Die Motorradkette ist ein unverzichtbares Bauteil, das die Kraft vom Motor auf das Hinterrad überträgt. Damit das Motorrad sicher und effizient läuft, ist es wichtig, dass die Kette richtig gespannt und korrekt ausgerichtet ist. Eine korrekt gespannte Kette sorgt nicht nur für eine optimale Kraftübertragung, sondern schützt auch die Komponenten des Antriebsstrangs vor übermäßigem Verschleiß.
Die Bedeutung der richtigen Kettenspannung
Ein paar Millimeter zu viel oder zu wenig Spiel können bereits negative Auswirkungen haben:
- Zu lockere Kette: Kann vom Ritzel abspringen und verursacht ein unruhiges Fahrverhalten. Zudem verschleißt die Kette schneller.
- Zu straffe Kette: Überlastet Lager, Ritzel und die Kette selbst, was den Verschleiß beschleunigt und die Lebensdauer der Teile verkürzt.
Darüber hinaus spielt die Ausrichtung der Kette eine ebenso wichtige Rolle.
Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Spannen der Kette
- Stelle das Motorrad auf den Hauptständer oder benutze einen Montageständer, um das Hinterrad frei drehbar zu machen.
- Die meisten Hersteller geben in der Bedienungsanleitung an, wie viel Spiel die Kette haben sollte - üblicherweise zwischen 20 und 30 Millimeter.
- Miss den Durchhang der Kette in der Mitte zwischen dem vorderen und hinteren Ritzel, indem du die Kette nach oben und unten drückst.
- Löse die Achsmutter des Hinterrads mit dem passenden Schlüssel. Achte darauf, sie nur so weit zu lockern, dass sich das Rad leicht bewegen lässt.
- Die Kettenspanner befinden sich auf beiden Seiten der Schwinge. Drehe die Einstellschrauben vorsichtig, um die Spannung der Kette zu erhöhen oder zu verringern.
- Damit die Kette gerade läuft, muss das Hinterrad exakt ausgerichtet sein. Die meisten Motorräder haben Markierungen an der Schwinge, die dir dabei helfen, die Position des Rads auf beiden Seiten zu überprüfen. Stelle sicher, dass die Markierungen auf beiden Seiten identisch sind. Dies garantiert, dass das Rad parallel zur Schwinge steht und die Kette nicht schiefläuft.
- Nachdem du die Kettenspanner justiert hast, überprüfe erneut den Kettendurchhang.
- Ziehe die Achsmutter wieder fest, sobald die Kettenspannung und Ausrichtung stimmen.
- Drehe das Hinterrad von Hand, um sicherzustellen, dass die Kette gleichmäßig läuft und keine ungewöhnlichen Geräusche entstehen. Wenn alles in Ordnung ist, kannst du das Motorrad wieder absenken.
Das Spannen und Ausrichten der Kette an einem Motorrad ist eine wichtige Wartungsaufgabe, die regelmäßig durchgeführt werden sollte, um eine optimale Leistung und Sicherheit deines Motorrads zu gewährleisten. Achte dabei immer darauf, dass die Kette nicht nur korrekt gespannt, sondern auch sauber und gut ausgerichtet ist, um unnötigen Verschleiß zu vermeiden und eine reibungslose Fahrt zu genießen.
Die richtige Kettenpflege
Genauso wichtig wie die richtige Kettenspannung ist es, die Kette gut zu pflegen.
Funktion der Motorradkette
Bei Motorrädern gehört die Kette zu den häufigsten Arten der Kraftübertragung zwischen Motor und Hinterrad. Im Gegensatz zu den ebenfalls im Motorradbau verwendeten Alternativen Kardan oder Zahnriemen ist sie leichter und günstiger in der Produktion. Vor allem aber hat sie den besten Wirkungsgrad, sodass der Leistungsverlust bei der Kraftübertragung geringer ausfällt. Allerdings gilt das nur für eine korrekt gespannte und geschmierte Kette. Außerdem lässt sich das Übersetzungsverhältnis durch Verwendung anderer Kettenräder relativ einfach verändern.
Der größte Nachteil der Kette ist klar: ihre Pflege- und Wartungsintensität. Es hat immer wieder Versuche gegeben, eine vernünftige und vor allem saubere Lösung zu finden. Im Regelfall läuft die Kette mehr oder weniger ungeschützt. Deshalb muss sie regelmäßig (alle 300 bis 500 km) nachgeschmiert sowie gegebenenfalls gereinigt werden - eigentlich ein Witz im 21. Jahrhundert.
Aufbau der Motorradkette
Motorradketten sind Präzisionsprodukte. Die Toleranzen bei der Fertigung liegen auf sehr hohem Niveau, und die verwendeten Materialien sind von bester Qualität. Die mittlerweile fast ausschließlich verwendeten sogenannten O-Ring-Ketten, die es seit Mitte der 70er-Jahre gibt, sorgen dank Dichtringen hinter der Kettenlasche für eine ausreichende Lebensdauerschmierung von Hülse und Kettenbolzen - allerdings nur im Innern der Kette. Der ungeschützte äußere Teil (Rollen, Ritzel und Kettenrad) benötigt ausreichende Schmierung, für die der Fahrer zuständig ist.
Motorradkette richtig schmieren
Die Fliehkraft - verbunden mit Regen und Straßendreck - sorgt dafür, dass eine Kette im Laufe der Zeit "blank" wird und dann in kürzester Zeit verschleißt. Während eine gut geschmierte Kette bis zu 40.000 km halten kann, sind ungepflegte Exemplare oft schon nach weniger als 10.000 km am Ende ihrer Lebensdauer. Eine regelmäßige (Sicht-)Kontrolle ist daher unverzichtbar. Ist die Kette blank oder weist gar Rostspuren auf, greift man zum Kettenspray, das die Kette nicht nur vor Korrosion schützt, sondern auch die Reibung erheblich reduziert. Damit es gut haften kann, muss die Kette allerdings sauber und trocken sein.
Zur besseren Verteilung des stark haftenden Schmiermittels haben die Hersteller ein Treibmittel beigemengt, das sich nach kurzer Zeit verflüchtigt. Versierte Tourenfahrer schmieren deshalb am Ende einer Tour sofort die dann noch warme Kette und können so am nächsten Morgen direkt starten. Wer dagegen unmittelbar nach dem Schmieren losfährt, verteilt den Schmierstoff wunderbar auf Felge, Bremsscheibe und Reifen.
So wird die Kette richtig geschmiert:
- Motorrad auf Haupt- oder Montageständer stellen.
- Reifen und Felge am besten mit Pappe etc. abdecken.
- Kettenspray auf die Innenseite der Kette am unteren Kettenstrang sprühen. Das Rad dabei von Hand durchdrehen.
- Pappe wegwerfen und fertig.
Wichtig: Nicht die Menge macht’s - lieber öfter nachschmieren!
Motorradkette richtig reinigen
Verbinden sich Schmutz und Staubpartikel mit dem Kettenfett, wird die Schmierwirkung reduziert. Verschmutzte Ketten sollten daher gereinigt werden. Leichte Verschmutzungen lassen sich ganz gut mit einer Kunststoffbürste entfernen.
Bei grober Verschmutzung sollte man weder Dampfstrahler noch Bremsenreiniger (greift die O-Ringe an) verwenden, sondern einen speziellen Kettenreiniger benutzen.
Spannen der Motorradkette
Eine Kette dehnt sich im Laufe ihres mehr oder weniger langen Lebens kontinuierlich. Grund ist der Verschleiß an den Reibflächen der Bolzen. Deshalb muss die Spannung auch regelmäßig geprüft werden. Schon der Begriff "Kette spannen" ist irreführend, denn es geht dabei um die Einstellung des sogenannten Durchhangs, d. h. des Spiels, das die Kette haben muss. Dieses Spiel ist notwendig, damit die Schwinge sich beim Ein- und Ausfedern bewegen kann, während eine schräg gestellte Schwinge die Distanz zwischen Ritzel und Kettenrad verkürzt. Erst wenn Getriebeausgangswelle, Schwingendrehpunkt und Radachse auf einer Achse liegen, erreicht der Kettentrieb seine maximale Länge. Ist die Kette zu stramm gespannt, wird die Federung beeinträchtigt und die Kette übermäßig gedehnt.
Die Folge sind ein extrem hoher Verschleiß und erhöhter Druck auf das Getriebeausgangslager, das dadurch vorzeitig seinen Geist aufgeben kann. Im schlimmsten Fall kann die Kette sogar reißen. Eine zu locker gespannte Kette peitscht und schlägt beim Gaswegnehmen, verschleißt dadurch schneller und kann im Extremfall ab- oder überspringen - also ist auch hier Vorsicht geboten.
Zur Prüfung des korrekten Durchhangs wird die Maschine wieder aufgebockt, damit das Hinterrad gedreht werden kann. Da ältere Ketten oft ungleichmäßig gelängt sind, prüft man den Durchhang in der Mitte des unteren Kettenstrangs durch Anheben der Kette mit den Fingern. Dann wird das Rad immer ein Stück weitergedreht und die Prozedur so lange wiederholt, bis die strammste Stelle gefunden ist. Die ist maßgeblich für die Spannung.
Der Durchhang der Kette ist theoretisch in Ordnung, wenn er bei aufgebockter Maschine ca. 3 bis 5 cm beträgt. Exakte Angaben stehen im Fahrerhandbuch oder sind bei manchen Typen auch auf der Schwinge aufgeklebt. Aber Vorsicht: Spiel muss die Kette auch im voll belasteten Zustand noch haben. Je nach Bauart der Maschine ändert sich das Spiel mit oder ohne Beladung mehr oder weniger stark. Da hilft nur ausprobieren. Aber wer auf der Maschine sitzt, kann ohne akrobatische Verrenkungen ganz schlecht den Durchhang prüfen - man braucht eine zweite Person. Wichtig: Für Urlaubsfahrten mit Gepäck muss der Durchhang unbedingt bei beladener Maschine geprüft und gegebenenfalls korrigiert werden.
Nachspannen der Motorradkette
- Zum Nachspannen Motorrad aufbocken und Gang einlegen.
- Zuerst muss die Hinterachse an der Seite der Achsmutter gelöst werden. Sie ist oft sehr fest angezogen (meist 100 Nm und mehr!). Gegebenenfalls vorher Splint etc. entfernen.
- Zum Spannen der Kette muss das Hinterrad nach hinten gezogen werden (das passiert automatisch durch die Kettenspanner), zum Lockern nach vorne gedrückt werden (dazu muss man nach dem Lockern der Kettenspanner kräftig gegen das Rad drücken/schlagen).
Durch gleichmäßiges Drehen der Schrauben auf beiden Seiten spannt/lockert man die Kette. Dabei abwechselnd in Vierteldrehungen vorgehen, bis die Kette den korrekten Durchhang erreicht. Auf der Schwinge und den Kettenspannern sind (mehr oder weniger exakte) Markierungen angebracht. Wichtig ist, dass die Markierungen auf beiden Seiten der Schwinge in der gleichen Position stehen, sonst läuft das Rad schief und beeinträchtigt das Fahrverhalten. Wer den oft etwas ungenauen Markierungen nicht traut, kann zwecks Kontrolle der Flucht auch zu einem Kettenlaser greifen. Ein Laserstrahl auf den Kettenlaschen macht eine fehlerhafte Einstellung sichtbar.
Nach dem Festziehen der Achsmutter (Drehmoment beachten) unbedingt noch einmal die Kettenspannung kontrollieren. Nicht verzagen, falls es auf Anhieb nicht klappt, das Spannen hat viel mit Erfahrung und Geduld zu tun - Übung macht den Meister!
Verschleißprüfung an der Motorradkette
Eine Kette ist verschlissen, wenn sie sich ungleichmäßig oder zu stark gelängt hat. Manche Motorräder verfügen über einen praktischen Verschleißanzeiger. Wenn die Markierung im roten Bereich angekommen ist, muss die Kette gewechselt werden. Alternativ kann man prüfen, ob man die korrekt gespannte Kette im Stand mit einem Schraubenzieher am Ende des Kettenrads mehr als drei Millimeter vom Kettenrad abheben kann.
Auch die Zähne des Kettenrads werden durch Abrieb im Laufe der Zeit immer dünner, es entstehen sogenannte Haifischzähne. Die können dann den enormen Kräften nicht mehr standhalten und verbiegen sich, sodass die Kette im Extremfall über das Kettenrad rutscht. Aber nicht immer zeigt sich der Verschleiß so deutlich.
Seitliches Spiel, verdrehte Bolzen, defekte Rollen sowie auffällig schwer- oder leichtgängige Kettenglieder oder defekte Dichtringe erfordern ebenfalls eine sorgfältige Sichtprüfung. In allen Fällen muss der komplette Kettensatz (also Kette, Ritzel und Kettenrad) getauscht werden.
Benötigte Materialien für die Kettenpflege
- Kettenspray
- Abdeckschutz
- Kettenreiniger
- Bürste/Kettenmax
- Werkzeug für das Lockern der Hinterachse/Kettenspanner
- Liftstick/Heber
- Handschuhe
- Reparaturanleitung
Wie oft sollte die Motorradkette gereinigt werden?
Etwa alle 2.000 Kilometer, bei im Gelände bewegten Fahrzeugen deutlich häufiger, sollten spezielle Reinigungsmittel zum Einsatz kommen - scharfe Reinigungsmittel oder gar Benzin können die O-Ringe zerstören.
Wie lange ist die Einwirkzeit von Kettenspray?
Das Motorrad-Kettenspray sollte minimal 30 Minuten ablüften. Grundsätzlich gilt: lieber häufig und sparsam auftragen als selten und dick. Zu viel Kettenfett fliegt ohnehin in kürzester Zeit davon und verklebt Ketten- und Ritzelkasten, Felgen und Reifen.
Was passiert, wenn die Motorradkette zu locker oder zu straff ist?
Zu lockere Ketten (meist alte, übermäßig verschlissene Exemplare) können von den Kettenblättern/Ritzeln rutschen, sich verklemmen und dadurch abreißen. Zu straff gespannte Ketten halten die extrem hohen Belastungen vor allem bei Einfederbewegungen des Fahrzeugs nicht dauerhaft aus und bersten. Außerdem leiden die Getriebeausgangslager sehr stark unter zu straffen Ketten, was im Extremfall zu Undichtigkeiten und Getriebeschäden führt.
Wann muss eine Motorradkette getauscht werden?
Eine Motorradkette ist spätestens dann reif für den Müll, wenn sie sich bis zu den Zahnspitzen des Kettenblatts abheben lässt oder sich sogenannte Haifischzähne gebildet haben. Kette, Ritzel und Kettenrad übrigens immer gemeinsam tauschen, sonst verschleißen die neuen Teile viel schneller, das kurzfristige Sparen entpuppt sich als Reinfall.
Wie straff muss die Motorradkette gespannt sein?
Wie die Kettenspannung richtig eingestellt wird und wie viel Spiel vorhanden sein muss, steht in jedem Fahrzeughandbuch. Enduros mit viel Federweg benötigen meist viel mehr Spiel im Antriebsstrang als Sportbikes. Als Faustregel gilt jedoch immer: In voll eingefedertem Zustand muss noch minimales Spiel vorhanden sein, dann kann nichts schiefgehen.
Kettenspannung per Exzenter oder Schieber
Es spielt keine Rolle, ob die Verstellung per Exzenter oder Schieber erfolgt, die Einstellwerte müssen auf beiden Seiten der Schwinge identisch sein, damit das Rad nicht schief steht. Skalierungen zu beiden Seiten an der Schwinge und den Exzentern beziehungsweise Schiebern erleichtern diese Aufgabe.
Nach der Justage gehören alle Schrauben festgezogen und die Kettenspannung geprüft - und zwar an mehreren Stellen (Rad drehen), da der Kettendurchhang gelegentlich variieren kann. Das liegt entweder an unterschiedlich verschlissenen Kettenabschnitten oder an nicht völlig zentrisch gebohrten Kettenblättern.
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