Die Kette ist ein entscheidendes Element für den Antrieb eines Motorrads. Eine korrekte Einstellung und regelmäßige Wartung sind essentiell für Sicherheit, Leistung und Lebensdauer. Dieser Artikel bietet eine detaillierte Anleitung, wie man die Kette eines Motorrads richtig spannt und pflegt.
Warum ist die richtige Kettenspannung wichtig?
Eine falsch eingestellte Kettenspannung kann schwerwiegende Folgen haben:
- Zu straffe Kette: Verschleißt schnell, beschädigt das Getriebeausgangslager und kann im schlimmsten Fall reißen.
- Zu lockere Kette: Schlägt, beschädigt den Kettenschleifer und kann abspringen, was zu einem Sturz führen kann.
Es ist daher entscheidend, die Kettenspannung regelmäßig zu überprüfen und korrekt einzustellen.
Vorbereitung zum Kette spannen
Bevor mit dem Spannen der Kette begonnen wird, sind einige Vorbereitungen notwendig:
- Motorrad aufbocken: Das Hinterrad muss sich frei drehen lassen. Ideal ist ein Hauptständer oder Montageständer.
- Getriebe: Leerlauf einlegen.
- Reinigung und Schmierung: Die Kette sollte vor dem Messen gereinigt und geschmiert werden.
- Kettenschleifschutz prüfen: Der Kettenschleifschutz vorne auf der Schwinge muss ausreichend dick und unbeschädigt sein.
Wenn vorhanden, zum Kette spannen das Motorrad auf den Hauptständer oder den Montageständer stellen.
Kettendurchhang messen
Der Kettendurchhang, auch Kettenspiel genannt, ist das Maß, um das sich die Kette zwischen den Ritzeln nach oben und unten bewegen lässt. Die korrekte Messung ist entscheidend für die richtige Einstellung. Die Angabe zum richtigen Durchhang der Kette findest du in der Bedienungsanleitung deines Motorrades. Falls du diese nicht mehr hast, gibt es einen Tipp weiter unten.
Schritte zur Messung
- Straffste Stelle finden: Drehen Sie das Hinterrad, um die straffste Stelle der Kette zu finden. Ketten sind nie absolut gleichmäßig gelängt.
- Messpunkt bestimmen: Die Messung erfolgt in der Mitte des unteren Kettentrumms zwischen Ritzel und Kettenrad.
- Durchhang messen: Drücken Sie die Kette nach oben und unten und messen Sie den Abstand zwischen den Extrempunkten.
- Soll-Durchhang überprüfen: Vergleichen Sie den gemessenen Durchhang mit den Herstellerangaben.
Für das beste Ergebnis sollte das Hinterrad aufgebockt werden.
Kettendurchhang bei verschiedenen Ständern
- Hauptständer: Bei voll ausgefedertem Hinterrad ist der Kettendurchhang größer.
- Seitenständer: Durch das Einfedern des Hinterrads ist die Kette kürzer.
Kettenspannung einstellen
Das Einstellen der Kettenspannung erfordert Sorgfalt und Präzision. Hier sind die Schritte, um die Kettenspannung korrekt einzustellen:
- Radachsenmutter lösen: Nun die Radachsenmutter gegen den Uhrzeigersinn mindestens 2 volle Umdrehungen lösen.
- Kontermuttern lösen: Die Kontermutter der Kettenspanner ebenso 2-3 Umdrehungen lösen.
- Kette spannen: Nun mittels der Ketten-Spannerschrauben gleichmäßig links und rechts anhand der Markierungen (meist Kerben) nach Herstellervorgaben die Kette spannen (Kettenspiel meist 2,5-4,5 cm).
- Kettenflucht prüfen: Wichtig ist, das die Motorradkette zwischen Ritzel und Kettenrad in einer Flucht liegt. Das gelingt grob mit den Markierungen an der Schwinge. Mit dem Laser-CAT von der Fa. Profi Products kann man die Kette extrem genau in Flucht bringen und somit den Verschleiß minimieren.
- Kontermuttern fixieren: Nach korrekt erfolgtem Kette spannen nun die Ketten-Spanner Schrauben mittels Konterschrauben wieder fest fixieren.
- Achsmutter anziehen: Danach die Achsmutter nach vorgegebenem Drehmoment anziehen und den Kettendurchhang an mehreren Stellen kontrollieren.
Wichtig: Achten Sie darauf, dass die Kettenspannung auf beiden Seiten des Hinterrads gleichmäßig ist. Die Hinterachse muss laut den Drehmomentangaben des Herstellers festgedreht werden.
Hinweis: Manche Motorräder sind mit Markierungen ausgestattet, die anzeigen, ob die Kette zu locker oder zu straff ist. Vergleiche diese Markierungen mit den Angaben des Herstellers.
Kettenflucht prüfen
Die Kettenflucht ist entscheidend, damit Hinter- und Vorderrad in einer Spur laufen. Eine exakte Kettenflucht ist die erste Voraussetzung, damit Hinter- und Vorderrad in einer Spur laufen.
- Markierungen an der Schwinge: Mit solchen beidseitigen Markierungen auf der Schwinge kannst du die Flucht des Hinterrads prüfen.
- Laser-Tool: Am besten mittels Kettenflucht-Tester "L-Laser Cat" der Fa. Profi Products, denn vorzeitiger Verschleiß entsteht neben einer zu strammen Kettenspannung auch durch eine schlechte Kettenflucht.
Wartung und Pflege
Regelmäßige Wartung und Pflege sind entscheidend für die Lebensdauer der Kette. Hier sind einige Tipps:
- Reinigung: Entfernen Sie regelmäßig Schmutz und Ablagerungen mit einem geeigneten Kettenreiniger.
- Schmierung: Verwenden Sie ein hochwertiges Kettenspray, um die Kette zu schmieren.
- Zustand der Ritzel prüfen: Sie - eines am Motor und eines am Hinterrad - führen die Kette und sorgen dafür, dass die Leistung auch wirklich das Hinterrad erreicht. Auch hier kannst du die Bedienungsanleitung zur Hand nehmen, falls du dir nicht sicher bist, worauf du achten sollst.
- Regelmäßige Kontrolle: Überprüfen Sie die Kette regelmäßig auf Verschleiß und Beschädigungen.
Hinweis: Viele Versuche, sie als Form des Sekundärantriebes zum Hinterrad abzulösen, scheiterten. Einzig die Kardanwelle war von Beginn an mit dabei - sauber, sicher aber schwer, teuer und leistungsmindernd. Erst der Zahnriemen ist eine harte Konkurenz für beide Systeme und wird bei weiterer Entwicklung gute Chancen haben, am Markt noch erfolgreicher zu sein, als er es jetzt schon ist.
Tipp: Je nach Fahrleistung und Schmutzauftrag regelmäßig die vordere Kettenabdeckung demontieren (Deckel über dem Ritzel), wenn die Kenntnisse dazu ausreichen.
Kettenverschleiß erkennen
Ein todsicheres Symptom von Kettenverschleiß ist der starke Verschleiß der Zähne des hinteren Kettenkranzes. Durch einen prüfenden Blick kann man starken Verschleiß anhand der "Haifischzahn" - Bildung erkennen. Die Zähne sind spitz abgenutzt und der Zahngrund entsprechend wie ein Ei (elyptisch) ausgeweitet.
Hinweis: Sollte das Spiel von Meßpunkt zu Meßpunkt stark unterschiedlich sein, dann muß das gesamte Kettenkit erneuert werden, da die Kette dann schon unterschiedlich gelängt ist.
Alternativen zur Kettenschmierung
Für Vielfahrer lohnt es sich auf jeden Fall, einen Scottoiler oder ähnliches zu installieren (ca. 100,- bis 300 €), der gleichmäßig besonders haftfähiges Öl auf die Kette leitet und sie so zuverlässig schmiert.
Kettensatz wechseln
Ein Kettenverschleiß ist der starke Verschleiß der Zähne des hinteren Kettenkranzes. Durch einen prüfenden Blick kann man starken Verschleiß anhand der "Haifischzahn" - Bildung erkennen. Die Zähne sind spitz abgenutzt und der Zahngrund entsprechend wie ein Ei (elyptisch) ausgeweitet.
Gekauft wird eine O oder XW-Ringkette der richtigen Dimension und Länge mit einem Nietschloss. Außerdem wird darauf geachtet, ob Kettenrad- und Ritzel nicht auch getauscht werden müssen. Dann kauft man sich das Ganze als Kettensatz - je nach Qualität und Dimension zwischen 120- und über 200 €.
Die Kette der hier gezeigten FZS mit offener Leistung (95 PS) hat in diesem Jahr mit 38.000km ihr Leben hinter sich. Deshalb habe ich die Winterpause genutzt, um einen Komplettsatz hoher Qualität zu kaufen und zu montieren. Ich habe mich für eine D.I.D 5/8 x 3/8 Kette entschieden. Ist der Verpackungskarton mit einem E und VM gekennzeichnet, hat man es mit einer Endloskette in verstärkter Ausführung zu tun. Darauf sollte man grundsätzlich achten - auch bei Maschinen unter 50 PS.
Häufige Fehler vermeiden
- Zu straffe Spannung: Kann Lager und Kette beschädigen.
- Ungleichmäßige Spannung: Führt zu ungleichmäßigem Verschleiß.
- Falsche Kettenflucht: Erhöht den Verschleiß und beeinträchtigt das Fahrverhalten.
Tabellarische Zusammenfassung
| Aspekt | Empfehlung |
|---|---|
| Kettenspannung | Regelmäßig prüfen und einstellen (20-40 mm Durchhang) |
| Reinigung | Regelmäßig mit geeignetem Reiniger |
| Schmierung | Hochwertiges Kettenspray verwenden |
| Kettenflucht | Prüfen und ggf. korrigieren |
| Verschleiß | Kette und Ritzel regelmäßig prüfen |
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