergseitige Fahrspur an der Baustelle vorbeigeführt.

Anpassung der Streckensperrung und Testphase

Die Anpassung der Streckensperrung und die Testphase zwischen dem 1. April 2023 und dem 31. Oktober 2024 waren eine direkte Reaktion auf die Unfallstatistik. Die zeigte, dass die meisten schweren Unfälle am Nachmittag und Abend passieren. Daher entschied sich der Landkreis für ein neues jährliches Fahrverbot für Motorräder.

Folgendes gilt seit Januar 2025:

  • Das Motorrad-Fahrverbot betrifft konkret die Strecke von Kochel in Richtung Walchensee
  • Das Motorrad-Fahrverbot gilt jährlich zwischen 1. April bis 31. Oktober
  • In diesem Zeitraum gilt das neue Motorrad-Fahrverbot von Montag bis Freitag zwischen 15:00 und 22:00 Uhr
  • An Wochenenden und Feiertagen ist das bestehende ganztägige Motorrad-Fahrverbot zwischen 22:00 und 15:00 Uhr aufgehoben.

Unterm Strich: Es gilt zwischen Kochel am See in Richtung Kesselberg täglich ein Fahrverbot für Motorräder zwischen 15:00 Uhr und 22:00 Uhr.

Georg Fischhaber, Leiter der Verkehrsbehörde im Landratsamt: "Die zeitlich begrenzte tägliche Sperrung der Bundesstraße für Motorradfahrer über ein halbes Jahr hinweg ist aus Sicht der Unfallkommission gleichzeitig verhältnismäßig. Sicherlich verhalten sich viele Motorradfahrer vernünftig auf der Straße, aber Fakt ist eben auch, dass sich Unfälle mit Motorrädern zu 78 Prozent zwischen 15 und 22 Uhr ereigneten. Schwere Unfälle wurden zu 91 Prozent von Motorradfahrern verursacht. Da kann und darf man aus unserer Sicht nicht länger zuschauen."

Frühere Maßnahmen zur Entschärfung der Strecke

Seit dem 17. Juni 1978 ist die aktuelle Streckensperrung auf der B 11 südwärts ab Kochel am See in Kraft. Immer wieder wurde in dieser Zeit versucht, die unfallträchtige Strecke zu entschärfen. Die Geschwindigkeit ist schon lange auf 60 km/h begrenzt. 2014 baute der Landkreis die umstrittenen Rüttelstreifen an.

Die senken per se nicht das Tempo, sondern sollen vor Kurven den Fahrkomfort senken, um so die Geschwindigkeit zu verringern. Genützt hat das wohl wenig, denn 2018 wurden die Streifen wieder entfernt, da laut Behörde kein Rückgang der Unfallzahlen festgestellt wurde. Geblieben sind hingegen die zusätzlich montierten Mittelleitschienen mit Warnbaken, die das Schneiden und Überholen in Kurven weiterhin unterbinden sollen.

Unfallzahlen und Verlagerung des Problems

Laut Landkreis ereignen sich in den Sommermonaten pro Jahr im Schnitt 30 mittelschwere sowie schwere Unfälle. Doppelt so viele Unfälle in der Nähe: 75 Prozent davon sollen von Motorradfahrern verursacht sein, obwohl Krafträder in diesem Zeitraum nur gut 13 Prozent Anteil am Gesamtverkehr auf dieser Strecke hätten.

Mit der Testphase gingen die Unfälle um 40 Prozent runter, allerdings verdoppelten sich in der gleichen Zeit die Unfallzahlen gut 70 Kilometer entfernt, am Sudelfeld.

Im gleichen Zeitraum nahmen laut Polizeipräsidium Oberbayern die Belastungen des Motorradverkehrs an anderen Strecken deutlich zu.

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